5. Aus Europa durch den Suezkanal nach Colombo.
Die Insel Ceylon.
Vgl. die Karte S. [107].
A. Von Genua oder Neapel nach Colombo.
Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd (abwechselnd von Bremerhaven oder Hamburg ausgehend, über Rotterdam, Antwerpen, Southampton, Gibraltar in 14 Tagen nach Genua) gehen jeden zweiten Do. von Genua (Lloyd-Expreß, s. S. [9]), dann über (336 Seem.) Neapel, (1446 Seem.) Port Saïd und den Suezkanal in 17 Tagen (von Neapel) nach (4934 Seem.)
Colombo (Ankunft So. oder Sa.). Die Schiffe gehen weiter nach Singapore, Hongkong, Schanghai, Nagasaki oder Tsingtau, Kobe und Yokohama. Fahrpreis von Bremen oder Hamburg nach Colombo I. Kl. 1170 M., II. 765, III. 405 M. (hin und zurück I. Kl. 1760 M., II. 1145, III. 605 M.); von Genua oder Neapel I. Kl. 1080 M., II. 720, III. 360 M. (hin und zurück I. Kl. 1625 M., II. 1080, III. 540 M.; Näheres s. neuestes Handbuch der Reichspostdampferlinien des Norddeutschen Lloyd, erscheint zweimal jährlich).
Die Reichspostdampfer laufen von Neapel (S. [23]) in 4 Tagen nach (1110 Seem. von Neapel) Port Saïd (S. [25]), dann durch den Suezkanal über (1197 Seem.) Suez und durch das Rote Meer, wie S. [31] u. [36] beschrieben, nach (2505 Seem.) Aden (S. [38]); von da mit östl. Kurs durch den Golf von Aden; die Reichspostdampfer nehmen dann den stets sichern Weg nördl. um die Insel Sokotra (S. [41]), die nicht immer in Sicht kommt (sie hat keine Leuchtfeuer), während einzelne andre Dampfer Kap Guardafui (Râs Assir), dessen Abhänge von O. gesehen einem schlafenden Löwen gleichen, ansteuern und dann südl. von den kleinen Inseln und Sokotra auf die Südspitze Vorderindiens, Kap Comorin, zusteuern. Die Reichspostdampfer laufen mit OSO.-Kurs meist durch den Neungrad-Kanal nahe nördl. an der Koralleninsel Minikoi vorbei, deren Leuchtturm eine gute Landmarke ist; oder auch durch den Achtgrad-Kanal südl. von Minikoi (vgl. die Karte bei S. [96]). Nachts sind nahe über dem südl. Horizont die schönen Sternbilder des Südlichen Kreuzes sowie des Schiffs zu sehen. Dann südl. vom Kap Comorin entlang. Bei der Annäherung an Colombo begegnet man zuweilen schon den einfachen Fischerbooten mit viereckigen Segeln und Ausliegern, ehe die schönen Berglinien der Küste von Ceylon auftauchen; später sieht man dunkleres Vorland. Die große Hafenstadt erkennt man früher an den vielen Schiffsmasten und Schornsteinen als an den Häusern, die größtenteils zwischen üppigem Pflanzenwuchs (namentlich Kokospalmen) verborgen liegen. Der hohe Leuchtturm und der Palast des Gouverneurs südl. davon sind deutlich zu erkennen. Charakteristisch ist schon von weitem der 2241 m hohe Adamspik östl. von Colombo.—(4934 Seem. von Genua, 7570 Seem. von Bremerhaven) Colombo; Ankunft s. S. [110].
B. Von Marseille nach Colombo.
Messageries Maritimes, jeden 2. So. von Marseille (S. [24]) über (1510 Seem.) Port Saïd und (1597 Seem.) Suez, abwechselnd über (2881 Seem.) Djibouti (S. [36]) oder über Aden nach (5098 Seem.) Colombo in 16 Tagen. Über auswechselbare Rückfahrkarten mit dem Österreichischen Lloyd s. S. [22]. (Die Dampfer gehen weiter nach Singapore, Hongkong, Schanghai, Yokohama.)
