G
Gabler, Christoph August. Architekt. Geb. 6. Juni 1820 in Reval; gest. 6. März 1884 daselbst. Zögling der Petersburger Akademie, wurde 1838 mit der silb. Medaille ausgezeichnet und 1839 mit dem Range eines freien Künstlers als Pensionär des Wegebaukorps entlassen. 1844 zum Hilfsarchitekten bei der estländischen Gouvernements-Baubehörde ernannt; 1859 zum Gouvernementsarchitekten befördert. Sein Hauptwerk ist die Johanniskirche in Reval.
Inland 1844 S. 404; 1859 S. 440. G. v. Hansen: Die Kirchen und ehem. Klöster Revals, 1885 S. 80. Industrieztg. 1877 Nº 2. Anzeiger für Libau und Umgegend 1885 Nº 4.
Gaehtgens, Ernst Hermann. Maler. Geb. 5. Oktober 1872 in Nauditten bei Doblen in Kurl., trat in die Kunstschule in Berlin und nach Ablegung des Zeichenlehrerexamens in die dortige Kunstakad. Er malt Bildnisse und Genrebilder und hat mehrere farbige Steinzeichnungen geschaffen. Tätig in Mitau.
Gahlnbäck, Johann Leopold. Architekt und Architekturmaler. Geb. 21. Oktober 1855 im Pastorat Pyha in Estland, absolvierte 1879 die Akad. in Petersburg und bereiste zu weiterer Ausbildung Italien, Frankreich und Holland. 1885–1890 als Gehilfe des Prof. Messmacher beim Bau des Museums der Baron Stieglitzschen Zeichenschule in Petersburg. Zur Zeit Lehrer an diesem Institut. Zu seinen grösseren Bauten gehören: Das Greisenheim der evangel. Gemeinde in Petersburg. — Das Asyl und Diakonissenhaus der reform. Gemeinde daselbst. — Das evang. Kinderheim. — Die Schule der reform. Gemeinden und das Haus Kriwzoff in Petersburg.
Nach Autobiographie.
Gavél, Charlotte Margarethe Elisabeth v. Genremalerin. Geb. 16. Februar 1833 in Livland; gest. 28./16. November 1894 in München. Empfing ihre künstlerische Ausbildung in München und war Mitgl. der dortigen Künstlergenossenschaft. Es gibt von ihr mehrere Genrebilder.
Gebhardt, Franz Karl Eduard v. Historienmaler. Geb. 13. Juni 1838 im Pastorat St. Johannes in Estland als Sohn des dortigen Pastors, kam nach dem Besuch der Domschule zu Reval 1855 auf die Petersburger Akad., verliess diese aber schon 1858, um die Kunstschule in Karlsruhe zu besuchen, in die er nach einer Reise durch Holland und Belgien, und nach einem Studienaufenthalte in Tirol, eintrat. Aber schon 1860 siedelte er nach Düsseldorf über, wo er Schüler von Wilh. Sohn wurde, mit dem ihn bald warme Freundschaft verband. Von Düsseldorf aus unternahm er wiederholt Reisen durch Deutschland, die Niederlande, Frankreich und Oberitalien. Am 11. März 1874 wurde er an die Stelle von Th. Hildebrandt in das Lehrerkollegium der Düsseldorfer Akad. berufen und neben Röthing mit der Leitung der mittleren Malklasse betraut; 1875 erhielt er die Ernennung zum Professor. Gebhardts ausserordentliche Bedeutung liegt in der Art seiner künstlerischen Auffassung der biblischen Geschichte, als deren vornehmster Interpret er angesehen werden kann. Abweichend von der traditionellen Heiligenmalerei und von jener hyperrealistischen der Schule Vernets lässt er in seinen religiösen Bildern die Menschen seiner Umgebung in die Erscheinung treten und kleidet sie in die Tracht der Reformationszeit, um auch dadurch an jene grosse Zeit zu erinnern. Schwungvolle Komposition, tiefe geistige Auffassung und ein blühendes Kolorit, das sich zuweilen an Dürer und die grossen Vlamen des 16. Jahrhunderts anlehnt, zeichnen seine Werke aus. Gebhardt ist Mitgl. der Akademien zu Berlin, München und Wien. Besitzer der kl. gold. Med. Berlin 1872; der Med. der Wiener Welt-Ausstellung 1873; der Med. II München 1879; der gold. Erzherzog Karl-Ludwig-Med. Wien 1879; der gr. gold. Med. Berlin 1881; des Preisdiploms der Dresdner Aquar. A. 1887; Inhaber verschiedener Orden und stimmfähiger Ritter des preuss. Ordens pour le merite für Wissenschaft und Kunst, 1890. Von Gebhardts Werken seien hier genannt:
