3. Von Bombay über Jaipur, Agra, Delhi und Benares nach Calcutta.
Vgl. die Karten bei S. [96] und [64].
Eisenbahn von Bombay nach Calcutta. 1) Bengal-Nagpur Railway, die kürzeste Verbindung durch die südl. Zentralprovinzen, 1221 M (1965 km), sogen. Calcutta-Mail (Schnellzug) über Bhusawal, Nagpur in 413/4 St., Fahrpreise: I. Kl. 91 Rup. 1 anna, II. 45 Rup. 9 annas; Rückfahrkarten I. Kl. 171 Rup. 8 annas, II. Kl. 80 Rup. 8 annas, III. Kl. 15 Rup. 10 annas. Abfahrt von Bombay, Victoria Terminus Stat. mittags, Ankunft Calcutta (Howrah) Vm.
2) Great Indian Peninsular Railway und East India Railway, 1400 M (2253 km), sogen. Midland Route durch die nördl. Zentralprovinzen über Nasik, Jubbulpore, Allahabad in 421/4 St.; Fahrpreise: I. Kl. 99 Rup. 1 anna; II. Kl. 45 Rup. 14 annas; III. 16 Rup. 6 annas (für Diener). Auf dieser Strecke läuft wöchentlich ein Sonderzug (Special Train) mit Speisewagen nach Ankunft des P. & O.-Dampfers in Bombay in 40 St., Fahrpreis 6 £ 12 sh, mit nur 32 Plätzen, daher Anmeldung vor Ankunft in Aden nötig.
3) Bombay, Baroda and Central Indian Railway und East Indian Railway durch Radjputana und Hindustan über Jaipur, Delhi, Lahore, Agra, Allahabad, Benares; die Radjputana-Route kombiniert mit der East India-Route. Es ist der beste Reiseweg für Weltreisende, zugleich die bestgeleitete Bahnlinie Indiens; wo die Unterkunft in den auf dieser Strecke gelegenen sehenswerten Städten zu mangelhaft ist, findet man im Stationsgebäude gute Verpflegung und bequeme Schlafräume (zuweilen etwas lärmend) mit Bädern.
Von Bombay nach Delhi.
Vgl. die Karten bei S. [96] und [64].
Eisenbahn: Linie 3) (s. oben). Abfahrt von Bombay von Colaba Station (am besten, um guten Platz zu bekommen, l. sitzen!). Schnellzug bis (849 M, 1367 km) Delhi mit Bombay Baroda & Central Indian-Bahn in 35 St. für I. Kl. etwa 62 Rup. 7 annas, II. Kl. 31 Rup. 4 annas, Diener 8 Rup.
Der Reisende gelangt auf dieser Linie aus dem regenreichen, von üppiger Tropenvegetation bedeckten Westküstengebiet des Dekhans, das den Regen bringenden Südwestmonsun aus erster Hand erhält, in immer trockenere Zonen; dementsprechend ändert sich auch die Vegetation, die in Radjputana schon mehr Ähnlichkeit mit der des trockenen Vorderasien hat, als mit der tropischen des südl. und östl. Vorderindien. Die Temperaturverhältnisse ändern sich im Sommer zwischen Bombay und Delhi nicht so sehr, als man es nach der etwa 10 Breitengrade betragenden Entfernung erwarten sollte; dagegen ist der Winter in Bombay ganz bedeutend wärmer als in Agra und Delhi (Januartemperatur in Bombay 23,6°, in Agra 15,6°).Die täglichen Temperaturschwankungen, die für das körperliche Befinden des Menschen besonders wichtig sind, sind in Nordwestindien viel größer als in dem beständig feucht-warmen Bombay.
Ostindien, nördl. Teil.
Die Bahn geht von Bombay nördl. längs der Back Bay mit Blick auf Malabar Hill und die Türme des Schweigens, durchläuft die flache Insel Bombay, Dörfer mit Kokospalmen, und kreuzt bei (10 M) Mahim das seichte Meer zwischen den Inseln Bombay und Salsette auf einem Damm (von hier ab vgl. die Karte S. [96]). Jenseit des Dammes (11 M) Bandra mit alten portugiesischen Kapellen, beliebtes Seebad mit frischerem Seeklima; ein Ritt längs der Westküste der Insel von Bombay nach Bandra ist sehr lohnend zum Kennenlernen tropischer Natur (s. S. [42]).—Die Bahn führt nun nahe längs der Westküste der Insel Salsette nach (18 M) Goregaon, dicht am Meer; etwa 2 km nö. vom Bahnhof liegen die Tempelhöhlen von Jogeshwar aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrh.—(22 M) Borivli. Von der Stat. Borivli in 1 St. (mit Tonga) über waldige Hügel nach den interessanten Höhlen von Kanhari, 109 in Felsen gemeißelte buddhistische Mönchszellen (jetzt verlassen).—Bei (23 M) Bhayndar (Ghorbandar) überschreitet die Bahn auf 2 M langer Brücke den Basseïn Creek, einen Meeresarm, der die Insel Salsette vom Festlande trennt; jenseits liegt (29 M) Stat. Basseïn Road (Dâk Bungalow).
Von Basseïn Road mit Tonga (stets bereit) auf Landstraße südwestl. nach (8 km) *Basseïn (Dâk Bungalow, Frühstückskorb mitnehmen, Unterkunft beim Stationsvorstand schriftlich vorausbestellen!), als starke Seefestung 1532 von den Portugiesen angelegt, 1674 von arabischen Piraten geplündert, 1739 von den Mahratten, 1744 und 1780 von den Engländern erobert, den Mahratten aber zurückgegeben, wurde erst 1817 englisch. Das Rasthaus nahe den Ruinen hat Tische und Stühle. Man fährt durch das mächtige Seetor (aus Teakholz, gut erhalten) in das Fort; der Hauptweg führt zur Kathedrale Matriz St. Joseph mit gut erhaltenem Turm. Mitten im Fort liegt die Zitadelle, in ihr die älteste Kirche Indiens, Nossa Senhora da Vida, mit sehenswertem Kanzeldach. Im W. Hindutempel und Tank. Zwischen Tank und Municipal Road liegen Kirche und Hospital Misericordia, letzteres mit herrlichen Klosterhallen; die Kirchenfront ist das schönste Architekturstück Basseïns. Im Kloster pflegte der heilige Francis Xavier während seiner Besuche 1544 und 1548 auszuruhen. Auch das Landtor Porto da Terra ist sehenswert. (Der Besuch der Ruinen Basseïns wird von Kennern sehr empfohlen!)
Die Bahn berührt unbedeutende Stationen. Von (108 M) Stat. Daman Road (Dâk Bungalow) führt eine Landstraße westl. nach (7 M) Daman, einer 1531 begründeten, noch jetzt portugiesischen Niederlassung, die zu Goa gehört; kleine befestigte Seehandelsstadt an einem Flusse mit seichter Barre und schlechtem Ankerplatz für Schiffe.—Weiter nach (115 M) Stat. Udvada mit dem ältesten parsischen Feuertempel in Indien, dessen Feuer aus Persien vor einem Jahrtausend (700 n. Chr.) mitgebracht wurde und seitdem brennt. Es folgt die kleine Stadt (149 M) Navsari, Erziehungsort für parsische Priester.—(167 M) Stat. Surat (Dâk Bungalow), Stadt mit 114116 Einw., früher als Hauptort der englischen Handelskompanie im 18. Jahrh. mit über 3/4 Mill. Einw.; viele Moscheen, Hindu-und Parsitempel, große Basare (Intarsien, Sandelholzschnitzereien), Tierspital; Baumwoll-und Seidenspinnereien; da der Hafen von Surat, Siwalli, an der Tapti-Mündung eine schlechte Reede und versandete Barre hat, hat Surat seine Bedeutung als Seehandelsplatz längst verloren.—2 M weiter überschreitet die Bahn auf langer Brücke den Tapti.—Vor (204 M) Stat. Broach (von hier ab vgl. die Karte bei S. [64]) führt die Bahn auf einer schönen Brücke über den Nerbudda (spr. narbadda), den 1280 km langen Hauptfluß der Zentralprovinzen, der den Hindus nicht viel weniger heilig ist als der Ganges. Im Spätsommer, gegen Ende der Regenzeit, ist er mächtig angeschwollen. Die kleine Stadt Broach ist sehr alt, hat auch fünf »Türme des Schweigens«. 16 km östl. liegt der Hindu-Pilgerort Shukaltirth.— (248 M) Stat. Baroda (gute Bahnwirtschaft mit Schlafgelegenheit), Stadt mit 99376 Einw., am Flüßchen Wiswamitri, Hauptstadt des gleichnamigen Gaekwar-(Kuhhirt-)Staates, mit starker englischer Besatzung, deren Kasernen durch einen hübschen Park von der Eingebornenstadt getrennt sind. In dem alten Nazar Bagh-Palast liegen viele Juwelen, auch zwei Feldgeschütze, deren Rohre aus massivem Gold, die Lafetten aus Silber sind. Weiße Stiere als Geschützbespannung werden nahebei gehalten.—Nw. von Baroda durchläuft die Bahn die ebene, fruchtbare, im Winter kahle und öde, in der Regenzeit aber grüne, parkähnliche Landschaft Guzerat, durch die man bei Tage fahren sollte. Besonders die Baumwolle von Guzerat ist berühmt.—Vom Bahnhof (292 M) Mehmadabad (guter Warteraum im Bahnhof) malerischer Blick auf den Fluß; abends und morgens spielen Affenherden dicht beim Zuge; günstiger Jagdausflug auf schattiger Straße von Mehmadabad nach Kaira (11 km), einer 31/2 Jahrtausende alten Stadt; die Umgegend ist reich an Nilgai und andern Antilopen, Affen, wildem Geflügel (Kraniche, Papageien) und Alligatoren.—Die weitere Bahnstrecke bis nach Delhi ist überreich an schönen Gebäuden und Ruinen. Man erreicht nun (310 M, 496 km) Stat. *Ahmedabad, eine der schönsten Städte Indiens, berühmt durch ihre Denkmäler; man sollte wenigstens 24 St. Aufenthalt nehmen (5 Tage genügen kaum zu gründlichem Besuch).
Bahnhof der Bombay & Baroda Railway beim Kaloopur Gate an der östl. Stadtmauer.—Gasthöfe: Empire Hotel, Bhadar, Pens. 10-12 Rup., in guter Lage; Grand Hotel, Mirzapur Road, Pens. 7 Rup., einfacher, gelobt.—Bank: Filiale der Bank of Bombay.—Einkäufe: Empfehlenswerte Schnitzereien u. Einlegearbeiten. —Wagen in den Hotels; Droschken I. und II. Kl. nach Tarif.
Ahmedabad, Bezirkshauptstadt mit 215448 Einw. (2/3 Hindu, 1/5 Mohammedaner, viele Dschainas, d. h. Anhänger einer etwa gleichzeitig mit dem Buddhismus entstandenen religiösen Sekte), am l. Ufer des Sabarmatiflusses, mit alten Mauern und Türmen, ist Anfang des 15. Jahrh. von Ahmad Schah, dem zweiten mohammedanischen König von Guzerat, gegründet, war später zur Zeit des Mogulreichs eine der glänzendsten Städte des westlichen Indiens und stets berühmt durch sein Kunsthandwerk; hat bedeutendes Goldwaren-, Seiden-und Baumwollengewerbe. Die Stadt ist reich an schönen Denkmälern, Moscheen, Mausoleen, Dschain-und Hindutempeln und hat echt orientalisches Gepräge; die schmutzigen Straßen haben viele marmorne Futterstellen für Vögel, die Häuser sind reich an Holzschnitzereien.—Bei einer Rundfahrt sind die Hauptsehenswürdigkeiten: der Hathi Sing's Tempel im Dschainstil, Prachtbau mit reichen, kunstvollen Skulpturen (1848 erbaut) aus weißem Marmor, von einem Vorhof mit 53 Pagodenkuppeln umgeben, auch im Innern (Diener liefern Leinwandüberschuhe, die man aus zeremoniellen Gründen tragen muß!) sehr sehenswert; er liegt nahe vor dem Nordtore (Delhi Gate) der Stadt, im Grünen, von Affen und Papageien umschwärmt. Östl. davon vor der Stadt die *Mata Bhawani (große Zisterne).—Man fahre dann durch Delhi Gate südl. am Manik Burj (Rubinbastei) vorbei (l.), die über dem Grundstein der Stadt erbaut ist.—Am Platz in der Mitte der Stadt liegen die *Gräber der Königinnen des Ahmad Schah, ein großer Bau aus schwarzem und weißem Marmor. Gegenüber, mitten auf dem Platze, die Hauptmoschee, *Jama Masjid, 1424 von Ahmad Schah erbaut; Eingang von N. auf einer Freitreppe; ihre beiden Minarets wurden im Erdbeben 16. Juni 1819 halb zerstört.—Ebenfalls ein Prachtbau ist die *Rani Sepree's Moschee nebst Grabdenkmal der Lieblingsgattin Mahmud Bigarah's, am Ende der Straße nahe südl. von den Gräbern der Königinnen, dicht beim Astoria Gate, erbaut 1514. Dicht westl. davon liegt Dastur Khan's Moschee, erbaut 1486.— Durch das Astoriator führt ein Weg nach (2,5 km) dem *Grabmal des Schah Alam; nahe südl. davon liegt in hübscher Umgebung ein Wasserbehälter.—Auf der Rückfahrt besuche man östl. vom Weg den großen *Kankariya-Teich mit prächtigen Anlagen, Marmortreppen und Kuppeltoren, 1451 vom Sultan Kutab-ud-din erbaut.— Am Fluß, mitten in der Westmauer der Stadt, liegt die alte Zitadelle *Bhadr (spr. bödder), 1411 von Ahmad Schah erbaut; an ihrer Ostseite liegt Azam Khan's Palast, jetzt Gefängnis. Sehr schön ist das Nordtor des Bhadr; in der NO.-Ecke der Zitadellenmauer liegt die *Sidi Said's Moschee mit reichen Pflanzenornamenten aus Marmor.
Etwa 3,5 km sw. der Stadt, jenseit des Flusses, liegt das Prachtmausoleum Azam and Mu'azzam Khan's Tomb, aus dem 15. Jahrh. Derselbe Weg führt nach (11 km) *Sarkhej, einer prächtigen Sommerpalastruine aus dem 15. Jahrh., vom Sultan Mahmud Bigarah's erbaut, gut erhalten, mit vielen prächtigen Mausoleen, Moscheen und Palästen an einem künstlichen Teich; selten besucht, aber sehr sehenswert.
Ein größerer Ausflug von Ahmedabad mit der Bahn durch die Provinz Kathiawar über Viramgam nach (165 M) Songad (bequeme Karawanserei); von da mit Fahrgelegenheit, die der Deputy Assistant Political Agent verschafft, nach dem etwa 24 km südl. von Songad gelegenen Wallfahrtsort *Palitana, wo die schönsten, doch selten besuchten Dschaintempel Indiens auf dem *Satrunjaya (Heiliger Berg) liegen, eine großartige Tempelstadt, die sich über zwei Hügel und das Tal dazwischen erstreckt. Auf Bequemlichkeit ist unterwegs nicht zu rechnen. Schließt man daran noch den weitern Ausflug nach den Tempeln von *Girnar bei der Bahnstation Junagarh (Dâk Bungalow und staatliches Logierhaus), so muß man 6 Tage für den anstrengenden, aber sehr lohnenden Ausflug rechnen.
Die Bahn kreuzt nördl. von Ahmedabad den Sabarmati (Saburmuttee) auf einer schönen Brücke und führt dann durch reich bebaute Gegenden des nordwestlichen Guzerat; die Dörfer haben elende Lehmhütten. Nach Überschreiten der Nordgrenze von Guzerat wird die Gegend wieder hügeliger.
(425 M) Abu Road Station (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow). Motorwagen (7 Sitze, 35 Rup., Fahrzeit 11/2 St.; ein Sitz 5 Rup., fährt nur für mindestens 4 Personen). Ponies (4 Rup.), Rikschas, Tongas, Ekka (41/2 Rup.) sind zu haben. Wagen 24 St. vorausbestellen!
