Ein Dichter in der Schlacht von Salamis

Die Drachen, die so arg gedräuet,

Die Perserschiffe sind zerstreuet,

Versenkt, vernichtet — Hellas frei

Vom Joche fremder Tyrannei,

Die ruhmgekrönten Kämpfer bringen

Den Göttern dar ein festlich Spiel

Und heil’ge Opfer; Lieder klingen

Und Wagen donnern an das Ziel.

Wer ragt hervor dort aus der Menge,

Die Züge schön, doch ernst und strenge?

Der grüne Lorbeer schmückt ihn sehr,

Die frische Wunde schmückt ihn mehr;

Ein Dichter ist es, doch die Waffen

Ergriff er auf des Landes Ruf;

Ein Held kann Heldenbilder schaffen

Wie Äschylus, der Bücher schuf


GRÖSSERES BILD

Sein Auge folgt mit Wohlgefallen

Dem schönsten von den Knaben allen,

Die zierlich, mit gelenken Knien,

Im Chore den Altar umziehn.

Ahnt wohl der Mann mit innrer Wonne

— Von Neid sind solche Seelen frei —

Daß, der da schwebt, die neue Sonne,

Daß Sophokles der Knabe sei!

Zur selben Stunde, wie wir lesen,

War eines Sohns ein Weib genesen;

Der Vater hebt ihn auf und spricht:

„Dich grüßt der Freiheit Morgenlicht.

Mut, teures Weib! Wir alle haben

Nun hinter uns die Zeit des Wehs.

Die Götter segnen meinen Knaben!“

— Das Kindlein war Euripides.

Ja, wenn die Götter einmal segnen,

Dann strömt es, wie wenn Wolken regnen

Im Wetter, überschwenglich auch;

Nichts halb zu tun ist Götterbrauch.

Sieg, Freiheit, Ruhm — für künft’ge Tage

Voll Glanz ein dreifach Unterpfand.

Das war — wer hält ihm denn die Wage? —

Der schönste Tag von Griechenland.

Wilhelm Fischer