I. Oelgemälde.
Selbstporträt aus der Jugendzeit (Bes. Dom-Mus. Riga). — Christi Einzug in Jerusalem, 1863 (Bes. Fabrikbes. J. Ruhr, Euskirchen). — Auferweckung von Jairi Töchterlein, 1864 (Bes. J. Ruhr, Euskirchen). Rad. von [A. Neumann], Zeitschr. für bild. Kunst, 1872. — Der arme Lazarus, 1865 (Nach Kalifornien verkauft). — Kreuzigung Christi, 1866 (Bes. Domkirche zu Reval). — Aus der Reformationszeit, 1868 (Berlin Privatbes.). — Ecce homo, 1870 (Bes. Luché Bauer, Berlin). — Das letzte Abendmahl, 1870 (Bes. National-Gal. Berlin, 1872). Rad. v. W. Unger, Zeitschr. für bild. Kunst, 1874. Kunsthist. Bilderbogen, Holzsch. Nº 283. — Christus am Kreuz, 1873 (Bes. Kunsthalle, Hamburg). — Porträt des Hn. Pieper, Düsseldorf, 1873. — Zwei Gelehrte, 1874 (Bes. E. Botkin, Moskau). Unter dem Titel: „Joh. Müller Regiomontanus erklärt dem Nürnberger Mathematiker Bernh. Walter die Bedeutung des Pendels“ im Daheim, 1876. — Porträt des Bürgermeisters Wortmann in Düsseldorf, 1874 (Im Bes. des Dargestellten). — Religionsgespräch, 1875 (Bes. Ferd. Reichenheim, Berlin). — Junges Ehepaar am Fenster, 1875 (Privatbes., Hamburg). — Die Jünger von Emmaus, 1876 (Bes. Alex. v. Harder, Karlsruhe). — Heimführung (Bes. die Erben des Barons Alex. v. Uexküll-Heimar. Abb. im Daheim, 1882). — Aus dem Reformationszeitalter. Ein Reformator seine Gedanken niederschreibend, wobei ihm seine Frau über die Schulter blickt, 1877 (Bes. städt. Mus., Leipzig). — Ein kleiner Christuskopf, 1877 (Bes. Kaufmann Hollmann, Hamburg). — Christuskopf, 1878 (Bes. Kirche zu Lauckwitz bei Berlin). — Christuskopf, 1878 (Bes. E. Schulte, Düsseldorf). — Altdeutsche Hausfrau, 1878 (Bes. E. Schulte, Düsseldorf). — Mutterglück (Bes. H. Sthamer, Hamburg). — Porträt des Barons Schilling auf Jürgensburg, Estland, 1879. — Porträt des Barons Gustav Gideon Schilling, 1879 (Bes. Baron Georg Schilling, Petersburg). — Porträt des Fabrikbesitzers K. Pönsgen, Düsseldorf, 1879. — Christi Himmelfahrt, 1881 (Bes. National-Gal., Berlin, angekauft 1881. Holzschn. in d. Zeitschr. für bild. Kunst, 1882; Abb. im Daheim, 1882. Rad. von Fr. Boettcher). — Christus auf dem Meere wandelnd, erhebt den versinkenden Petrus. Altargem. für die Kirche zu Ziegenhals. Abb. im Daheim, 1881. — Die Klosterschüler, 1882. Abb. im Daheim, 1884 und in Kunst für Alle, 1887. — Pietà, 1883 (Bes. Kgl.-Gal., Dresden, angekauft 1884). — Christus am Kreuz. Altargem. der luth. Kirche zu Joachimstal bei Narva. — Bei der Arbeit (Abb. im Daheim, 1886). — Christus mit dem Kelch (Privatbes., Liegnitz). — Die alte Stadtverfassung. — Porträt des Pastors Huhn in Reval (Bes. Olaikirche, Reval). — Der ungläubige Thomas, 1889 (Abb. Kunst für Alle, 1890. Bes. Kunsthalle in Düsseldorf). — Christi Darstellung vor dem Volk. Skizze (Bes. Kunsthalle, Düsseldorf; Geschenk des Künstlers), 1890. — Christus in Bethanien, 1891 (Bes. Gal. zu Bremen). — Die Wandgemälde im Kloster zu Loccum, 1891 vollendet. — Der reiche Jüngling, 1892 (Bes. Düsseldorfer Kunsthalle). — Bergpredigt, 1893 (Bes. Louis Weddigen, Wiesbaden). — Jakob mit dem Engel ringend, 1894 (Bes. Gal., Dresden). — Jesus zwischen den Schriftgelehrten im Tempel, 1893. — Die Heilung des Gichtbrüchigen, 1894 (Bes. Mus. Breslau). — Die Auferweckung des Lazarus, 1896. — Die Jünger in Emmaus, 1897. — Die Verklärung Christi, 1897 (Altargem. für die Kirche zu Kokenhusen in Livland). — Elias in der Wüste, 1898. — Christus und Nikodemus, 1898. — Verba Magistri, 1900 (Bes. Geheimr. Prof. Dr. O. Jäger, Berlin). — Die Wandgemälde in der Friedenskirche zu Düsseldorf, vollendet 1906. — Christus auf dem Meere, 1901 (Mus. zu Essen). — Eine Streitfrage, 1902 (Privatbes. in Frankfurt a/M.). — Johannes im Kerker, 1907. — Tod des Lazarus, 1908 (Bes. Prof. Oeder, Düsseldorf; Orig. Skizze im Bes. von Dr. W. Neumann, Riga). — Der verlorene Sohn, 1907. — Der Tod Mosis (Bes. Kunsthändler G. Paffrath, Düsseldorf). — Christus bei Maria und Martha, 1908.
