Die Pappel, ein Beitrag zur Gestaltung der Landschaft durch den Menschen

Von Th. Leuschner, Dresden-Loschwitz

»Die Gestaltung der Landschaft durch den Menschen« ist der Inhalt eines dreibändigen Werkes von P. Schultze–Naumburg, das zu der Reihe seiner »Kulturarbeiten« gehört.

Aus der Beschäftigung mit dem Buche ist dieser Beitrag entstanden, ich habe einmal ernstlich an mir ausprobieren wollen, wozu der Verfasser durch einen Satz in der Vorrede anregen will: »Aber der Zweck dieser Bücher ist ja nicht, das Thema enzyklopädisch zu bearbeiten, sondern sie wollen erzieherisch wirken; und wenn die Bilder einigen die Augen öffnen für gewisse Fälle, so wird es ihnen ein Leichtes sein, in der Natur unzählig andere selbst zu entdecken.« –

Unter den sechs Formen, durch die der Mensch als Herr der Welt bei seinem heißen Bemühen, die Erde seinen Zwecken dienstbar zu machen, ihr Angesicht – die Landschaft – umgestaltet, nennt Schultze–Naumburg, an zweiter Stelle die forst- und landwirtschaftliche Nutzbarmachung der Pflanzenwelt. Hierbei gibt er dem Baum, weil er starke raumfüllende Eigenschaften hat, einen bedeutenden Anteil, der Landschaft ein besonderes Gepräge zu verleihen. Er unterscheidet hier drei Verwendungsarten: Die Massenansammlung im Wald und Park; die rhythmische Auswertung in Allee, Reihe und Gruppe; die Betonung der Einzelerscheinung. –

Ich habe nun bei meinem Hineinschauen in die Landschaft den Versuch gemacht, eine Zeitlang mir recht enge Grenzen zu ziehen. Ich glaubte, durch ein inhaltlich kleines Beobachtungsfeld inmitten der reichen sinnverwirrenden Fülle der pflanzlichen Erscheinungsformen die Ursachen für die eigenartige Wirkung – ich weiß nicht, ob ich sagen soll die Schönheit – eines Landschaftsbildes empfinden zu können. Ich suchte mir zunächst solche Fälle heraus, wo der Baum durch seine rhythmische Verwendbarkeit und als selbständiges Einzelwesen in der Landschaft gestaltet, um dann zuletzt auf einen Baum mich zu beschränken: auf die Pyramiden- oder italienische Pappel, wie sie allgemein im Volksmund genannt wird.

Ich muß sagen, daß der Baum mir dabei lieb geworden ist, vielleicht ist er auch schon vorher mir etwas wert gewesen im Gegensatz zu denen, die ihn nie recht haben leiden können. Die Pappel hat nicht viele Freunde. Die einen behaupten, daß sie ein landfremder Baum sei und darum in unsere Landschaft nicht recht passe. Anderen wird sie zu schnell alt, sie sterbe zu zeitig von oben herein ab, die dürren, abgeschälten Spitzen wollen ihnen an dem sonst grünen Baum nicht gefallen. Manche wollen den Baum nicht in der Nähe des Hauses haben, er ziehe den Blitz an, bei großem Sturme beschädigten die sich stark biegenden Äste das Dach. Und nicht die wenigsten betonen mit wichtiger Miene, sie sauge mit ihren weitgehenden Wurzeln über Gebühr Garten- und Feldland aus. Und die letzten geben einem Baume nur Daseinsrecht, wenn sein Holz zu etwas taugt, der Pappel sprechen sie einen Holzwert ab. Darum sind im Laufe der Jahrzehnte viele Pappeln unter der Axt und der Säge gefallen und in der Landschaft für immer verschwunden. Das müssen wir unbedingt als einen Verlust bedauern.

