Der Sieger

Olympia! Mir sprengt das Herz die Brust!

Bin ich derselbe, der ich gestern war?

Der Vollkraft ungeheure Daseinslust

Durchströmt, entzückt, erhebt mich wunderbar.

Vor meinem Volke steh ich, mein Gesang

— Mir selbst ein Wunder — strömt sich hell und voll

In Harmonien aus von Erzes Klang,

Mit meinen Lippen spricht der Gott, Apoll!

Mein Lied verklingt. Kein Laut. Dann, ein Orkan,

Rast wilder Beifall die Arena hin,

Und tausend Kränze regnen in die Bahn,

Und meine Harfe ist die Siegerin.

Ich, aus dem letzten Dorfe, bin der Held,

Von meinem Haupte strahlt des Ruhmes Glanz

Und füllt mit neuer Pracht die dunkle Welt,

Und meine Stirne krönt der Lorbeerkranz.

Nun, Jünglinge, begleitet mich nach Haus.

Nicht nehm ich eher diesen Kranz vom Haupt

Und ziehe eher nicht die Toga aus,

Bis meinen Ruhm mein ernster Vater glaubt.

Durch Hellas ziehn wir hin, und jauchzend weckt

Mein Preis das Land und eilt, uns meldend, vor.

Dort liegt das Dorf am Hügel hingestreckt;

Und dies ist meines Vaterhauses Tor.

Aufsteht der Vater von der Ofenbank.

Er sieht mich an, die Toga, meinen Kranz;

Vor seinem Auge schrumpft mein Überschwang,

Wird grau des Volkes bunter Farbenglanz.

Ich streife langsam von dem Haupt die Zier

Und von den Gliedern ab das Festgewand.

Er spricht: „Du weiltest lange weg von hier.

Die Sichel nimm. Das Gras ist fast verbrannt!“

Hugo Salus