Tod des Perikles
Auf seinem Sterbebett lag Perikles,
Und das Bewußtsein schien ihm schon entflohn.
Die Freunde, die ihm übrig waren noch,
Umstanden ihn und sprachen unter sich,
Die Größe rühmend seiner Tugenden
Und seiner einst fast unbeschränkten Macht.
Bewegt auch zählten sie die Taten auf,
Die er vollbracht, wie jedes Siegesmal,
Das er Athen zu ew’gem Ruhm erschuf.
Doch er im Scheiden noch verstand sie wohl,
Und plötzlich auch ergriff er selbst das Wort:
„Ich wundre mich, daß ihr an mir gelobt,
Was nur das wandelbare Glück verleiht
Und was mit manchem andern ich geteilt,
Dagegen ihr verschwiegen unbedacht,
Was mich bedünkt allein des Neides wert:
Daß meinetwegen nie ein Bürger je,
Zum Tod verfolgt, in Trauer sich gehüllt.“
Martin Greif
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