II. Oelgemälde und Studien in balt. Privatbesitz.
Jugendporträt Gebhardts (Bes. Dr. W. Neumann, Riga). — Kreuzigungsgruppe, Skizze (Bes. Frau Betty Hippius zu Neu-Harm). — Porträt der Frau Konsistorialrat Minna v. Gebhardt (Bes. Propst v. Gebhardt zu St. Johannis in Estland †. Das Original im Besitz des Künstlers). — Wiederholung des Porträts des Barons Gideon v. Schilling (Bes. Baron Georg Schilling auf Jürgensburg in Estland. Die Skizze zum Porträt im Besitz des Barons Otto v. Schilling zu Kook). — Porträt der Baronin Henriette v. Schilling, geb. Baronesse Stackelberg (Bes. Baron Georg Schilling, Jürgensburg). — Porträt der Baronin Margarethe Schilling, geb. Gräfin Wartensleben (Bes. Baron Georg Schilling, Jürgensburg). — Wiederholung des Porträts des Pastors Huhn, gemalt für dessen Witwe. — Porträt des Oberpastors Gebhardt zu St. Nikolai in Reval nach einem Porträt des Malers Lehmann. — Mehrere Jugendarbeiten bei Propst v. Gebhardt, dem Bruder des Künstlers, † in St. Johannis in Estland. — Verschiedene Studienköpfe im Besitz der Maler [G. v. Rosen] und [Th. Kraus], Riga. — Ein Maler in seinem Atelier eine Frau mit ihrem Kind malend (Bleistiftzeichnung im Besitz von Dr. W. Neumann, Riga).
Adolf Rosenberg: E. v. Gebhardt. Künstlermonographien herausg. von H. Knackfuss, Bd. XXXVIII, 1899. — W. Neumann, in der Balt. Monatsschr. Bd. 45, in Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. und im Jahrbuch der baltischen Kunst 1908. — Dr. Hermann Board in der „Woche“ Nº 24, 1908 ders. in der Zeitschrift „Die Kunst“ 1908 S. 433 ff. — F. Schaarschmidt in der „Kunst für Alle“ Bd. II, Heft 13; III, 9; V, 2; VII, 18; VIII, 21 u. 22; IX, 3; XI, 18; XIII 17 u. 24; XIV, 18; XVI, 5; XVII, 9 u. 24; XXII, 14 u. 24; XXIII, 4. — Vergl. auch Zeitschrift für bildende Kunst, 1908.
Gehlhaar, Theodor. Geschickter Dilettant. Geb. 1805 in Lemsal; gest. daselbst 1871, studierte Pharmazie in Dorpat und übernahm nach dem Tode seines Vaters dessen Apotheke. Sein nicht unbedeutendes Zeichentalent wurde durch die Maler [Schwede] und den Lithographen [F. Schlater] weitergebildet und namentlich als geschickter Steinzeichner hat G. sich Verdienste erworben. Von seinen Arbeiten sind hervorzuheben: Die Kegelbahn. — Der Leseabend mit Porträts damals bekannter Persönlichkeiten. — Ansicht von Reval vom Wege der Zuckerfabrik gesehen. Aquat. qu. fol. 1825. — Porträt eines Frl. Johanna v. Hübbenet. — Schottischer Knabe mit Hund. — Mehrere Miniaturporträts auf Elfenbein. — Zehn Lithographien nach den von [K. v. Kügelgen] und [Johannes Hau] aufgenommenen Revaler Ansichten, die von G. Eggers in Reval herausgegeben unter dem Titel: Collection des XII vues gravées à l’aquatinta, 1828 erschienen. — Fünf Ansichten von Reval in farbigen Lithographien 1850, qu. 8o. — Ansicht von Reval. Lith. von Tempeltey, Druck von Delius, Berlin. Gr. qu. fol. — Szenen aus dem estnischen Bauernleben, lith. v. [Schlater], qu. 8o (5 Blatt).
