Vom alten Johannisfriedhof in Leipzig

Von Dr.-Ing. Hugo Koch, Leipzig-Nerchau

Mit Eigenaufnahmen des Heimatschutzes

»Liebe und Leid« ist die hohe Melodie der Totenstätte zu allen Zeiten gewesen und hat doch so verschiedenen Ausdruck gefunden. Jahrhunderte hindurch war der Friedhof eng verwachsen mit der Kirche. Die Namen »Kirchhof«, »Gottesacker« reden eine deutliche Sprache. Nicht anders in Leipzig. Die Friedhöfe der Peters-, Thomas-, Nikolai-, Pauliner- und Barfußkirche haben freilich schon lange der Stadtentwickelung weichen müssen. Erhalten ist nur in einem Teil der Friedhof zu St. Johannis. Heute liegt er im innersten Kern der Großstadt Leipzig, einst aber vor den Toren der Stadt. Seine erste Anlage soll um 1278 erfolgt sein mit der Gründung eines Leprosen- oder Aussätzigenhospitals, das Hospital zu St. Johannis genannt, und mit der Erbauung einer, Johannis dem Täufer geweihten, Kapelle zusammenfallen. So berichtet Paul Benndorf in seinem gründlichen Buche über diesen Friedhof (Verlag von Georg Merseburger, Leipzig 1907, in zweiter Auflage 1922 bei H. Haessel), dem wir unsere geschichtlichen Daten entnehmen. Bereits 1476 wird der Friedhof vergrößert. Nach einer Verordnung vom Kurfürsten Ernst sollen von nun an alle Verstorbenen aus den eingepfarrten Dörfern, aus den Vorstädten und den Stadtteilen, deren Bewohner nicht volles Bürgerrecht besitzen, nicht mehr auf den Kirchhöfen oder in den Kirchen der inneren Stadt, sondern auf dem Gottesacker vor dem Grimmaischen Tore beerdigt werden. Durch Ratsbeschluß von 1531 bzw. 1536 wird der Friedhof zu St. Johannis allgemeiner Begräbnisplatz.

Die Anlage umfaßte zu jener Zeit den abgestumpften keilartigen Platz an der Johanniskirche, umschlossen von Mauern, die in achtundachtzig Schwibbogen für die Familienbegräbnisse, zumeist mit gemauerten Grüften, aufgeteilt waren. Gegen den Friedhof waren die Gruftkapellen mit eisernen Gittertüren abgeschlossen. Die meist unverdeckten Grüfte ließen Gewölbe und Särge sichtbar. Schon 1580 machte sich eine Erweiterung um etwa das Doppelte nötig und 1616 eine zweite, so daß nun schon 259 Erbbegräbnisse an den Mauern gezählt wurden. 1623 begann man mit der Belegung des Hospitalgartens. Dann kamen schlimme Kriegsjahre. Zwar verschonten 1631 die Tillyschen Truppen den Friedhof, aber 1637 und 1644 wurden von den Schweden bei der Belagerung Leipzigs viele kunstvolle Denkmäler und Grüfte barbarisch zerstört und fast alle Schwibbogen eingerissen. Nach 1644 ging sogar eine Zeitlang die Landstraße über die niedergetretenen Grabhügel. Eine Urkunde vom 19. August 1647 berichtet: »Des hiesigen Gottes-Ackers mit wenigen denen Nachkommen zur Nachricht zu gedenken, so ist derselbe auff zweymal (weil die Stadt am Volcke sich gemehret) erweitert worden, und zum Unterscheid der Alte, der Mittlere und der Neue Gottesacker genannt worden, welcher mit hohen Mauern, Dächern und Schwibbogen um und um gar zierliches gebauet, und mit schönen und herrlichen kostbaren Epitaphien aus Marmorsteinen, Holtzwerck und Mahlwerck, mit biblischen Gemählden, Sprüchen, Figuren, Historien und anderen Gemählden von Bildhauern, Mahlern und Künstlern herrlich geziehret gewesen; die alten Geschlechter, welche vorlängst abgestorben, die hat man nebst ihren rühmlichen Thaten und Herkommen, nach ihren alten Gebräuchen, Trachten, Kleidungen und anderen Monumentis allda finden können. In Summa, dieser Leipzigische Gottes-Acker ist so wohl erbauet gewesen, daß, wenn fremde Nationes und Völcker anhero kommen, sie denselben als ein Wunder angeschauet, und ist dergleichen Gottes-Acker an Zierath, Gebäuden und Gemählden im gantzen Römischen Reiche nicht zu finden gewesen, und ob wohl der schädliche Krieg diese Lande vielmahl betroffen, und die Stadt Leipzig zu unterschiedenen mahlen von Kaiserlichen und Schwedischen Armeen belagert worden, dadurch die Vor-Städte abgebranndt und ruinieret worden, da sich denn auch bey denen Armeen Calvinische Bilder-Stürmer befunden, welche theils denen auff dem alten Gottes-Acker befindlichen Bildnissen und Gemählden die Augen ausgestochen, Nasen und Ohren abgeschnitten und sonst verstümmelt und geschimpfet, so ist doch der Gottes-Acker an alten Gebäuden und andere Zierathen, wie auch alten Gedächtnissen stehen geblieben, biß Anno 1642, als die Königlich Schwedische Armee unter dem Herrn General Feld-Marschall Leonhard Torstensohn am 16. Oktober diese Stadt belagert und sich mit der Armee in den Gottes-Acker gelagert ...«