Von hier besuche man die 30 km nw. gelegene, 1200-1700 m hohe Berggruppe des *Mount Abu. Sie ist der südl. und zugleich höchste Teil des Aravalligebirges, das in 500 km Länge die Grenze zwischen dem nordwestl. Dekhan und dem nordostindischen Wüsten- und Trockengebiet bildet; seine Hänge fangen die Regenwinde ab und haben deshalb eine viel üppigere Vegetation als die umgebenden Niederungen. Es besteht aus sehr alten Gesteinsarten und ist reich an Erzen und Edelsteinen. Guter Weg zu Wagen (Tonga 10 Rup., hin und zurück 18 Rup.), zum Schluß mit Rikscha oder zu Fuß bis zum Kamm (21/2 St.). Der Ort Mount Abu (Rajputana Hotel, gut, Pens. 7 Rup., Platz vorausbestellen!) in 1200 m Höhe ist vielbesuchter Sommeraufenthalt und Sitz der Rajputana-Regierung sowie eines militärischen Sanatoriums. In der Nähe liegen die berühmten, ganz aus Marmor bestehenden *Dilwarratempel (11. Jahrh.), Dschaintempel, viel von Reisenden besucht (von 12 Uhr an zu sehen), äußerst lohnend; man benutze Rikscha mit 3 Kulis für 2 Rup. hin und zurück; Paß zum Besuch vom Magistrat in Mount Abu besorgt das Hotel. Von den Dilwarratempeln gelangt man zu Fuß in 21/2 St. oder mit Rikscha nach Achilghar (Achalgrah- Fort) mit hochgelegenen Tempeln mit schöner Fernsicht.
Nach etwa 20 St. Fahrt von Ahmedabad erreicht man (615 M, 990 km) Ajmer, Adschmer (496 m ü.M.; Railway Hotel, mäßig, vorzügliche Schlafzimmer und Restaurant im Bahnhof; Dâk Bungalow; Club Kaisar Bagh; Bank: Alliance Bank of Simla; Droschken), Stadt mit 86273 Einw., mit Mauer (fünf schöne Tore) umgeben, als Handelsstadt wichtig; Bankgeschäfte für einheimische Fürsten und Baumwollmarkt; im März große Messe »Aruss-Mela«. Aufenthalt 1-2 Tage ratsam. Hauptsehenswürdigkeit ist die Dargah, ein Mausoleum aus dem 13. Jahrh., das Grab des mohammedanischen Märtyrers Khwajah Muin-ud-din Chishti (genannt Chodscha-Sahib), der allgemein als Heiliger verehrt wird; das von vielen Pilgern besuchte Grab ist ein viereckiger Bau aus weißem Marmor mit Kuppel; einer der beiden Eingänge hat einen silbernen Bogen. Christen dürfen sich dem Heiligtum nur auf 20 m nähern!—Im alten Fort ist jetzt ein Museum eingerichtet.—Der im 11. Jahrh. angelegte künstliche See Ana Saugar ist mit Marmorbauten umgeben. Auch die Moschee Arhai-din-ka-jhompra, um 1200 von Kutab-ud-din aus den Trümmern eines Dschaintempels erbaut, am Hügel außerhalb der Stadt und dicht vor dem Tore nahe der Dargah, ist sehr sehenswert.
Oberhalb von ihr vom Gipfel des Taragarh-Hügels (1000 m; morgens mit Sänfte oder Pony bequem in 11/2 St. zu erreichen) hat man bei der zerfallenen Burg prächtige *Aussicht auf die Stadt und die weite Rajputana-Ebene. —Umgegend und Stadt Ajmer sind sehr malerisch und reich an seltenen Motiven. Die alten Häuser und Straßen sind gut gepflegt, das Straßenleben viel bunter und »indischer« als in Bombay.—Ausflug nach dem heiligen Brahmanensee *Pushkar (11 km; Dâk Bungalow) mit mehreren Tempeln, sehr lohnend; wird im Oktober und November von etwa 100000 Pilgern besucht.
Seitentour nach Udaipur.
Eisenbahn von Ajmer mit der Bombay, Baroda and Central India Railway über (116 M) Chitorgarh nach (185 M) Udaipur in 121/2 St. für I. 171/2, II. 73/4 Rup. (bester Zug abds von Ajmer; man bestelle vorher beim Stationsvorsteher von Ahmedabad oder Ajmer durchgehenden Wagen (keine Nachzahlung), sonst umsteigen in Chitorgarh (Chitorgarh besuche man erst auf der Rückfahrt).
*Udaipur (620 m; guter Gasthof mit beschränktem Raum, deshalb Vorausbestellung zu empfehlen; Tongas zu haben; Missionsarzt der Church of Scotland am Orte), die wunderbar malerische Hauptstadt des Mewarstaats und Sitz des Maharana (Fürstentitel) Dhiraj Sir Fateh Singh, des Hauptes der ältesten indischen Adelsfamilie, gegründet 1568 von dessen Vorfahren, dem Maharana Udai Singh, hat jetzt etwa 46000 Einw. und ist mit bastionierten Mauern umgeben. Dr. J. Schmittmann nennt sie eine der schönsten Städte Indiens: »Dort verwirklichen sich die Träume, die man in Europa von der Pracht und dem Farbenreichtum Indiens träumt: das bunte Volksleben und die malerischen Marmorpaläste findet man sonst nirgendwo mehr«.—Sofort nach Ankunft bitte man den englischen Residenten um Erlaubnisschein zur Besichtigung der Paläste, um einen Reitelefanten des Maharanas und ein Boot zum Befahren des Sees; alles wird kostenlos zur Verfügung gestellt (Trinkgeld!). Nähere Auskunft gibt der Wirt des Gasthofs. Die Residency und die Missionshäuser liegen westl. vom Gasthof. Die Hauptstraße der Stadt führt vom Hathi Pol-Tor vorbei an einem Uhrturm und an dem großen *Jagannath-Tempel (1640 erbaut) zum *Palast des Maharanas, der in beherrschender Lage einen Hügel krönt. Durch das Große Tor (Bari Pol, 1600 erbaut) gelangt man in den Schloßhof, wo viele Elefanten angekettet bereitstehen. Geführt von einem Diener, durchwandert man die vielen sehenswerten Räume des Palastes; von einem Dachgarten *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Nach S. dehnen sich die Gärten des Maharanas aus, nördl. unter dem Palast breitet sich ein märchenhafter See mit kleinen Palmeninseln und Marmorkiosken aus. Zur Kahnfahrt auf dem See nehme man einen Nachmittag und beobachte von einer Insel den Sonnenuntergang.
Bei Rückfahrt gegen Mittag ab Udaipur hat man einige Stunden Zeit, die alte Ruinenstadt von *Chitorgarh (Dâk Bungalow 1,5 km vom Bahnhof, gut, auch gutes Essen; wegen Erlaubnis zur Besichtigung des Forts und Benutzung eines Reitelefanten schriftlich beim Hâkim, Oberbeamten des Ortes). Die Ruinen liegen auf einem steil abfallenden Hügel von 150 m Höhe (Rudyard Kipling beschreibt das Fort in »The Naulakha« und »Letters of Marque«). Ein breiter Zickzackweg führt durch mehrere Tore in die Feste hinauf. Man besteige die berühmten beiden Dschaintürme des Ruhmes und des Sieges; der siebenstöckige *Tower of Fame (Sri Allat) soll 896 erbaut sein und ist ebenso wie der 1458 bis 1468 erbaute *Tower of Victory (Jai Stambha) ganz mit interessantesten Skulpturen bedeckt.
Von Ajmer führt die Hauptbahnlinie (S. [67]) weiter nach:
(699 M, 1125 km) Stat. Jaipur, Dschaipur, Jeypore (482 m; Jaipur Hotel [Bes. Parse], von Deutschen gelobt, Pens. 7 Rup.; Kaisar-i-Hind-Hotel, nahe dem Bahnhof, 1,5 km vor der Stadt, leidlich, Pens. 6 Rup.; Wagen, Tongas, Ponies, Elefanten besorgen die Gasthöfe), Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums und Residenz des Maharadscha, eine wunderlich malerische und gesunde Stadt mit 136491 Einw., zwischen Hügeln; viele Tempel und Moscheen, große Bankgeschäfte, Kunstgewerbe für Export und Touristenwaren (Einkäufe in der sehenswerten indischen Kunstgewerbeschule »School of Art« [feste Preise] oder in den Werkstätten von Zoroaster, sonst Vorsicht [tüchtig handeln!]: Emaillesachen, Metallvasen, Schmuckdecken, Teller, Granaten, gelbe Topase); Teppich-, Musselin-und Kattunwebereien. Aufenthalt 2-3 Tage ratsam, um auch Amber (S. [69]) besuchen zu können. Eine Mauer mit hohen Türmen und sieben prächtigen Toren umgibt die Stadt. Der Maharadscha hält eignes Militär (Musik geleitet von einem deutschen Kapellmeister); Zeughaus, Geschützgießerei.—Rundfahrt vom Hotel 1,5 km zum Bronzetor vor der prächtigen, breiten Hauptstraße, deren Häuser, alle in gleichem Stil, rosa bemalt sind mit weißen Ornamenten; buntes Straßenleben, viele Tauben, interessanter Markt. Der *Palast des Maharadscha (Erlaubnis zum Besuch besorgt das Hotel) mit prächtigem Garten (Teich mit Krokodilen), der siebenstöckigen Chandra Mahal, das Hauptgebäude mit dem Audienzsaal Diwan-i-Khas aus weißem Marmor. Östl. davon die berühmte alte Sternwarte des Radscha Jai Singh II. (der Jaipur 1728 gründete und den Namen gab) mit seltsamen Instrumenten. Daneben der große Marstall mit 300 Pferden (viele glasäugige und Schecken, aber nur etwa 10 besserer Klasse) und einigen Elefanten; hier auch die Zenana (Harem).—Ein bizarrer Bau ist der Hawah Mahal (Palast der Winde, von Jai Singh II. erbaut), dessen Front nach der Hauptstraße liegt; Uhrturm und Zeughaus sowie eine Druckerei liegen im innern Palasthof. Östl. vom Audienzsaal ist der von Kolonnaden umgebene Exerzierplatz. Vor dem Haupteingang steht das Ushwari Minar Swarga Sul, »das Himmel durchbohrende« Minaret.—An der Stadtmauer ein schöner Park mit Tiergarten (sehr wilde Königstiger) und in der Mitte der Prachtbau Albert Hall, ein reichhaltiges Museum für alte und neue indische Kunst, nebst naturwissenschaftlichen Sammlungen; es ist eins der größten Museen Indiens und wird durch die Freigebigkeit des Maharadscha fortwährend bereichert.—Man besuche auch das Maharaja's College, eine Schule des Maharadscha für etwa 1500 Zöglinge aller Religionen, mit schöner Bibliothek, sowie die School of Art, eine indische Kunstgewerbeschule.— Dicht nö. der Stadtmauer liegen die *Gedächtnistempel (Chhatris, Chuttries) über den Verbrennungsplätzen der Radschas; man nehme einen Führer, da der Weg durch einen verwilderten Park (Schlangen!) führt. Auf dem Hinweg zahllose Affenherden, die man füttern kann (aber Vorsicht; nicht necken oder reizen). Jai Singh's Chhatri ist der schönste.—11 km südl. von Jaipur liegt Sanganer, mit altem Palast und Krischna-Tempel.
Ausflug nach Amber (Alt-Jaipur), 8 km von Jaipur in den Bergen des Aravalligebirges gelegen. Erlaubnis zum Besuch erteilt der Resident (durch Vermittelung des Gasthofs); Elefanten durch den Hotelwirt für 10 Rup. (doch ist das Reiten unbequem); bis zu den Bergen fährt man im Wagen. Der Weg ist sehr schön, er führt zwischen Parks und Villen der Radschputen-Aristokratie, Palastruinen (eine mit Krokodilteich) und Kandelaberkaktusgebüschen hindurch in 1 St. bis zu einem freien Platz, wo man den Wagen mit Pferden verläßt (Ochsenwagen fahren bis Amber) und wo event. der Elefant wartet (hier Rasthaus, Essen vorausbestellen, Getränke zu haben). Von hier geht (oder reitet) man auf gutem Weg in 40 Min. bequem bis *Amber; oben prächtige Aussicht auf die graue Ruinenstadt von Amber in einer Talsohle und das helle Jaipur in der Ebene. Das alte Schloß ist völlig verlassen, nur einige Fakire hausen in den Ruinen; man reitet bis zum Tor, geht dann durch den großen Hof über Terrassen und Gänge, sieht prächtige Marmorbauten mit Steingitterfenstern, Kiosken, Bädern, Gärtchen in edelstem maurischen Stil.—Amber wurde 1728 wegen Wassermangel oder nach der Überlieferung infolge einer Prophezeiung von Jai Singh II. verlassen, weil die Stadt ein Jahrtausend alt sein sollte und er, um sein Herrscherhaus zu erhalten, eine neue Hauptstadt gründen müßte. In der Zenana (Harem) von Amber hielt sich der letzte mohammedanische Herrscher 928 Frauen, darunter nur 28 Ranis (Königinnen); die Fenster der Zenana sind noch dicht vergittert.—Schon Ptolemäus erwähnt die malerische Schönheit von Amber; nur in Gwalior ist noch ein indischer Palast von ähnlicher Schönheit.
Ausflug nach Gulta. Mit Wagen durch die Stadt zum Fuß des Berges in 3/4 St., dann 1/2 St. zu Fuß auf guter Straße hinauf und auf der andern Seite hinab 1/4 St. nach *Gulta; ein enges Felsental mit 1500 Jahre alten, teils verlassenen Hindutempeln in herrlicher Lage in enger Schlucht mit reizenden Tankanlagen. Zurück auf demselben Wege; für den sehr lohnenden ganzen Ausflug genügt ein Nachmittag.
Die Bahn von Jaipur nach Delhi durchläuft in 8 St. die einförmige Ebene des Bangangaflusses und sodann das fruchtbare Hügelland des Staates Alwar und berührt (792 M) Stat. Alwar (597 m; Dâk Bungalow), Hauptstadt (56740 Einw.) eines Radscha. Königspalast mit wertvoller Bibliothek orientalischer Manuskripte (ein »Gulistan«, von Agha Sahib [angeblich einem Deutschen] geschrieben, der 200000 Mk. wert sein soll!); ferner Zeughaus (reich), Marstall mit 500 Pferden, Mausoleum des Bakhtawar Singh, ein Elefanten-Festwagen, das Tripuliya (Grabdenkmal des Tarang Sultan, gest. 1350), mehrere Tempel. Vom Fort, 300 m über der Stadt, prachtvolle Aussicht, man nehme zum Aufstieg eine Sänfte (chair). Tigerjagd in der Umgebung.
Nach Überschreiten des Sabiflusses, der hier in der Trockenheit schon versiegt, geht es nun durch die weite Jumna-Ebene bis Delhi. Die Bahn bleibt westl. vom Kutab Minar und den Grabdenkmälern und Ruinen südl. von Delhi, dreht nahe der Stadt nach O. und läuft durch die nw. Stadtmauer beim Kabul Gate in den Hauptbahnhof von (890 M, 1432 km) Delhi ein.
Delhi.
Vgl. den Plan S. [71].
Ankunft. Der Hauptbahnhof vereinigt die Linien der Rajputana Malwa Railway (von Jaipur), der East Indian Railway (nach Calcutta) und der Delhi-Umballa-Kalka Railway mit einer Linie nach Lahore.
Gasthöfe: Hotel Cecil (Hotz, Schweizer), Civil Lines, nahe Ludlow Castle, in schöner, hoher Lage mitten in wohlgepflegten Anlagen, I. Ranges, recht gelobt, auch die Küche, Deutsch gesprochen, Pens. von 7 Rup. an.—Maidens Metropolitan Hotel, nördl. vom Bahnhof, ganz gut, Pens. von 7 Rup. an.— Grand Hotel, Civil Lines, Pens. 5 Rup. —Woodlands Hotel, bei der St. Jameskirche, Kashmir Gate, Pens. 5-6 Rup.
Post und Telegraph in der Querstraße östl. vom Bahnhof.—Droschken I. und II. Klasse nach Tarif.
Banken: Bank of Bengal.—Delhi Bank, letztere Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. —Polizei in Hamilton Road und nw. vom Kashmir Gate, nahe bei Ludlow Castle.— Bungalow des Distriktsresidenten nahe bei Kashmir Gate.—Zeitung: The Morning Post.—Apotheke: Narain & Co., New Druggist's Hall.—Zwei türkische Bäder in der Stadt.—Photograph: Sultan Ahmad Khan, innerhalb des Delhi Gate.—Geschäftsadressen. Indische Kuriositäten: Imre Schweigar, Kashmir Gate, große Auswahl von Kunstschätzen; Jadu Kissen, am Kashmir Gate, Photographien von Indien; Juweliere in der Hauptstraße Chandni Chauk (besonders Goldfiligran!); ebenda Geschäfte für Emaille-Metallsachen, Elfenbeinschnitzereien (Rughnat Das, Kinari Basar) und-malereien, Seidenstickereien, gestickte Schuhe, Kleider, Decken u. dgl.—Klub: Delhi Club im Ludlow Castle.