Geiger, Pauline, geb. v. Schultz. Malerin. Geb. 21. April 1851 in Petersburg, erhielt ihre künstlerische Ausbildung anfänglich in Dresden, dann in Paris unter Labrichon und schliesslich in Venedig unter Eugen v. Blaas. Sie lebt in Venedig. Von ihr u. a: Am Brunnen; Venetianischer Crevettenhändler.
Gerling, Johanna, aus Riga, zeichnet 1823 das Porträt des Grafen L. A. Mellin; lith. v. Lindroth in Riga.
v. Recke und Napierski: Baltisches Schriftstellerlexikon, III, 199.
Gern, Alexander Otto. Holzschneider aus Dorpat gebürtig, wurde dort Schüler des Malers [L. v. Maydell], der um 1840 eine xylographische Anstalt angelegt hatte. 1859 arbeitete G. in der Kretschmarschen Anstalt in Leipzig. Von ihm: Diverse Holzschnitte nach v. Maydellschen Zeichnungen: Christuskopf. — Das Universitätsgebäude in Dorpat. — Die Marienkirche daselbst. Die beiden letzten als Beilage zum estnischen Kalender von 1840 und 1841.
Inland 1850 S. 336; 1859 S. 459.
Gerstfeldt, Katharina v. Malerin. Geb. 4. September 1873 in Livland, erhielt ihre Ausbildung in der Schule zur Förderung der Künste in Petersburg und kopierte in der Eremitage viel nach alten Meistern (Velasquez, Rembrandt, Rubens). Seit 1898 Lehrerin an der [Jung-Stillingschen] Zeichen- und Malschule in Riga. Sie hat sich auch auf kunstgewerblichem Gebiet betätigt.
Gesse.... Maler. Seit 1738 in Narva nachweisbar; gest. daselbst 1766 oder 1768. Er malte für die deutsche evangelische Kirche in Narva: König David und der Prophet Nathan, 1738. — Christus einen Gichtbrüchigen heilend. — Christus am Kreuz zwischen Maria und Johannes.
J. Bernoulli’s Reisen III S. 290. — Hupel’s topographische Nachrichten von Liv- und Estland. Riga 1774, 1777.
Giese, Karl. Architekt. Gebürtig aus Livland, wurde auf Ansuchen seiner Eltern am 18. Januar 1798 als Schüler in die Petersburger Akad. aufgenommen und in der Baukunst ausgebildet. 28. VIII. 1809 silb. Med. Am 1. Oktober 1809 wurden Giese und Thon (der spätere Prof. der Akad.) als Gehilfen des Kaiserl. Kabinettsarchitekten Stassow angestellt.
Glandorf, Lambert. Maler. Lebte um 1560 in Reval, wo er das schöne Epithaph der am 11. September 1560 im Kampfe gegen die Russen gefallenen Schwarzhäupter malte (Reval, Schwarzhäupterhaus. Teilweise abgeb. in F. Amelungs baltisch. kulturhist. Atlas. Beschreibung in Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval II. S. 208).
Goebel, Friedrich. Lithograph in Dorpat. Von ihm lithograph. Blätter zu einer Reise in die Steppen des südlichen Russlands. Dorpat 1837. 4o. 18 Tafeln mit einer Karte.
Gottfriedt, Johann Daniel. Baumeister. Geb. 1768 zu Dömitz in Mecklenburg-Schwerin; gest. 14. Juli 1831 in Riga an der Cholera, kam 1789 nach Riga und arbeitete anfangs unter der Leitung des Stadtbaumeisters Christoph Haberlandt. 1812 war er beim Wiederaufbau der Rigaschen Vorstädte beschäftigt und errichtete in der Folge mehrere grosse Gebäude im Innern der Stadt. Unter diesen sind ausser verschiedenen Wohngebäuden zu nennen: Der Ausbau des Flügels am Rigaschen Schlosse mit den Kaiserl. Zimmern. — Die Einrichtung des Observatoriums daselbst. — Die Gebäude im Kaiserlichen Garten. — Das grosse Packhaus am Jakobsplatz, die Ressource in Riga und die Fleischscharren in der Scharrenstrasse; auch die zu Ehren des Kaisers Alexander I. 1815 von der Stadt errichtete Triumphpforte ist sein Werk.