Peninsular and Oriental Co., von Marseille jeden 2. Fr. über Port Saïd und Aden nach Colombo in 15 (von Brindisi in 13) Tagen; Fahrpreis ab Brindisi I. Kl. 48 £. (Die Schiffe gehen weiter nach Australien.)
Orient Line jeden zweiten Do. von Marseille über Neapel, Port Saïd, Suez nach Colombo in 17 Tagen. Fahrpreis ab Neapel I. Kl. 34-48 £ (weiter nach Australien).
C. Von Brindisi nach Colombo.
Expreßdampfer der Peninsular and Oriental Co. (vgl. S. [23]) haben in Port Saïd Anschluß an die von Marseille (s. oben B.) kommenden Dampfer derselben Gesellschaft, mit denen Colombo in 13 Tagen erreicht wird.
D. Von Triest nach Colombo.
Österreichischer Lloyd (vgl. S. [22]), am 12. und 25. jedes Monats über (1305 Seem.) Port Saïd, Suez (2700 Seem.), Aden, dann abwechselnd über Karachi oder Bombay in etwa 30 Tagen nach Colombo. Fahrpreis: Salonklasse 36 oder 32 £, Intermediate Kl. 26 £. Umtauschbare Rückfahrkarten mit den Messageries Maritimes (S. [22]) mit 24 Monaten Gültigkeit.—Diese Lloyddampfer gehen weiter abwechselnd über Madras, Rangoon nach Calcutta oder über Penang, Singapore nach Hongkong, Schanghai, Yokohama, Kobe.
[Die Insel Ceylon.]
Ceylon (im Sanskrit Singhala [»Löwenwohnort«], bei den Eingebornen Lankadiva, arabisch Serendib), britische Insel im Indischen Ozean, an der Südspitze von Vorderindien, von dem sie durch den Golf von Manár und die 93 km breite Palkstraße getrennt wird, ist von N. nach S. 445 km (München-Magdeburg) lang, bis 235 km (Ulm-Passau = 250 km) breit und 66000 qkm (Bayern 76000 qkm) groß. Ceylon besteht in seinem südl. Hochland aus denselben alten Gesteinen wie das Dekhan und bildete wohl, bevor das dazwischenliegende Landstück in die Tiefe sank, einen Teil des Kontinents, nach dem jetzt wieder im NW. der Insel die sogen. Adamsbrücke (S. [124]), ein junges Gebilde aus verkittetem Meeressand, hinzieht. Fast das ganze nördliche Drittel der Insel ist eine prächtig bewaldete Ebene; ein breiter Gürtel von Tiefland umgibt auch das Bergland des südl. Teils, das im Durchschnitt 650 m hoch ist. Auf der innern Hochebene Nuwara Elya erheben sich zahlreiche Einzelgipfel, darunter der 2241 m hohe Adam's Peak (S. [121]), der Pedrotallagalla (2538 m), der Kirigalpolla (2387 m), der Totapolla (2353 m). Zwischen den Bergen dehnen sich schöne und fruchtbare Täler aus. Die Nordküste und die mit Kokospalmen bedeckte Westküste sind flach, die Süd-und Ostküste steil und felsig; hier bietet der vorzügliche Hafen von Trincomalí Raum und Schutz für die größte Flotte. Die Flüsse sind nur zur Regenzeit wasserreich, der bedeutendste ist der Mahawelli Ganga, 330 km lang und zur Hälfte schiffbar. Ceylon besteht in seiner Hauptmasse aus archäischen Gesteinen, nur in den ausgedehnten flachen Landstrichen im N. herrschen junge quartäre Bildungen (Meeressand, Madreporenkalk etc.) vor. Berühmt sind die Lager von Edelsteinen (Saphir, Rubin, Zirkon, Spinell, Granat, Turmalin, Katzenaugen etc.), die aus den alten Gesteinen des Berglandes ausgewaschen sind und nun im Schwemmlande der Flüsse gefunden werden. —Die Bevölkerung beträgt (1911) 4,1 Mill. Seelen, darunter 2,7 Mill. Singhalesen und 1 Mill. Tamulen. Daneben zählte man 1904 224719 Mauren (d. h. Indo-Araber), 23312 Eurasier oder Burghers (Mischlinge von Europäern und Singhalesinnen), 11207 Malaien, 9583 Europäer und 21115 Araber, Afghanen etc., dazu wenige Tausend Weddas (S. [108]). Die Herkunft der Singhalesen ist noch ganz unsicher; meist nimmt man an, daß sie arischen Ursprungs, also Verwandte der Hindu und unter Umgehung der ganz Südindien erfüllenden Drawida (Tamulen) auf dem Seewege von Nordwestindien her nach der Insel gekommen seien.
