Unsichtbare Gegenwart

Schnell flieht die Zeit, unsichtbar schreitet

Sie neben uns im tiefen Sande,

Du hörst, wie sie durch Nesseln gleitet,

Behend, im fliegenden Gewande.

Wir ahnen sie an jeder Stelle,

Gehorchen ihr, was sie auch heische,

Es zeigt uns ihren Hauch die Welle,

Es mahnt an sie der Wurm im Fleische.

Ein leises Knistern in den Wänden,

Schon ist der harte Stein zersprungen,

Ein leichter Druck von frechen Händen,

Schon ist die Fäulnis eingedrungen.

Wir brauchen nicht bei Wind und Wetter

In alle Tiefen erst zu reisen,

Wir brauchen keine Zifferblätter,

Darum die schnellen Zeiger kreisen.

Und keine Glocke braucht zu schlagen,

Die unerbittlich uns verkündet

An hellen und an dunkeln Tagen,

Daß ewig sie enteilt und schwindet.

Sie wandelt stumm auf Deinem Pfade,

Doch nie wird sie Dein Blick erreichen,

Wenn neben Dir sie am Gestade

Den Mondschein pflückt aus stillen Teichen.