Vielleicht tragen meine Worte und Abbildungen ein wenig dazu bei, ihre Ehre zu retten, die und jene Pappel – ob alt oder jugendfrisch – vor gewaltsamem Tode zu bewahren, vielleicht auch dazu, daß man sich ihrer Art von neuem besinnt und hier und da an Stelle eines anderen Baumes eine Pappel pflanzt. Gar mancher Naturfreund wird sich freuen, daß er die Pappel in seinem Garten, an seinem Hoftor, an der Gabelung seines Feldweges noch als einen herrlich gewachsenen Baum erlebt. Sie wächst schneller als viele andere Bäume, an deren voller Formenschönheit sich vielleicht erst sein Sohn, wenn ihn das Schicksal auf dem väterlichen Anwesen bleiben läßt, erfreuen kann. Und so manches Denkmal in freier Flur, in blumenreicher Anlage hätte in Kürze treue Wächter und Wegweiser bekommen, wenn man beim Anpflanzen mit an die Pappel gedacht hätte. Wir hängen hierbei gern an Tradition. Stamm und Krone einer Eiche stehen mit der Zeit einem Erinnerungsmal gut zu Gesicht, aber seine Erbauer erleben oft nicht seine ganze gewünschte und im Entwurf gezeichnete Schönheit.

Da war Napoleon I. ein anderer! Mit dem Sinn eines genialen Feldherrn und Ingenieurs hatte er in der Pappel den Baum gefunden, der durch seine aufragende Gestalt ihm von Ferne seine Heerstraßen anzeigen würde. Er ließ darum Pappeln links und rechts der militärisch wichtigen Straßen anpflanzen. Dadurch ist die landläufige Meinung entstanden, daß er es gewesen sei, durch den die Pappel aus dem Süden zu uns heraufgekommen sei. Das ist falsch! Auf alten, vor seiner Zeit entstandenen Bildern können wir den leichtbelaubten Baum schon finden.

Und ist die Pappel nicht auch ein prächtiger Begleiter auf der Landstraße, der uns hüben und drüben die Aussicht gelten läßt? Die im Kriege auf Rußlands uferlosen Straßenbreiten haben marschieren müssen, haben die Leere der Landschaft um sich herum empfunden. Und wenn es nur hier und da ein aufragender Baumfinger gewesen wäre, der dem Auge eine weg- und zeitmessende Sicht gegeben hätte!

Freilich Schatten, weit und kühl umfassend, gibt der Baum nicht, er legt bei tiefstehender Sonne davon nur lange schmale Streifen über die Straße bis hinüber ins Feld. Will der Wanderer bloß im Schatten seine Straße ziehen? Dann bleib im heißen Sommer zu Hause!

Dafür aber läßt er die Sonne, unterstützt vom streichenden Wind, recht schnell die Straße trocknen, wenn Regengüsse und Tauwetter sie weich und schmutzig gemacht haben. Wird unser Baum in den nächsten Zeiten seine Freunde finden, die ihn wieder als Wegbegleiter pflanzen lassen? Wohl nicht! Er bringt nichts an klingender Münze hinein in die Kassen der Gemeinden und des Staates. Mehr als sonst muß es jetzt wohl heißen: »Obstbäume an die Straßen!« Ganz recht, aber dann auch an die richtigen Straßen, an Straßen zweiter und dritter Ordnung, an Feld- und Verbindungswege! Hier stören sie nicht den Verkehr, namentlich bei der Erntezeit, hier werden sie selber auch nicht vom Verkehr beschädigt.

Ich sollte also meinen, unsere Pappel hätte doch ein wenig Anrecht, bei Straßenanpflanzungen nicht übersehen zu werden. Wir in Loschwitz haben den Versuch gemacht, eine neuangelegte Straße mit Pappeln zu bepflanzen; und ich glaube, die beabsichtigte Wirkung ist erreicht worden und ermutigt so zur Nachahmung. Es muß nicht alles vom »Krämerstandpunkt« aus gesehen und geleitet werden. Aber immerhin: die Pappel wird sich auch weiterhin nur an den Naturfreund wenden müssen, dem eine Freude an Schönheit mehr gilt als Geld. –

