Vogelmette
Dringt das erste Dämmerlicht
Grüßend mir ans Bette,
Hör ich vor dem Fenster dicht
Eine Vogelmette.
Hell vom Platz vor meinem Haus,
Wo die Sträucher ranken,
Klingt sie in die Stadt hinaus
Wie ein kindlich Danken.
Leise da und dort erwacht
Erst ein Vogelseelchen,
Und halb schlummernd noch und sacht
Stimmen sich die Kehlchen.
»Guten Morgen!« hör ich’s dann,
»Fehlen denn auch keine?«
»Munter, Kinder, fangt nur an:
Noch sind wir alleine!«
Und nun setzt es silbern ein,
Keusch in jedem Klange,
Vogelfröhlich, glockenrein,
Frisch zum Morgensange!
Innig wie ein Kinderlied,
Wie ein Märchen traulich,
Daß es durch die Lüfte zieht
Wundersam erbaulich.
Wie es schwillt und wogt und rollt
Und zum Schöpfer schwebt,
Bis das erste Sonnengold
Um die Dächer webt!
Ferdinand Avenarius