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Panck, Johann Ernst v. Dr. med. Geschickter Dilettant. Geb. 27. März 1805; gest. 5. Oktober 1891 in Dorpat, studierte Medizin in seiner Vaterstadt und beschäftigte sich in seinen Mussestunden mit Zeichnen und Silhouettenschneiden, worin er es zu besonderer Geschicklichkeit brachte. Die Gelehrte estnische Gesellschaft besitzt von ihm eine grosse Anzahl seiner Silhouetten aus der Zeit von 1850–69. Auch in der Nachbildung von Früchten in Wachs zeigte er ein seltenes Talent.

Pape, Wilhelm Georg. Maler und Zeichner. Geb. 12. Januar 1806 in Riga; gest. 3. Dezember 1875 in Petersburg, wurde Schüler des Kupferstechers [K. A. Senff] in Dorpat, besuchte dann die Akademie in Petersburg und arbeitete lange Zeit als Zeichner für naturgeschichtliche Gegenstände an der Akademie der Wissenschaften daselbst, gab auch Unterricht an der Petrischule. 14. X. 1833 erteilte ihm die Akademie den Rang eines freien Künstlers. Mehrere seiner Arbeiten im Besitz des Rigaschen Naturforschervereins. Ein sauber ausgeführtes Tierbild, weidende Schafe, und ein Angler, im städt. Museum zu Riga.

Rigaer Stadtbl. 1832 S. 16. — W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. des 19. Jahrh. S. 112 u. 175.

Passer, Arent (Arnolt). Bildhauer, lebte im letzten Viertel des 16. Jahrh. in Reval. Auf Befehl des Königs Johann III. von Schweden führte er um 1590 das prachtvolle Grabdenkmal des schwedischen Feldherrn Pontus de la Gardie und dessen Gemahlin Sophia Gyllenhelm im Dom zu Reval aus.

Historiskt Bibliotek, utgiffet af Carl Silverstolpe II S. 207. — Nottbeck und Neumann, Gesch. und Kunstdenkmäler der Stadt Reval II S. 43 u. 118.

Paterson (Padderson, Pattersen), Benjamin. Maler. Geb. zu Warland in Schweden 1751, ist seit 1784 in Riga nachweisbar und wird 1842 als verstorben bezeichnet. Von ihm: Russisches Zweigespann mit Schlitten. Tuschzeichnung in einem Sammelbande v. Joh. Jak. Voss, städt. Museum zu Riga.

Pehkschen, Konstantin. Architekt. Geb. 24. Februar 1859 in Riga. Schüler des Rigaschen Polytechnikums, in Riga ansässig, hat besonders auf dem Gebiete des Wohnhausbaues eine umfangreiche Tätigkeit entfaltet.

Peterson .... Bildhauer, aus Braunschweig gebürtig; gest. 1778 in Mitau, wurde um 1770 in Mitau als Hofbildhauer angestellt. Von ihm befand sich 1778 eine Marmorbüste des Majors Fink v. Finkenstein im Saale der Freimaurergesellsch. zu Mitau.

Joh. Bernouillis Reisen III S. 242.

Peterson, Matthias. Maler. Geb. 16. Januar 1636 in Schleswig; gest 11. Dezember 1714 in Kandau, diente anfänglich in der schwedischen Armee und wurde dann Schüler des Porträtmalers [Reiter] in Libau. Er soll ein beliebter Porträtmaler gewesen sein und durch seine Kunst ein ansehnliches Vermögen erworben haben.

Handschrifl. Biographie, verfasst v. seinem Sohne Matthias P. (1711–1723 Pastor in Irben in Kurland) im Museum zu Mitau. (J. Döring).

Petersson, Karl Leonhard. Maler. Geb. 16. Juli 1836 in Wenden; gest 20. Januar 1908 in Petersburg. Er war 1847 und 1848 Schüler des Malers [K. Schultz] in Riga und besuchte dann die Petersburger Akademie als freier Zuhörer. Seit 1872–1899 Zeichenlehrer an der Katharinenschule in Petersburg.

Inland 1857 S. 315. — Rigasche Ztg. 1868 Nº 298. — Revaler Beobachter v. 23. Jan. 1908.