Rigasche Stadtbl. 1815 S. 238; 1823 S. 185; 1831 S. 348.
Gottlob, Ernst. Porträt- und Landschaftsmaler. Geb. 1744 in Glogau; 1789 in Leipzig noch am Leben, war Schüler von Oeser und machte sich durch seine Bildnisse einen geachteten Namen. Er hat mehrere Jahre in Kurland verbracht. Von ihm: Das Porträt des Mitauschen Professors Johann Benjamin Koppe (Bes. Mus. Mitau. Sein Porträt ausserdem vor Bergers Magazin für Prediger V. St. 5; auch mehrmals besonders gest.). — Das Porträt des Rektors der Rigaschen Domschule Dr. Gottlieb Schlegel, gem. 1772 (Bes. Dom-Mus., Riga). — Eine Landschaft mit Brücke, Aquar., bez. E. Gottlob, Leipzig 1786 (in dem Album des Joh. Jak. Voss im städt. Mus. zu Riga).
Grabbe, Arthur v. Architekt. Geb. 1839 in Kurland gest. 22. Mai 1871 in Petersburg, besuchte die Akad. der Künste und wurde 12. 1. 1862 für den Entwurf zu einem Lustschloss zum freien Künstler ernannt. In Riga baute er das Haus der Kinderbewahranstalt (voll. 1868).
Rigasche Ztg. 1871 Nº 118.
Graefenstein, G... Stempelschneider und Medailleur in Mitau 1762–1764. Das Mitauer Museum besitzt von ihm 11 Stempel.
Nagler, Monogrammisten II S. 947 (J. Döring).
Gräff, Anton (?) Stuckateur. Stammte aus Deutschland und war seit 1763 unter der Oberleitung des Architekten [Rastrelli] mit der Ausführung der Stuckverzierungen in den herzoglich kurländischen Schlössern zu Ruhenthal und Mitau beschäftigt.
v. d. Recke, Gesch. d. Schlosses zu Mitau in Mon. Livon antiq. — Sitzungsber. der kurl. Ges. für Lit. und Kunst 1877 S. 40, 43. — L. Arbusow, Auszüge aus den Bauskeschen Kirchenbüchern, ebenda, 1888 S. 28.
Grass, Karl Gotthard. Landschaftsmaler. Geb. 8. Oktober 1767 im Pastorat Serben in Livland; gest. 22. Juli (3. Aug.) 1814 in Rom, studierte, nach Absolvierung des Rigaschen Lyzeums (1786) Theologie und versuchte schon während seiner Studienzeit seine künstlerische Veranlagung durch Zeichnen nach der Natur auszubilden. Seine dichterische Begabung brachte ihn in Verkehr mit Schiller, mit dem er bis zu dessen Tode einen Briefwechsel unterhielt. Nach einer durch Deutschland und die Schweiz unternommenen Reise kehrte er 1790 nach Riga zurück, setzte hier seine künstlerischen Studien fort und erteilte auch Unterricht im Zeichnen. 1796 wurde er zum Prediger in Sunzel ordiniert, doch veranlasste ihn die unerwidert gebliebene Neigung zu einer jungen Dame einen Urlaub nachzusuchen und ins Ausland zu gehen. Er ging nach Zürich und entschloss sich hier nach schweren inneren Kämpfen zur Aufgabe des Predigeramts. Im Hause des Dichters J. G. v. Salis lebend, widmete er sich wieder der Dichtkunst und seiner Lieblingsmuse, der Malerei, auch unterhielt er einen lebhaften Briefwechsel mit Schiller, dem Maler und Altertumsforscher Heinr. Meyer und mit Konrad Gessner. 1801 begab er sich nach Paris, um sich in der Kunst ernstlich auszubilden, doch vertrieben ihn von dort die unerquicklichen politischen Zustände. Er kehrte nach Zürich zurück, lebte dort bis 1803 und ging dann nach Italien. Mit dem Schriftsteller Ph. Jos. Rehfues und den Architekten C. Fr. Schinkel und Steinmeier aus Berlin unternahm er eine Reise durch Sizilien, die er später sehr anziehend beschrieben und illustriert hat. Im Herbst 1805 liess er sich in Rom nieder. Seine literarischen Arbeiten sind verzeichnet im allgem. balt. Schriftsteller- und Gelehrtenlexikon III. S. 89 ff. — Von seinen künstlerischen Arbeiten führen wir an: Zeichnungen vom Rheinfall. In Kupfer gest. von J. H. Meyer zu seinem Werk: Fragmente von Wanderungen in der Schweiz. Zürich, 1797. — Küstenlandschaft von Taormina. — Wasserfall von Carracci am Aetna. — Konkordientempel bei Girgenti. — Das Tal St. Angelo di Brolo im Frühling (Ausgest. 