Die letzte Hose

von

Joseph Viktor von Scheffel.

Letzte Hose, die mich schmückte,

fahre wohl! dein Amt ist aus,

ach auch dich, die mich entzückte,

schleppt ein andrer nun nach Haus.

Selten hat an solchen Paares

Anblick sich ein Aug’ erquickt.

Feinster Winterbuckskin war es,

groß karriert — und nie geflickt!

Mit Gesang und vollen Flaschen

grüßt’ ich einst in dir die Welt;

zum Hausschlüssel in der Taschen

klang noch froh das bare Geld.

Aber längst kam das Verhängnis,

die Sechsbätzner zogen fort,

und das Brückentorgefängnis

ist ein dunkler stiller Ort ...

Längst entschwand, was sonst versetzlich,

Frack — und Rock — und Mantels Pracht.

Nun auch du!... es ist entsetzlich!...

Letzte Hose, gute Nacht!

Tag der Prüfung, o wie bänglich

schlägt mein Herz und fühlt es hell:

alles Ird’sche ist vergänglich

und das Pfandrecht schreitet schnell!

Nirgend winkt uns ein Erlöser,

letzte Hose!... es muß sein!...

Elkan Levi, dunkler, böser

Trödler, nimm sie!... sie sei dein!

Stiefelfuchs, du alter treuer,

komm’ und stütz’ mein Dulderhaupt!

Noch ein einziger Schoppen Neuer

sei dem Trauernden erlaubt.

Dann will ich zu Bett mich legen

und nicht aufstehn, wenn’s auch klopft,

bis ein schwerer, goldner Regen

unverhofft durchs Dach mir tropft.

Zeuch denn hin, die ich beweine,

grüß’ den Rock und ’s Camisol!

Weh! schon friert’s mich an die Beine!...

Letzte Hose! fahre Wohl!!