Der Pfropfenzieher
von
Rudolf Baumbach.
Nun laßt uns tapfer brechen
den Rheinweinflaschen den Hals,
und füllt mit goldnen Bächen
die Höhlung des Kristalls.
Erhebt euch von dem Tische
und steht in Reih’ und Glied,
und singt das ewig frische,
uralte Zecherlied:
Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
alles muß vertrunken sein!
Der diesen Spruch ersonnen,
ein frommer Ritter was,
der lieber denn am Bronnen
bei vollen Fässern saß,
und als der letzte Gulden
aus seinem Beutel schied,
da machte er fröhlich Schulden
und sang sein altes Lied:
Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
alles muß vertrunken sein!
Die Lehen und Allode
ertranken im Malvasier;
als letztes der Kleinode
blieb ihm ein Pfropfenzieh’r.
Das Alter tät ihm färben
die Haare silberlicht.
Er gönnte seinen Erben
den Pfropfenzieher nicht.
Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
alles muß vertrunken sein!
Er zog aus seiner Tasche
das Kleinod glatt und blank
und gab’s für eine Flasche,
gefüllt mit Lautertrank.
Ein Schlag, da sank in Scherben
der Flaschenhals zu Tal.
Er trank und sang im Sterben
zum allerletztenmal:
Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
alles muß vertrunken sein!
Nun trinken wir die Minne
des alten, durst’gen Herrn,
und blieb ein Tropfen drinne,
er säh’s gewiß nicht gern.
Erhebt euch von dem Tische
und steht in Reih’ und Glied,
und singt das ewig frische,
uralte Zecherlied:
Zum Zippel, zum Zappel, zum Kellerloch ’nein,
alles muß vertrunken sein!