4. Von Bombay nach Madras.

Vgl. die Karte S. [96].

Eisenbahn von Bombay nach (793 M, 1278 km) Madras: Great Indian Peninsula Railway und Madras and Southern Mahratta Railway nächster Weg; Schnellzüge (mail trains) mit durchgehenden Wagen I. und II. Kl. in 32 St. für I. Kl. etwa 59, II. Kl. 291/2 Rup.
Die Bahnstrecke führt in sö. Richtung quer durch das südl. Dekhan, dessen Aufbau man gut verfolgen kann: die schmale westl. Küstenebene, den hohen gebirgsartigen Westrand, das langsam gegen O. sich senkende Hochland, das keinen eigentlichen Gebirgscharakter trägt, und den im Verhältnis zu den Westghats niedrigen Ostrand, dem aber eine breite Küstenebene vorgelagert ist.—Der Einfluß der wechselnden Niederschlagshöhen macht sich in der Vegetation geltend, die am üppigsten an den feuchten Westghats, auf dem Hochland aber streckenweise beinahe steppenartig ist.

Von Bombay (S. [53]), Victoria Stat., bis (34 M) Kalyan s. S. [61]; hier zweigt die Madraslinie sö. ab, erreicht (54 M) Neral (gute Bahnwirtschaft mit Bädern etc.).

Kleinbahn von Neral in 2 St. nach (13 M) *Matheran (Gasthöfe: Rugby Hotel, in freier Lage; Gymkhana Hotel, mit schöner Aussicht; Granville Hotel; Reitpferde zu haben), 800-1100 m ü. M.; sehr lohnender und beliebter Ausflug von Bombay, vgl. S. [63] (im Sommer Sa. bis Mo. stark besucht), bewaldetes Hochland mit prachtvollen Ausblicken auf wilde Felspartien, in die Ebene und bis zum Meer. Schönste Punkte: *Panorama Point im N., *Chaux Point im S.; außerdem lohnend zu besuchen: Louisa Point und Alexandra Point.

Nun steigt die Bahn nach Maschinenwechsel bei (62 M) Karjat das Bore Ghat (550 m; Wasserscheide) steil (1:42 bis 1:37) hinauf durch schöne Gebirgslandschaft (bei Tage fahren!). Bei 410 m ü. M. hält der Zug, um die Maschine ans andre Ende zu setzen, und erreicht dann (78 M) Stat. Khandala (550 m; Dâk Bungalow am Rande der Schlucht; Glendale Hotel, gut; Khandala Hotel; Convalescent Hospital der All Saints-Schwestern), schöne Sommerfrische (Wasserfall von 90 m Höhe, sehr schön in der Regenzeit) der reichen Bewohner Bombays. Nahebei liegt (80 M) Lonauli (Lanauli oder Lonavla; Bahnwirtschaft; zwei Gasthöfe 5 Min. vom Bahnhof), der Platz, von wo man nach dem Höhlentempel von Karli in Tonga fährt.

Der *Höhlentempel (Karli Cave), einer der größten und besterhaltenen Indiens, ist in eine fast senkrechte, über 250 m hohe Felswand 38 m tief hineingearbeitet; er liegt etwa 3,5 km nw. vom Dâk Bungalow und 11 km vom Bahnhof Karli (ebenso weit vom Bahnhof Lonauli). Der Bau erinnert sehr an frühchristliche Kirchen mit Chor etc.; er ist wahrscheinlich um 200 v. Chr. errichtet und künstlerisch ausgeschmückt.— 5 km südl. vom Karli-Bahnhof liegen die alten Hügelfestungen Lohogarh und Visapur.—Andre sehr alte Höhlentempel liegen 3 km südl. von Karli in Bhaja und in Bedsa, 9 km östl. von Bhaja.

