Die Wolke

Noch ist es still. Noch schlummert rings die Erde.

Nur frühe Vöglein zwitschern, halb im Traum.

Hoch droben segelt eine lichte Wolke

Im Morgendämmern durch den Himmelsraum.

Und schwebend, wie auf weitgespannten Schwingen,

Gleicht einem Engel sie, der heimwärts zieht;

Vielleicht hat an verlaßnem Sterbelager,

Ein stiller Hüter, er zur Nacht gekniet,

Vielleicht auf eine Stirn in Fiebergluten

Mit lindem Trost die kühle Hand gelegt,

Vielleicht ein leidgeprüftes Herz beruhigt,

Das hoffend nun dem Licht entgegenschlägt …

… Da ich noch sinnend in die Ferne träume,

Zerfließt die Wolke still im Sonnenschein.

Der Himmel öffnet seine blauen Tore:

Er läßt den heimgekehrten Seraph ein.

Alice von Gaudy