Unser Baum hat eine Seele, eine Eigenart der Erscheinung, ein Eigenleben gegenüber den Kräften der Natur. Hoch, senkrecht zielt sie empor, nur die Waldbäume im tiefen Grund überholen sie in ihrer Sehnsucht nach dem Licht, an Kraft und Höhe. Und dabei welche Regelmäßigkeit in ihrem Aufbau von Ast zu Ast, jeder Zweig ist eine Wiederholung des im Alter vorausgegangenen in Gestalt und im Aufstreben. Leicht beweglich spielen die rutigen Zweige und langgestielten Blätter im Winde. Und im Sturm gibt sie, die noch junge lebensfrohe, klug nach, sie beugt sich in ihrem Wipfel tief vor seiner Gewalt, um sich nicht von dem rohen Gesellen abrackern, zerbrechen oder gar ausheben zu lassen. Und wenn alles Wetter vorüber ist, steht sie, die von des Himmels starkem Atem so frei und wild umwoben wurde, noch ein wenig nachzitternd da: stolz, aufrecht. Und wenn die Pappel – alt geworden – langsam Jahr für Jahr von oben herein abstirbt, wenn sich ihr Wipfel nicht mehr spielend bewegt, wenn die starken Äste oben blattlos und grau in die Luft stehen: ist der Baum darum unschön geworden? Soll er da gar die Landschaft schänden? Nein, er gibt einen leisen, besinnlichen Ton von Vergehen und Scheiden hinein in den vollen Zusammenklang von schöpferischem Licht, von lockenden Farben und schwellendem Wachstum in Feld und Flur. Du sollst das Leben im Gefühle der Lust bejahen, auch wenn du seine Vergänglichkeit siehst! –

Mag es sein, daß ich in meiner Freude vielleicht zuviel aus mir hinein in den Baum trage. Was schadet das? Es ist stets ein frohes, beglückendes Tun, sich in die Wesenseinheit eines Baumes einzufühlen und seinem Ton nachzusinnen, den er durch sein Dasein in dem Zusammenklang von so vielen Erscheinungen eines Landschaftsganzen hören läßt. Der Ausgang wird hierbei immer verschieden sein, dafür sind wir Menschen: ein jeder findet in der Natur immer wieder das, was er in sich hat. So darf ich wohl auch glauben, daß die Gedanken, die ich meinen »Pappelbildern« mitgeben will, nicht getadelt oder belächelt werden.

[Abbildung 1]: Die Schanzpappeln bei Hosterwitz. Das Bild reizt die Phantasie, die Bäume über den Rand hinauswachsen zu lassen bis hinauf in die beweglichen Spitzen. Aber auch ohne das – sie stehen da an dem bescheidenen Brückchen wie zwei altgewordene Wächter, fest und zäh mit dem ebenen Erdreich verwachsen, in dem ihre Wurzeln weithin verankert sein mögen. So trotzig hart im Ganzen gesehen, und doch so leicht nachgebend in Zweigen und Blättern. Ich gab dieses Bild als Erinnerung einem Manne mit, der von uns aus Amt und Würden schied in den Ruhestand, zu jener Zeit, als im deutschen Lande so viele Geister wankend wurden und sich wandelten, und schrieb darunter: »Wir wollen den beiden Bäumen gleichen. Sich treu bleiben! Der Glaube an uns ist das Geheimnis alles Erfolgs. Ein Gott in dir befiehlt mit seiner Macht! So nur reißt sich der Strebende aus den Niederungen des Geschickes und der Zeit empor zur Höhe inneren Glücks. Ich bin durch mein Herz, was ich bin!«

[Abbildung 2]: Das Fährhaus bei Sommershausen. Im Frankenland am Main, in der Heimat von Casparis viel gelesener Geschichte aus dem Dreißigjährigen Kriege »Der Schulmeister und sein Sohn«.

Zwei Altgewordene, die ihre Dienste schlicht und recht, wer weiß wie lange, getan haben. Sie werden nicht mehr gebraucht, eine steinerne Brücke mit weitbogigen Öffnungen und gerader Fluchtlinie hat die beiden für immer abgelöst, abseits stehend sehen sie der neuen Zeit mit ihrem Verkehr zu.

Eine alte Zeit hat das Haus für den Fährmeister und seine Knechte gebaut, gehoben auf ein hohes Bollwerk, um es gegen die stoßenden Eisschollen zu schützen. Seine stattliche Höhe, sein mächtig gebrochenes Dach zeigten von weitem schon dem Fremden, dem Fuhrmann die Stelle, wo der Weg hinüber zum anderen Ufer führt.

