II. Vornamen in appellativischer Verwendung für Tiere und Pflanzen.
Von jeher hat der Deutsche in enger Vertrautheit mit der Tierwelt, zunächst natürlich mit den Tieren seines Hauses, aber ebenso mit solchen des Waldes, nützlichen und schädlichen, gestanden. Die Tiersage offenbart das innige Verhältnis zwischen Mensch und Tier auch dadurch, daß dieses einen menschlichen Namen trägt. Das männliche Pferd heißt allgemein Hans (bekannt war vor Jahren »Der kluge Hans«), die Stute Liese oder Lotte; ein Dackel wird wohl auch Seppl gerufen. Freilich sind dies gewissermaßen Eigennamen wie im Tierepos, aber der Übergang zum Gattungsbegriff ist außerordentlich leicht gegeben. Auch der »Matz« war ursprünglich Name eines Vogelindividuums mit Haustierrechten, eines Kanarienvogels oder zahmen Stares. Durch Bedeutungserweiterung wurde die Bezeichnung auf jeden Star – Starmatz – und jeden kleineren Vogel übertragen: Piepmatz (Wandelung dieses Begriffs: Der kriegt einen Piepmatz ins Knopfloch = einen Orden, du hast wohl einen Piepmatz (Vogel)?) Sogar Ungeziefer wird von den Kindern als Matzeln bezeichnet. Der Papagei heißt allgemein Lore oder Lorchen. Rabe und Krähe tragen in Zwickau den Namen Jakob, die Dohlen heißen vielerorts Klas, die Rotkehlchen in der Lausitz wohl auch Rotkätel. Besonders zahlreich sind die Benennungen des Sperlings: bei den Franzosen Pierrot und Pierette, bei den Niederdeutschen Jochen, Johann Klappstert, Dackpeter. Das Schwein heißt Kuntz, auch Suse, Heinz ist der Kater, dann auch das männliche Kaninchen (vogtländisch Hàànz). Nicht belegt für Sachsen ist Hermann als Name des Ziegenbocks. Der Pariser ruft den Bären des Zoologischen Gartens Martin; Martine ist das weibliche Kaninchen; auch andere Tiere heißen im französischen nach dem heiligen Martin.
Naturgemäß ist die Zahl der Pflanzen mit menschlichen Namen weit geringer; erwähnt seien nur »Das fleißige Liesel« = eine lange blühende Topfpflanze und »Der gute Heinrich« = Chenopodium.