Karte von Ceylon.
Sie sind mittelgroß, mit feinen, regelmäßigen Zügen und hübsch gebaut, namentlich die Frauen oft überraschend schön. Die Hautfarbe wechselt von Hellbraun oder Olivenfarbe bis ins Schwarze; die Augen sind bisweilen lichtbraun, das Haar (in dem auch die Männer stets Kämme tragen) meist schwarz (selten blond), lang und seidig. Polygamie ist selten. Einfache Kleidung, fast nur vegetabilische Nahrung, Wohnung in Hütten (oft hoch auf Bäumen). Die Toten werden beerdigt. Das Kastenwesen ist hier nie in der Weise wie auf dem Festlande ausgebildet gewesen; an Stelle der dortigen, auf Rassenunterschiede zurückgehenden Kasten bestehen Berufskasten, von den vornehmen Goiwansa bis herab zu den aus jeder sonstigen Gemeinschaft ausgeschlossenen Rodiya. Die Singhalesen haben wohl einst die ganze Insel besessen, sind aber dann von den vom Festlande nachdrängenden südindischen Drawidas (Tamulen) auf den größern Südwestteil beschränkt worden. Der älteste und interessanteste Bevölkerungsteil der Insel sind die Weddas; sie sind noch kleiner als die Singhalesen, doch schlank, haben es nie über einen sehr geringen Grad materieller Kultur hinaus gebracht (sehr geringe Kleidung, mit Bogen und Pfeil bewaffnete Sammler und Jäger), doch haben sie eine verhältnismäßig hochentwickelte Sprache und ein strenges Sittengesetz. Heute sind sie auf wenige tausend Seelen zusammengeschmolzen und von der Regierung in einigen Dörfern im SO. der Insel fest angesiedelt. Herrschende Religion ist der Buddhismus, dem eine glanzvolle Priesterschaft vorsteht; doch ist auch hier die ursprüngliche Lehre Buddhas verloren gegangen. Die Tamulen sind meist Verehrer Schiwas, die Mauren Mohammedaner. 1891 zählte man 1877043 Buddhisten, 615932 Schiwaanbeter, 211995 Mohammedaner, 302127 Christen.