1809 in Rom auf dem Kapitol; dort erworben von dem Rigaschen Handelsherrn G. W. v. Schröder, der sie dem Himselschen Mus. vermachte; jetzt im städt. Mus. zu Riga). — Italienische Landschaft (Bes. Staatsrat v. Grass, Riga). — Aus der Villa des Mäcenas in Rom. Sepiastudie (Bes. städt. Mus. zu Riga). — Zwei Ansichten vom Aetna, 1811 in Rom gem. für Joh. Friedr. Cotta in Tübingen. — Das Theater von Taormina, gem. für den Schriftsteller v. Rehfues. — Schweizer-Landschaft (Bes. A. Koch, Dorpat). — Selbstporträt. Pastell (Bes. städt. Mus. zu Riga). — Zeichnungen zu dem von ihm herausgeg. Werke: Sizilianische Reise oder Auszüge aus dem Tagebuche eines Landschaftsmalers, in Kupfer gest. von Chr. Fr. Duttenhofer. Stuttgart und Tübingen, 1815. — Zwei kleine Landschaften kamen in den Bes. des Kollegienrats v. Blanckenhagen auf Lemburg in Livl. — Zwölf Aquar. nach Ludw. Hess im Bes. der Familie v. Stackelberg, Livland. — Eine Gouachelandschaft: Der Lungersee nach L. Hess im Bes. des Landrats v. Richter auf Waimel, Livl. — Sizilianische Landschaft, 1810 im Bes. eines Hn. Auer in Ulm. Die Farbenskizze dazu im Bes. des Hn. v. Blanckenhagen auf Drobbusch in Livland.
Ein Porträt des Künstlers von einem Maler Richter aus Zittau, 1790 gem., besass Kollegienrat Prof. [J. W. Krause] in Dorpat. — Im Besitze desselben auch eine grosse Sammlung von Landschaftsstudien in Sepia und Tusche, meist Studien aus der Schweiz. — Ein 1808 von Georg Dillis gemaltes Porträt des Künstlers kam durch Professor C. Morgenstern 1810 in den Besitz der Familie.
Allgem. balt. Schriftsteller- und Gelehrtenlex. III. S. 88 ff. — Ztg. für Lit. und Kunst. Nº 3 vom 20. Januar 1812. — Biographie von G. Tilemann in Livonas Blumenkranz 1818 S. 179 ff. — Desgl. in „die balt. Provinzen Russlands“ von Jul. Eckardt, 1868. — Rigasche Biographien III S. 108 ff. — Wöchentliche Unterhaltungen 1806 S. 125. — C. Morgenstern, Dörptische Beiträge III S. 125–131. — Baltisches Dichterbuch S. 361. — A. v. Wolzogen, Aus Schinkels Nachlass I S. 107 ff. — W. Neumann, Baltische Maler und Bildhauer des 19. Jahrh. S. 17 ff. — Derselbe in der Kunstbeilage des Rigaer Tageblatts 1908 Nº 11–13.
Graubitz, Jakob Ortlof. Maler. Er stammte aus Giessen und kam um 1665 nach Goldingen in Kurland, wo er am 22. Dezember desselben Jahres den Bürgereid leistete und am Hofe des in Goldingen residierenden Herzogs Friedrich Kasimir von Kurland als Hofmaler beschäftigt wurde. Gest. vor 1697.
Eintrag seines Sohnes, des späteren Kaufmannes Christoffer Carl G. in ein 1636 angelegtes Stammbuch des Sebast. Besser, (in der Bibliothek der Gesellschaft für Geschichte und Altertumskunde): Mein vatter war ausz der stat Giessen gebirttig und war seiner Kunst nach ein mahler, war auch vom seeligen hertzog Casimir alsz hoffmahler verschrieben (am Rande: Anno 1665 verschrieben ausz Giessen) in Goldingen gewohnet und da auch in der pest gestorben. — Goldingensches Kirchenbuch (N. Busch).