Von Lonauli mit der Hauptbahnlinie über (85 M) Karli (Dâk Bungalow) durch malerische Landschaft mit blühenden Dörfern.— (119 M) Poona, Puna (554 m; Connaught Hotel, bestes; Royal Family Hotel; Napier Hotel und Poona Hotel; Bombay Bank; Droschken nach Tarif; Automobile nach Mahabaleshwar der West India Motor Co., 3 Pers. 75 Rup., 6 Pers. 120 Rup.; Zeitung: »Deccan Herald«; Photographen: Metzker, Stewart; europäische Geschäfte; Western India Club u. a.), ein Hauptsitz der Brahmanenkaste, mit Angehörigen über ein Drittel der einheimischen Bevölkerung), alte Mahrattenhauptstadt, jetzt Residenz des Gouverneurs von Bombay während der Regenzeit und das größte Militärkantonnement für die Bombay-Armee, seitdem die Pest in Bombay herrscht (ist aber auch nicht pestfrei), hat 157666 Einw., berühmte Gold-und Silberarbeiten; auch Fächer und Tonfiguren sind zu kaufen.

Ausflüge: 1) Mit Wagen (sehr anstrengend) nach (24 km sw.) Sinhgarh, einer berühmten Hügelfeste in schöner Landschaft.—2) Nach *Mahabaleshwar. Mit Auto (s. unter Poona) oder der »Southern Mahratta Railway«, die bei Poona abzweigt, bis (109 km) Stat. Wathar (Bahnwirtsch., Mittagessen vorausbestellen!); von da mit vorausbestelltem Wagen (beim Postagenten in Mahabaleshwar für 20-30 Rup.) in 5 St., schöner, doch sehr anstrengender Bergweg; durch (29 km) Wai (guter Dâk Bungalow), schönes Landstädtchen mit riesigem Banyanbaum in 13 km Entfernung am Fuße des Hügels Wairatgarh (der 30 Ar Schatten wirft); dann ins Gebirge steigend durch das große, von Europäern viel bewohnte Dorf Panchganni nach
(64 km) *Mahabaleshwar (1438 m; Race View Hotel, Pens. 7 Rup.; Fountain Hotel, ebenso, beide gut, *Aussicht; Mahabaleshwar Hotel; Ripon Hotel; Klub mit Schlafgelegenheit; Postagent [Mail Contractor] Ardeshir Framjee, in Poona Civil Lines), eine gesunde und regenreiche Sommerfrische; in der Nähe die Yena-Wasserfälle und die *Aussichtspunkte Lodwick Point und Elphinstone Point. An letzterm stürzt der Felsen etwa 600 m sehr steil zum Tiefland ab. Prachtvoller Ausblick gegen Sonnenuntergang auf die wilde Felslandschaft und das Meer.
Ausflug von Mahabaleshwar nach Pratabgarh; hübsche Fahrt 10 km zum Fuß des Felsenhügels, dann steiler und schwieriger Aufstieg zu der malerischen Burg des Mahrattenkönigs Shivaji; Pratabgarh ist um 1656 erbaut.

Von Poona führt die Eisenbahn weiter durch bergige Gegend über (283 M) Stat. Sholapur (483 m; Dâk Bungalow), Stadt mit 55212 Einw., nach (292 M) Hotgi Junction Station.

Seitentour mit der »Southern Mahratta Railway« nach (59 M, 95 km) Stat. *Bijapur, Vidjajapura im Sanskrit = Siegesstadt (510 m; Dâk Bungalow, in der Stadt; Bahnwirtsch.; Tongas 2 Rup. für 1 Tag), Distriktshauptort mit 17000 Einw. Bijapur, eine uralte Siedelung, gelangte erst unter den Fürsten der Adil Shahi-Dynastie (1489-1686) zu hoher Blüte als Millionenhauptstadt, die in ihren hohen Steinmauern einst 1600 Moscheen und viele prächtige Paläste einschloß; begründet 1489 vom Adil Shah Jusaf Khan, verlor sie die Selbständigkeit durch den Mogulkaiser Aurangzeb. Sehenswert der runde Dom Gol Gumbaz dicht beim Bahnhof (innerhalb der Stadtmauer; seine Grundfläche ist größer als die des Pantheon in Rom); die Hauptmoschee Jama Masjid; ferner das Schloß Gagan Mahal und das Mausoleum (Ibrahim Roza) von Ibrahim II. Adil Shah nebst Königin Taj Sultana, ein großes Fort mit 109 Türmen innerhalb der Ringmauer, u. a. Die Umgebung der Stadt ist sehenswert.

