Haar.

Langes, lockichtes Haar, das äußere Kennzeichen der Freien (Grimm RA. 283 ff.) war auch der Ehrenschmuck der Jungfrauen.

Die Neuvermählten mussten das Haar binden: Parc. 6016. des morgens si ir houbet bant, Ulrichs Trist. 312:

ir houbet si vil schône bant

durch den gewonlîchen site.

Grimm RA. 443.

Entehrte mussten das Haar nach Art der Frauen aufbinden. Ein Mädchen ertheilt spöttisch einem andern den Rath (Willems Nr. 61; auch in der Weimar. Hs.):

ghi sult gaen ter linden,

dat ghele haer op binden

dat maechdekens welle staet.

worauf sie aber erwiedert:

dat en doen ic niet, dat laet ic staen,

dat en doen ic seker niet:

ic salt ooc laten hanghen

den ridder tsijnder schanden,

dat hi mi maechdeken liet.

Ehe die Jungfrau des Geliebten Wunsch erfüllte, heißt es in einem Wächterliede (Antw. LB. Nr. 86, 5):

met enen siden snoer

dat meisken haer haer op bant,

haer mantelken liet si gliden,

haer ere duerde niet lanc.

Ungeflochtenes Haar ist Zeichen der Trauer: so sagt Brennenberg’s Geliebte, Nr. 6, 17:

mijn haer sel onghevlochten staen.