Grosewsky, Theodor Robert, Dr. phil. Landschaftsmaler. Geb. 1. Mai 1823 zu Annenburg in Kurland; gest. 2. März 1866 in Moskau, studierte 1842–44 in Dorpat und promovierte in Jena. 1855 wurde er Schüler des Landschaftsmalers K. Millner in München. Mehr als Maler hat er als Dichter Anerkennung gefunden.
Baltisches Dichterbuch S. 363.
Grün, Moritz. Genremaler. Geb. 1868 in Reval, besuchte von 1888–1890 die Münchener Akademie und 1890–1893 die Akademie in Paris. 1894 ging er nach Amerika und wurde 1895 von der brasilianischen Regierung an die Akademie zu Bahia berufen.
Dünazeitung 1895 Nº 154, 158 u. 220. Mitausche Zeitung 1895 Nº 55.
Grüner, Wilhelm. Landschafts- u. Architekturmaler. Geb. 19. Oktober 1823 in Riga; gest. 18. April 1892 in Petersburg. Er besuchte die Petersburger Akademie als freier Zuhörer und nahm dann einen eineinhalbjährigen Aufenthalt in Paris. Ende der sechziger Jahre begleitete er den General Loris-Melnikow auf einer Reise nach Aegypten und Palästina, um für diesen eine Folge von Bildern der heiligen Stätten zu malen. Von ihm: Kirche der Geburt Christi in Bethlehem. — Kirche der Schwestern von Zion. — Kapelle über dem Grabe Christi. — Golgatha. — Der Stein der Salbung. — Innere Ansicht der Kapelle des heil. Grabes. — Die Höhle der Geburt Christi. (Sämtlich Aquar.). — Die Gromowsche Sommervilla. — Zwei Ansichten von Oranienbaum. — Drei Ansichten vom Südufer der Krim. — Ansicht von Orianda in der Krim. — Zwei Ansichten von Livadia, Aquar. — Christus in Gethsemane. Atlargem. für die Jesuskirche in Riga (1880 vom Künstler geschenkt). — Ansicht von Jerusalem. — Innere Ansicht der Kirche der Geburt Christ. — Der Garten zu Gethsemane. — Innere Ansicht der Kirche auf Golgatha. — Das heilige Grab. — Die alte Wand vom Richterstuhl des Pilatus in der Kirche der Schwestern von Zion. — Der Stein der Salbung. — Kirche der Geburt Christi in Bethlehem. — Porträt des Professors der Malerei Primazzi, Aquar. in Konstantinopel gem. — Das städt. Museum in Riga besitzt von ihm das Porträt einer Dame vor dem Theater in Aquarell.
Rigasche Zeitung 1880 Nº. 270. Наши художники I S. 126.
Gruenewaldt, Nikolai Gerhard v. Landschaftsmaler. Geb. 7. Mai 1853 auf Ramelshof in Livland, absolvierte in Riga das Studium der Ingenieurwissenschaften, wandte sich aber 1884 der Landschaftsmalerei unter Prof. Alb. Kappis an der Stuttgarter Kunstschule zu. 1896 stellt er in Riga aus. Mühle bei Beigersheim — Vorfrühling am Neckar.
Das geistige Deutschland I, S. 250 — Rigasche Zeitung 1881 Nº 277. — Dünazeitung 1895 Nº 240 u. 252.
Grünfeldt, Alexander Heinrich Johann. Maler aus Livland, gehörte in den fünfziger Jahren zu den Hospitanten der Petersburger Akademie und wurde 21. Juni 1852 für ein Porträt eines alten Mannes zum freien Künstler befördert.
Grummel, (Krummel), Johann. Bildhauer. Lebte um die Mitte des 17. Jahrhunderts als „Fürstlicher Bildhauer“ in Mitau; dort urkundlich nachweisbar vom 6. Mai 1662 bis 11. Mai 1677, in welchem Jahre er sich zum zweiten Male verheiratete.
Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche in Mitau (J. Döring).
Grun, (Gruhn), Sebastian. Maler. Geb. um 1690; gest. 26. Januar 1772 in Mitau. Wird als Porträtmaler (Contrafeyer) aufgeführt.
Kirchenbuch der St. Trinitatiskirche in Mitau (J. Döring).