Hinter Hotgi tritt die Bahn in das Gebiet des größten Vasallenstaats des britisch-indischen Kaiserreichs, in das Reich des Nizam von Hyderabad (111/2 Mill. Einw., 82000 engl. QM.; die Dynastie regiert seit 1740), und führt durch gutbewässerte Ebenen über die Stadt (353 M) Gulbarga (Dâk Bungalow) nach (376 M) Wadi Junction Station (427 m; Bahnwirtsch.); Umsteigen in die »Nizam's State Railway« und über (420 M) Stat. Tandur (Bahnwirtsch.) nach

(491 M) Hyderabad, Haidarabad (620 m; Bahnwirtsch.; Montgomery Hotel, gegenüber dem Bahnhof, gut, Pens. 7 Rup.; Brind's Hotel, Pens. 7 Rup.; wegen Hotelwagen vorher vereinbaren; Droschken nach Secunderabad I. Kl. 1 Rup. die Stunde, 9 Rup. den Tag, II. Kl. 41/2 Rup. den Tag), Hauptstadt des Nizam mit 499840 Einw. sehr verschiedener Völkerschaften (Hauptsprachen: Telugu und Mahratti, außerdem hört man Kanaresisch, Hindustani, Hindi, Marwori, Gondi u. a.) und dem buntesten *Straßenleben von malerischstem Reiz, mit beachtenswerten *Basaren (Bidriwork, d. h. Silbereinlegearbeit aus Bidri). Die Bevölkerung trägt noch Waffen. Die Stadt liegt am Musi-Flusse zwischen Gärten und ist mit einer bastionierten Mauer umgeben. Im Herbst 1908 wurde die Stadt durch Überschwemmung des Flusses infolge von Dammbrüchen der oberhalb gelegenen Stauseen schwer geschädigt. Baumwoll-und Papierfabrikation bedeutend. Bank of Bengal (Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft).—Rundfahrt. Zum Besuche der Sehenswürdigkeiten in Hyderabad und Golkonda hole man (vor der Rundfahrt morgens im gewöhnlichen Anzug) bei der Palastwache am Palast des Nizam einen Erlaubnisschein der Adjutantur Sr. Hoheit des Nizam; der Besuch gilt dem Flügeladjutanten (Empfehlungen sind wertvoll); gewöhnlich schickt der Adjutant den Paß durch einen Soldaten; man kann auch durch die Hotels Erlaubnisscheine auswirken. Die englische Residency liegt außerhalb der Stadtmauern in Chadar Ghat; zwischen ihr und der Stadt ist eine 180 m lange Granitbrücke, die Oliphant Bridge. Man kreuze den Fluß über die nächste nach W., die Afzal Ganj Bridge, dann gelangt man durch das Afzal Ganj Gate in eine breite Straße, die fast durch die ganze Stadt führt. In der Nähe des Tores liegt die Afzal Ganj-Moschee mit vier Minarets neben dem städtischen Hospital; etwa 100 m innerhalb des Tores ist der Palast des berühmten Ministers Sir Salar Jang Bahadur (gest. 1883), der dem Lande viel genützt hat.—Weiter in der Hauptstraße trifft man an einer Straßenkreuzung, wo jede Straße mit einem 15 m hohen Bogen überwölbt ist, auf den Char Minar, eine alte Gelehrtenschule mit vier schlanken Minarets, 1591 erbaut.—Östl. davon liegt die Mecca-Moschee, groß und finster, mit vier Minarets und sechs Bogen.—Der Nizam's Palast liegt westl. vom Char Minar; er ist modern eingerichtet und reichlich mit unzugänglichen, durch sechsfache konzentrische Einfriedigung von der Stadt getrennten Harems versehen, und noch reichlicher mit Dienerschaft. Man besuche den Elefantenhof, wo meist etwa 60 Elefanten angefesselt stehen. Am 5. Muharreni (erster Monat des mohammedanischen Jahres) findet der Langar, ein Umzug der gesamten Truppen des Nizam um den Palast, statt (der Nizam und gegen 100000 Einw. der Hauptstadt sind Mohammedaner). —Sehenswerter ist der Felikan-Palast (Falak Numa), 1 km südl. von der Stadt, mit reizendem Terrassengarten, auf einem Hügel mit *Aussicht; es ist ein moderner Prunkbau zur Aufnahme fürstlicher Besucher (im Innern ein Saal mit Lachspiegeln).—Öffentlicher Garten mit kleinem Zoologischen Garten (Fr. Abend Konzert).

