Geleitspruch des deutschen Spielmanns
Tag und Nacht – im Wechsel schweben
Sie durch unser Erdenleben;
Ihnen folgt der Stunden Schar.
Morgenlicht und Dämmerdunkel,
Sonnenglanz und Sterngefunkel
Tragen sie als Kranz im Haar.
Leicht und frisch und frei von Sorgen
Tritt der schöne Knabe Morgen
Aus dem goldbesonnten Tor.
Tausend Hände werden rege,
Menschenlaut die stillsten Wege;
Froh erschallt der Vöglein Chor.
Mittag naht – und ernster schreiten
Seine Stunden ihm zur Seiten;
Immer müder wird ihr Schritt,
Bis aus kühlem Waldesschatten
Auf die taubenetzten Matten
Leichtbeschuht der Abend tritt.
Seiner Hand entsinkt die Leier,
Und ein sternbesäter Schleier
Spannt sich wie ein Baldachin
Über weite Himmelsräume,
Und ins Reich der schönen Träume
Lockt die stille Königin.
Tag und Nacht hält uns umwunden:
Alle unsre Lebensstunden,
Dunkel bringen sie und Licht,
Bis beim letzten Abendglühen
Eine Hand den Flor darf ziehen
Über unser bleich Gesicht.
Der deutsche Spielmann