Das Klima Ceylons ist rein tropisch, d. h. gleichmäßig feuchtheiß; nur mit der Erhebung über den Meeresspiegel nimmt die Temperatur ab (Jahrestemperatur von Colombo an der Küste 26,7°, von Kandy in 500 m Seehöhe 24,2°, von Nuwara Eliya in 1900 m Höhe 14,1°). Der kühlste und der wärmste Monat weichen in Colombo nur um je 1,1° bis 1,2° von jener Mitteltemperatur ab. Die Niederschläge sind auf der ganzen Insel nicht gering, da auch der Nordostmonsun, der auf dem Festlande trocken ist, sich vor dem Eintreffen auf der Insel über dem Golf von Bengalen mit Feuchtigkeit beladen hat. Jedoch ist die Westseite der Insel regenreicher als die Ostseite, und erstere empfängt merkwürdigerweise in der Zeit des Nordostmonsuns (Winter) mehr Niederschläge als zur Zeit des Südwestmonsuns (Sommer), den sie doch aus erster Hand erhält. Colombo hat zwei Regenzeiten, eine im Frühjahr (Höhepunkt Mai) und eine im Herbst (Höhepunkt Oktober). Die trockensten Monate (Januar, Februar und August) empfangen immer noch so viel Niederschläge wie deutsche Orte in den Sommermonaten. Die Ostküste hat vorwiegend Winterregen (Höhepunkt Dezember) und einen relativ trocknen Sommer (April bis September). Zeiten fast ununterbrochenen Regens und stürmischen, gewitterreichen Wetters sind die ersten Wochen nach dem Ausbruche des neuen Monsuns, also durchschnittlich Mai und Oktober; in den Zwischenzeiten ist das Wetter besser. Für die Westküste ist die Zeit des Nordostmonsuns, der als Landwind nach Colombo kommt und Krankheitserreger aus dem Innern der Insel mitbringt, gesundheitsgefährlich; man tut in dieser Zeit gut, möglichst rasch das Bergland des Innern aufzusuchen.—
Dank dem feuchtheißen Klima ist das Pflanzenkleid Ceylons von einer solchen Üppigkeit, daß die Insel mit Recht immer wieder als das Urbild tropischer Landschaft gepriesen und geschildert wird (vgl. K. Günther, Einführung in die Tropenwelt. Leipzig 1911. Mit einer Karte von Ceylon. Auch als Führer bei einem Aufenthalt auf der Insel zu empfehlen). Freilich ist nur der West-und Südteil der Insel ursprüngliches Regenwaldland, der Ostteil aber mehr von parkartigem, lichterem Trockenwald bestanden. Zum großen Teil hat außerdem der Wald den Kulturen weichen müssen, denn Ceylon ist etwa ebenso dicht bevölkert wie das gleichgroße Ost-und Westpreußen. Doch bietet gerade die vorgeschrittene Kultivierung der Insel bequeme und gefahrlose Gelegenheit zum Studium der Tropennatur, der Botanische Garten von Peradeniya (S. [117]) eine Zusammenstellung von Tropenpflanzen, wie sie sonst nur in Java (S. [200]) wiederzufinden ist.—Ackerbau ist Hauptbeschäftigung; Reis, Früchte, Fisch und Gemüse sind die Hauptnahrung der Eingebornen. Die Insel ist die Heimat der Zimtbäume (Cinnamomum ceylanicum), der Piper-Arten (Chavica Roxburghii) und vieler Kukurbitazeen, während zahlreiche Kulturgewächse andrer Länder zugleich eine fruchtbare Stätte gefunden haben.—Früher wurde viel Kaffee gebaut; seitdem aber dessen Pflanzungen durch den Pilz Hemileia vastatrix vernichtet worden sind, sind die Teeplantagen an deren Stelle getreten; Tee ist jetzt der wichtigste Ausfuhrartikel der Insel. Außerdem sind wichtig: Kakao, Tabak, Zimt (Regierungsmonopol), Kautschuk, Baumwolle, Kokosöl. Die Viehzucht ist beträchtlich. —Die Landstraßen sind für Automobilfahrten geeignet.—Tierwelt: Der in Indien weitverbreitete Tiger fehlt (wahrscheinlich ausgerottet), während der Panther noch vorkommt. Der Lippenbär (Ursus labiatus) ist ein Charaktertier Ceylons. Der Elefant ist wild und gezähmt vorhanden und spielt als Last-und Reittier eine wichtige Rolle. An Reptilien ist die Familie der Schildschwänze (Uropeltidae), von Amphibien die interessante Blindwühle (Ichthyophis glutinosus) zu nennen.
Die Küsten werden manchmal von der indischen Seekuh (Halicore) besucht, im Golf von Manár wird Perlenfischerei (stark zurückgegangen) ausgeübt.
