Unsere Vergnügungen

Wenn uns mal, dieweil wir jung,

Lustig stimmt ein guter Trunk,

Kläfft die ganze Meute.

Ach, die Tage eilen so,

Und nicht jeder Tag ist froh,

Wir sind arme Leute.

Narren nennt uns jedermann,

Aber keiner denkt daran,

Daß, um muntere Lügen

Durchzuführen, mancher friert

Und vor Hunger fast krepiert,

Das ist kein Vergnügen.

Kälte, Durst und Hunger sind

Untertan dem Königskind,

Das sie Dichter heißen.

Armer König, oft gäb er

Dreimal seine Krone her,

Hätt er was zu beißen.

Manchem, dem einst ferne Zeit

Sicherlich ein Denkmal weiht,

Blühen späte Rosen;

Wißt ihr, was ihm besser frommt,

Bis es einmal dazu kommt?

Ein Paar neue Hosen.

Wenn uns heller Glanz bestrahlt,

Mord und Tod! Der ist bezahlt,

Ist’s mit Wucherzinsen.

Und der Magen, der uns zwackt,

Schlägt zu der Musik den Takt,

Hört sie an mit Grinsen.

Die ihr heimlich trinkt und zecht,

Die ihr täglich regelrecht

Dreimal findet Futter,

Macht nicht immer gleich Skandal,

Wenn auch unsereiner mal

Kommt zu Brot und Butter.

Wenn ihr schon ein Lied wo hört,

Das euch die Verdauung stört,

Nur kein Donnerwetter!

Trockne Kehle, leerer Bauch,

Lieben Wein und Braten auch,

Nicht bloß Lorbeerblätter.

Nehmt es drum nicht zu genau,

Heute ist der Himmel blau,

Also lustig heute!

Ach, die Tage eilen so,

Und nicht jeder Tag ist froh,

Wir sind arme Leute.

Unsere Rache

Der Bourgeois nährt sich, still verdaut

Der brave Bursche dreimal täglich,

Und wenn er einen Dichter schaut,

Dann lacht er, denn dem geht es kläglich.

Mitunter dreht der Spieß sich um!

Dann sieht der Dichter mit Behagen

Vorm Schauspielhaus das Publikum

Sich um die Eintrittskarten schlagen.

Und wenn sodann das Spiel beginnt,

Kann man sie leicht zu Tränen rühren;

Wie selten merkt das große Kind,

Daß wir es an der Nase führen.

Doch vom Theater abgesehn,

So haben wir noch gegen Laffen,

Die protzig stets im Wege stehn,

Verschiedene andere gute Waffen.

Wir haben Leben, Lieder, Lust,

Den Geist, der schweres leicht erledigt,

Den großen Stolz in unserer Brust,

Der uns für manches Leid entschädigt.

Dann gab ein Gott uns zweierlei,

Um dessentwegen sie uns hassen:

Wir sind noch jung, wir sind noch frei,

Keck dürfen wir uns sehen lassen!

So’n Kerl wirft sich in Positur:

„Oho, Ihr seid die rechten grade,

Ihr lauft ja auf die Groschen nur,

Mein Kind, das ist für Euch zu schade.“

Wir mögen saure Früchte nicht,

Dein Töchterlein ist dürr zum Lachen,

Das Geld verschönert kein Gesicht,

Es kann auch keinen Busen machen.

Die Vogelscheuche! neben ihr

Sitzt Deine Frau, Du armer Schächer;

Ein flüchtiger Blick ..., hier sitzen wir,

Und sie errötet hinterm Fächer.

Das Mägdlein halte Dir getrost,

Denn wir sind Kenner, unsere Zunge

Verschmäht solch kümmerliche Kost — —

Wir haben Deine Frau, mein Junge!