10 km nördl. von Hyderabad (Bahn dahin) liegt Secunderabad, Sikanderabad (Montgomery Hotel, sehr gut, Pens. 7 Rup.; Brind's Parade Hotel; Wagen 10 Rup. für 1 Tag, nach Golkonda und zurück 12 Rup.), das stärkste Militärlager der Engländer im mittlern Indien, weitläufig auf 50 qkm angelegt; mehrere Kantonnements sind in der Nähe in Bolaram und Trimalgiri (mit befestigtem Rückzugslager). Hier stehen etwa 10000 Mann englische Truppen. Der Parade Ground liegt südl. vom Bahnhof.

Ausflug nach Golkonda, 11 km nw. von Hyderabad. (Man besorge sich vorher Erlaubnisschein, s. oben.) Von Secunderabad 11/2 St. Wagenfahrt durch eine Gegend voller einzelner, oft seltsam geformter Granitblöcke. Ein Granithügel trägt das alte Königsschloß von Golkonda, durch eine 4850 m lange Mauer mit über 80 Basteien aus Granitblöcken und 2, früher 8 Toren, von breitem Graben umschlossen. Im Granittor prüft die Wache den Erlaubnisschein, dann führt eine steile, zum Teil zerfallene Treppe zwischen Ruinen von Palästen und Moscheen zum 130 m hohen Gipfel, auf dem der Königspalast mit flachem Dach (Aussicht) liegt.—In der Ebene nördl. und östl. vom Schloß liegen 18 gut erhaltene, granitene Mausoleen der Kutab Shahi-Dynastie mit stattlichen Kuppeln; eins der höchsten ist das der Sultanin Haiyat Baksh Begum (gest. 1617). Schöner ist das Grab ihres Mannes, des Sultans Muhammad Kuli Kutab Shah (gest. 1612).

Von Hyderabad Rückfahrt mit »Nizam's State Railway« nach (121 M) Wadi (S. [98]), dort umsteigen in den Madraszug der »Great Indian Peninsula Railway«. Man fährt dann durch eine weite Ebene mit Granitblöcken über (385 M von Bombay) Nalwar und auf 1170 m langer Brücke über den Fluß Kistna, südl. von (427 M) Krishna, nach (443 M) Raichur (400 m; Bahnwirtsch., Dâk Bungalow), Stadt aus dem 14. Jahrh., mit sehenswertem Nord-und Westtor; von der hohen Zitadelle *Aussicht. Hier beginnt die »Madras Railway«; sie führt über (486 M) Stat. Adoni, uralte Stadt aus dem 10. Jahrh. v. Chr., mit dem größten Baumwollenmarkt im Dekhan, und über den wichtigen Bahnknotenpunkt (518 M) Guntakal (Bahnwirtschaft), dann vorbei an der Hügelfestung südl. (r.) von (536 M) Gooty (Bahnwirtschaft), ferner über die Stationen (566 M) Tadpatri und (632 M) Cuddapah (beide mit Bahnwirtschaft) nach

(710 M) Renigunta (im Bahnhof Wirtschaft und Schlafzimmer, vorher brieflich beim Station-Master anzumelden!).