Geschichtliches: Schon die Griechen und Römer kannten das an Edelsteinen und Gewürzen reiche, von ihnen Taprobane genannte Ceylon. Die Insel wurde seit 543 v. Chr. von Fürsten beherrscht, die aus Nordindien stammten, und von denen bis 1815 im ganzen 165 herrschten. 245 v. Chr. wurde die Lehre des Buddha in Ceylon eingeführt. Im 8. Jahrh. ließen sich mohammedanische Araber auf Ceylon nieder. Seit 1505 begannen die Portugiesen regelmäßigen Verkehr mit Ceylon, machten sich aber so verhaßt, daß der König die Holländer zu Hilfe rief. Die Portugiesen wurden 1632-58 verdrängt, und die Holländer besetzten das Küstenland. Im Kriege zwischen England und Holland wurde Ceylon von den Engländern besetzt und 1802 förmlich an sie abgetreten; 1815 wurde die Insel nach Beseitigung des eingebornen Fürsten englische Kronkolonie; ihre Verwaltung ist durchaus unabhängig von der des festländischen Vorderindien.
Reisepläne für Ceylon. Auf 3 Tage. 1. u. 2. Tag: Colombo und Fahrt nach Peradeniya und Kandy. 3. Tag: Colombo, Kelanitempel, Museum, Mount Lavinia.—Auf 5 Tage. 1. Tag: Peradeniya und Kandy. 2. u. 3. Tag: Nuwara Eliya mit Pedrotallagalla. 4. Tag: Rückfahrt über Kandy nach Colombo. 5. Tag: Colombo mit Mount Lavinia.—Auf 10 Tage. 1. Tag: Colombo. 2. Tag: Peradeniya und Kandy. 3. Tag: Kandy, Zahntempel, Lady Horton's Walk. Nm. Fahrt nach Matale, dort über Nacht. 4. Tag: Post über Dambulla nach Anuradhapura. 5. Tag: Anuradhapura. 6. Tag: Rückfahrt über Dambulla und Matale nach Kandy. 7. Tag: Fahrt nach Nuwara Eliya. 8. Tag: Nuwara Eliya, Besteigung des Pedrotallagalla. 9. Tag: Rückfahrt über Kandy nach Colombo. 10. Tag: Colombo.—Auf 14 Tage. 1. Tag: Colombo. 2. Tag: Fahrt nach Nuwara Eliya. 3. Tag: Nuwara Eliya. 4. Tag: Besteigung des Pedrotallagalla. 5. Tag: Fahrt nach Kandy und Peradeniya.
6. Tag: Kandy. 7. Tag: Fahrt nach Matale. 8. Tag: Fahrt nach Dambulla, Felsentempel. 9. Tag: Fahrt nach Anuradhapura. 10. u. 11. Tag: Anuradhapura. 12. Tag: Rückfahrt mit Bahn nach Colombo. 13. Tag: Bahnfahrt nach Point de Galle und zurück. 14. Tag: Colombo.
Wer die Kosten nicht scheut, mache die Reise durch Ceylon (oder einen Teil derselben) mit Automobil, durch Cook & Son oder die Hotels in Colombo (s. unten) zu beschaffen, womöglich schon von Aden aus telegraphisch zu bestellen; man benutze möglichst leichte Wagen mit besten Reifen. Benzin ist in jedem größern Ort zu haben.
Colombo.
Vgl. den Plan S. [111].
Ankunft zur See. Die Postdampfer machen an den Tonnen im Hafen von Colombo fest, der durch Wellenbrecher gut geschützt ist. Boote mit Händlern, Zauberern umschwärmen sofort das Schiff und kommen an Bord (Kabine abschließen, da die Tamulen tüchtig stehlen!). Die Landung geschieht mit Tendern der Dampfergesellschaften (frei) oder mit kleinen Booten; man achte auf sein Gepäck und weise die unverschämten Forderungen der Bootsführer zurück. 10 Min. Fahrt bis zur Landungsbrücke am Südende des Hafens kostet 1/4 Rup. = 25 cents, nach 7 Uhr Nm. 40 cents; dort liegt das Zollamt; Zolluntersuchung für Vergnügungsreisende meist ohne Schwierigkeit, die Zollbeamten sind höflich und gefällig. Beim Zollamt nehme man eine Rikscha zur Fahrt nach dem Gasthof.