Zeiteinteilung. 1. Tag: Vm. Besuch des Forts und Königspalastes, der Moscheen Jama Masjid und Kalan Masjid; Nm. Rundfahrt in der Stadt, Basare in der Hauptstraße Chandni Chauk.—2. Tag: Frühzeitig Wagenfahrt nach Firozabad (Asokasäule) und Indrapat, dann zum Mausoleum Humayun's und andern Grabdenkmälern; von da zum Kutab Minar (Essen vorausbestellen!). Rückfahrt Nm. über Jai Singhs Sternwarte. Wagen zum Kutab und zurück 12-16 Rup. den Tag.
Plan von Delhi.
Geschichtliches. Delhi nimmt geschichtlich den ersten Rang unter den Städten Indiens ein; als Indraprastha (griech. Indabara) kommt es schon im »Mahȧbhârata«, dem altindischen Heldengedicht, vor. Der Name stammt von einem Fürsten Dilu, der im 1. Jahrh. v. Chr. 10 km stromabwärts einen Burgbau aufführte. Unter einheimischen Fürsten verwüstet, wurde Delhi 1011 n. Chr. von dem Ghasnawidensultan Mahmud erobert und mußte 1052 durch Anang Pal II. neu bevölkert werden. 1193 eroberte Kutab ed-din Eibek, Feldherr des Ghoriden Moizz ed-din, die Stadt. Kutab als Statthalter machte sich 1206 als Beherrscher Hindustans unabhängig und begründete damit die »Sklaven«-Dynastie (1206-90), die in ihrer Hauptstadt Delhi großen Glanz entfaltete. 1290 folgten die tatarischen Dynastien Khildschi und Tughlak, bis 1398 der Mongole Timur Delhi eroberte und niederbrannte. Als die Stadt sich wieder erholt hatte, kam sie 1451 unter die afghanische Dynastie des Bahlul Lodhi; diese stürzte 1526 ein Nachkomme Timurs, Baber, der sich zum Großmogul erklärte. 1739 plünderte Nadir Schah von Persien die Stadt. 1803 wurde Delhi an die Engländer abgetreten. Im Mai 1857 versuchten die Sepoys (eingeborne Truppen) die Herrschaft der Briten abzuwerfen und ermordeten die Europäer; aber 20. Sept. 1857 wurde die Stadt von den englischen Truppen gestürmt und der letzte Scheingroßmogul nach Rangoon verbannt. 1911 wurde anläßlich der Krönung König Georgs V. zum Kaiser von Indien bestimmt, daß der Regierungssitz des indischen Kaiserreichs von Calcutta nach Delhi verlegt werde.
Delhi (252 m), Hauptstadt der britischen Division der Provinz Punjab, demnächst Hauptstadt des indischen Kaiserreichs, mit 232859 Einw. (zur Hälfte Hindu, etwa 80000 Mohammedaner), liegt inmitten der steppenartigen Jumna-Ebene, die nur in der Regenzeit mit frischem Grün überzogen ist, am rechten, hohen und aufgemauerten Ufer des schiffbaren Flusses Jumna (Dschamna) und ist rings mit einer hohen und starken Stadtmauer umgeben (mit Graben und Glacis). Die schmutzige, enge SW.-Hälfte ist die Eingebornenstadt; in der andern Hälfte liegen prächtige Bauwerke, darunter im Fort der alte Königspalast (s. unten). Wegen seiner vielen Moscheen und Tempel wird Delhi das »Rom Asiens« genannt. Eine aus der Blütezeit Delhis stammende Wasserleitung wurde von der englischen Regierung wiederhergestellt. Delhi besitzt viele Schulen, Druckereien und Zeitungen. Die Industrie ist nicht bedeutend; berühmt sind die Gold-und Silberarbeiten, Musselin-und Schalweberei und die Schnitzerei. Die Bedeutung von Delhi beruht gegenwärtig auf der Größe des Handels (Indigo, Baumwolle, Seide, Korn, Ölsaaten, Metalle, Salz, Hörner, Häute, Tabak, Zucker, Öle, Gold-und Silberwaren). Die Umgebung ist meilenweit bedeckt mit den Ruinen des alten Delhi oder Indrapat, zwischen denen wieder eine Reihe von Dörfern entstanden ist. Unter den vielen zerstörten Palästen, Moscheen und Grabmälern ist am berühmtesten der (14 km südl.) Kutab Minar (S. [74]).
Rundgang. Das stark befestigte Fort mit dem alten *Königspalast, 1632 von Schah Jahan aus gewaltigen Mauern von rotem Sandstein erbaut, liegt auf einer Anhöhe über dem Flußufer an der Ostseite der Stadt (Besichtigung erlaubt), Haupteingang von der Hauptstraße Chandni Chauk (Silver Street) durch das gewaltige Lahore Gate; ein Arkadengang führt geradeaus in die Musikhalle Nakkar Khana (Pl. 1), dahinter die öffentliche Audienzhalle Diwan-i-Am (Pl. 2), mit Marmorthronsockel an der Rückwand (den juwelengeschmückten Pfauenthron, der hier oder im Diwan-i-Khas stand, raubte 1739 Schah Nadir, er steht jetzt in Teheran); nun nach l. durch Quergebäude in die private Audienzhalle *Diwan-i-Khas (Pl. 3), eine offene Marmorhalle von seltenster innerer Schönheit und Pracht, mit vier vergoldeten Marmorkuppeln und Mosaiken, deren Edelsteine leider längst geraubt sind (mit der persischen Inschrift: »Und gibt es ein Eden der Wonne auf Erden—— Du findest es hier! und nur hier kann's Dir werden!«). R. von der Halle liegt der Saman Burj (Jasminturm, Pl. 4) mit märchenhaften Frauengemächern und der Rang Mahal (Pl. 5), eine gemalte Halle. Nördl., also l. vom Diwan-i-Khas, prächtige Marmorbäder (Akab Baths, Pl. 6) und westl. daneben die kleine, aber feine *Perlmoschee (Moti-Masjid, Pl. 7) aus weißem und grauem Marmor mit Bronzetor und drei Kuppeln, erbaut um 1660 von Aurangzeb, benannt nach jetzt gestohlenen Perlmuttereinlagen. Dazwischen reizende Anlagen mit Marmorterrassen. Jetzt ist der Palast teilweise in Kasernen verwandelt; seit 1904 wird auf Betreiben des damaligen Vizekönigs Lord Curzon (der die schöne Decke im Diwan-i-Khas herstellen ließ) für Erhaltung und Ausbesserung der Meisterwerke indischer und mohammedanischer Architektur von einer ständigen Kommission gesorgt. Statt der frühern Sorglosigkeit ist strenge Aufsicht eingeführt. Ein kleines Museum im Fort enthält besonders Miniaturmalereien der Schule von Delhi unter den Großmoguln. Ausgang durch das sehenswerte Delhi Gate am Südende. —Über die Torbrücke führt ein Fußweg zur Elgin Road, die man kreuzt, um geradeaus durch Khas Road auf den Platz zu gelangen, wo die großartige Jama Masjid (Dschama Masdschid), die größte Moschee der Erde, steht. Sie erhebt sich auf einem 9,5 m hohen, 140 m breiten und langen Viereck von roten Sandsteinquadern und ist aus weißem Marmor erbaut, der mosaikartig mit rotem Sandstein abwechselt. Den Haupteingang bildet eine prächtige Freitreppe, die Decke drei weiße Marmorkuppeln mit schwarzen Streifen, an jedem Ende der Front ein 45,6 m hohes Minaret (oben prächtiger *Rundblick). Besuch der Moschee am besten Freitag mittags, wo Tausende von Mohammedanern den Platz füllen, um zu beten und die Vorlesung aus dem Koran anzuhören.—Nun südl. nach der Schwarzen Moschee, Kalan Masjid, 1386 vom Firoz Schah Tughlak im Stil der ursprünglichen arabischen Moschee erbaut, nahe dem Turkuman Gate.—Zurück denselben Weg und am Dschaintempel (Jain Temple) nw. von Jama Masjid vorbei zur Hauptstraße Chandni Chauk (Silver Street), die vom Lahore Gate des Forts fast 2 km bis zum Lahore Gate der Stadtmauer westl. läuft und mit den besten indischen Kunstgewerbeläden besetzt ist; an ihrem Westende die Fatehpuri-Moschee (1650 aus rotem Sandstein erbaut). In der Mitte der Chandni Chauk ein Springbrunnen, dabei die Sonahri Masjid oder Goldene Moschee mit drei Goldkuppeln; östl. und r. davon der Moti-Basar.—Dann östl. weiter und durch die nächste Querstraße l. nach dem prächtigen Queen's Garden mit steinernem Elefanten (aus Gwalior 1645 vom Großmogul Schah Jahan hierher geschafft). An der Nordseite des Queen's Gardens läuft die Queen's Road am Bahnhof vorbei; man folge ihr östl. bis zur ersten Querstraße l., in der Post und Telegraph liegen; dann l. in die Hamilton Road, hier r. die Bibliothek, l. das Polizeiamt.
Umgebung: 1) Fahrt nach Alt-Delhi (Firozabad). Die Trümmer der alten riesigen Millionenstadt reichen fast 30 km südl. vom jetzigen Delhi; man fahre aus dem südl. Stadttore Delhi Gate südl. am Gefängnis und Irrenhaus vorbei; etwa 4 Min. östl. liegt das alte dreistöckige Fort Firozabad (Kotila genannt); auf seinem Dach steht die *Lat- oder Asoka-Säule, ein Monolith aus rotem Sandstein, 13 m hoch, mit Inschriften, wovon die zunächst sichtbaren, in etwa 3 m Höhe, im Nagri-Dialekt aus dem Jahre 1524, darüber aber das wichtige Edikt von Asoka, um 255 v. Chr., in den ältesten bisher in Indien bekannten Schriftzeichen abgefaßt sind. Weiter sö. (3 km südl. vom Delhi Gate) die alte Feste Purana Kila (Indrapat) mit Tor; innen die stilvolle Kila Kona-Moschee (1541 erbaut).—Etwa 1,5 km südlicher das prachtvolle *Mausoleum des Großmoguls Humayun in einem wohlgepflegten Park; Humayun, Sohn Babers, des Erneuerers der Dynastie Timurs auf dem Thron von Delhi, starb infolge Sturzes von der Treppe in Purana Kila 1556; sein Mausoleum ist eins der prächtigsten Indiens, in ihm sind 150 Mitglieder der Familie der Großmoguln beerdigt.
—Nun westl. zum Grabmal des heiligen Nizam-ud-din Aulia, einem Säulenprachtbau mit großer Kuppel; man steige aus und gehe durch die Säulenhalle Chausath Khambe, in deren Umgebung noch viele stimmungsvolle Grabdenkmäler liegen, darunter westl. vom Chausath Khambe das Grab des Dichters Amir Khusrau (der Papagei von Hindustan), gest. 1315; nahebei das Grab der frommen Jahanara, Tochter des Schah Jahan (gest. 1681). Auch das Mausoleum Safdar Jangs, etwa 1,5 km westl., ist sehenswert. Dann Rückweg auf der Hauptstraße nach Delhi, an der 3 km südl. vom Ajmer Gate r. (östl.) Jai Singh's Sternwarte liegt (1724 erbaut). Man tut gut, den Ausflug nach Alt-Delhi in Abschnitte (s. die Zeiteinteilung, S. [71]) zu teilen wegen der vielen Sehenswürdigkeiten.
2) Fahrt zum *Kutab Minar, der größten Sehenswürdigkeit Delhis, etwa 17 km südl. vom Ajmer Gate; beansprucht frühen Aufbruch, dauert etwa 4 St. (Dâk Bungalow, mit gutem Essen, vorhanden, man bestelle aber voraus; während der Reisezeit ist für Essen und Getränke genügend gesorgt, doch für größere Gesellschaften auch dann Vorausbestellung ratsam. Ein etwa 1/2 km vom Gasthaus entferntes Mausoleum ist als Dâk Bungalow für höhere englische Beamte eingerichtet; Reisende mit besondern Empfehlungen können auf Wunsch Erlaubnis zum Übernachten erhalten, um am nächsten Tag die alte Festung Tughlakabad (8 km; s. weiter unten) zu besuchen. Man fährt durch das Ajmer Gate an der Sternwarte Jay Singh's und dem Mausoleum von Safdar Jang (s. oben) vorbei; weiterhin liegt r. vom Wege (3,5 km nördl. von Kutab) der große verfallene Wasserbehälter Hauz Khas (vom Sultan Ala ud-din Khiliji 1293 erbaut) und südl. davon eine Gelehrtenschule und das Grabmal von Firoz Schah.—Das *Kutab Minar ist ein Riesenminaret (»Polarstern«-Minaret) von 76 m Höhe, 14,5 m unterm und 3 m oberm Durchmesser mit fünf äußern Galerien; 375 Stufen führen zur Turmspitze, von der prächtige *Aussicht auf die Trümmer von Alt-Delhi und über die weite Punjab-Ebene. Neben dem Minaret steht die teilweise verfallene Moschee Kuwat-ul-Islam (Bau 1191 begonnen), einst ein Prachtwerk ersten Ranges, im Innern eine Säule aus massivem Schmiedeeisen von 7 m Höhe und 40 cm Durchmesser mit Sanskritinschrift aus dem 3. Jahrh. n. Chr.; vor der NW.-Ecke der Moschee das älteste bekannte indische Grabmal des Altamsh (gest. 1236). Sö. vom Kutab Minar liegt das Tor Alai Darwazah, daneben das Grabmal des Imam Zamin und nördl. von dem großen Ala ud-din-Hof, der, mit Resten von Säulengängen umschlossen, die ganze Anlage quadratisch einfaßt, liegt der dicke, runde, niedrige Turm Alai Minar (etwa 1312 erbaut).—Etwa 8 km östl. vom Kutab Minar liegt die alte Festung *Tughlakabad und südl. daneben das schöne Grabmal des Tughlak.
Fortsetzung der Bahnfahrt nach Calcutta (s. S. [82]).
1. Seitentour: Delhi-Umballa-Simla.
219 M (352 km) Eisenbahn, in etwa 12 St. etwa für I. Kl. 37 Rup., II. Kl. 20 Rup.—Von Delhi nach Umballa zwei Linien: Die westliche kürzere über Panipat bleibt auf dem rechten Jumna-Ufer, die östliche macht einen Umweg über Meerut.
Man benutze den Schnellzug über (54 M) Panipat; der östlichste Teil des Punjab, den man hier durchfährt, wird von vielen kleinern, aus den Vorbergen des Himalaja kommenden Flüssen durchströmt, die sich später in der Tharwüste verlieren. Die Landschaft bleibt flach bis (123 M) Umballa (Ambala), Cantonment Station, Knotenpunkt mehrerer Bahnlinien (Umballa City und Civil Station liegen 9 km westl.), Distriktshauptstadt von 80082 Einw. (1/2 Hindu, 3/8 Mohammedaner); Lumley's Hotel, nahe dem Bahnhof, Pens. 4 Rup. Droschken zu haben. Bank: Alliance Bank of Simla. Viele englische Läden, Kirchen, Krankenhäuser. Hier umsteigen in den Simla-(Kalka-)Zug, wenn man in einem Lahore-Zug fährt.—Das Land steigt allmählich und trägt gegen den Himalaja hin mit der Zunahme der Seehöhe und damit auch der Niederschlagshöhe immer reichere Vegetation.—(162 M) Kalka (730 m; Dâk Bungalow; Lowries Hotel, daneben PT), der Endpunkt der Hauptbahn, liegt schon in den Vorhöhen des Himalaja. Von hier führt eine Bergbahn in 7 St. hinauf nach
(219 M) Simla (2159 m; Hotel Cecil [Hotz, Schweizer], I. Ranges, Deutsch gesprochen, vorzüglich, Pens. von 7 Rup. an; Grand [Peliti's] Hotel, gut; Lowries Hotel, ähnliche Preise; Longwood Hotel, Pens. 6 Rup.; Elysium; Metropole, Pens. von 6 Rup. an; die Preise sind hoch; Banken: Alliance Bank, Delhi & London Bank Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Klubs; PT bei der Union Church; Zeitung: Simla News; Photographen: Hotz (Deutscher), Bourne & Shepherds; europäische Schneider-und Modegeschäfte etc. vorhanden). Berühmter Himalaja-Luftkurort, Distriktshauptstadt mit 15000 (im Sommer 30000) Einw., europäisch gebauten Häusern, Palast des Vizekönigs etc. Simla ist eine großstädtisch angelegte europäische Sommerfrische, seit 1864 Sommerhauptstadt Indiens, in der der Vizekönig mit allen Regierungsbehörden sechs Monate jährlich den Amtssitz hat (im Winter in Delhi); es bietet jede Bequemlichkeit für verwöhnte Europäer auch für längern Aufenthalt; Konzerte, Theater, Bälle; Bibliothek, Schulen, auch katholische Schule und Kapelle; Sanatorien und Krankenhäuser. Mittlere Jahrestemperatur 12,8° C (Juni 19,4°, Januar 3,8°; die Jahrestemperatur von Simla entspricht also etwa der der französischen Riviera; doch sind die jährlichen und auch die täglichen Temperaturschwankungen geringer als dort. Darjeeling ist im Sommer nicht unbeträchtlich kühler als Simla). Die Regierungsgebäude liegen auf einem Bergrücken 2180-2450 m ü. M., weit verstreut inmitten des prachtvollen Pflanzenwuchses der subtropischen Bergwaldregion des Himalaja; Laub-und Nadelbäume, besonders prächtige Libanonzedern und Rosen (die noch im November blühen!). Prächtige Fernblicke auf die schneebedeckten Bergriesen des Himalaja. (Man lese Rudyard Kiplings »Under the deodars«.)