Und die Pappel hat dann mit der Zeit dabei wacker geholfen. Sie wuchs über den First hinaus, bis sie zuletzt das Haus bedeutend überragte. So wurde sie noch eher als das Haus gesehen: ein Wegweiser aus weiter Sicht. Und die Schiffer begrüßten ihr winkendes Grün, wenn sie, mit schwerer Last auf Fahrt nach Frankfurt begriffen, um eine der Mainbiegungen kamen. Ihre ragende schwarze Gestalt, ein schwaches Laternenlicht in einem der Fenster, haben auch in finsterer Nacht dem Suchenden die Überfahrt gezeigt.

Abb. 1. Die Schanzpappeln bei Hosterwitz

Das Haus wurde in Sonnenschein und Regen altersbraun, und auch der Baum – gewiß so alt wie das Haus – verlor die grüne Beweglichkeit der Jugend, Stürme und kalte Nächte ließen sie von oben herab erschauern. Aber sie blieben beisammen, als ein Bild aus vergangenen Tagen. Wie lange noch? Wer geht zuerst davon?

Abb. 2. Das Fährhaus bei Sommershausen

[Abbildungen 3] und [4]: Bei Liebshausen. Eine reichgesegnete Landschaft am südlichen Rande des böhmischen Mittelgebirges: weite ebene und sanftansteigende Ackerflächen, fruchtbar, voll Weizen und Zuckerrüben; jeder kleine Weg, jede Straße mit Obstbäumen bepflanzt, selbst die Feldflächen in geradlinigen Reihen mit ihren runden Kuppen durchzogen. Wohin das Auge schaut: Fruchtbarkeit des Bodens und Fleiß der Bewohner. Aber auch eine von der Natur allein ins Großzügige, ins Gewaltige gesteigerte Landschaft: die weite wellige Ebene wird umrahmt von seltsam geformten Bergen, unter denen nur drei der bekanntesten genannt sein mögen: Hoblik, Ranneyer Berg und Milleyer Berg. Da sie vom Fuße bis oben auf den langgestreckten Gipfel nur mit einer immer kurz bleibenden, von den Schafen fortwährend abgefressener Grastrift, beinahe ohne jede Strauch- und Baumgestalt, bedeckt sind, heben sich ihre scharf umrissenen Linien und Flächen fast trotzig drohend und gerade darum den Wanderer anziehend vom weiten Horizont ab. Und in welch farbigem Duft stehen sie manchmal da, wenn Sonne und Wolken die Luft malen!

Abb. 3. Bei Liebshausen

Nun mag der Wanderer stehen, wo er will: gerade hier empfindet er jede einzelne Pappel wie ein Fanal, das aus den Tausenden von rundköpfigen Obstbäumen in die Höhe flammt und da und dort das Versteck eines Gehöftes und die eigentliche Dorfmitte deutlich anzeigt. –

Abb. 4. Bei Liebshausen

An manchen anderen Stellen des schönen unvergeßlichen Nordböhmens ist mir der Baum gerade zum freundlichen Verräter, zum willkommenen Anzeiger eines Dorfes geworden. Der Weg führte, durch allerlei Bäume und reichen Pflanzenwuchs unübersichtlich geworden, dahin, der Karte nach mußte die Ortschaft nahe sein; und siehe da, aus dem zusammengeballten Haufen von Obstbäumen grüßte der Baum entgegen, noch ein paar hundert Schritte, und aus dem Grün tauchten die bescheidenen Gehöfte auf.

Abb. 5. An der Naab bei Kallmünz

[Abbildungen 5] und [6]: An der Naab bei Kallmünz. Wenn die Bilder mit den Farben reden könnten, die das Licht der Landschaft zu geben vermag! Was waren das damals für herrliche Bäume! Sie hätten mich fortführen können in ein fremdes Land. Aber weg mit solchen Gedanken, die immer nur vergleichen wollen, die untreu machen wollen. Seien wir fröhlich, daß es doch eine deutsche Landschaft ist! Eine steile, von zerbröckelnden Felsklippen aufgebaute Talwand, graugrün das seltsame Gestein, grau verbrannt die kümmerliche Pflanzendecke, voll gelbem Staub der Weg, der, kaum gehoben, sich wieder senkt, das schwarze und doch so weiß glänzende Wasser der Naab – in der staubgeschwängerten Glut des Sonnenscheins flimmern und blinkern die kleinen Widerscheine auf den dunkelgrünen, fast ledrigen Blättern der Bäume: und dieser ganze große Reichtum hineingedrängt und aufgehäuft in einen halbwegs großen, scharf sich drehenden Bogen des rasch eilenden Flusses.

