Der Morgen
Der erste Strahl von Osten her
Fliegt kräftig, wie ein lichter Speer,
Die Finsternis zu töten.
Es steigt von ungesehnem Chor
Der Lerchen Sang zum Herrn empor
In jubelnden Gebeten.
Die Blume wacht aus Träumen auf
Und schaut zum Himmel still hinauf,
Ihr Auge weint und lächelt,
Und rascher jeder Pulsschlag strebt,
Und alles jauchzt, und alles lebt,
Vom frischen Hauch umfächelt.
Und alldurchdringend blitzt der Strahl,
Er gleitet in das stille Tal,
Was er berührt, das scheinet;
Er trifft ein niederes Hüttendach,
Wo grad ein treues Herze brach,
Das lang umsonst geweinet.
Friedrich von Sallet