Die unvergleichliche Naturschönheit Simlas erkennt man erst voll, wenn man Fußmärsche in die Umgegend macht; einer der beschwerlichsten, aber lohnendsten führt nach Sultanpur (etwa 88 km in der Luftlinie nördl. Simla, Weg dahin etwa 200 km mit 11 Bungalows-Zwischenplätzen), dort guter Bungalow mit Verpflegung. Sultanpur, die alte Hauptstadt des Sultanats von Kullu, das schon großenteils Hochgebirgscharakter trägt, liegt im Kullutale; Jagdgelegenheit auf Fasanen und andres Wild, in den höhern Bergen auch auf Bären und Steinböcke.
2. Seitentour: Delhi-Umballa-Amritsar-Lahore-Peshawar.
627 M (999 km) Eisenbahn von Delhi nach Peshawar in 30 St. für I. Kl. 36 Rup., II. Kl. 18 Rup.
Von Delhi nach (123 M) Umballa, s. oben. Die Weiterfahrt mit der North Western Railway führt durch einen großen Teil des östl. Punjab; von den fünf Flüssen, nach denen es genannt ist, überschreitet man den Sutlej und seinen Nebenfluß Bias. Die Landschaft ist einförmig und mit Ausnahme der Regenzeit dürr, staubig und kahl; Dattelpalmen und Pappeln machen sich am meisten bemerklich.
(278 M) Amritsar (Bahnwirtschaft, leidlich; Hotel Cambridge [deutsche Besitzerin], Pens. 8 Rup., leidlich; Hotel Amritsar und andre dürftige, weshalb man Amritsar besser von Lahore aus besucht [11/2 St. Bahnfahrt] oder den Frühzug von Delhi benutzt und mittags nach Lahore weiterfährt), interessante Stadt mit 152866 Einw. (1/2 Mohammedaner, 3/8 Hindu, 1/8 Sikh; schöne Bevölkerung), in flacher, ungesunder Gegend, aber die reichste und wichtigste Handelsstadt des Punjab (die Delhi & London Bank Ltd. und die National Bank of India Ltd. sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, die letztere auch der Deutschen Bank) und für den Handel mit Kaschmir, Hauptmarkt für Teppiche und Kaschmirschals (man kauft auch in Amritsar Stickereien etc. zu billigern Preisen als sonstwo in Indien, doch muß man tüchtig handeln!); zugleich religiöse und einst auch politische Hauptstadt der Sikh, der durch kriegerischen Geist ausgezeichneten Anhänger einer um 1500 entstandenen religiösen Sekte, deren Lehren zwischen denen des Brahmanismus und des Mohammedanismus zu vermitteln streben; als Volk bilden die Sikh keine Einheit, da sie zum Teil dem Volksstamme der Dschat, zum Teil den Hindu angehören. Das heilige Buch der Sikh, der Granth-Sahib, ist Mittelpunkt des Gottesdienstes und wird deshalb in dem großen *Goldenen Tempel Darbar-Sahib fortlaufend vorgelesen. Der Tempel liegt in der Mitte der Stadt, am »Teich der Unsterblichkeit« (= Amritsar), mit vergoldeter Kuppel und vier silbernen Türen (Eintritt für Fremde nur in Überziehschuhen durch die Nordtür) sowie schönem Glockenturm. Priester schenken Blumenketten oder Pfauenfedern oder Zuckersaft und erhalten dafür 1 Rupie; zum Dienst am Heiligtum sind mehr als 500 Priester angestellt. Jeder Sikh badet im Teiche. An der Südseite des Teiches liegt der weniger sehenswerte Darbargarten mit Fruchtbäumen und kleinen Pavillons; am Südende der malerische Turm Baba-Atal über dem Grabe des Sohnes des Apostels (Guru) Govind Singh erbaut; die Fakire im Garten werden 7 Uhr abends von den Priestern gefüttert.— In der Stadt besichtige man die weltbekannte Teppich-und Kaschmirschalfabrik von Chamba Mal und Devi Sarai und den Kaisar Bagh, eine moderne Karawanserei, reich an Volkstypen aus Mittel-und Ostasien.
Ausflug von Amritsar nö. mit der »Amritsar Pathankot Railway« bis (67 M, 108 km) Pathankot (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow), am Gebirgsfuße; von da mit Tonga (15 Rup., ein Platz 7 Rup.) bis (34 M) Danera (Übernachten im Dâk Bungalow), dann mit Pony (5 Rup.) oder Dooly (9 Rup.) nach (22 M, 35 km) Dalhousie (Strawberry Bank Hotel; Springfield Hotel; Bull's Head Hotel), reizender Sommerfrische mit Sanatorium im Waldgebirge, 2350 m ü. M., mit ähnlichen Klima-u. Vegetationsverhältnissen wie Simla. Lohnender Ausflug nach (19 km) Chamba (Dâk Bungalow) in prächtiger Landschaft.
Von Amritsar südwestwärts weiter nach dem Bahnknotenpunkt
(349 M) Lahore (254 m; Bahnwirtschaft, gut; Nedous Hotel, Pens. 7-8 Rup., gut, sehr erweitert, gegenüber Lawrence Gardens, 3,5 km vom Bahnhof, 1,5 km von der Altstadt; Faletti's Hotel Cecil, Pens. von 7 Rup. an, gelobt, neu;—Banken: Bank of Bengal; Alliance Bank of Simla etc.—Klubs;—Droschken nach Tarif;— Zeitungen: »Tribune«, »Civil and Military Gazette«; Photographen: Craddock; Burke; Jadukishan; mindestens 2 Tage Aufenthalt zu empfehlen), Hauptstadt der Provinz Punjab, nahe dem Raji, dem dritten Fünfstromlandfluß, mit dem östl. gelegenen Garnisonsort Meean Meer, 228318 Einw. (120000 Mohammedaner, 70000 Hindu, 7000 Sikh, 5600 Christen), im April 1905 von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Wie Amritsar durch die Sikhs, so hat Lahore durch die Herrschaft der mohammedanischen Mogulkaiser (turktatarischen Stammes) seinen Charakter aufgeprägt erhalten. Die Altstadt mit engen Straßen von Mauern umgeben, mit vielen Moscheen, Karawansereien, Pagoden, Märkten; in der NW.-Ecke der Stadt die Zitadelle (Fort; Besichtigung nur mit Paß, vom Deputy Commissioner zu bekommen) mit Werkstätten, an deren Ostende der Akbar-Palast liegt; im Fort die Perlmoschee (Moti Masjid), daneben der Spiegelpalast Shish Mahal (vom Schah Jahan und Aurangzeb erbaut); östl. davon ein kleiner Sikh-Tempel. Mitten in der Westmauer liegt der weiße Marmorpavillon *Nau Lakha. Im Zeughaus alte indische Waffen, auch Kamelgeschütze und merkwürdige Revolverkanonen. Neben dem Turme von Shish Mahal stand im Großmogulpalast noch ein größerer, der Saman Burj. Nun östl. zum Diwan-i-Khas (Marmorsäulenhalle), jetzt als Kirche benutzt; östl. davon der Hindupavillon Akbari Mahal (jetzt Apotheke) und der rote Sandsteinbau an der Nordmauer Khwabgha-i-Kalan. Mitten im Fort der Diwan-i-Am (jetzt Kaserne), östl. davon ein Hospital.—Die Bank of Bengal und die National Bank of India Ltd. sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank.
Rundfahrt. Vom Bahnhof durch die europäische Villenstadt sö. von der Eingebornenstadt durch Empress Road über Charing Cross, vorbei am Government House (früher Mausoleum des Muhammed Kasim Khan, Vetter des Kaisers Akbar); dann westl. durch Upper Mall Road zum Lawrence Garden, Botanischem Garten mit Raubtierhaus; l. bleibt Lawrence Hall und Montgomery Hall mit Porträtsammlung; dann r. am Punjab Club und an der Kathedrale vorbei (in deren Nähe das Telegraphenamt); dann l. am Postamt und den *Museen (Punjabsammlungen verschiedener Art, besonders die reichhaltigste Sammlung von »Gandharaskulpturen«, etwa 2400 Nummern) nach den Anarkali Gardens; hier ein lange als christliche Kirche benutztes Grabmal der Anarkali (»Granatblüte«), Favoritin des Kaisers Akbar, von ihm lebendig eingemauert, weil sein Sohn Salim sie liebte; Salim (der spätere Kaiser Jahangir, dessen Lieblingsresidenz Lahore war) erbaute 1615 das Mausoleum. Sehr interessant ist der Anarkali-Basar.—Dann nördl. an den Regierungsgebäuden, Schulen, Krankenhäusern und dem protestantischen Kirchhof vorbei über die Schiffbrücke des Raviflusses nach (9 km) Shah-Dara. Man kreuzt die Bahn und sieht l. einen Kuppelbau, das Grab des Asaf Khan; dann r. in einen Park mit prächtigem Marmorpflaster zum *Grabmal des Kaisers Jahangir, einem Quadratbau mit vier 30 m hohen Minarets in den Ecken, aus weißem Marmor und rotem Sandstein 1627 erbaut; man beachte die Feinheit der Steinskulptur der weißen Marmoreinfassung des Grabmals. Rückfahrt durch das Westtor der Stadt über die Esplanade nach dem Fort (s. oben).—Sehenswerte Moscheen sind die von Wazir Khan (mit sehr schöner Kachelfassade), die Goldene Moschee Sonahri Masjid und die Hauptmoschee Jama (oder Badshahi) Masjid. In der englischen Niederlassung ist ein Schwimmbad. Die Umgebung von Lahore ist durch vom Ravi abgezweigte Kanäle bewässert.
Ausflug von Lahore nach den Shalimar Gardens (4 km onö. vom Hauptbahnhof) auf der »Grand Trunk Road«, l. (3 km) das Tor des Rosengartens Gulabi Bagh (von Sultan Beg, Admiral des Schahs Jahan, erbaut) und gegenüber, 1 km sö. von der Straße, das Grabmal des Baumeisters Ali Mardan Khan (der 1637 für Schah Jahan die Shalimar-Gärten anlegte). Die einst weltberühmten, leider verfallenen *Gärten von Shalimar haben drei Terrassen mit 450 Fontänen. In ihrer Umgebung, besonders südl. der Straße, liegen noch andre, teilweise ebenfalls sehenswerte Gärten.
Die Fahrt mit der North Western Railway von Lahore nach Peshawar (288 M in 171/2 St.) berührt (391 M von Delhi) Gujranwala, Geburtsort Randjit Singhs (geb. 2. Nov. 1780, Maharadscha, genannt »Löwe des Punjab«).—Bei (452 M) Jhelum (Dschilam) überschreitet die Bahn den vierten der Punjabflüsse und tritt bald darauf aus dem Tiefland in das Mittelgebirgsland, das sich in etwa 500 m durchschnittlicher Seehöhe hier in großer Breite dem Himalaja vorlegt. Man sieht im N. die bis 4730 m hohen Schneegipfel Kaschmirs.—(523 M) Rawal Pindi (520 m; Flashman's Hotel, gut, Pens. 8 Rup.; Limetree Hotel, am Bahnhof; Imperial Hotel, Havelock Road, Pens. 8 Rup.; Rawal Pindi Hotel; Mellors Hotel u.a. Droschken nach Tarif; Banken: Alliance Bank, Commercial Bank of India), eine junge Stadt mit 86248 Einw. (1/2 Mohammedaner), starke Festung und größte Militärstation des nördl. Indiens (6 Regimenter und 5 Batterien), liegt am r. Sohanufer; Handel mit Kaschmir.
Von Rawal Pindi nach Srinagar in Kaschmir.
195 M = 314 km; einer der besten Zugänge nach Kaschmir, in 3 Tagen auf guter Landstraße zurückzulegen; dreisitzige Tonga 124 Rup., ein Sitz 48 Rup. (geliefert von der Firma Dhaujibhoy & Son, Hin-und Rückfahrt 228 Rup.); die Posttonga fährt nachts nicht; Ekkas für Diener und Gepäck 22 Rup. Die Reise ist für mindestens 8tägigen Aufenthalt in Kaschmir sehr lohnend, aber sehr anstrengend; die Tonga ist ein zweiräderiger, niedriger Karren mit drei Sitzen, Gepäck kann wenig mitbefördert werden. Man muß 3 Tage lang je 10 St. mit 1/2 St. Mittagspause in schlecht gefedertem, unbequemem Wagen, der fast nur im Galopp fährt, mit häufigem Pferdewechsel, sich zusammenrütteln lassen. Der starke Staub verursacht leicht Augenentzündung. Im Winter ist die Fahrt der Kälte wegen nicht ratsam. Man kann auch in bequemern Landauern fahren, die aber sehr teuer sind und 4 Tage brauchen. Die Dâk Bungalows unterwegs sind meist gut, haben aber nur leere Bettgestelle, also Reisebettzeug mitnehmen! Ausflüge von Srinagar in das Alpenland erfordern Zelt, Feldküche, Ponies zum Reiten und Gepäcktragen; diese Ausrüstung wie auch Träger können in Srinagar durch Cockburn's Agency beschafft werden (am besten vorher briefliche Abmachungen).
Man fährt über (37 M) Murree (2300 m; Powell's Hotel; Rowbury's Hot.), einen Höhenluftkurort mit europäischer Temperatur, mit Sanatorien und Kasernen, hinter denen sich 2700 m hohe Berggipfel erheben; im Sommer sind viele britische Truppen hier in der Sommerfrische.
Dann Abstieg in das tief eingeschnittene, enge Durchbruchstal des Jhelum (Dschilam) nach (64 M) Kohala (guter Dâk Bungalow); von hier talaufwärts (das Tal ist im Sommer so heiß, daß Dattelpalmen gedeihen, und man am besten frühmorgens oder abends fährt; im April und Mai prächtige Schneegebirgslandschaft) über eine Hängebrücke (Zoll!) über (75 M) Dulai (guter Dâk Bungalow) nach (85 M) Domel (guter Dâk Bungalow), wo das Tal eine scharfe Biegung nach SW. macht, aber immer noch eng bleibt, über (99 M) Garhi (guter Dâk Bungalow) und (108 M) Hatti in wild-schöner Landschaft nach (1191/2 M) Chagoti (Dâk Bungalow über der Drehbrücke); dann folgt (133 M) Uri (guter Dâk Bungalow) und (146 M) Rampur (Dâk Bungalow), von da ebene Straße nach (162 M, 261 km) Baramula (guter Dâk Bungalow), kleinem Ort am untern Ende des weiten Hochgebirgsbeckens von Kaschmir, das einst von einem großen See eingenommen war; hier mieten Reisende, die längere Zeit in Kaschmir bleiben wollen, ein Hausboot (Preis je nach Größe und Einrichtung mit Bootsleuten 30-150 Rup. monatlich) zu schönen Ausflügen auf dem großen Wularsee und nach Srinagar. Von Baramula fährt man in 3 St. mit Wagen (Hausboot braucht dazu einen Tag) nach
(195 M, 314 km) Srinagar (1600 m), d. h. heilige Stadt, auch Suradjnagar oder Kaschmir genannt, Stadt mit 126358 Einw. (5/6 Mohammedaner), Sommerresidenz des Maharadscha von Kaschmir und Jammu, im prachtvollen Kaschmirtal am Jhelumfluß gelegen. Unterkunft: Dâk Bungalow; Nedou's Hotel, sehr gut; viele Besucher leben in Hausbooten oder Zelten; beste Zeltplätze im Chenar Bagh für Junggesellen, im Munshi Bagh und Ram Bagh am r. Flußufer nahe der englischen Kirche; ferner am Dal-Den im Nasim Bagh. Der Agent des Maharadscha gibt Auskunft für Reisende über Unterkunft, Preise, Kulis etc.; Cockburn's Agency besorgt Boote, Zelte und jede andre Ausrüstung; englische Ärzte in den Missionen und beim Residenten, wo man auch amtliche Vorschriften für das Reisen im Lande erhält. Bank: Punjab Bank. Leihbibliothek vorhanden. Photographen: Millais; Jadu Kishan.—Die Stadt hat enge, oft übelriechende Straßen mit Holzhäusern, darin eine prächtige, aus Zedernholz mit reichen Schnitzereien hergestellte Hauptmoschee (Jama Masjid). Man besteige zunächst den Hügel *Takht-i-Suleiman (300 m über der Stadt), auf dem ein Tempel steht; eine gerade Pappelallee führt hinauf, oben prachtvoller Blick auf das »Glückliche Tal«. Auch der Aufstieg auf den 76 m hohen Festungsberg Hari Parbat im N. der Stadt ist sehr lohnend. Bootsfahrt auf dem malerischen Dal (City Lake) nö. der Stadt, vorbei an den schwimmenden Gärten (man lese Thomas Moore: »Light of the Harem« und »Lallah Rookh«) nach Nishat Bagh am Ostufer, dann nach dem vom Schah Jahangir erbauten Lustschloß Shalimar Bagh in der NO.-Ecke des Sees mit Reiherstand, von da zum »Garten des Segens« Nasim Bagh am NW.-Ufer und zurück am Dorfe Hazrat Bal vorbei, am Westufer nach S. durch den Kanal unterhalb Hari Parbat und den Nasim Bagh-Kanal nach dem Dal Gate. —Ausflug von Srinagar auf verschiedenen Wegen, zuerst mit Boot, dann zu Wagen nach (ca. 26 km) Gulmarg (Schatten der Rosen), in einem Tage, einer kühlen, etwas feuchten Sommerfrische (Nedou's Hotel, gut; Besucher wohnen auch in Holzhütten oder Zelten), 2590 m ü. M., mit Ausblick auf den 8120 m hohen Nanga-Parbat.
