Guano

von

Joseph Viktor von Scheffel.

Ich weiß eine friedliche Stelle

im schweigenden Ozean,

kristallhell schäumet die Welle

zum Felsengestade hinan.

Im Hafen erblickst du kein Segel,

keines Menschen Fußtritt am Strand;

viel tausend reinliche Vögel

hüten das einsame Land.

Sie sitzen in frommer Beschauung,

kein einz’ger versäumt seine Pflicht,

gesegnet ist ihre Verdauung

und flüssig als wie ein Gedicht.

Die Vögel sind all’ Philosophen,

ihr oberster Grundsatz gebeut:

den Leib halt’ allezeit offen

und alles andre gedeiht.

Was die Väter geräuschlos begonnen,

die Enkel vollenden das Werk;

geläutert von tropischen Sonnen

schon türmt es empor sich zum Berg.

Sie sehen im rosigsten Lichte

die Zukunft und sprechen in Ruh’:

„Wir bauen im Lauf der Geschichte

noch den ganzen Ozean zu.“

Und die Anerkennung der Besten

fehlt ihren Bestrebungen nicht,

denn fern im schwäbischen Westen

der Böblinger Rapsbauer spricht:

„Gott segn’ euch, ihr trefflichen Vögel,

an der fernen Guanoküst, —

trotz meinem Landsmann, dem Segel,

schafft ihr den gediegensten Mist!“