Gasthöfe: Galle Face Hotel (deutscher Direktor: G. Peters), an der Galle Face Esplanade, etwa 2 km vom Landungsplatz, in schöner, ruhiger Lage am Meer, mit Garten und Seeterrasse, für längern Aufenthalt geeignet, gut geleitet; 250 Z., Pens. 10-15 Rup. (Pens. vorher vereinbaren!), Z. 4, Tiffin 11/2 Uhr 2,50 Rup., Dinner 71/2 Uhr 4 Rup.; Schwimmbad.—Grand Oriental Hotel, beim Zollamt an der Landungsbrücke bequem gelegen, Küche gerühmt; 154 Z. 4-6, Lunch 21/2, Dinner 4, Pens. 10 Rup.—Bristol Hotel.— British India Hotel, schöne Lage am Meer neben dem Fort, II. Ranges, aber von einzelnen Herren viel besucht, Pens. 5 Rup.—Mount Lavinia Grand Hotel, s. S. [114]. Man beachte, daß alle Gasthöfe auf Ceylon zeitweise stark überfüllt sind, z. B. bei Rennen und Sportwochen in Nuwara Eliya (S. [122]), bei Besuch größerer Reisegesellschaften etc., daher ist stets Voraussicherung der Unterkunft im Innern Ceylons sehr zu empfehlen!
Post u. Tel.: Queen's Street, 5 Min. vom Landungsplatze.—Telephon in allen Gasthöfen und Geschäften.
Wagen und Rikschas nach Tarif (s. unten).
Straßenbahnen: Zwei Linien; eine führt vom Landungsplatz nach Kelani, die andre südl. nach Borella. Beide werden fast nur von Eingebornen und Mischlingen benutzt; Fahrpreis I. Kl. 10 cents die engl. Meile.
Kraftwagen (für 2-6 Reisende) zu Ausflügen ins Innere sind durch Cook's Office oder die Hotels und bei Walker Sons & Co., Fort, zu mieten; bei andern Unternehmern sollen die Preise sehr willkürlich sein (man kann ungefähr 11/4 Rup. für jede engl. Meile rechnen).—Postautomobilverbindungen (vgl. die Karte S. [107]), meist recht gut, bestehen auf der Insel Ceylon bereits viele Linien und werden fortwährend vermehrt; man erkundige sich bei der Postverwaltung.
Eisenbahnen. Hauptbahnhof (Maradana Junction) der Linie nach Kandy sowie über Anuradhapura nach Jaffna, etwa 2 km osö. von der Landungsbrücke.— Fort Station, am Hafen, dient der Linie über Mount Lavinia nach Point de Galle und Matara.—Eisenbahnzeit wie in Indien, S. [50]. Fahrpläne (Fare tables) auf allen Stationen für 10 cents, enthalten auch Tarife für Wagen und Rikschas für alle Orte. Europäer fahren stets nur I. Kl. So. weniger Züge als wochentags.
Colombo.
Dampfer: Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd (Agentur Freudenberg & Co., Tel.-Adresse: Nordlloyd-Colombo) alle 2 Wochen nach Ostasien über Penang und Singapore bzw. nach Europa, alle 4 Wochen nach Australien.—Österreichischer Lloyd (Agentur Darley, Butler & Co.), nach Bombay, Calcutta, Ostasien und Europa. —Messageries Maritimes (Agent P. de Bure, Telegrammadresse: Messageries-Colombo), nach Indochina, Ostasien, Australien, Europa; Zweiglinie nach Pondichéry und Calcutta.—Außerdem zahlreiche englische Linien (Peninsular & Oriental Co., Orient Line, British India Line, Bibby Line etc.) nach allen europäischen, indischen und ostasiatischen Häfen. Fahrpreise und Fahrpläne sind häufig Änderungen unterworfen.