Kleinbahn von Renigunta nach (13 km) Tirupati (Dâk Bungalow), Stadt mit 14000 Einw., stets mit Pilgern gefüllt. Etwa 13 km vom Bahnhof steht auf dem siebengipfeligen heiligen Hügel Tirumala (760 m) eine sehr alte Pagode (die heiligste Hügelpagode in Südindien). Der Aufstieg ist schwierig. Der Nordaufstieg führt vom Dorfe Balapilli durch dicke Dschungeln und über Hügel, wo Tiger und Panther vorkommen sollen. Auf dem 7. Gipfel, Sri Venkataramanachellam, erhebt sich die Pagode zwischen Mango-, Tamarinden- und Sandelholzbäumen (Eintritt ist für Europäer nicht erlaubt). Hier auch ein Bungalow für europäische Besucher.

Von Renigunta führt die »Madras Railway« über den Knotenpunkt (751 M) Arkonam (Bahnwirtschaft) nach (793 M, 1278 km) Madras.

Madras.

Vgl. den Plan S. [101].

Ankunft zur See. Der auch beim besten Wetter stark brandende flache Strand ist eingefaßt mit europäischen Häusern, die sich vom Grün der Gummibäume, Bananen, Palmen, Banyanbäume malerisch abheben. Die Dampfer ankern im Hafen; die Landung geschieht in flachen Booten, sogen. Masulas; Taxe 21/2 Rup., für Jollen 1 Rup. Die Boote landen an der Landungsbrücke. Hafengeld für Gepäck 1 Rup. pro Tonne, mindestens 4 annas, Tragelohn für jeden Kuli 2-4 annas. Zollabfertigung im Zollamt am Hafen.
Ankunft am Bahnhof. Von Colombo über Tuticorin kommend, steigt man am Hauptbahnhof der South Indian Railway, Egmore Stat., aus, Bahnwirtschaft; von Bombay kommend, steigt man an der Central Station der Madras and Southern Mahratta Railway aus; beide Bahnhöfe liegen 1,5 km voneinander. Von Calcutta Ankunft auf der Central Station.
Gasthöfe: Hôtel d'Angelis, Mount Road; 40 Z., Pens. 10 Rup., gut, neu eingerichtet, beste Küche.—South Indian Railway Hotel, mit dem Bahnhof verbunden; 80 Z.—Spencer's Hotel, Mount Road; Pens. 10 Rup.— Connemara, mäßig.—Prince of Wales, Pens. 6 Rup., in guter Lage dicht an der Mount Road.—Victoria, Pens. 6 Rup.—Elphinstone Hotel.Elphinstone Branch Hotel (Egmore) u. v. a.— NB. Die Häuser am Hafen in der »George Town« sind nicht zu empfehlen! Tägl. Pens. 5-10 Rup.—Restaurant: D'Angelis, Mount Road, gute Küche, auch Zimmer.
Post. Hauptamt (General Post Office) in George Town, nahe dem Hafen; ein andres Amt etwa 1/2 km westl. vom Connemara Hotel. NB. Man gebe Briefe eigenhändig am Postamt auf. —Wagen. Wegen der großen Entfernungen auch innerhalb der Stadt miete man für den ganzen Tag.— Straßenbahnen (elektrische) zwischen den Vorstädten und den Hauptpunkten der alten Stadt.
Eisenbahnen: South Indian Railway (Egmore Station) nach Tuticorin (und Colombo); Madras and Southern Mahratta Railway (Central Station u. a.) nach Bangalore, Goa, Poona, Hyderabad, Bombay (S. [100]-96); nach Calcutta (S. [135]).


Dampfer: Österreichischer Lloyd, monatl. nach Colombo und Calcutta; Agentur: Volkart Brothers; auch für Messageries Maritimes;—nach Colombo und Calcutta: British India Steam Nav. Co., wöchentl., Agentur: Binny & Co.; nach Rangoon und Singapore dieselbe wöchentl.;—nach Penang und Singapore: British India Steam Nav. Co. alle 14 Tage.—Agent des Norddeutschen Lloyd: Carl Simon Söhne.
Banken: National Bank of India Ltd., I. Line Beach, Korr. der Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.—Chartered Bank of India, Australia & China, Esplanade.—Mercantile Bank of India Ltd., Armenian Street.