Pezold, August Georg Wilhelm. Maler. Geb. 25. Juli 1794 in Wesenberg; gest. 28. Februar 1859 in Petersburg, erhielt nach dem frühen Tode seines Vaters seine Erziehung im gräflich Rehbinderschen Hause in Uddrich, studierte von 1812–14 an der Universität Dorpat Medizin, dann Humanoria und Historie und wandte sich schliesslich der Kunst zu. 1814 zog er mit [Otto Ignatius] nach Deutschland, besuchte die Akademien zu Berlin und Wien und ging 1817 nach Rom. Nach einem Aufenthalte in Paris und London kehrte er 1821 in die Heimat zurück, siedelte aber 1825 nach Petersburg über. Da er auch hier wenig ihm zusagende Beschäftigung fand, kehrte er in die Heimat zurück, lebte abwechselnd in Riga, Wenden, Fellin und Dorpat, zog dann aber aufs neue nach Petersburg, wo er als Zeichenlehrer an höheren Bildungsanstalten, wie am pädagogischen Hauptinstitut, der Universität und am Marineinstitut mit Erfolg gewirkt hat. Von ihm eine grosse Anzahl Bildnisse und viele, grösstenteils in Aquarell ausgeführte Studien aus dem estnischen Volksleben. Solche namentlich im Dommuseum zu Riga. Mehrere seiner Handzeichnungen im städt. Museum zu Riga.

Baltische Monatsschr. Bd. 36 und 37: Aus den Wandertagen dreier estländischer Maler. — W. Neumann, Balt. Maler u. Bildh. d. 19. Jahrh. S. 26–27.

Pezold, Leopold v. Geb. 6. Juli 1832 in Fellin als Sohn des [Vorigen]; gest. 9/22. April 1907 in Karlsruhe. Er studierte von 1851–56 Theologie u. Geschichte an der Universität Dorpat, lebte bis 1858 als Hauslehrer in Reval und ging dann, um sich der Kunst zu widmen, nach Karlsruhe, von dort nach Düsseldorf und 1860 nach Italien. Nach Reval zurückgekehrt beschäftigte er sich neben der Malerei mit Schriftstellerei, übernahm vorübergehend die Redaktion der Revalschen Zeitung, folgte 1871 einem Rufe nach Riga zur Übernahme der Redaktion der Rigaschen Zeitung, legte aber 1879 das Amt nieder, um sich nach Karlsruhe zurückzuziehen, wo er als Lehrer der Kunstgeschichte und Kostümkunde an mehreren Kunstanstalten wirkte und auch literärisch tätig war. Von seinen Arbeiten heben wir hervor: Hausgottesdienst in Estland, gem. 1863. (Bes. Museum Reval). - Der Maigraf. Szene aus einem mittelalterlichen Revaler Volksfest, gem. 1869. (Bes. grosse Gilde, Reval). — Wie des Winters Leid vertrieben wird. Fries in leicht kolorier. Bleistiftzeichnung im Weinkeller „das süsse Loch“ im Hause der gross. Gilde in Reval. — Schlacht der Schwertritter unter Konrad v. Meyendorpe gegen die Littauer, 1205. (Bes. Baron Meyendorff-Ocht).

W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. d. 19. Jahrh. S. 122–124.

Pfandzelt, Lukas Konrad. Maler. Geb. 1716 in Ulm; gest. 1786 in Petersburg, erlernte bei verschiedenen deutschen Meistern die Malerei. Kam 1739 nach Reval, ging dann nach Petersburg, wo er in Kaiserliche Dienste trat und vielfach als Bilderrestaurator tätig war. Von ihm: Das Portr. des Admirals Peter v. Sivers (1674–1740), 1755 nach dem Tode des Admirals gem. (Bes. F. v. Sivers, Euseküll). — Porträt eines Feldherrn (in der Gal. des Hn. v. Stackelberg zu Fähna in Estland).

Füessli, Künstlerlex. S. 497. — Joh. Bernouilli’s Reisen IV. S. 123, 130; V. S. 29 ff.

Pflug, Robert August. Architekt. Geb. 1. Mai 1832 in Petersburg; gest. 30. November 1885 in Riga, machte seine Studien von 1846–50 im technologischen Institut, dann auf der Petersburger Kunstakad. und begab sich 1860 zu Studienzwecken nach Deutschland und Italien. 1862 beteiligte er sich an der Konkurrenz um den Neubau des Ritterhauses in Riga, erhielt den ersten Preis und siedelte zur Ausführung des Baues nach Riga über, wo er sich für die Dauer seines Lebens ansässig machte und eine reiche künstlerische Tätigkeit entfaltete. Von ihm sind ausgeführt: Das Ritterhaus in Riga (in Gemeinschaft mit den Architekten A. Baumann u. [O. v. Sivers]; erweitert u. umgebaut 1902/3 durch W. Neumann). — Das Schützenhaus in Riga (in Gemeinschaft mit A. Baumann). — Die orthodoxen Kirchen zu Jungfernhof, Alt-Salis und Kalzenau in Livland. — Die orthodoxe Kirche des heil. Pokrow in Riga. — Die russische Kathedrale in Riga, 1882 vollendet; mehrere Wohnhäuser und Villen in und bei Riga.

