Bücherbesprechungen
Dr. Jäger und Dr. Schulze, Wanderkarte Mitteldeutschland. Herausgegeben vom Sächsischen Verkehrsverband, Leipzig, Gellertstraße 10. Preis 0.50 Mark. Der Hauptwert dieser Karte, die sich zum Ausarbeiten von Wanderungen in dem Gebiet zwischen Wittenberg und Karlsbad, Erfurt und Zittau recht gut eignet, zumal die Entfernungen zwischen den einzelnen Orten und die Steigungen reichlich und ordentlich angegeben sind, wenn sie natürlich auch beim Wandern selbst die amtlichen Karten nicht ersetzen kann, liegt darin, daß sämtliche Orte mit Jugendherbergen kräftig blau unterstrichen sind. Wer je nach dem Jugendherbergsverzeichnis sich eine Tour zusammengestellt hat, wird ermessen können, welche zeitraubende Arbeit ihm von den Verfassern der Karte abgenommen worden ist. Da auf der Rückseite sämtliche bei den wichtigsten Bahnstationen (auch der Vorstädte der Großstädte) aufliegende Sonntagskarten mit Angabe der Kilometer verzeichnet sind, nützt die Karte auch den Wanderern, die nicht dem Herbergsverband angehören. Sie finden in dem unentgeltlich beigegebenen Hotelverzeichnis eine Fülle von Übernachtungsgelegenheiten.
Dr. Kurt Schumann.
»Das Deutsche Haus« von Paul Ehmig, 3. Band – 5. und 6. Buch – ist soeben bei Ernst Wasmuth, Berlin, erschienen. Somit ist in glücklichster Weise dieses großzügig angelegte Werk zum Abschluß gebracht worden. Die künstlerischen Bedingungen des deutschen Hauses, Anlage, Aufbau, Hauskörper, Innenraum und Garten werden in tiefgründiger Weise vom Standpunkte des schaffenden Künstlers behandelt. Der dritte Band ist ebenso wie seine Vorgänger hervorragend ausgestattet und mit 131 wertvollen Abbildungen illustriert. Wir empfehlen allen Baulustigen wie Freunden der nationalen künstlerischen Kultur das Buch aufs wärmste, aber auch den Jüngern der Baukunst. Ist es doch frei von der in technischen Gebieten allzu üblichen schematischen Behandlung der Aufgaben, betont es doch immer wieder die Notwendigkeit, die Erfahrungen der Alten zu benützen und die Bedürfnisse aus ihnen zu entwickeln. Alles in allem eine bedeutsame Weiterentwicklung der in den letzten Jahren erschienenen Veröffentlichungen ähnlichen Charakters –, auf die vom Deutschen Bund Heimatschutz herausgegebenen Grundlagen für das Bauen in Stadt und Land, von Steinmetz, Berlin, und die sechs Bücher vom Bauen Ostendorfs sei hier noch hingewiesen. –
Daß dem Siedlungsproblem, Reihenhaus und Bebauungsplan umfangreiche Teile des Buches gewidmet sind, mag hervorgehoben werden, aber auch, daß die künstlerische Gestaltung des Hausinneren in Verbindung mit den Gartenräumen unter Beibringung schönen Abbildungsmaterials mit besonderer Liebe behandelt ist.
Paul Goldhardt.
Heimatscholle von Franz Blanckmeister, 214 Seiten gebunden in Halbleinen 2.50 Mark, Dresden, Franz Sturm & Co. Das Vogtland, der entlegenste Gau unserer sächsischen Heimat, ist noch lange nicht so bekannt, wie es wünschenswert wäre. Da ist ein Buch mit Dank zu begrüßen, das sich die Aufgabe stellt, das Vogtland zu schildern, wie es war und wie es ist. Ein Sohn der vogtländischen Erde, der Verfasser der »Sächsischen Kirchengeschichte« und des Deutschen »Familienlebens« Franz Blanckmeister in Dresden, gibt uns hier ein schönes, abgerundetes Bild vogtländischen Lebens, wie er es als Knabe und Jüngling von den Fenstern der Endegasse in Plauen geschaut hat. Denn es sind Jugenderinnerungen, die uns hier geboten werden. Mit großer Anschaulichkeit werden Land und Leute geschildert. Die Doppeltürme Plauens steigen auf. Wie Momentphotographien treten die Eltern und Verwandten, sowie zahlreiche Originale aus Stadt und Land vor das Auge. In der Kinderstube hebt sich der kleine Sonderling von den Geschwistern ab, der seine kleinen Schwestern und Brüdern neckt, aber nicht geneckt sein will, der seine Habseligkeiten einsiegelt, damit sie nicht Schaden leiden, der auf einer Schlittenfahrt wie durch ein Wunder gerettet wird. Die Kinderspiele, das Straßenleben, die Tierwelt der Heimat, die Schule, die Kirche, alles spiegelt sich in dieser deutschen Jugend wieder, nicht zuletzt die Weltereignisse von 1866 und 1870, wie sie das stille Städtchen berührten. Das ist ein Buch, an dem nicht nur die Vogtländer, sondern alle ihre Freude haben werden, die unser Volk lieb haben. Das bei allem Ernst humorvoll geschriebene Buch löst eine wohlige Stimmung im Leser aus, es ist darum ein Buch für unsre Zeit.