Nach Überwindung der Kriegsschäden wurde 1680 eine dritte Erweiterung um vierundneunzig Schwibbogen erforderlich, da die Pest in diesem Jahre nicht weniger als dreitausendzweihundertzwölf Personen dahinraffte. Eine vierte Erweiterung erfolgte 1805 und schließlich die letzte 1827. Noch einmal wurde der Friedhof durch Kriegsgreuel schwer heimgesucht. In der Völkerschlacht vom 16. bis 19. Oktober wurde er zum Lagerplatz der Verwundeten und Gefangenen. »In den Schwibbogen war das hölzerne Gevierte an den Senklöchern herausgerissen und verbrannt; in den Grüften lagen die Leichen, aus den Särgen geschüttet, mit grinsenden Schädeln umher, inmitten mancher hinabgestürzter Soldat, der da unten seinen Geist ausgehaucht hatte. Auf vielen hundert Wagen wurde der Kirchhof von dem Unflat gesäubert, und mehrere Eigentümer der Schwibbogen ließen dieselben wieder herstellen und die Leichen, so gut sich dies tun ließ, wieder in ihre Ruhestätte bringen.«

Abb. 1. Durchblick, der die Anlage der Wandstellen zeigt

Was heute vom alten Johannisfriedhof noch erhalten ist, sind die von 1628 bis 1827 geschaffenen Teile, während die übrigen, soweit sie nicht schon früher beseitigt waren, durch die Anlegung der Promenadenanlagen 1883 fielen. Zwei Jahrhunderte also sprechen aus dem noch erhaltenen Friedhofsteil und doch, welche Einheit tritt zu Tage, gegenüber der Fülle und Unklarheit der Friedhöfe im letzten Jahrhundert. Jede Erweiterung des Friedhofes ist gewissermaßen als ein Friedhof für sich aufgefaßt. Die Abmessungen sind so gewählt, daß das Ganze als ein einheitlicher Raum noch empfunden werden kann. Die Raumgrenzen ergaben die Friedhofsmauern, welche zu Erbbegräbnissen ausgestaltet sind. So ist ein Motiv durch die Jahrhunderte klar durchgeführt. Durch diese Wiederholung des einfachen Grundmotivs ist ein klarer Rhythmus gewonnen, er gibt der ganzen Friedhofsschöpfung die Ruhe und Größe, das Versöhnende, was wir auf den Friedhöfen unserer Zeit mit ihren verschiedenartigsten, individualistischen Denkmälern so schmerzlich vermissen. Das große Geheimnis aller wahren Kunst, die Einheit und Größe der Grundform ist hier gewahrt durch die Jahrhunderte – ohne den Zeitgeist zu verleugnen. Der spricht sich lebendig aus in den dekorativen Einzelheiten. An diesen noch heute erhaltenen Mauern kann man die Formenwelt von zwei Jahrhunderten verfolgen, vom ausgehenden Zeitalter der Renaissance über das Barock-Rokoko zum Klassizismus und der Neugotik des 19. Jahrhunderts.

Abb. 2. Wendler-Fockesche Gruft. Vom Ende des 17. Jahrhunderts

In der ältesten Gruft, der Ruhestätte der Familien Augustin, Schillbach und Weinedel ist das sich früher vielfach wiederholende Motiv der bescheidenen Bogenstellung auf toskanischen Säulen heute noch gut erhalten. ([Abb. 3.]) Reich ausgestattete Barockgitter grenzen die Gruft nach außen ab. An diese Gruft schließt sich das 1833 errichtete Leichenhaus an in den einfachen Formen der Biedermeierzeit, in dessen Kammer sich ein Weckapparat für Scheintote erhalten hat. An Händen und Füßen wurden Ösen und Ringe befestigt, welche durch Schnuren mit einer Rolle in Verbindung standen, die eine Weckglocke in Tätigkeit setzte.

Abb. 3. Gruft der Familien Augustin, Schillbach, Weinedel von 1687

Am Eingange zum heutigen Friedhof ist die Gruft der Familie Baumgärtner als Pavillonbau errichtet, die in Umriß und Detail ganz den barocken Geist ihrer Entstehungszeit um 1720 atmet. ([Abb. 4.]) Wohl das schönste schmiedeeiserne Ziergitter der Barockzeit ist an der Eingangstür zur Löhrschen Gruft erhalten, die um 1740 erbaut wurde und in ihren reichen Architekturmotiven schon den Geist des Rokoko charakterisiert. ([Abb. 5.]) In der klassizistischen Zeit werden die Formen einfacher. Die Friedhofsmauer erhält meist nur eine Inschriftstafel oder eine Nische mit plastischem Schmuck, wie beispielsweise die Grüfte der Familien Storch und Meißner um 1790 und Weinhold und Sixdorf um 1804.

Abb. 4. Baumgärtnersche Gruft. Um 1720

Ausgangs des achtzehnten Jahrhunderts entstand auch die Hospitalgruft, die in ihren klaren Formen so recht ein charakteristisches Beispiel der Zeit ihrer Entstehung darstellt. Sie wurde in den Jahren 1783 bis 1786 an der Westseite der ehemaligen II. Abteilung des Friedhofes auf drei eingegangenen Begräbnisstellen erbaut und diente zur Beisetzung für Ratsmitglieder, Universitätsverwandte und angesehene Bürger und Mitglieder des Adelsstandes, die bisher in der Pauliner Kirche beigesetzt worden waren. Ein schönes Beispiel der Neugotik ist in der Gruft der Familie Kistner von 1810 noch gut erhalten.

Abb. 5. Barock-Grüfte am Eingang des alten Johannisfriedhofs
Rechts die Löhrsche Gruft von 1740. Das Gitter ist jetzt entfernt

Abb. 6. Grabmal Simon Sperlings von 1714

Freilich zeigen aus dieser und der nachfolgenden Zeit manche Grabstätten deutlich die Not der Zeit und den langsamen Verfall künstlerischer Ursprünglichkeit.

Abb. 7. Jägersches Grabmal. Um 1730, 1800 erneuert

Die Erbbegräbnisse umschließen die drei Friedhofsteile. Sie geben die Grenzen für die so gebildeten Friedhofsräume. Innerhalb dieser festen Raumgrenzen kann sich die Grabmalkunst individuell an den Einzelgräbern entfalten, ohne die gewisse Einheit des Friedhofsbildes zu zerstören. Und wie aus der Umgrenzung sprechen auch aus den Einzelmalen die Jahrhunderte zu uns. Köstliche Beispiele des Barocks und Rokokos bringen in ihren anstrebenden, koketten, graziösen Formen selbst im Tode noch die Lebensfreude dieser Zeit zum Ausdruck, die Tage der Feste und des königlichen Glanzes. Das Zeitalter der Romantik zog herauf. Die teils bewußte, teils unbewußte Unbehaglichkeit und Unzufriedenheit mit den vorhandenen Zuständen, diese Art von Weltschmerz über die Verbildung und Falschheit der Zeit macht sich geltend in sentimentaler Wehmut, in dem Suchen nach einer besseren und einfacheren Lebensweise. Eine Zeit der inneren Einkehr, des Schmerzes, der Sehnsucht brach an: Das Zeitalter der Empfindsamkeit. Wo konnte sie klareren Ausdruck finden als im Friedhof, da doch Friedhofsstimmung sie im Innersten beherrschte.

Abb. 8. Poletscher Grabstein von 1806

Kindergenien, die man in der vorausgegangenen Zeit Amoretten nannte, die Genien mit der Fackel, die weinenden Grazien, die trauernden Nymphen und Dryaden, Psyche selbst, der Schmetterling als Psyche, endlich Blumenkränze, Festons und Inschriften sind die Ausdrucksmittel der Empfindung. Sie schmücken Obelisken, Pyramiden, abgebrochene Säulen, Sarkophage. Die Totenurne spielt auf einmal eine merkwürdige Rolle in der Plastik. Wir finden sie überall, nicht nur im Friedhof, verwendet, ohne daß sie irgendwie eine andere Begründung hätte, als die allgemeine Stimmung der Zeit zum Ausdruck zu bringen.

Abb. 9. Grabmal der Familie Gehricke

Wenn wir einen alten Friedhof aus diesen Zeiten betreten, so spüren wir unbewußt diese Wahrhaftigkeit im Ausdruck und werden ergriffen von der stillen Weise seines Charakters, wie alles zusammenzugehören scheint, wie nicht nur das einzelne Grab, sondern die Friedhofsgemeinschaft zu reden beginnt von der Seele, die jener Zeit innewohnte. Nicht Wissenschaft und Logik, noch weniger Originalitätssucht leiten die Künstler, sondern innige Schlichtheit als Ausdruck eines tiefen echten Gemütes. So entstehen die einfach schmucklosen Grabplatten oder die in ihrem Umriß so fein abgewogenen kubischen Steine, und wo reichere Formen auftreten, gehören sie mehr oder weniger dem antikisierenden Stil des Empire an, aus dem ja überzeugend der empfindsame Geist spricht. Hierzu kommen die intimen Reize, die die Natur im Laufe der Zeit hervorgezaubert hat. Die aus gleichem Material geschaffenen Steine sind gleichmäßig verwittert und mit der Natur eng verwachsen. Sie webt einen dichten Schleier von eigenem Zauber um diese Monumente von Stein. Die beschattenden Bäume breiten schützend ihr Blätterdach über das Ganze, der Efeu klettert schirmend am Gestein empor oder überzieht die vielfach verwendeten Grabplatten, die so feierlich wirken und bis vor kurzem so ganz von uns vergessen waren. Welch malerische Stimmung und unvergleichliche Ruhe und Anmut liegt in solchem Friedhofsbild.

Wie anders auf unseren Friedhöfen, hundert Jahre später, mit dem wirren Wald von Kreuzen, Denksteinen und prunkenden Malen in den verschiedensten Materialien, als die Denkmalkunst in die Hände betriebsamer Steinmetzgeschäfte überging. Und wie im Leben sucht auch an der Stätte des Todes einer den anderen zu überbieten, keiner nimmt Rücksicht auf den Nachbar, niemand fragt, ob er mit seinem aufwendigen Mal alles andere totschlägt, im Gegenteil, letzten Endes verfolgt man dieses Ziel. So charakterisieren diese Steinfelder unserer Friedhöfe das Zeitalter der Unkultur treffender noch als manches Straßen- und Platzgebilde der Großstadt.

Mit der Wende des Jahrhunderts haben wir die Reformierung der Grabmalkunst in Angriff genommen. Seitdem erinnert man sich wieder der Schönheiten alter Friedhöfe. Die Höhe der Denkmäler, die Größen, das Material wird vorgeschrieben. Alles mit teilweise gutem Erfolg. In formaler Beziehung ist schon manches gewonnen, in zwecklicher Hinsicht viel erreicht, die Organisation des Begräbnisbetriebes ist mustergültig. Trotz allem aber haben wir noch keinen Friedhof wieder, wie ihn uns die Vorfahren hinterlassen haben. Wir Architekten und Gartengestalter mühen uns um die Form. Der Friedhof als Ganzes aber ist erst zu bauen mit Hilfe der Gemeinschaft des Volksganzen, getragen von einem Fühlen, einem Sehnen, einem Wollen. Diese Grundlage gab einst die Religion. Wir aber sind heute vielfältig zersplittert in unseren religiösen und geistigen Anschauungen, was in allen unseren Werken der Kunst zum Ausdruck kommt. Wir werden auch keine neue überzeugende Friedhofsgestaltung erreichen, bevor wir nicht einen gemeinschaftlichen Boden der Anschauung gefunden haben, der in der Seele des Volkes Wurzel geschlagen hat. Das Friedhofsproblem ist nur zu lösen, wenn es gelingt, den Friedhof wieder eng mit der Volksgemeinde verwachsen zu lassen. Das ist im großen Zentralfriedhof nicht möglich. So müssen die Friedhöfe wie die Großstädte selbst zu Einzelgebilden aufgeschlossen werden. Die Dezentralisation scheint mir die notwendige Voraussetzung zu sein für die Gewinnung einer neuen Friedhofskultur. Und wenn wir im an und für sich zu großen Friedhof reformierend eingreifen wollen, so müssen wir vor allem eine Gliederung in klar erkennbare Einzelteile durchführen.

Abb. 10. Sommerbild vom Friedhof

Der alte Johannisfriedhof in Leipzig kann dafür manchen Hinweis geben. Hier können wir die Bedeutung der Abgeschlossenheit studieren, die wir für unseren neuen Friedhof so dringend bedürfen. Sie wird durch Schaffung nicht zu großer, als Räume noch fühlbarer Teile erreicht. Hier ist die Konzentration der Gedanken erst möglich. Wir müssen uns bewußt werden, daß die Stimmung des Friedhofes um so friedlicher wird, je größer und tatsächlicher die Abgeschlossenheit ist. Sie kann, wie im Johannisfriedhof, durch die Erbbegräbnisse ausgestaltete Mauern erzielt werden, oder auch durch Hecken, und deren beider raumbildende Wirkung durch begrenzende Baumpflanzung erhöht werden. In solch geschlossenem Raum fügen sich dann die Gedenksteine um so besser und harmonischer ein, je bescheidener und gleichartiger sie gestaltet sind. Hier wird Beratung und gelinder Zwang von hoher Warte aus heute noch notwendig sein, um Geschmacklosigkeiten, wie wir sie vielfach in den Steinlagern unserer Steinmetzbetriebe finden, zu verhindern. Dann wird sich das Friedhofsbild auch wieder zu einem harmonischen entwickeln und Ruhe und Frieden über solchem Totengarten liegen.

Möchte das Gemeinschaftsleben, das breite Volksschichten ersehnen, sich stark und mächtig entfalten. Das wird auch der Kunst förderlich sein, um so eher werden Vorschriften für den Einzelnen entbehrlich werden und unsere Friedhöfe wieder zu Stätten wahrer Volkskunst sich entwickeln. Nach welcher Richtung wir streben müssen, vermag in vielem solch alte Friedhofsschöpfung, wie der Johannisfriedhof, zu zeigen.

Schon rüttelt die fortschreitende Zeit an seinen Grundmauern. Das neue Grassimuseum rückt ihm gewaltig nahe und das Zukunftsprojekt zieht diesen Friedhof, wenn auch nach Möglichkeit weise schonend, in die Museumsanlage ein. Möchte der Geist solch alter Friedhofsstätte darum bald vielfältig lebendig werden in unseren neuen Schöpfungen, damit auch unsere Friedhöfe wieder charakteristisch Ausdruck geben von der Stimmung, die der Tod auslöst im menschlichen Gemüt.