Rigascher Almanach 1866. — Rigasche Ztg. 1873 v. 8. Dezember; 1884 Nº 252, 262; 1885 Nº 279. — Rigasche Stadtbl. 1872 S. 25.

Pistohlkors, Otto Friedrich v. Dilettant. Geb. 1781 in Reval; gest. daselbst 1846, war Militär, verlor das rechte Bein und wurde pensioniert, worauf er sich mit der Malerei zu beschäftigen begann. Die Galerie des Schlosses Koltzen in Livland besitzt von ihm 27 Stücke, grösstenteils Genre und Landschaft. Zwei Kriegsszenen von ihm waren 1871 in Riga ausgestellt. — Auch Alexander v. P. geb. 13. IV. 1820 in Oranienbaum bei Petersburg; gest. 10. August 1850 in Reval, ebenfalls anfangs in Militärdiensten, beschäftigte sich mit Porträtmalerei.

Nach dem Kat. der Gal. zu Koltzen.

Plawneek, Selma, geb. 21. Dezember 1882 in Riga, besuchte die städtische Kunstschule und absolvierte sie 1893 mit dem Diplom einer Zeichenlehrerin. Sie hat sich durch charakteristische Darstellungen aus dem Volksleben und durch anmutig gegebene Märchenillustrationen, die sie gern in einer dem alten Holzschnitt nahekommenden Weise vervielfältigt, bekannt gemacht.

Poelchau, Harald Oskar Georg. Bildhauer und Maler. Geb. 28. Februar 1835 in Riga; gest. daselbst 9. Mai 1882, studierte von 1856–1858 in Dorpat Mathematik und Chemie, ging dann nach Berlin, wo er sich anfangs mit dem Studium der Architektur, dann mit dem der Bildhauerkunst beschäftigte. Er setzte seine Studien in Karlsruhe unter Cauer fort, musste aber wegen Lähmung eines Armes der Skulptur entsagen, ging darauf nach Weimar, um sich in der Malerei auszubilden und wurde Schüler von Friedr. Preller. 1868 kam er nach Riga zurück, wo er als Direktor der Gewerbeschule eine einflussreiche Tätigkeit entwickelte. Das städt. Mus. zu Riga besitzt mehrere seiner Aquarelle und Landschaftsstudien.

Rigasche Ztg. 1871 Nº 26 (Feuilleton); 1873 Nº 34; 1874 Nº 8; 1877 Nº 28; 1880 Nº 34 (Beilage); 1882 Nº 105. — Dioskuren 1868 S. 65. — Rigasche Stadtbl. 1869 S. 300; 1873 S. 23; 1874 S. 66. — Balt. Monatschr. 1882 S. 645.

Poorten, Julius Alexander. Geb. 27. August 1843 in Riga, besuchte von 1861–64 die Dresdner Akademie.

Poorten, Karl August. Maler. Geb. 14. März 1817 in Riga; gest. daselbst 7. Mai 1880, war für den Kaufmannsstand bestimmt, beschäftigte sich aber in seinen Mussestunden mit Zeichnen und Malen. Er besuchte die Akademie in Düsseldorf, wurde Schüler von Heinr. Mücke und Karl Sohn, ging zu weiterem Studium nach München, dann nach Dresden und kehrte 1853 nach Riga zurück. Ausser mehreren Porträts und Landschaften von ihm die Illustrationen zu den „40 Fabeln“, herausg. vom Bruder des Künstlers, [Julius P.] 1850.

Rigasche Ztg. 1865 Nº 64; 1866 Nº 53; 1871 Nº 25; 1880 Nº 105, Nº 242. — Rigasche Stadtbl. 1855, 3. Nov. 1860 S. 441; 1865 S. 98. — Inland 1851 S. 88.

Purvit, Wilhelm Karl. Landschaftsmaler. Geb. 20. Februar 1872 zu Jürgensburg in Livl., Schüler der Petersburger Akademie und des Professors A. Kuindschi. Für sein Bild „die letzten Sonnenstrahlen“ wurde er zum Künstler I. Gr. befördert und ihm gleichzeitig ein Reisestipendium für das Ausland gewährt. Er besuchte Deutschland, Frankreich, Italien und Oesterreich und nahm nach seiner Rückkehr seinen Wohnsitz in Riga. Seit 1906 Lehrer an der Domschule zu Reval. Die Mehrzahl seiner Werke in Privatbesitz. Das städt. Museum in Riga besitzt von ihm: Motiv aus dem Kaiserlichen Garten; Abenddämmerung und Feldeinsamkeit. Ausserdem von ihm daselbst drei Lünettengemälde im Vestibule: Ansicht aus Mitau, die Ruine von Kokenhusen und Kurländische Landschaft.

W. Neumann, Balt. Maler und Bildh. des 19. Jahrh. S. 169–170.