Lageplan von Madras.

Alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.— Reisebureau: Binny & Co.Konsulate: Deutsches Reich, Konsul M. Miersch.—Österreich-Ungarn, Konsul E. Steiner.—Polizei: Egmore Police Court, Pantheon Road.
Ärzte: Dr. Niblock; Dr. Giffard; Dr. Robertson.—Zahnärzte: Badcock; P. Furnival.—Apotheken: Smith & Co., Mount Road und Esplanade; Maclure, Mount Road, u. a.—Krankenhaus: General Hospital, nahe Central Station.
Buchhandlungen: Higgenbotham & Co.; Combridge & Co., beide Mount Road.—Photographien: Wiele & Klein; Del Tufo, beide Mount Road.
Geschäftsadressen: Optiker: W. E. Smith & Co.; Lawrence & Mayo, beide Mount Road.—Kleidermacher: Moses & Co.; Smith & André; Oakes & Co., sämtlich Mount Road.—Reiseartikel: Spencer & Co.—Juweliere: Orr & Sons; T. R. Tawker & Sons, beide Mount Road.—Zeitungen: Madras Mail; Madras Times; Hindu; Madras Standard.
Zeiteinteilung. Für die Stadt Madras, Museum, Botanischer Garten und Marina genügt 1-11/2 Tag. Madras ist aber ein guter Platz, um die südindischen Tempelanlagen in Trivalur, Conjeeveram, Mahabalipuram, Tanjore (S. [127]) sowie die Nilgiri-Berge (S. [128]) zu besuchen.
Geschichte. Fort St. George in Madras wurde 1639 von den Engländern erbaut; die Agentur der Englisch-Ostindischen Kompanie wurde 1653 Präsidentschaft; die Stadt hatte Anfang des 18. Jahrh. schon etwa 300000 Einw., wurde 1746 von La Bourdonnais erobert, fiel aber im Aachener Frieden 1748 wieder an England zurück. In den Kriegen gegen Haidar Ali wurde Madras hart bedrängt, entwickelte sich später aber zur dritten Handelsstadt Ostindiens.
Klima. Im Sommer heiß und trocken, aber ungefährlich, im Winter gesund. März bis Oktober, wo der SW.-Monsun weht, sind heiß und trocken, Regenzeit im NO.-Monsun, Oktober bis Dezember. Das Einsetzen des NO.-Monsuns Mitte Oktober ist meist von heftigen Stürmen begleitet. Heißeste Monate sind Mai und Juni (Mitteltemperatur etwa 31,5° C), kühlste (aber nicht kalt) Dezember bis Februar (Mitteltemperatur etwa 24,3° C).

Man trinke kein Leitungswasser, sondern nur Sodawasser!