Hans Siegert, Zwei Wege. Ein Roman aus dem Erzgebirge. Verlag Wittig und Schobloch, Dresden-Wachwitz. Nachdem Max Geißler den deutschen Büchermarkt mit einer Anzahl sogenannter Erzgebirgsromane bereicherte, tritt jetzt der bekannte Leipziger Erzgebirgsschriftsteller Hans Siegert mit einem »Roman aus dem Erzgebirge« auf den Plan. Richtiger hätte es heißen mögen »Aus dem oberen, ja obersten Erzgebirge«, denn Hans Siegert ist schon der Schilderer eines kleinen Gebietes, der der Walddörfer und ihrer Bewohner in nächster Umgebung des Fichtelberges gewesen. Wie das Leben dieser Waldleute arm an äußeren Ereignissen ist, so besticht auch die vorliegende Geschichte nicht durch romanhafte Gestalten und eine bewegte Handlung; aber aus jeder Zeile spricht die Liebe des Verfassers zu seiner Heimat. Das Kleinste erscheint ihm wichtig, das Bescheidenste erwähnenswert. Köstlich geraten sind die Schilderung der Taufe und des Verfassers eigene Seminarerinnerungen. Das Lesen des sehr empfehlenswerten Buches wird vor allem der heranwachsenden Jugend von Nutzen sein.
Max Wenzel.
Gustav Wolf: Das norddeutsche Dorf, Bilder ländlicher Bau- und Siedlungsweise im Gebiet nördlich von Mosel und Lahn, Thüringer Wald und Sudeten (222 Seiten mit 141 Netzätzungen und 20 Strichätzungen – R. Piper & Co. Verlag, München 1923). Dieses köstliche Buch ist der letzte Band einer Reihe, die in drei Bänden »Die schöne deutsche Stadt« und »Das deutsche Dorf« umfaßt. Wir möchten wohl wünschen, daß ein besonderer Band neben dem süddeutschen und dem norddeutschen auch das mitteldeutsche Dorf, besonders das sächsische behandele, denn Sachsen ist in dem Wolfschen Buche nicht gerade hervorragend bedacht, und in dem Quellenverzeichnis sind die Werke von Wuttke, Hennig, Karl Schmidt, Gruner u. a. nicht genannt, auch z. B. unsere charaktervollen erzgebirgischen Wehrkirchen nicht erwähnt. Aber trotzdem können wir dem Buche des kunstreichen Architekten nur warme Anerkennung mit auf den Weg geben. Es behandelt nach zwei einführenden Kapiteln die Bauernhausformen Ost- und Mitteldeutschlands sowie Nordwestdeutschlands, das Altsachsenhaus, das Westfalen-, das Ostfriesen-, das Nordfriesenhaus, Grotdör, Döns und Pesel, die Siedlungen, die Dorfkirchen und die Erstellung des dörflichen Gesamtbildes. Treffliche Sachkunde vereinigt sich hier mit warmfühlendem Herzen. Wolfs tiefgehende Liebe zu deutscher Eigenart spricht zu unserem Herzen und wird jedem, der das deutsche Dorf, das deutsche Bauernhaus, die deutsche Dorfkirche in ihrer Mannigfaltigkeit und Vielgestaltigkeit, in ihrer Zweckmäßigkeit und in ihrer bodenständigen Kraft noch nicht kennen sollte, einen reichen Einblick in deutsches Wesen und in deutsche Ausdrucksform geben. Mit eindringlichen Worten wendet sich Wolf an die deutschen Architekten, die Baubehörden, die kirchlichen Maßgebenden, um in ihnen wiederzuerwecken, was uns verlorengegangen ist. Gedanken Sohnreys, Mielkes, Schultze-Naumburgs haben das Buch mannigfach befruchtet, aber das Ganze ist Wolfscher Eigenbau. Ein paar Sätze aus seinen Darlegungen mögen hier Platz finden: »Ihr Bauern, Pfarrer und Baumeister: werdet bescheiden! Laßt das Kirchenbauen, wenn Ihrs nicht müßt. Und wenn Ihrs müßt: fragt nicht nach Stil, nicht nach Ornamenten, wollt nicht zuviel, tut das Notwendige mit den einfachsten Mitteln. Laßt Euch von Armut und Elend, die uns der Weltkrieg aufgezwungen, wieder jene einfachen aber starken Raum- und Bauformen bringen, die einst, aus Not geboren, zur Tugend wurden in den Gipfelbauten unserer Dörfer: in den alten Dorfkirchen.« – Anderthalbhundert Abbildungen, darunter eine Anzahl lehrreicher Fliegeraufnahmen sind dem Wolfschen Buche beigegeben.
Paul Schumann.
Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei
Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden