Zum Geleite
Von Dr. Friedrich Schulze
Über einer frühen Ansicht der Stadt Leipzig in Braun und Hogenbergs Städtebuch steht 1572 die kurze schlagwortartige Charakteristik: »Leipzig, eine durch Pflege der Wissenschaft und durch Handel berühmte meißnische Stadt«; in der Universitätsgründungsurkunde Papst Alexanders V. empfing, fast zwei Jahrhunderte früher, nicht nur die Höflichkeit der Einwohner, sondern sogar die liebliche Umgebung des Ortes, mit allerdings gewohnter diplomatischer Schmeichelei, ihren Lobspruch. Der Heimatfreund von heute, der auch die Sachlichkeit liebt, tritt mit bescheidenerem Anspruch auf. Er erkennt, daß zwar die geistig-merkantile Regsamkeit der Leipziger durch die Jahrhunderte geblieben ist; aber er weiß auch, daß der Natur wie den Menschen die lässige Grazie des deutschen Südens fehlt, – den Menschen insbesondere deshalb, weil sie zu sehr vom Arbeitstempo erfaßt werden. Doch wie wir diesen Eigencharakter der Bewohner nicht ändern können, vielleicht nicht einmal missen wollen, so sollte von uns meer- und gebirgshungrigen Großstädtern auch der Reiz unserer Auenlandschaft nicht übersehen werden. Und schließlich: schön oder nicht schön, es ist für uns die Heimat.