Die Eisenbahn führt von Rawal Pindi weiter, zuletzt hinab in das hier breite Industal und bei (581 M) Attock, nahe der Vereinigungsstelle des Kabulflusses mit dem Indus (Stat. Attock Bridge, Dâk Bungalow), über den 200 m breiten Indus auf einer fünfbogigen Gitterbrücke. Das starke Fort Attock beherrscht den Zugang zu Vorderindien von NW. her; alle Eroberer Indiens, so Alexander d. Gr. 326 v. Chr., Timur 1397, Schah Nadir 1738 u. a., drangen durch das Kabultal und über Attock ein, daher ist die kleine Festung noch jetzt strategisch wichtig. Die Bahn bleibt nun in der Ebene des Kabulflusses, passiert Peshawar, die Hauptstadt der neuen nordwestlichen Grenzprovinz und Sitz eines High Commissioner, in ungesunder Lage, mit ziemlich extremen Temperaturverhältnissen (Juni 32,9°, Januar 9,8°, gelegentlich kommen Fröste vor), 97392 Einw. (3/4 Mohammedaner), engen, gewundenen Gassen, vielen Basaren für den wichtigen Durchfuhrhandel von Kabul, Buchara und Zentralasien, dem alten Palast Bala-Hissar, mit vielen Moscheen und den Resten einer berühmten mohammedan. Akademie. Im Museum reiche archäologische Funde: »Gandharaskulpturen« aus der Umgegend, besonders aus Sari Bohlol, 40 km nö. von Peshawar.—3,5 km westl. liegt der Endpunkt der Bahn, (627 M, 999 km) Peshawar Cantonment Station (Dâk Bungalow; Flashman's Hotel, Pens. 7 Rup., nahe dem Bahnhof; Droschken nach Tarif; Bank Punjab Banking Co.—Geschäfte für mittelasiatische Waren in der Stadt: Safdar Ali; Haji Rahman); in öder Ebene das an die Stadt gelehnte englische Truppenlager (über 20000 Mann), Stützpunkt für Unternehmungen gegen Afghanistan. Peshawar verdient trotz mangelhafter Unterkunft mehrtägigen Aufenthalt schon wegen des Ausflugs zum Khaiberpaß, dessen Besuch leider seit 1910 auf einen Wochentag beschränkt ist.
Ausflug nach dem *Khaiberpaß, der südl. des unzugänglichen Durchbruchs des Kabulflusses den Safed Kuh, das Grenzgebirge zwischen Afghanistan und Indien, überschreitet und die Verbindung zwischen Afghanistan und der indischen Nordwestprovinz herstellt. Zu seinem Besuch ist eine Erlaubnis des »Political Officer in charge« in Peshawar nötig. Ausflug zu Wagen (14 Rup.) 5 St. hin und zurück, interessant sowohl landschaftlich wie wegen des regen Karawanentreibens. Man fährt auf guter Straße bis zum (17 km) Fort Jamrud (501 m; Dâk Bungalow), am Ostende des Passes, mit starker englischer Besatzung. Der nach Afghanistan führende Khaiberpaß zieht 53 km lang in Windungen bis 1011 m Höhe über das Gebirge; er ist nur Dienstags und Freitags für Karawanen geöffnet, wird dann vom Afridi-Stamm (Khaiber Rifles) bewacht, die auch die befestigten Posten (26 km) Ali Musjid (730 m) und Landi Kotal (520 m) besetzt halten. In Ali Musjid, wo die englischen Befestigungen gegen Afghanistan beginnen, muß man leider umkehren. Die Fahrt des deutschen Kronprinzen bis Landi Kotal war eine besondere Höflichkeit. Neuerdings dürfen sogar englische Offiziere nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Oberkommandierenden (zurzeit General James Wilcocks) bis Landi Kotal reisen. Die wilde, malerische Landschaft des Passes ist sehr sehenswert.—Eine Eisenbahn von Peshawar bis Landi Kotal ist im Bau.
3. Seitentour: Lahore—Karachi.
Eisenbahn: North Western Railway von Lahore über Mooltan und Hyderabad (Sindh) nach (784 M) Karachi, Schnellzug in 24 St. für I. Kl. 58 Rup. 6 annas, II. Kl. 29 Rup.
Die »Industalbahn« führt durchweg durch Gebiete, die viel mehr vorderasiatischen als indischen Charakter tragen. Die beiden großen Landschaften, die sie durchfährt, das Punjab und das Sindh, sind wirtschaftlich geeint durch den Indusstrom, klimatisch einander ähnlich als Trockengebiete, die nur spärliche und unregelmäßige Regen empfangen und großenteils geradezu wüstenhaft sind. Die von O. her ziemlich nahe an das untere Industal herantretende Wüste Thar soll streckenweise die Sahara an Öde und vollkommener Vegetationslosigkeit übertreffen. Der Indus hat für das Sindh eine ähnliche kulturelle Bedeutung wie der Nil für Unterägypten, aber es bestehen doch gewisse schwerwiegende Unterschiede:
während die alljährliche Anschwellung des Nils, die auf der Regenzeit in Innerafrika beruht, regelmäßig und ruhig verläuft, nimmt die des Indus nicht selten dadurch stürmischen Charakter an, daß sich der normalen Sommerflut, die durch die Schneeschmelze im obern Einzugsgebiet des Stromes erzeugt wird und im Unterlauf ihren Höhepunkt im Juli erreicht, noch Regenwasserwellen aufsetzen, die auf den Sommerregen im Punjab beruhen. Dadurch ist der Mensch gezwungen worden, den Strom in Dämme einzuschließen. Die befruchtende und befeuchtende Wirkung der Indusfluten kann daher nur durch Vermittelung von Kanälen erfolgen, die zahlreich vom Strome abgezweigt sind. Sie ermöglichen, daß ein etwa 20 km breiter Kulturstreifen den Indus begleiten kann. Ähnlich liegen die Verhältnisse längs der Punjabströme, doch sind hier die Kulturstreifen nicht so breit, und die Hochwasserbetten sind durch breite Kies-und Schotterflächen bezeichnet. Die Erträgnisse dieser Kulturstreifen, in denen die Dattelpalme vielfach der auffallendste Baum ist, wie das Kamel das häufigste Nutztier, wo Akazien, Pappeln, Tamarisken und andre Gewächse trockner Zonen gehölzbildend auftreten, sind mannigfaltig: Baumwolle, Ölsaaten, Zucker, Indigo, namentlich aber Weizen, dessen Anbau in neuerer Zeit rasch zugenommen und das Aufblühen von Karachi, das als Ausfuhrhafen dient, verursacht hat. Als Verkehrsstraße hat der Indus trotz seines geringen Gefälles im Unterlaufe nur wenig Bedeutung, weil die Arme des Deltas, mit dem er mündet, für Schiffe unbenutzbar sind; denn auch darin ist der Indus gegen den Nil benachteiligt, daß er nicht wie letzterer in ein ruhiges Meer, sondern in ein solches mit lebhafter Gezeitenbewegung mündet. Durch die Flut werden die massenhaften Sinkstoffe immer wieder flußaufwärts getragen und verschlämmen die Mündungen. Die Dampfschiffahrt reicht daher nur von Tatta am Hauptmündungsarm bis Mooltan am Jilam. Den Hauptverkehr vermittelt die Industalbahn.
Von Lahore (S. [76]) führt die Bahn über (116 M) Harapa, einen kleinen Ort, wo Alexander d. Gr. einen Sieg erfocht, nach der sehr alten Stadt (207 M) Mooltan (Erfrischungs-und Warteraum, Dâk Bungalow) mit alten Grabdenkmälern, 85708 Einw., meist Mohammedaner; wichtiger Stapelplatz für die an Bodenerzeugnissen reiche Umgebung. Ein Stück südl. davon passiert die Bahn das alte Bett des Biasflusses, der jetzt weit oben in den Sutlej mündet, früher aber diesem parallel in den Jilam floß. Weiter auf der (270 M) Adamwahanbrücke von 1287 m Länge über den Sutlejfluß nach (272 M) Bahawalpur (Dâk Bungalow), Hauptstadt eines Eingebornenstaates mit 15000 Einw. (4/5 Mohammedaner), mit sehenswertem Palast des Nawab. Bei (488 M) Rohri zweigt die Bahnlinie nach Belutschistan und Afghanistan ab; Rohri liegt malerisch am l. Ufer des Indus auf felsiger Höhe, die 4-5 stöckigen Häuser haben flache Dächer mit Geländern; die große Moschee (Jama Masjid) ist ein schöner roter Ziegelbau, die drei Kuppeln mit Porzellanziegeln gedeckt. Bei Rohri sind die großen Bewässerungsschleusen des Eastern Nara-Kanals.
(674 M) Hyderabad (Sindh), Haidarabad (guter Dâk Bungalow im Cantonment; Brind's Hotel; Bank of Bengal; Droschken nach Tarif), Distriktshauptstadt der Provinz Sindh der Präsidentschaft Bombay, am Beginn des Indusdeltas gelegen, mit 75964 Einw. (Hindus und Mohammedanern), 6 km östl. vom Indus, wahrscheinlich von Alexander d. Gr. gegründet, hat Industrie in Seidenstickereien, Juwelier-und Lacksachen. Sehenswürdigkeiten sind das alte, sehr unregelmäßig geformte Fort mit dem alten Palast Mir Nasir Khans, jetzt Absteigequartier hoher britischer Offiziere; vom Fort über dem Torweg interessanter Ausblick auf den Basar mit buntem Völkergemisch. Auf dem Nordende des Hügels der Stadt sind die Grabmäler der Kalhoras-und Talpura-Fürstengeschlechter. Die Bahn kreuzt nun den Indus und führt nach
(784 M) Karachi (mehrere Bahnhöfe; wer nicht sofort an Bord des Dampfers muß, steige Station Frere Street, auch Cantonment Station genannt, aus).
Gasthöfe: Paul's Hotel, dicht bei Frere Street Station, gut;—The Devon Villa Hotel, gut.
Banken: National Bank of India; Bank of Bombay etc.
Klubs: Sindh Club; Gymkhana, Ladies Club; Golf Club.
Zeitung: »Sindh Gazette.« Konsulate: Deutsches Reich: Konsul A. Thöle; Österreich-Ungarn: Konsul W. U. Nicholas, Vizekonsul K. S. Anderson.
Dampfer: Österreichischer Lloyd (Anderson & Co., Tel.-Adr.: »Lloydiano«), monatlich nach Triest in 20 Tagen; Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa (Bremen); British India Steam Nav. Co. (Mackinnon, Mackenzie & Co.), wöchentl. nach Europa und Bombay sowie nach dem Persischen Golf; Messageries Maritimes (H. Curjel Bombay Co.), monatl. nach Marseille; außerdem noch andre britische Linien.
Geschäfte: Sadar Bazaar, gut.
Karachi (Kurrachee, Karatschi), Distriktshauptstadt der Provinz Sindh, mit 159270 Einw., am äußersten Nordwestende des Indusdeltas (nahe dem Fuße des Pabgebirges, des Grenzgebirges gegen Belutschistan, gelegen), ist trotz seiner Entlegenheit zum größten Teile Indiens und trotz seines steter Versandungsgefahr durch die Sinkstoffe des Indus unterliegenden Hafens der drittgrößte Seehafen Indiens geworden (1910 liefen 525 Schiffe mit 758000 Reg.-Ton. ein), weil es unter der Herrschaft der Engländer (seit 1842) als Hauptausfuhrhafen des Punjabs dient; Einfuhr von Eisenbahnmaterial, Stückgütern, Metallen, getrockneten und gesalzenen Fischen etc.; Ausfuhr von Baumwolle, Weizen, Wolle, Ölsaat, Häuten, Apothekerwaren, Pferden. Die Stadt hat Handelskammer, Baumwollpressen, Eisenwerke, Schiffswerft mit Trockendock, Kohlenlager. Der Seehafen ist durch Wellenbrecher geschützt und mit modernen Kaianlagen, Ladebrücken etc. gut versehen. Die vorgelagerte Halbinsel Manora ist durch mehrere Küstenforts verteidigt. Die Eingebornenstadt nahe am Hafen ist eng gebaut und stark bevölkert; der europäische Stadtteil weiter aufwärts am Layarifluß macht einen ganz modernen Eindruck, weitläufig und regelmäßig angelegt, mit vielen schönen Gebäuden, darunter die Frere Hall mit Bibliothek, Ball-und Versammlungssälen. Sehenswürdigkeiten enthält die Stadt nicht, doch wird sie infolge ihrer Handelsbedeutung besucht.
B. Von Delhi nach Agra.
Eisenbahn: East Indian Railway von Delhi über Aligarh nach Agra in 6 St. für I. Kl. etwa 11, II. Kl. 6 Rup.; —Great Indian Peninsula Railway (»Agra-Delhi Cord Line«) über Muttra in 41/2 St. (Speisewagen).
Die Great Indian P. R. ist die direkte Linie; sie hält sich in der Nähe des r. Jumna-Ufers, an dem sowohl Delhi wie Agra liegen. Die East Indian R. beschreibt einen Bogen durch das Gebiet zwischen Jumna und Ganges und überschreitet zweimal die Jumna. Sie durchfährt in ihrer ganzen Erstreckung die »Vereinigten Provinzen« (Agra und Audh), während die Great Indian zunächst den Südostzipfel des Punjabs durchläuft.
Obgleich das Land mit Hilfe der Kanäle, die seit 100 Jahren namentlich in dem zwischen dem Ganges und der Jumna gelegenen Gebiete angelegt worden sind, reich angebaut ist, macht sich die Trockenheit des Klimas in den der Regenzeit unmittelbar vorhergehenden Monaten (Februar bis Mai) durch große Dürre und Staubplage recht bemerkbar.
Von Delhi (S. [70]) führt die East Indian Railway zunächst nach
(78 M) Aligarh (Kellner's Refreshment and Sleeping Rooms, am Bahnhof, bequem für kurzen Aufenthalt, auch Schlafgelegenheit; guter Dâk Bungalow), Distriktshauptstadt und sehr alte Festung, die die Stadt Koil schützt; mit dieser zusammen 63715 Einw. (2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner), Sitz des Anglo-Oriental College zur Erziehung vornehmer Mohammedaner. Anfang Februar hier eine sehenswerte Messe. Beim dritten Meilensteine (5 km) südl. von Aligarh an der Straße ein riesiger heiliger Banyanfeigenbaum (Ficus religiosa), und in dessen Nähe ein Malteserkreuz zur Erinnerung an einen Überfall englischer Truppen während des Aufstandes 1857.—Bei (127 M) Tundla Junction (Bahnwirtsch.) muß man event. in den Zug nach Agra umsteigen, der in entgegengesetzter Richtung auf einer andern Linie noch 24 km westl. bis Agra läuft. Dicht vor Agra führt die Bahn auf großartiger vierbogiger Brücke über den Jumna-Fluß.