Abb. 6. An der Naab bei Kallmünz

[Abbildung 7]: Im Taubergrund vor Rothenburg. Unten an der Tauber schon leise Abenddämmerung. Oben auf der steil ansteigenden Berglehne entlang noch im Lichte die Stadt, wie ein heilig Jerusalem im deutschen Land, wie eine vieltürmige märchenhafte Burg. Es zieht den Blick immer wieder hinauf zu ihr. Und es kann keinen anderen, keinen besseren Baum geben, der das Auge hinaufleitet, an dem die Gedanken hinaufsteigen, der die Sicht in so vielen Bildern uns genießen läßt. Und dazu der Gegensatz! Unten die Bäume alt, müde, vom Zahn der Zeit zermürbt – droben die Stadt, die, noch im Schmuck der Mauern und der Türme vom alten Deutschen Reich erzählend, nicht vergeht.

Abb. 7. Im Taubergrund vor Rothenburg

Es mag genug sein mit den Bildbeigaben. Ein paar Hinweise, einige Fragen will ich noch in aller Kürze andeuten, um zum Nachsuchen anzuregen. Auf dem stillen Teile des Schillerplatzes in Blasewitz hat die Gemeindeverwaltung vor Jahren eine Reihe von Pappeln angepflanzt. Mit Recht? Oder passen die Bäume nicht her? – Der nimmermüde Strahl des artesischen Brunnens in Dresden-Neustadt läßt sein Wasser in das runde Becken eines offenen Tempelchens fallen. Um ihn herum stehen Pappeln. Sind das die richtigen Bäume? Oder hätte der Architekt wieder die runden Kugeln der Akazien des durch den Neubau im Hintergrund so recht zerstörten Straßenbildes herbeiholen müssen? – Wir schreiten langsam das Terrassenufer mit seinen architektonisch zusammengeschnittenen Bäumen herunter. Wo die Straße dann eben hinführt, stehen zur Rechten bis zur Brücke ein paar Pappelbäume, etwas dürftig und recht gealtert. Wer weiß, woher sie stammen. Ist es aber nicht so, als wenn sie die von uns verlassene Höhe des Sachsenplatzes noch einmal aufnehmen und sie in uns nachklingen lassen wollten? – In dem Gartenhof des Pillnitzer Kammergutes ragen zahlreiche Pappeln auf. Tun sie nicht das ihre damit, daß sie für uns das mittelste und älteste Wirtschaftsgebäude so ehrwürdig hinstellen, ohne dem Schnitter die Wiese zu nehmen? – Warum hat der Gartenkünstler seiner Zeit auf den freien Rasenflächen, die mit ihren farbigen Blumenbeeten das Palais im Großen Garten umgeben, in den beiden Hälften der kurzen Achse Pappeln angepflanzt? – Wer von den vielen Besuchern der Sächsischen Schweiz hat die Pappelgruppe auf dem Eisbecher bei Posta, den alten grünen Wächter an Schumanns Ziegelei in Wehlen bewundert? – Dort, wo die breite Landstraße von der Höhe heruntersteigen will nach Possendorf, muß sie eine scharfe lange Wendung machen. Hier stehen ziemlich eng aneinander eine Pappel an der anderen, als wenn sie ein durchsichtiges und doch sicheres Geländer für die rechte Straßenseite sein wollten. –

Es mag mit diesen Beispielen aus der Nähe genügen. Fast möchte ich wünschen, wir hätten ein Buch voll guter Pappelbilder beisammen, herbeigeholt aus allen Teilen unseres Landes. Was müßte das bei aller Gleichheit für eine Summe von Verschiedenheiten geben! Und ich wüßte ganz gewiß, die Bilder würden einen jeden zwingen, an dem Baume Gefallen zu finden und ihm sein Daseinsrecht als ein eigenartiges Glied in der heimatlichen Landschaft so lange wie möglich zu wünschen.

Vielleicht trägt meine kleine Arbeit ein wenig dazu bei, der Pappel ein paar Freunde hinzuzugewinnen.