Grune, Johann Samuel Benediktus. Maler. Geb. um 1782 in Eisleben; gest. 3. Dezember 1848 in Blieden in Kurland, empfing seine künstlerische Ausbildung in Berlin, bereiste dann Deutschland und Oberitalien und kam 1800 nach Kurland. 1808 lebte er in Zierau, später im Hause des Fürsten Lieven in Blieden, mit dessen Familie er sich für einige Jahre nach Petersburg begab. Von 1824 bis 1834 hielt er sich in Senten auf, später in Grenzhof und Blieden. Sein Nachlass kam zum grössten Teil in den Besitz seines Freundes, des Arztes Dr. K. Bursy und befindet sich jetzt nebst vielen Briefen von ihm im Museum zu Mitau. Es gibt viele Bildnisse von ihm, die in einer eignen flotten Art gemalt sind. Zu seinen grössten Arbeiten zählen: Lasset die Kindlein zu mir kommen. Altargemälde für die Kirche zu Talsen in Kurland, 1876 ersetzt durch eine Himmelfahrt Christi von Schönherr in Dresden. — Das Altargemälde für die Kirche zu Bersteln in Kurland, 1843 gem. 1861 ersetzt durch ein Gemälde von [J. Döring]. — Das Abendmahl; gem. im Auftrage des Fürsten Lieven; aus Blieden gestohlen. — Porträt des blinden lettischen Naturdichters Indrik aus Appriken; gest. in Punktiermanier v. Arndt.
U. v. Schlippenbach: Malerische Wanderungen durch Kurland, Riga und Leipzig 1809 S.383. — Inland 1844 S. 92; 1854 S. 756. — D. A. Rowinsky: Подробн. словарь IV S. 187.
Grusdin, Artemii Michailowitsch. Porträt- und Genremaler. Geb. 1825 in Riga als Sohn eines Arbeiters; gest. daselbst 8. Februar 1891, kam zu einem Stubenmaler in die Lehre, bildete sich aber als Autodidakt im Porträtmalen aus. Von 1850–1856 lebte er in Mitau, dann längere Zeit in Goldingen mit Porträtieren beschäftigt. Mit dem bei diesen Arbeiten gewonnenen Verdienste ging er im Herbst 1858 nach München, wo er bis 1864 die Akademie besuchte. Er kehrte nach Riga zurück, verfiel aber bald in Trübsinn. Die meisten seiner Arbeiten befinden sich in Privatbesitz. Von ihm: Die Ankläger der durch Daniel verteidigten Susanna werden in Ketten gelegt, 1862 in München gem. — Ein Porträt des Kaisers Alexander II. 1868 für das Zeughaus der Stadtgarde gem. — Christus in Gethsemane, Altargemälde für die Kirche zu Warklany in Poln.-Livland (1879 gem.). — Der Weihnachtsmarkt in Riga (Bes. Gesellschaft der Schwarzhäupter in Riga). — Porträt der Sängerin Caroselli. — Römisches Mädchen, Kopie nach [A. Rizzoni] (Bes. städt. Museum in Riga). — Ansicht der alten Gildenhäuser, des Rathausplatzes und der ehemaligen Sandpforte in Riga (1884 gem. für den Konferenzsaal des Rathauses in Riga). — In seinem Nachlasse befand sich ein Album mit vielen kleinen sauber gemalten Oelbildern, deren Inhalt jedoch den geistigen Zustand des Künstlers während der letzten Jahre seines Lebens widerspiegelt.
Rigasche Zeitung 1869 Nº 20. — Zeitung für Stadt und Land 1879 Nº 207. — Наши художники I S. 126.
Gussewitsch, Nikolai v. Architekt. Gest. 17. Mai 1873 in Mitau. Er kam 1862 nach Absolvierung der Petersburger Bauschule nach Mitau und wurde dort als jüngerer Architekt bei der Gouvernementsregierung angestellt. In Mitau führte er aus das Haus Gley 1865, die russische Kapelle auf dem Paradeplatze in Mitau 1868 und die Kirche zu Dalbingen bei Mitau 1869.
(J. Döring.)
Gyllenschmidt, Karl Otto. Zeichner, stammte aus einer schwedischen Familie, trat in russische Kriegsdienste und nahm nach seiner Verwundung bei Zorndorf seinen Abschied. Er wandte sich dem Kunststudium zu, zeichnete anfangs im Generalstabe unter Leitung des Generals v. Stoffel, bildete sich dann weiter und wurde namentlich durch baltische Gelehrte gefördert, besonders durch Gadebusch, Brasch, Hupel und Ewers. Er bereiste die baltischen Provinzen und fertigte 241 Blatt Zeichnungen, Ansichten von Landschaften, Städten, Merkwürdigkeiten usw. aus Liv-, Est- und Kurland, die er mit einem Text versehen herauszugeben gedachte. Der Text hat sich im Bes. der Gelehrt. estnischen Gesellschaft erhalten; die Zeichnungen scheinen verloren zu sein.
R. Hausmann, Sitzungsber. d. Gelehrten estn. Gesellsch. 1895 S. 113 ff.