Madras (Madrissa, d. h. Hochschule, oder Mandar-raj, von den Eingebornen Chennapatnam genannt), Hauptstadt der Presidency of Madras (of Fort St. George), wichtigster Platz an der Koromandelküste und drittgrößte Seestadt Indiens, hat 517335 Einw. und ist Sitz des Gouverneurs. Die Stadt zieht sich 15 km am flachen Strande hin und ist mit den Vorstädten 6 km breit. In der Mitte des Strandes liegt das alte Fort St. George (auch White Town genannt), worin das Grand Arsenal mit historischer Waffensammlung, ferner die Kasernen der europäischen Truppen, die St. Mary's Church und die Regierungsgebäude. Die Esplanade trennt das Fort von der George Town, dem Eingebornenviertel und Geschäftsviertel mit engen, schmutzigen Straßen; davor am Strande liegt der durch zwei Wellenbrecher gebildete Hafen mit Zollamt, Hafenamt, Postamt, Bank of Madras, Geschäfts-und Warenhäusern. Auch größere Schiffe können jetzt nach Umbau des Hafens in diesem ankern.—Südl. vom Fort zieht längs des Strandes die Hauptpromenade, The Marina, hin, die auf der Napier's Bridge über den Cooum-Fluß führt; hinter der Marina liegt etwa 1 km sw. vom Fort das Government House (Palast des Gouverneurs) mit Park und südl. davon der Chepauk Park, mit dem alten Palast der Nabob von Karnatik, jetzt Board of Revenue.—Westl. vom Fort liegen das Pacheappah's College, eine Stiftung des reichen Hindu Pacheappah Mudelliar, ferner das General Hospital.—Westl. von der Central Railway Station ist der schöne öffentliche People's Park, ein Volkspark mit Musikpavillon, Tennisplätzen und Tierkäfigen.—Vom Government House führt die 11 km lange Mount Road, die Hauptstraße für europäische Geschäfte, sw. nach St. George Cathedral, neben der der kleine, aber schöne *Botanische Garten liegt, und weiter nach Little Mount, wo der heilige Thomas den Märtyrertod erlitten haben soll, und schließlich nach dem etwas größern Hügel St. Thomas Mount oder Great Mount, auf dessen etwa 90 m hohem Gipfel eine alte, jetzt armenische Kirche (1547 von Portugiesen erbaut) steht; in ihr ein 1111 Jahre altes nestorianisches Kreuz mit Inschrift von 801.—In der katholischen Kathedrale St. Thomé am Südende der Marina sollen die Gebeine des heiligen Thomas ruhen.—In der Pantheon Road liegt das Museum, daneben das Victoria Technical Institute (s. unten); 1,5 km westl. davon das 1792 gegründete Madras Observatory (Sternwarte), wo der Nullpunkt der trigonometrischen Aufnahme Indiens ist, und wo die Standard Time (die indische Ortszeit) bestimmt wird.

Rundfahrt. Morgens zunächst durch das Fort St. George, dessen Waffensammlung im Grand Arsenal nur für Kenner Interesse bietet, über die Esplanade nach dem Hafen (sehenswerte Landungsbrücke), von da nach dem People's Park, wo man die Tigerkäfige und Markthalle besichtigt. Dann nach der Pantheon Road zum *Government Central Museum, tägl. geöffnet 61/2 Uhr früh bis 5 Uhr abds. (der erste So.-Nm. im Monat nur für eingeborne Frauen!); es enthält unter anderm eine gute Sammlung von Rohstoffen und fertigen Erzeugnissen des Chinin sowie von südindischen Pflanzenfarbstoffen; ferner südindische ethnographische Altertümer; große Sammlung von Gipsmasken indischer Rassen und naturhistorische Sammlung. Dann in das *Victoria Technical Institute, einen schönen mohammedanischen Bau, tägl. geöffnet von 71/2 früh bis 6 Uhr abds. (außer Di.), staatliche Verkaufsstätte für alle Kunstprodukte Südindiens, auch für gute und preiswerte Antiquitäten. Dann durch Harris Road und über Harris Bridge zur Mount Road, an deren Ecke in prächtigem Park (mit Rudeln halbzahmer Gazellenantilopen) das Government House liegt; nun sw. durch den mit europäischen Geschäften besetzten Teil der Mount Road, vorbei an der Statue des Generals Neil vor dem Eingang zum Klub, an der St. George Cathedral (l.) vorüber zum *Botanischen Garten, neben der Kathedrale, nicht sehr groß, aber recht geschmackvoll angelegt, mit von Schlingpflanzen umrankten Lusthäuschen und schilfumsponnenen Teichen, auf denen prächtige Lotos und Victoria Regia blühen. Viele seltene Prachtbäume, Hibiscus tiliaceus, Pompelmus, Teakbaum u. v. a.—Wenn Zeit vorhanden, fahre man über Little Mount bis Great Mount (s. oben) und durch den Ort Mailapur (St. Thomé), mit vielen indischen Tempeln und nur von Brahmanenpriestern und ihren Familien bewohnt, richte sich aber so ein, daß man vor 1/2-5 Uhr Nm. bei der St. Thomé Cathedral am Strand ist, um von da nordwärts auf die zwischen 5 und 6 Uhr abds. belebte Promenade am Meer, die *Marina, zu fahren und dabei auch den an Gazellen reichen Chepauk Park zu besichtigen. Man kann auch vom Botanischen Garten direkt durch die Cathedral Road nach der Marina gelangen. An der Marina liegt auch ein kleines, aber sehenswertes Aquarium mit farbenprächtigen und merkwürdigen Fischen.