Geld. Landesmünze für Ceylon ist die Rupie (S. [49]), geteilt in 100 cents. Im Umlauf sind folgende Geldstücke: Pfund Sterling englisch in Gold = 15 Rup.; Silbermünzen zu 1 Rup., 50, 25 und 10 cts.; Nickel zu 5 cts.; Kupfer zu 1, 1/2 und 1/4 cts. Papiergeld: 1000, 100, 50, 10 und 5 Rup.-Scheine. Schecks werden nur solche auf Ceylon-Bankhäuser in Zahlung genommen. Kreditbriefe, vgl. S. [7]. Indisches Papiergeld ist nur mit Verlust anzubringen, dagegen wird indisches Silbergeld genommen, nur nicht die Zwei-Annasmünzen.
Banken: Freudenberg & Co., Korr. der Deutschen Bank, Dresdner Bank, Disconto-Gesellschaft und Deutsch-Asiatischen Bank;—National Bank of India, Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig;—Chartered Bank of India, Australia & China; —Hongkong & Shanghai Bank;— Mercantile Bank of India Ltd.; sämtlich Korrespondenten der Berliner Disconto-Gesellschaft.—Größere Beträge lasse man sich hauptsächlich in 50 und 100 Rup.-Scheinen, nicht nur kleinen (5 und 10), zahlen.
Sprache. Das Singhalesische (Elu) ist mit Indisch durchsetzt, daneben ist auch das Tamul (Sprache der Tamulen) vorherrschend, außerdem Hindostani. Die Nachkommen der Portugiesen sprechen verdorbenes Portugiesisch, die Mauren verdorbenes Arabisch. Die kirchlichen und philosophischen Schriften der (buddhistischen) Singhalesen sind in Pâlisprache abgefaßt.
Tempelgelder. In buddhistischen Klöstern und Tempeln liegt meist ein Fremdenbuch aus; man trage sich ein und gebe dabei (für 1-2 Personen) 1 Rup., weise dann andre Gabenforderungen ab.
Reisebureau: Thos. Cook & Son, 1 Victoria Arcades, York Street; besorgt auch Automobile (womöglich schon von Aden aus telegraphisch zu bestellen); hier sind Reisehandbücher (Cook's Handbook Ceylon) zu haben.— Führer tragen dunkelblaue Röcke mit grünen Aufschlägen und müssen Zeugnis und Tarif (pocket register) vorzeigen; Lohn für die erste Stunde 50 cts., jede Stunde mehr 25 cts. Man sehe sich vor bei der Wahl des Führers.
Literatur: Henry W. Cave, The Book of Ceylon, reich illustriert (Lond. 1908); Norddeutscher Lloyd, Automobiltouren auf Ceylon (Bremen 1910).
Konsulate: Deutsches Reich, Konsul Reinhart Freudenberg.—Österreich-Ungarn, beauftragter Konsul R. Freudenberg.
Polizeiamt: Belästigungen und unverschämte Forderungen von Kutschern, Kulis etc. melde man sofort dem nächsten Polizisten; die Polizei ist streng und gefürchtet.
Ärzte: Prof. Castellani u. Dr. Gordon im Galle Face Hotel; Llewellyn Thomas; Jas. Craik; J. Rockwood; Zahnarzt Dr. Sidney Same.—Apotheke im Warenhaus Cargill's & Apothecaries Co.
Buchhandlungen: H. W. Cave & Co. (Reisehandbücher für Ceylon) und im Warenhaus Apothecaries Co.
Photographien: Plate (Deutscher), hat hübscheste Ansichten, verkauft Films etc. und entwickelt; Colonial Photographic Co., Victoria Arcade, Fort (gegenüber Grand Oriental Hotel), auch Films und Platten etc.—Colombo Apothecaries Co., neben Grand Oriental Hotel; stellen Reisenden Dunkelkammer frei und haben Ansichten, Volkstypenbilder etc.—Skeen & Co., Chatham Street.