Fährt man mit der Great Indian Peninsula Railway, so empfiehlt sich der Besuch von (89 M) Muttra oder Mathura (Dâk Bungalow), uralter Stadt (schon Ptolemäus bekannt) von 60000 Einw., am r. Jumna-Ufer. Muttra wurde 1017 vom Afghanenfürsten Mahmud seiner kostbarsten Tempelschätze beraubt, ist noch heute mit der kleinern, 10 km stromauf an der Jumna gelegenen Stadt Brindaban (einem hochheiligen Wallfahrtsort der Hindus) einer der Hauptsitze der Brahmanen, mit zahlreichen Tempeln, in denen der Krischnakult gepflegt wird. Bootfahrt auf der Jumna, wo morgens Tausende vor den Tempeln baden (ein kleines Benares).
(142 M, 228 km) Agra (204 m), Ankunft Fort Station oder (über Muttra) auf Cantonment (Road) Station, 10 Min. von den Gasthöfen.
Gasthöfe: Hotel Cecil (Hotz, Schweizer), I. Ranges, Deutsch gesprochen, sehr gelobt, Pens. von 8 Rup. an.— Laurie's Great Northern Hotel (20 Min. sw. vom Bahnhof), Pens. 7 Rup.— Metropole.—Savoy, Pens. 6 Rup.—Guter Dâk Bungalow nahe dem Postamt am Drummond Road.—Speiseräume im Bahnhof.—Droschken nach Tarif.— Post u. Tel. nahe beieinander, 2,5 km südl. vom Bahnhof.—Polizeiämter 1 km nw. vom Bahnhof.—Geschäftsadressen: Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Teppichfabrik Otto Weylandt (deutscher Besitzer), nahe Ftimad-ud-daulah.— Schals, Gold-und Silberstickereien: Ganeshi Lall & Sons, Johari-Basar.— Seifenstein und Marmormosaik: Nathoo Ram, gegenüber Agra College.—Miniaturmaler: Badri Pershad.—Photograph: Priya Lal.
Zeiteinteilung. 1. Tag: Vm. Fort, Nm. Fahrt nach Sikandarah, abds. nach Dinner *Taj Mahal (bei Mondschein); —2. Tag: Vm. Taj Mahal (bei Sonnenaufgang), dann Fahrt zum Ftimad-ud-daulah-Grab, zu Weylandt (Teppichfabrik) und Chinika-Roza-Grab, Nm. 2 Uhr mit Auto (Pers. 10 Rup.) in 1 St. nach Fatehpur-Sikri;—3. Tag: Nochmals Fort und Stadt.
Geschichtliches. Unter dem Lodhikönig Nizam Iskander (1488-1517) ward Agra, damals noch ein Dorf, Residenz; 1526 wurde es von Baber, dem Begründer des mohammedanischen Reiches der Großmoguln, genommen, der es jedoch wieder an die Afghanen verlor. Erst Akbar besetzte es 1559 dauernd und machte es zur Hauptstadt. Schah Jahan I. (1632-56) errichtete die Prachtbauten. Aber schon Aurangzeb (1656-1706) verlegte die Residenz nach Delhi, und nach seinem Tode wurde die Stadt von den Dschat, Persern, Afghanen etc. verwüstet, bis die Ostindische Kompanie sie den Mahratten nahm. Während des Sepoyaufstandes im Juli 1857 wurden die Engländer im Fort belagert, aber am 10. Okt. vom Oberst Greathed entsetzt.
Plan von Agra.
Agra, Hauptstadt der Division Agra, hat mit der Garnison 182419 Einw. (2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, einige tausend Christen), starke Industrie in Schuhen, Pfeifen, Goldtressen und schönen Mosaikarbeiten sowie lebhaften Handel mit baumwollenen und feinen wollenen handgeknüpften Teppichen (die Fabrik des Deutschen, Herrn Otto Weylandt, ist sehr sehenswert) und bearbeiteten Steinen. Agra besitzt vier Colleges und ist Sitz der obersten Divisionsbehörden. —Die Stadt liegt in dem großen Bogen, den die schiffbare Jumna (Dschamna) hier nach O. macht; in der Tiefe des Bogens das Fort, südl. davon die Kasernen und nw. die Regierungsgebäude, dazwischen die besser als in andern indischen Städten gebauten Eingebornenviertel. Agra ist reich an Prachtbauten im reinsten maurischen Stil, die auf die Zeit zurückgehen (Mitte des 17. Jahrh.), da die Stadt die Residenz der mohammedanischen Großmoguln (turktatarischen Stammes, mit persischer Umgangssprache) war.
Rundgang: Das *Fort (zweimaliger Besuch von je 21/2-31/2 St. sehr lohnend, es ist das schönste und mannigfaltigste seiner Art in Indien), aus rotem Sandstein etwa 1568 von Akbar begonnen, von seinem Sohn Jahangir fortgesetzt (die meisten Bauten stammen vom Schah Jahan, dem kunstsinnigen Enkel des großen Kaisers), berührt mit dem Nordturm das rechte Jumna-Ufer; seine Mauern sind fast 21 m hoch; sein »Water Gate« (Pl. 2) ist geschlossen, Haupteingang von NW. durch das Delhi Gate (Pl. 1); außerdem am Südende das Amar Singh Gate (Pl. 3). Innerhalb des Delhi Gate ist noch ein zweites Tor, Elephant Gate oder Hathi Pol. Geradeaus geht man über den Mina-Basar zur *Perlmoschee (Moti Masjid, Pl. 4), der schönste weiße Marmorbau mit drei Kuppeln und prächtiger Vorhalle, in deren Mitte ein Marmorbecken.—R. von der Moschee der große Zeughausplatz, vor dessen Ostseite die große öffentliche Audienzhalle Diwan-i-Am (Pl. 5), mit Thronstufen in der Mitte. Einige Stufen führen nun in den großen Palast Schah Jahans (Pl. 6), der aus vielen prächtigen Einzelbauten von weißem Marmor besteht; zunächst vorbei am Machhi Bhawan zur kleinen dreikuppeligen »Edelsteinmoschee« (Naginah Masjid), für die Königinnen bestimmt; darunter lag ein Basar, wo die Hofdamen Einkäufe machten. Oberhalb nach dem Fluß auf offener Terrasse ein schwarzer Thron; südl. davon die Hausmoschee des Kaisers (Mina Masjid) und weiterhin die wunderbar schöne Privataudienzhalle Diwan-i-Khas mit Ausblick auf den Fluß und die Gärten (1637 erbaut). Im kleinsten Marmorsaal wurde der von seinem Sohn Aurangzeb entthronte Jahan 7 Jahre gefangen gehalten, gepflegt von seiner Tochter Jahanara; Jahan starb im kleinen Pavillon (mit schönen Fenstern), die Augen nach dem Taj Mahal (s. unten) gerichtet. Eine Treppe führt zum Saman Burj, eigentlich Jesamine (Yâsmin) Burj (Jasminturm, Wohnung der Favoritsultanin), mit Springbrunnen in einem schönen Pavillon; südl. daneben der »Goldene Pavillon« mit vergoldetem Dach und Frauengemächern; westl. von diesen Pavillons lagen die Marmorbäder der Prinzessinnen; von da durch den Weingarten (Anguri Bagh) gelangt man zu dem Shish Mahal (Spiegelpalast) in der NO.-Ecke des Gartens. Der alte, sehr sehenswerte, aus rotem Sandstein erbaute Jahangir Mahal (oder Akbar-Palast) am Südende der übrigen Bauten ist gut erneuert und hat prächtige Sandsteinornamente.— Nahe vor dem Delhi Gate nw. jenseit der Bahn liegt die Hauptmoschee (Jama Masjid), erbaut 1644 vom Schah Jahan zu Ehren seiner Tochter Jahanara; nördl. davon die Kalan Masjid, älteste Moschee in Agra.—Von da fahre man über die Eisenbahnbrücke nach dem prachtvollen *Mausoleum von Ptimad-ud-daulah, einem reichgeschmückten weißen Marmorbau mit Mittelkuppel und vier Ecktürmen mitten in herrlichem Park; es enthält sieben Gräber, in der Mitte das des Wesirs Ghiyas Beg, Schwiegervaters Schah Jahangirs und Vaters der Nur Jahan.—Die Hauptsehenswürdigkeit Agras (etwa 3 km sö. von den Gasthöfen) ist der **Taj Mahal (kurz Tadsch oder Tadschmahal = Kronpalast, eigentlich Taj bibi ka Roza = Grab der Kronendame), »ein Traum in Marmor«, am r. Ufer der Jumna; es ist das aus weißem Marmor ausgeführte und auf einer 18 m hohen Plattform ruhende Mausoleum Schah Jahans (regierte 1628-58) und seiner Lieblingsgattin Mumtaz-i-Mahal (Stolz des Palastes, gest. 1629), mit weithin sichtbarer Kuppel von 18,8 m Durchmesser, woran 20000 Arbeiter 22 Jahre unter Leitung des Baumeisters Austin von Bordeaux gearbeitet haben sollen. Der Taj ist vielleicht das schönste und stimmungsvollste Denkmal ganz Indiens und gilt für edler als die Alhambra und andre berühmte maurische Bauten. Im Innern, umschlossen von einem zart in Marmor ausgeführten Gitterwerk, stehen zwei Kenotaphe, die wie die Wände reich mit Blumen aus kostbaren Steinen und mit anmutigen Ornamenten geschmückt sind. Umgeben ist das Gebäude von einem prachtvollen Garten, in dem herrliche Zypressen und ein langes, geradliniges Wasserbecken mit vielen Springbrunnen liegen. Der Eingang zum Taj ist durch das Taj Ganj Gate, das zu dem prächtigen großen *Torweg (Great Gateway) des Gartenhofs führt (mit 26 Marmorkuppeln!); außerhalb eine schöne Karawanserei und andre Gebäude aus rotem Sandstein. Es ist dringend zu empfehlen, den Taj mehrmals, und womöglich einmal bei Mondschein, zu besuchen. NB. Die Hotels wissen die Zeiten, wann der Taj bis Mitternacht geöffnet bleibt! Im Mausoleum beten und bringen Blumen zu den Sarkophagen Vertreter aller Religionen Indiens, Hindus, Buddhisten, Mohammedaner und Parsi.
Ausflüge: 1) Nach Sikandarah, mit Wagen in 3/4 St. Man fährt durch die Eingebornenstadt, vorbei am Central Jail (Hauptgefängnis; Besichtigung der Teppichwebereien der Gefangenen empfehlenswert, man schicke seine Karte dem Inspektor), dann etwa 6 km nw. Der Weg führt an vielen Gräbern vorbei; in Sikandarah liegt das Mausoleum Begum Miriam, der angeblich christlichen Frau Maria des Kaisers Akbar, ein zweistöckiger roter, zurzeit recht verwahrloster Sandsteinbau; im Unterstock 40 Kammern, im Oberstock ein weißer Marmorkenotaph. Ein prachtvolles Tor aus rotem Sandstein, mit Einlagen von weißem Marmor führt zum *Grabe Akbars; von den Minarets zu Seiten des Tores schöne Aussicht bis nach Fatehpur-Sikri. Ein breiter Weg führt zum Mausoleum, einem vierstöckigen Pyramidenbau, die untern drei Stockwerke von rotem Sandstein, das oberste aus weißem Marmor; auf der Plattform steht der weiße Marmorkenotaph genau über der Stelle, wo unten im Kellergeschoß sein Sarkophag, umgeben von andern Gräbern, steht. Am Nordende des *Kenotaphs eine 1 m hohe *Marmorsäule, auf der lange Zeit der berühmte Diamant »Koh-i-Nur« lag, bis ihn der persische Eroberer Nadir Schah raubte (jetzt gehört er zum britischen Kronschatz).— In einem modernen Hause in Sikandarah befindet sich ein Waisenhaus. Man tut besser, Sikandarah früher als den Taj zu besuchen.
2) Westwärts nach (38 km) *Fatehpur-Sikri (Dâk Bungalow, neu und groß, mit guter Verpflegung, für längern Aufenthalt eingerichtet; für kurzen Aufenthalt Frühstückskorb vom Hotel mitnehmen!) mit Wagen (25 Rup. in 31/2 St.) oder Automobil (45 Rup., einzelne Sitze bei Fahrten, die das Hotel unternimmt, 10 Rup., in 1 St.) auf guter, schattiger Landstraße, von Akbar d. Gr. angelegt, wie die alte verlassene Residenzstadt selbst, deren Paläste noch sehr gut erhalten sind. Durch das Agra-Tor einfahrend, sieht man r. von der Straße die alte Münze, gegenüber die Schatzkammer, dann fährt man in den Kaiserpalast hinein, vor den Diwan-i-Am; l. liegen die Räume der Sultana und daneben der Dâk Bungalow (wo man auf Wunsch meistens auch einen Führer erhält); gegenüber sind türkische Bäder.
In der NO.-Ecke des Palastes ist das Haus der türkischen Königin; am Nordende des Hofs eine schöne Privataudienzhalle Diwan-i-Khas, südl. davon der Panch Mahal (ein »Damenheim« oder Zenana) und sw. von diesem das kleine Haus der Miriam (Akbars angeblich christlicher Gattin, einer Prinzessin von Jaipur) mit Garten und Bad; westl. davon das geschmackvolle Birbal's Haus. Ferner sind zu erwähnen der Turm Harem (Hiran) Minar, mit steinernen Elefantenzähnen geziert, über den Gräbern des kaiserlichen Lieblingselefanten, und die Grabmoschee (weißer Marmor in rotem Sandstein) des heil. *Salim Chistis in der Nähe des großen Siegestors und dieses selbst.
3) Südwärts nach *Gwalior; von Agra Road Station mit der Indian Midland Railway durch steiniges, hügeliges Gebiet, die nördl. Ausläufer des Malwaplateaus, das schon zum Dekhan gerechnet werden muß, über (35 M) Dholpur und 6 km weiter südl. über eine schöne Brücke aus rotem Sandstein über den Fluß Chambal (Chumbul) nach
(76 M, 122 km) *Gwalior (161 m; Gwalior Hotel [von einem Parsen geführt], außerdem staatliches Fremdenhaus Musafir Khana, in dem Unterkunft nur bei Empfehlung und Vorausbestellung zu haben ist. Reitelefanten durch Hotelmanager zu bestellen, Bakschisch an den Führer. Droschken, mäßig, zu haben [im Notfall Sänfte nehmen]), Hauptstadt des Vasallenstaats der Mahratten, hat mit der neuen Garnisonstadt Lashkar 89154 Einw. (5/6 Hindu, 1/6 Mohammedaner), liegt in einer Flußebene zwischen den Ausläufern des Malwaplateaus und hat schmutzige Häuser. Vor den Toren der alten Stadt steht die schöne Hauptmoschee Jama Masjid; in der Stadt der prachtvolle *Palast des Maharadschah (einer der schönsten in Indien) sowie mehrere Dschaintempel. Die berühmte *Festung Gwalior erhebt sich auf einem 110 m hohen senkrechten Sandsteinfelsen (oben 1900 m lang und 600 m breit) an der Westseite der Stadt; sie ist noch jetzt eine der stärksten Indiens. Am NO.-Ende die sechstürmige Zitadelle.
Im Innern der Festung sind Acker und Wasserbecken, für 15000 Mann Besatzung ausreichend. Wahrscheinlich wurde sie 275 n. Chr. gegründet von Suraj Sen, der den Sonnentempel baute; jahrhundertelang war die Feste Herrschersitz, viel bestürmt und selten erobert. Englische Truppen nahmen die Festung 1803, 1844 und 1858; 1886 wurde sie an den Maharadschah übergeben. Zum Besuch der Feste ist keine Erlaubnis erforderlich, man schreibt sich ins Fremdenbuch am Eingang ein; der Leiter (»Keeper«) des Fremdenhauses (Musafir Khana) sorgt für Bereitstellung des Elefanten, falls der Maharadschah geneigt ist, solchen für Besucher zur Verfügung zu stellen. Vom Fremdenhaus fährt man bis zum Fuße der Feste, dort wartet dann der Elefant für den steilen Aufstieg. Ein steiler Weg führt durch folgende sechs Tore in die Feste: Alamgiri Gate (das nördlichste Tor, 1660 erbaut), *Badalgarh (oder Hindola) Gate, ein schöner Hindubau; r. steht dicht unter dem Felsen der Festung der Gujari Mahal, Schloß der Königin von Man Sing, schon sehr verfallen; Bhairon (oder Bansur) Gate, 1485 erbaut; dann das Ganesh Gate mit dem Taubenhaus (Kabutarkhana) davor und einem Hindutempel daneben; nun vorbei an dem Felsentempel Chatar-bhuj-mandir (erbaut 876), ein Wischnuheiligtum mit Wasserteich (in dessen Nähe sehr alte Skulpturen), durch das Lakhshman Gate weiter hinauf längs der Ostseite der Paläste zum »Elefantentor« Hathiya Pol (Paur), neben dem das Hawa Gate in den Man Singh Mandir führt, der, 1486-1516 erbaut, bunte Mosaikwände hat. Nördl. schließen sich noch vier Paläste an: Vikram Mandir, Karan Mandir, Jahangiri Mahal und Shah Jahan Mahal am Nordende der Feste. Von den elf Hindutempeln der Feste ist der mittelste, Teli-ka-Mandir (Anfang des 12. Jahrh.), der sehenswerteste; er ist dem Schiwakult gewidmet, auf höchster Berghöhe mit prächtiger *Aussicht erbaut und um 1880 wiederhergestellt. —Die Felsenskulpturen an den Abhängen der Feste, besonders die südwestl. Gruppe in der Schlucht Urwahi, sind ebenfalls sehr sehenswert, weil einzig in ihrer Art in ganz Nordindien; die meisten Skulpturen, im 13. Jahrh. hergestellt (laut Inschrift aus den Jahren 1440, 1453, 1497 etc.), wurden unter dem ersten Großmogul Babar zum Teil stark beschädigt. Es sind fünf Gruppen.
