Traumland

Wo gibt’s diese Welt wie im Traume?

So seltsame Luft, so milchig-kalt,

Solch Haus von Holze so silbrig-alt,

Solch seltsame Blätter am Baume –

Und Menschen gehen und kommen

Mit fremden Gesichtern, doch seltsam bekannt,

Die reden – ich weiß nicht, warum ich verstand,

Was ich von ihnen vernommen …

Drauf hab ich das Städtlein verlassen:

Da schwamm ein seltsam bleierner Fluß,

Der wälzte tiefab mit schweigendem Schuß

Die ungeheuren Massen …

Ich stieg auf den Berg, den vertrauten:

Da sah ich ein Land, das ich nie gesehn,

Erdfremde beleuchtet, so selig-schön! –

Meine Augen vor Wonne tauten …

Nun, wo ich am Tag so gehe,

Verfolgt mich die Sehnsucht überall

Nach dem seltsamen Fluß mit dem Wasserfall

Und dem Lande hinter der Höhe.

Victor Blüthgen