Ausflüge (alle landschaftlich wenig lohnend, aber zu interessanten Kunstdenkmälern führend): 1) Nach Trivalur (Trivellore) mit »Madras and Southern Mahratta Railway« (26 M in 11/2 St.) zum Besuch einer großen Tempelanlage mit 5 äußern und 2 innern Gopuras, einer unvollendeten 1000-Säulenhalle (688 stehen noch) und vielen sehenswerten Heiligtümern.
2) Nach Conjeeveram (das südindische Benares) mit derselben Bahnlinie (in 3 St. über Arkonam), eine der 7 heiligen Städte, mit 40000 Einw.; 3 km vom Bahnhof liegt der Ekambarah Swami geweihte große Saiva-Tempel, an dessen Südseite eine 57 m hohe zehnstöckige Gopura, durch die man eintritt; innen l. eine 1000-Säulenhalle (nur noch 540). Außerhalb der Umfassungsmauer nach O. ist ein hoher kunstvoller Wagen mit schweren Holzrädern. In das Allerheiligste (Vimanah) darf kein Europäer, kann sich aber an den Naúch-Tänzerinnen in nächster Nähe ergötzen. Etwa 3 km weiter liegt der Wischnutempel in Little Conjeeveram, in dem man die kostbarsten Geschmeide und mit Edelsteinen besetzte Goldketten der Statuen der Gottheiten besichtigen kann. (Wer Madura und Trichinopoly gesehen, kann sich diese beiden Ausflüge sparen.)
3) Nach *Mahabalipuram, sehr lohnend; man lasse durch den Hotelbesitzer die Fahrt sowie Ausrüstung mit Lebensmitteln gut vorbereiten. Mahabalipuram (guter Dâk Bungalow) liegt am Meeresstrande, etwa 56 km südl. von Madras. Man fährt (NB. mit gut gefülltem Frühstückskorb!) zunächst mit Wagen bis (9 km) Guindy Bridge, nahe Little Mount; von dort fährt man in Booten (jedes Boot etwa 10 Rup., trägt 2 Reisende ohne Diener) auf dem Buckingham Canal 12-14 St., am besten nachts, bis gegenüber vom Dorfe Balipitham. Man kann auch von Madras (Egmore Station) mit der South Indian Railway nach (35 M) Chingleput (guter Dâk Bungalow) fahren, vorher den Station-Master benachrichtigen, der das Nötige bestellt; man fährt von Chingleput mit Tonga (21/2 Rup.) über Tirukalikundrum zum Kanal und von da mit Boot weiter. Man steigt an der Ostseite des Kanals aus, wo sich aus dem flachen Strandgürtel ein niedriger Rücken Gneisfelsen erhebt. Dort liegen, aus dem Stein gehauen, die berühmten *Sieben Pagoden (Seven Pagodas), teils sehr alte Nischentempel, reich mit Skulpturen geschmückt, dann auch freistehende Pagoden und kolossale Skulpturmonumente (Elefanten, Affen und andre Tiere). Hier ist die ganze Brahminenlehre in Stein dargestellt, zum Teil in weit über ein Jahrtausend alten Denkmälern. Die ganze Anlage war eine uralte Brahminen-Freistätte, wie sie (nach W. Gallenkamp) rätselhafter und weniger bekannt nirgends in Indien anzutreffen ist. Bootsrückfahrt am besten wieder nachts, wobei man sich gegen Moskitos mit Netz und Rauch schütze.
4) Nach Ootacamund (sehr lohnend), s. S. [128].