Das durchfahrene Gebiet gehört zu den reichsten Kulturgebieten Indiens; Audh, der Ostteil der »Vereinigten Provinzen«, ist schon so weit in Kultur genommen, daß die Wälder großenteils (außer im nördl. Randgebiet gegen den Himalajastaat Nepal hin) verschwunden sind und mit ihnen auch viele wilde Tiere, wie der Tiger. Dabei hat das Land, das großenteils von Natur genügend befeuchtet ist (der künstlich bewässerte Anteil des Kulturlandes wird, je weiter ostwärts, um so kleiner), schon ganz tropischen Charakter.
C. Von Agra über Cawnpore, Lucknow und Allahabad nach Benares.
Eisenbahn: Agra-Cawnpore in 51/2 St.; Cawnpore-Lucknow in 2 St.; Lucknow-Allahabad in 51/2 St.; Allahabad-Benares in 31/2 St.; Agra-Allahabad in 9 St.
Von Agra Fort Station (S. [83]) mit der East Indian Railway (am besten mit Nachtzug, der etwa 3/4-12 Uhr abfährt) über die prächtige Jumna-Brücke mit 16 Bogen nach (15 M) Tundla; dort meist umsteigen in den von Delhi kommenden Zug, dann östl. weiter über Ferozabad nach (72 M) Stat. Etawah, Itawah (Bahnwirtschaft mit Gastzimmer; Dâk Bungalow, 1 km vom Bahnhof), Stadt mit 40000 Einw. in malerischer Lage zwischen Schluchten und Abhängen am Nordufer der Jumna, mit schöner Hauptmoschee; *Aussicht vom teilweise zerstörten Fort auf dem Hügel über der Stadt; unterhalb vom *Fort Bathing Gats am Flußufer.—Die Bahn erreicht im weitern Verlaufe das rechte Gangesufer bei
(158 M, 254 km) Stat. Cawnpore, Khanpur (Bahnwirtsch., gut; Civil and Military Hotel, gut; Empress Hotel, Pens. 7-9 Rup.; Victoria Hotel; die Bank of Bengal und die National Bank of India Ltd. sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank; Droschken nach Tarif), Knotenpunkt von fünf Bahnlinien und an der untern Einmündungsstelle des östl. Gangeskanals in den Ganges gelegen, mit enger, schmutziger Eingebornenstadt von 197170 Einw. (1/4 Mohammedaner), wo auf den Basaren gute Früchte, Leder-und Juwelierarbeiten feilgehalten werden und interessantes Leben und Treiben herrscht. Die Stadt ist ohne andre Sehenswürdigkeiten als solche, die an den Aufstand erinnern; in Cawnpore ließ Nana-Sahib im Mai und Juni 1857: 446 englische Soldaten, Frauen und Kinder hinmorden, wofür die Engländer im November weit blutigere Rache nahmen. Wo General Wheeler sich gegen Nana-Sahib verschanzt hatte, steht die Memorial Church; etwa 3 km nördl. liegt nahe dem Gangesufer der Memorial Garden mit Gedächtnisbrunnen, in dessen Mitte ein Friedensengel (von Marochetti) aus Marmor.
Seitentour. Von Cawnpore mit der Indian Midland Railway oder mit einer Zweiglinie der Oudh and Rohilkhand Railway über die Ganges-Eisenbahnbrücke durch die reichbebaute Ebene von Audh nach (44 M, 71 km) Stat. Lucknow oder Lakhnau (122 m; Bahnwirtschaft; Wutzler's Royal Hotel [Bes. Deutscher], eins der besten in Indien, 21/4 km vom Bahnhof; Savoy and Imperial Hotel, Abbott Road, Pens. 7 Rup.; Civil and Military Hotel; Prince of Wales Hotel; mehrere Klubs; Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Droschken nach Tarif), Knotenpunkt von 6 Bahnlinien, Stadt mit 264049 Einw. (1/3 Mohammedaner), am Gumti, einem schiffbaren l. Nebenflusse des Ganges; großstädtisches Leben, aber weniger sehenswert als Delhi und Agra. Auch die großen Prachtbauten von Lucknow sind architektonisch dürftig; von Engländern ebenso wie Cawnpore nur wegen der Ruinen und Gedächtnisstellen aus der Aufstandszeit (es wurden hier 2000 Engländer getötet) besucht.
—Rundfahrt: Nw. von der Residency, den Regierungsgebäuden, liegt im Machhi Bhawan Fort die interessante große Halle Great Imambarah in altem Palast, jetzt Zeughaus; man gelangt dann über die Iron Bridge zum Lichttempel Hussainabad, der nur von außen sehenswert ist. In der Nähe der interessante Kaisar Bagh (Kaisergarten mit Palästen). In der Stadt sind die Basare, besonders der Nakhkhas oder Vogelbasar, sehenswert. Filigran-und Goldschmiedearbeiten, Pfeifenmacher, Tonfiguren. Auch die Elefantenställe der Regierung sind sehenswert sowie das Museum (bis 31/2 Uhr offen; Fr. geschlossen) mit buddhistischen Reliquien aus Muttra (S. [83]) etc., und viele schöne Gärten.
Von Cawnpore weiter mit der »East Indian Railway« sö. nach
(277 M, 445 km) Allahabad (61 m; Kellner's Rooms, am Bahnhof, mit guter Schlafgelegenheit, Chota-hazri im Zimmer, andre Mahlzeiten in der Bahnwirtsch.; Laurie's Great Northern Hotel, Pens. 6 Rup.; Central Hotel; Bank of Bengal, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft; Droschken nach Tarif; die Zeitung »Pioneer« ist eine der wichtigsten in Indien, »Pioneer Mail« Wochenausgabe für Europa). Besuch von Allahabad ist nur bei reichlicher Zeit zu empfehlen; Benares, Agra und Delhi bieten weit mehr indische Kulturbilder.
Geschichtliches. Allahabad kommt um 250 v. Chr. unter dem Namen Prayâga (»Opferstätte«) vor. Akbar baute 1572 hier sein Fort Ilâhabâs, das Schah Jahan I. (1632-56) dann Allahabad (»Stadt Gottes«) nannte. Die Stadt gehörte zum Reiche des Großmoguls, bis sie 1753 durch den Wesir Safter Jang von Audh erobert ward. Aber schon 1765 wurde sie von den Briten besetzt und dem Großmogul Schah Alam zur Residenz angewiesen. Nachdem dieser 1771 Allahabad verlassen hatte, überließen es die Engländer durch den Vertrag vom Jahre 1773 dem Naib von Audh, der es endlich an die Ostindische Kompanie abtrat.
Die Stadt Allahabad, Hauptstadt der Nordwestprovinzen, mit 172032 Einw. (etwa 2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, 6000 Christen), liegt auf der Landzunge an der Mündung der Jumna in den Ganges, an deren Spitze das große, von Akbar erbaute, von den Briten umgestaltete Fort liegt (Besichtigung nur mit Erlaubnis der Militärbehörde; längere Wagenfahrt dazu erforderlich); es umschließt Kasernen, Pulvermagazin, Arsenal für 30000 Mann, die berühmte Säule des Asoka (240 v. Chr.), einen unterirdischen Tempel mit dem ewigen Feigen-oder Banyanbaum. Allahabad besteht aus dem engen Eingebornenviertel mit ärmlichen Lehmhütten neben prächtigen Palästen und dem schönen, gartenreichen europäischen Viertel. Hervorragende Bauten hat die Stadt wenige, z. B. den Palast des Gouverneurs, Kasernen, Verwaltungs-und Gerichtsgebäude, die Große Moschee, das Serail von Khusru zur unentgeltlichen Aufnahme von Reisenden, den Khusru Bagh (mit malerischem, hohem Festungstor, durch das man in die gepflegten Gärten mit drei Mausoleen gelangt), katholische und anglikanische Kirche, Bibliothek und Museum, Stadthaus, das Muir Central College, das große Zentralgefängnis zu Náini. Allahabad ist berühmter Wallfahrtsort, wo sich, um im Ganges zu baden, im Dezember und Januar 250000, alle 12 Jahre aber eine Million Pilger versammeln. Dann wird hier die Magh Mela, eine religiöse uralte Messe, abgehalten.
Mit der Bahn über (363 M) Mughalo Sarai Junction Station (Speiseraum im Bahnhof), hier umsteigen! Dann über die fast 1,5 km lange Stahlbrücke über den Ganges nach (373 M, 560 km) Benares (82 m).
Benares.
Vgl. den Plan S. [91].
Ankunft auf Cantonment Station der Oudh and Rohilkhand Railway; auch direkt von Lucknow (S. [88]) über (88 M) Fyzabad und (118 M) Jampur nach (199 M, 320 km) Benares; letztere Strecke ist etwa 88 km kürzer.
Gasthöfe (beide liegen 4,5 km landeinwärts vom Ganges und von der Eingebornenstadt): Clark's Hotel, 25 Z., Pens. von 7 Rup. an, gelobt; Hôtel de Paris, 60 Z., gelobt; beide Hotels mit Garten.—Bank: Bank of Bengal, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft. —Führer zum Besuch der Eingebornenstadt und Basare sind unentbehrlich wegen der engen, wirren Straßen.—Wagen besorgt das Hotel, Zweispänner 8 Rup. für 1, 4 Rup. für 1/2 Tag; Droschken nach Tarif; empfohlenen Fremden stellt zuweilen der Maharadschah von Vijayanagrum seinen Staatswagen.—Kuriositäten: Seidenstickereien, Schals, Messinggefäße, indische Nippsachen, Malereien, Goldschmiedearbeiten in den Basaren der Eingebornenstadt.
Geschichtliches. Benares war schon im 6. Jahrh. v. Chr. der Mittelpunkt der Religion des Buddha, der hier zuerst »das Rad seiner Lehre drehte«, was durch eine riesige Stûpa (Reliquienbehälter) 5 km nördl. von Benares der Nachwelt überliefert wurde. Später, nach dem Untergang des indischen Buddhismus, war es einer der Hauptsitze des Brahmanismus und wurde dann nach seiner Einnahme durch die Mogulkaiser (1194) 600 Jahre lang von Mohammedanern beherrscht. Diese vermochten den Brahmanismus nicht ganz zu unterdrücken, der sich seit dem 18. Jahrhundert, nach dem Sturz der Herrschaft der Großmoguln, rasch von neuem erhob und heute in Benares wieder eine der Hauptpflegestätten brahmanischer Philosophie verehrt. So ist Benares durch die Mannigfaltigkeit der in seinen Mauern gepflegten Religionen wie seiner Denkmäler religiöser Baukunst eine der merkwürdigsten Städte der Erde geworden: Buddhismus, Brahmanismus und Islam haben ihre Andachtsstätten hier errichtet, Brahmanismus (Hindu-Religion) und Islam blühen noch heute, dazu der Schiwa-Kult, der in ziemlich starkem Gegensatze zum Brahmanismus steht, da seine Anhänger (die Lingaiten, nach dem Symbol des Schiwa, dem Lingam, genannt) die Vorrechte der Brahmanen verwerfen, und schließlich die Sekte der Dschain, die ebenso alt wie der Buddhismus ist und diesem in mancher Hinsicht ähnelt.
Zeiteinteilung. 1. Tag: Vor Sonnenaufgang Stromfahrt auf dem Ganges vom Dasaswamedh Ghat aufwärts mit Besichtigung der Leichenverbrennungsstätte Manikarnika Ghat, der Aurangzeb-Moschee und des nur vom Boot aus besuchbaren Nepalese-Tempels (Boot für 2 St. 3 Rup.—Frühstück mitnehmen). Nach Frühstück mit Boot zum Affentempel, Goldenen Tempel, kleine Aurangzeb-Moschee, andere Tempel, den Brass Market (Messingarbeiten sind Spezialität von Benares). Dann Lunch im Hotel; nachher Fahrt nach Sarnath (Museum).—2. Tag: Droschkenfahrt zum Kuhtempel Annapurna, dann verschiedene Tempel, Brunnen des Wissens, Anand-Bagh-Garten, Annie Besant's Hindu College (theosophische Gesellschaft), Basare in der Eingebornenstadt.—Nm. Fahrt nach Belipur, Spazierfahrt im englischen Viertel.
Plan von Benares.
Benares (82 m), Banaras, Warânasi (»im Besitz des besten Wassers«, früher auch Kasi genannt), Bezirkshauptstadt mit 209331 Einw. (vorwiegend Hindu), ist seit 21/2 Jahrtausenden Hauptsitz brahmanischer Gelehrsamkeit und als heiligste Stadt der Hindu der besuchteste indische Wallfahrtsort. Viele reiche Hindu haben sich hier Paläste erbaut, wo sie ihre letzten Tage hinbringen; wer in der heiligen Stadt in der Gunst der Brahmanen stirbt, ist sicher, unmittelbar in den Schoß der Gottheit aufgenommen zu werden. Täglich pilgern Tausende, an Festtagen Hunderttausende hierher, um im Ganges Gebete und Waschungen zu verrichten oder Krüge mit dem Wasser des heiligen Stromes zu füllen, das bis zur Südspitze Indiens getragen wird; seine Versendung ist ein wichtiger Industriezweig. Kranke lassen sich hierhertragen, um angesichts des heiligen Stromes zu sterben. Benares hat 1454 meist kleine Hindutempel, 272 Moscheen, mehrere Dschaintempel, einen buddhistischen Tempel. NB. Eintritt in alle Tempel, außer Affentempel und Kuhtempel, ist Europäern verboten! Die prächtigste Ansicht gewährt die Stadt von dem 540-780 m breiten Ganges aus, an dessen weitem Bogen sie sich hinzieht. Alle andern Gebäude überragt die Moschee Aurangzebs mit ihren schlanken, 35 m hohen Minarets. Ein mächtiger Bau ist auch die 1693 errichtete Sternwarte (s. unten). Zwischen Paläste und Tempel drängen sich elende Hütten, das Innere der Stadt ist ein Gewirr enger, schmutziger Gassen. Das saubere englische Viertel (Sikraul) enthält eine Kirche, ein Hospital, Kasernen, 3 höhere Schulen, 3 englische Missionsanstalten, eine Bank. Die durch den Fremdenverkehr geförderte Industrie erzeugt Seidenstoffe, Schals, Gold-und Silberstickereien, Juwelierwaren, Messinggefäße (berühmt auf dem Messingmarkt, Brass market), Lackwaren. Der Handel, unterstützt durch Dampfschiffahrt auf dem Ganges und die Bahnen, vertreibt heimischen Zucker, Indigo, Salpeter und führt europäische Waren ein. Benares enthält eine höhere Hindu-und eine höhere Sanskritschule, das Benaresinstitut, eine Gesellschaft meist eingeborner Männer, und die Carmichael-Bibliothek.
Die Stadt zeigt das indische Leben unverfälscht; Hans Meyer sagt von Benares: »Da ist der unfaßbare Wust bizarrer Häuser und Häuschen. Da sind die Hunderte und aber Hunderte von wunderlichen Tempeln mit Kuppeln, Pagoden, Götzenfratzen, Rüsselschnörkeleien, mit farbigen, silbernen, kupfernen und goldenen Anhängseln und Bedachungen. Da sind die massiven, aus dem Strom aufsteigenden Paläste der einheimischen Prinzen und Radschas, da tobt und windet sich die endlose Menschenmenge aus dem Gewühl enger Gassen nach dem heiligen Fluß und zurück ... —Heilige Stiere wandeln an den Häuserreihen entlang und setzen die Gemüsekrämer in Schrecken, Affen sitzen auf den Sonnenzelten u. Dachgesimsen, schreiend, fressend oder spielend, unter Tamburin-und Schellenbegleitung werden Götzen auf Tragbahren herumgeschleppt, feierlichen Aufzügen begegnet man in jeder Straße.« An Festtagen ist das Menschengewühl beängstigend: trotz der Scheu der Hindu vor Europäern empfiehlt es sich, einen indischen Schutzmann (gegen guten Bakschisch) zur Begleitung mitzunehmen und keine Innenräume der Tempel zu betreten.
Rundfahrt durch die Eingebornenstadt, 3 km vom englischen Viertel. Man kann über Belipur fahren und dort den Palast des Maharadschah von Vijayanagrum besichtigen, falls Erlaubnis erteilt wird; *Aussicht vom Terrassendach des Palastes über den Ganges; man sieht Aurangzebs Moschee und den Goldenen Tempel. Dicht beim Palast liegen Dschain-Tempel.—Etwa 1 km südl. vom Palast liegt der Durga-Tempel, der finstern Gattin Schiwas geweiht, die täglich blutige Opfer (früher Menschen, jetzt Ziegen) fordert, *Affentempel genannt, weil darin die heiligen Hum-man (Semnopithecus entellus) zu Hunderten hausen; der Tempel aus rotem Stein mit gelben Ornamenten ist umgeben von hohen Mauern; im Haupteingang ein Raum mit Musikinstrumenten: Glocken, Trommeln, Tamtams u. a.; neben dem Tempel ein schöner Wasserbehälter.— Man fahre bis zum Dasaswamedh Ghat, eine der heiligsten Pilgerstätten von Benares (»Ghât« sind die mit Tempeln, Palästen, Pavillons und Badeplätzen eingefaßten langen Badetreppen, die zum Gangesufer führen), wo Brahma zehn Pferde geopfert haben soll.— In der Nähe die Sternwarte, ein schöner Bau mit seltsamen Instrumenten (darunter ein Mauerquadrant Bhittiyantra, zwei große Steinkreise, zwei Samrat Yantra zur Bestimmung der Polhöhe, ein Chakrayantra zur Bestimmung der Deklination, ein Digamsayantra zur Azimutbestimmung).—Auf dem Wege zum Dasaswamedh Ghat liegt der Tempel des Regengottes Dalbhyeswar, dessen Abbild in einen Wasserbehälter versenkt wird, solange der Gott seine Pflicht versäumt; seine Gefährtin Sitala heilt die Blattern.—Am bequemsten steigt man vom Dasaswamedh Ghat in ein Boot (flacher Prahm mit Stühlen, von etwa sechs Mann gerudert) und läßt sich zunächst eine Strecke stromauf rudern, um die etwa zwei Dutzend Ghats oberhalb von Dasaswamedh Ghat vom Strom aus zu betrachten; unter ihnen gehört das Asi Ghat (das äußerste stromaufwärts, 1. von oben) ebenfalls zu einer der fünf heiligsten Pilgerstätten in Benares. Eins der schönsten und besuchtesten ist das Shivala Ghat (6. von oben); viele Yogin (Dschogin), d. h. brahmanische Büßer (meist mit den Fakiren, den indisch-mohammedanischen Büßern verwechselt), sieht man auf den Badetreppen, deren Bußübungen schon in den Sanskritwerken beschrieben und angeordnet sind. Beim Machan Ghat (9. von oben) ist eine Leichenverbrennungsstätte, die aber weniger berühmt als die unten beschriebene beim Manikarnika Ghat ist.—Beim Kedar Ghat (11. von oben) liegt der Kedarnath-Tempel mit vielen Heiligtümern, dem Brunnen Gauri Kund und dem Mansarovar-Wasserbehälter, umgeben von 60 Heiligenschreinen. Beim Chauki Ghat (12. von oben) werden unter einem Pippalbaum Schlangen verehrt; viele Schlangenbilder ringsum.—Die Stufen des (13. von oben) Chatr Ghat oder Rajah Ghat führen zu einem großen Rasthause für Fremde, vom Rajah Amrita Rao erbaut.—Beim Komeshwar Ghat (14. von oben) steht der Mondtempel, der jede Krankheit heilt. Eine der ältesten Badetreppen ist Chausathi Ghat (20. von oben); die malerischste ist das Munshi Ghat (22. von oben) mit schönem Bau am obern Ende. Dasaswamedh Ghat (s. oben) ist das 25. von oben, stromabwärts daneben liegt Man Nandat Ghat. Wenn Zeit, oder bei zweiter Fahrt fahre man stromabwärts längs der untern Hälfte der Ghats bis zur Schiffbrücke.
Zur Beachtung: Unmittelbar vor Sonnenaufgang ist die Stromfahrt am lohnendsten, weil dann das Baden und Beten der Büßer und Pilger am lebhaftesten ist, während Vm. die Ghats von Händlern mit Blumen, Obst, Futter (für die heiligen Kühe) etc. besetzt sind. Bei Sonnenaufgang steigen zahllose Brahmanenpriester ins Wasser, dann folgen die Pilger und daran schließen sich Andachten vor den Priestern an; alles feierlich und schön, auch das züchtige Baden der Hindumädchen.
Beim Bachhraj Ghat (27. von oben) ist ein Shivala-Götzenbild, daneben ein Hundebild; ein Brahmane mit Pfauenwedel beschützt durch sein Wedeln die Besucher vor bösen Geistern und fordert dafür Opfergeld. In der Nähe werden täglich Hunde gefüttert, an Festtagen mit Butterkuchen und Zucker. Vom Mir Ghat (28. von oben) aus kann man nur zu Boot den Nepalese-Tempel besuchen; malerisch, aber mit sehr derb-naturalistischen Schnitzereien; viel von Frauen besucht, um Nachkommenschaft zu erbitten. Hinter dem Tempel eine sehenswerte Ringkämpferschule.—Zwischen Lalita Ghat und Jal Sain Ghat (31. von oben) liegt der berühmte Goldene Tempel, dem Bisheshwar (Bisheshwar = Herr der Welt) geweiht, einer der ältesten und wichtigsten Tempel für den Lingam-(= Phallus-)Kult zur Ehre Schiwas, dessen Kuppeln mit dünnem Goldblech gedeckt sind, der aber leider in Gassen und Mauern eingebaut ist. Gegenüber dem Eingang verkauft ein Priester Opferblumen; man gebe Bakschisch, wenn er Blumen oder andres als Geschenk überreicht. Der Bisheshwar-Tempel gilt als der heiligste Hindutempel in Indien, weil er an der Stelle steht, wo das Gangeswasser am heiligsten ist.—Neben dem goldenen Turme des Bisheshwar-Tempels steht der rote, kegelspitze Mahadeo-Tempel, umgeben von zahlreichen kleinen Spitzkuppeln, Sikras oder Vimanas genannt, wie sie bei Hindutempeln häufig sind. Zwischen beiden Tempeln hängen neun prächtige Glocken an steinernem Rahmenwerk. Im Hofe auf einer Plattform stehen aufrechte, ziemlich formlose Steinklötze (Lingam), uralte Gegenstände der Anbetung. —Im Viereck zwischen dem Goldenen Tempel und der schönen *Aurangzeb-Moschee (*Aussicht von den Minarets, eine steile Mitteltreppe führt bis zum Dache) liegt auch die kleine Aurangzeb-Moschee und der *Brunnen des Wissens, Gyan Kup, in dem Schiwa sitzen soll; ein Götzenbild soll von einem Priester hineingeworfen sein, daher riesiger Pilgerzustrom zu dem stinkigen Wasser; man hüte sich, in das Gedränge von Pilgern, Frauen und Kühen auf der Plattform des Brunnens zu kommen. Interessante Pilgerbräuche sind beim Brunnen zu beobachten. Der Blick in den Brunnen ist nur Hindu erlaubt, und nur barfuß.— Dicht außerhalb des Goldenen Tempels ist der Sanichar-Schrein und einige Schritte weiter der Tempel der Nahrung spendenden Göttin Annapurna, bei dem sich viele lästige Bettler aufhalten; je ein Schrein des Tempels ist der Sonne, dem Elefanten-und Glücksgotte Ganesh, dem Gauri Shankar und dem Affengotte Hanuman geweiht. —Zwischen diesem Tempel und dem Weissagungstempel, Sakhi Vinayak, ist ein seltsames rotes Standbild von Ganesh mit silbernen Händen und Rüssel auf einer Plattform.—Eins der fünf größten Heiligtümer von Benares, von Hindupilgern stets besucht (am stärksten im November), ist das *Manikarnika Ghat (33. von oben); über seiner Treppenflucht steht der Manikarnika-Brunnen, voll fauliger Blumenopfer zum Himmel stinkend, aber von Millionen Pilgern jährlich besucht.—Daneben steht der Tarkeshwara-Tempel und an dessen Wasserseite die größte Leichenverbrennungsstätte von Benares (Anblick und Geruch für schwache Nerven nicht zu empfehlen!), wo ohne Feierlichkeit die Leichen zunächst ans Ufer mit den Füßen ins Wasser gelegt werden, dann von den Angehörigen der (oft nur kleine) Scheiterhaufen errichtet wird.
Sechs Mann der untersten Kaste (Domra, die aber reich werden wegen ihres Monopols des Scheiterhaufenansteckens, wofür sie bis 1000 Rup. Abgabe erhalten) heben auf Bambusstangen den Toten aus dem Fluß, einer flößt ihm den letzten Trunk Gangeswasser ein, dann wird er auf den Scheiterhaufen gelegt und dieser angezündet. Während das Feuer brennt, werden die Körperteile nach Bedarf mit Bambusstangen ins Feuer gestoßen; schließlich wird die Asche, oft auch nur halbverkohlte Stücke, in den Fluß geworfen. Totenkult kennt der Brahmane nicht, die Leiche ist ihm nur unreiner Stoff, der zur Läuterung der Seele von den Elementen vernichtet werden muß. Trotz der Leichenwäsche baden und trinken die Hindu unmittelbar stromabwärts davon im Fluß, weil die Stelle als besonders heilig gilt.
Weiter stromabwärts liegt das allmählich sinkende Sindhia's Ghat (34. von oben); groß und schön ist Ghosla Ghat (37. von oben).— Oberhalb Panchganga Ghat (39. von oben) erhebt sich die stolze Aurangzeb-Moschee (S. [94]), mit zwei Minarets.—Viele heilige Kühe benutzen das Gai Ghat (42. von oben), wo auch ein steinernes Kuhstandbild steht.—Nebenan das Trilochana Ghat soll zwischen seinen Türmchen besonders heiliges Wasser haben.—Das unterste (47.) ist das Raj Ghat, neben der Schiffbrücke.—Von da kann man zu Wagen noch den Palast Nandeshwar Kothi des Maharadschah von Benares (mit hübschem Garten) auf der Rückfahrt durch Grand Trunk Road sehen (historisch merkwürdig).
Vom Affentempel (S. [92]) fahre man, falls Zeit genug, in den Anand-Bagh-Garten, wo im 19. Jahrh. der Heilige von Benares, Swami Saraswati, lebte, dessen Schüler, gelehrte Panditen, die zu seinen Ehren errichtete Sanskritschule leiten.—Das Hindu College, wo Frau Annie Besant ihre Theosophie unter jungen Hindu-Mystikern verbreitete, ist des Besuchs wert; es ist in einem Palast des Maharadschah von Benares.—Auch das christliche Missionswaisenhaus (von einer Deutschen geleitet) wird manchem sehenswert sein.
Ausflüge: 1) Nach Sarnath, 6,5 km nördl. von Benares, der Stätte, wo die alte Stadt Benares stand und Buddha lehrte; der Weg führt über die Barnabrücke und längs der Ghazipur Road bis zum 3. Meilenstein, dann l.; bald kommen zwei Türme, einer auf einem Hügel, in Sicht. Ein Turm (39 m hoch) liegt in einem frühern Wildpark, wo Buddha mit seinen fünf Jüngern im Beginn seiner Lehrtätigkeit lebte und später (im 11. Jahrh.) ein großes buddhistisches Kloster stand; er ist von Asoka als Tope oder Dhamek Stûpa erbaut und enthält im Innern Buddhabilder und Reliquien; er gilt als besterhaltener Tope in Bengalen. Nicht weit davon ein zweiter Turm (33 m hoch), ebenfalls eine ehemalige Stûpa.—Westl. von Dhamek Stûpa liegt ein Dschaintempel, bei dessen Ostende der Torso eines Buddhagötzen; in der Nähe ein Brunnen, Ranis Bad. In Sarnath finden jetzt Ausgrabungen statt, ein archäologisches Museum ist im Entstehen. —2) Nach Ramnagar (dazu vorher Erlaubnis beim Sekretär des Maharadschah einholen) am Gangesufer; beim Ramnagar Ghat Überfahrt über den Strom; vom Palast *Blick auf Benares. Ein Wasserbehälter liegt 2 km nö. vom Palast, daneben ein Tempel.
D. Eisenbahn von Benares nach Calcutta.
487 M (784 km) East Indian Railway von Benares bis Calcutta Schnellzug in 141/2 St. für I. Kl. etwa 36, II. Kl. 18 Rup.—Die Fahrt geht durch die regenreichen, echt tropischen, äußerst fruchtbaren (vor allem Reis-, Mohn-, Indigo- und Jute-Anbau) und dicht besiedelten, aber auch cholera-und fiebergefährlichen Ebenen Bengalens bis an den Westrand des ausgedehnten Gangesdeltas.
Von Benares, Cantonment Stat., über die prächtige, fast 1,5 km lange stählerne Brücke nach (10 M) Mughal Sarai (Bahnwirtschaft; man erkundige sich, ob Umsteigen nötig); von da nach (149 M) Bankipur (52 m; Bahnwirtschaft; guter Dâk Bungalow, nahe Bahnhof), am rechten Gangesufer, mit dem Grab Schah Arganis (wo bei dem Maharremfest 100000 Menschen zusammenströmen); es ist westliche Vorstadt und Sitz der Behörden der großen Handelsstadt Patna (53 m; Dâk Bungalow) mit 136470 Einw.; Patna hat neun Geschäftsviertel mit vielen Basaren; Handel mit Opium, Indigo, Töpfer-und Baumwollwaren. Bank of Bengal, Korresp. der Berliner Disconto-Gesellschaft in Bankipur. Patna war 450 v. Chr. die wichtigste Stadt Indiens, jetzt schmutzig und eng, ohne Sehenswürdigkeiten.
Ostindien, südl. Teil.
Seitentour nach *Buddh Gaya. Mit der Patna Gaya Railway von Bankipur südl. nach (57 M, 92 km) Stat. Gaya (Dâk Bungalow, fast 2 km vom Bahnhof, Wagen 21/2 Rup. für 1/2 Tag), Stadt mit 71288 Einw.; 5 km östl. vom Bahnhof liegt ein Hindutempel und 2,5 km von diesem der Tempel Bishn Pad (Wischnus Fußtritt) in der alten Stadt. Hauptziel für Buddhaforscher und Archäologen ist der Tempel von Buddh Gaya (11 km südl. von der Stadt Gaya), eine neunstöckige Pagode (nahebei ein Dâk Bungalow. Betten, Essen und Sodawasser mitbringen!); er ist 543 v. Chr. erbaut und ist als Wiege des Buddhismus die heiligste Stätte für einen großen Teil der Menschheit; von Pilgern viel besucht. Der Tempel ist voll von Überlieferungen aus dem Leben Buddhas. Man fährt in 2 St. bis vor den Tempel, meist durch schattige Straße; zur Besichtigung etwa 11/2 St. erforderlich. Asoka umgab den Tempel mit prächtiger Pfeilermauer (älteste indische Skulpturen: Kentauren, Lotosornamentik, Seejungfrauen, märchenhafte Krokodile mit Elefantenohren, Pferdekopfmenschen). Hinter dem Tempel auf einer Plattform der heilige Bo- oder Pippalbaum (Ficus religiosa). In der Nähe der Palast eines Maharadschah, wo Fremde um 4 Uhr empfangen werden.—Nw. ein kleiner, sehr alter Tempel mit stehendem Buddhastandbild.
Von Bankipur sö. weiter nach (305 M, 490 km) Stat. Madhupur.
Ausflüge von hier ins Parasnath-Gebirge auf tempelreicher Pilgerstraße bis 1365 m ü. M. in malerischer Landschaft mit vielen Aussichtspunkten; Eisenbahn (24 M, 39 km) bis Giridh, dann guter Fahrweg 29 km bis zum Fuß der Berge; Träger zum Aufstieg (23/4 St.) sind in Madhuban zu haben.
Dann über (366 M) Stat. Raniganj, am Ostende der großen Kohlenfelder von Bengalen (viele Fossilien, besonders Farren, ähnlich denen in den australischen und englischen Kohlenflözen, sind dort gefunden). —Bei (463 M) Hooghly Junction Station überschreitet die Eastern Bengal Railway auf schöner Brücke den Hooghly-Fluß, während unsre East Indian Railway auf dem rechten Ufer bleibt und über (466 M) Chandernagore (S. [139]) und Serampore die Endstation (487 M, 784 km) Calcutta, Howrah Terminus (S. [135]), erreicht.