Geschäftsadressen: In der Geschäftsstraße an der Landungsbrücke Basare mit Teppichen, Ebenholzschnitzereien, Sandelholzsachen, Gold-und Silbersachen, geschliffene Steine; beim Einkauf besonders von Steinen ist Vorsicht geboten, da vieles unecht ist, und man stets stark herunterhandeln muß. Schildpattschmucksachen, Mondsteine, Katzenaugen, Kuriositäten, Ebenholzsachen etc. bei D. F. de Silva, Chatham Street 7, und Don Theodori & Co., Chatham Street 40. Steine gut und reell (aber handeln!) bei Caffoore im Bristol Hotel.
Vereine: Deutscher Verein.—Colombo Club, Galle Face Esplanade.— Golf Club.
Zeiteinteilung. 1. Tag: Vm. Fahrt durch die Stadt nach Kelani; Nm. nach Mount Lavinia.—2. Tag: Victoria Park und Museum. Längern Aufenthalt benutze man zum Ausflug ins Gebirge.
Geschichtliches. Colombo wurde 1505 von den Portugiesen zur Handelsniederlassung gemacht, dann 1518 befestigt. Nach langer Belagerung eroberten die Holländer 1658 den Platz und befestigten ihn stark. 1796 bemächtigten sich die Engländer des guten Seehafens, der erst seit den 70er Jahren des 19. Jahrh. an Stelle von Point de Galle zu Bedeutung gelangte.
Klima (vgl. S. [108]). Die Sonnenwärme in der freien Sonne ist in Colombo fast stets so groß, daß Europäer sich durch Tropenhelm und Tropenkleidung, Sonnenschirm und Sonnenbrille etc. dagegen schützen müssen. Man meide es, ohne dringende Ursache zwischen 10 Uhr Vm. und 4 Uhr Nm. auszugehen! Sonnenstich und andre Schäden sind besonders bei frisch aus Europa gekommenen Fremden nicht selten; Alkoholgenuß ist vor Sonnenuntergang zu meiden. Man richte sich bei längerm Aufenthalt nach der Lebensweise gebildeter, am Orte akklimatisierter Europäer!
Colombo, von den Engländern zur Hauptstadt Ceylons gemacht, hat etwa 180000 Einw., meist Singhalesen (S. [106]), dann Tamulen (von der Malabarküste), die kräftiger und arbeitsamer sind, und Mauren; ferner Parsen, Juden, Malaien und Mischlinge. Das Volksleben ist bunt und sehr interessant.—Die Stadt liegt unter 6° 56' nördl. Br. an einer Bucht, die durch einen 1,5 km langen Hafendamm nach W. und einen Wellenbrecher nach N. gegen Seegang geschützt wird. Ein großes Trockendock sowie andre Einrichtungen zur Ausbesserung von Seeschiffen sind vorhanden. Nördl. von der Hafenbucht mündet der Fluß Kelani (Kelaniya Ganga). Das europäische Viertel am SW.-Ende des Hafens hat ein Fort, neben dem der hohe Leuchtturm, zugleich Uhrturm, steht; dicht dabei die Zeitsignalstation und südl. davon ein freier Platz, die Esplanade, an der die Residenz des Gouverneurs, Queen's House (Pl. 1), mit der Vorderseite nach See liegt. Kasernen liegen südl. vom Palast. Colombo besitzt mehrere Kirchen, Buddha-und Schiwatempel, ein Museum, zwei Bibliotheken und große Wasserwerke, die das Wasser 48 km weit herleiten. Die Eingebornenstadt Pettah mit engen Straßen liegt nö. vom Europäerviertel längs der Ostküste des Hafens.—Der Handel von Colombo ist sehr bedeutend, da fast die ganze Einfuhr (Reis, Kohlen, Baumwollwaren, gesalzene Fische etc.) sowie die Ausfuhr (Tee, Zimt, Kokosöl, Kokosnüsse, Kaffee, Graphit, Chinarinde, Kopra, Kautschuk etc.) für Ceylon über Colombo geht. Er befindet sich fast ganz in englischen Händen.
Rundfahrt (mit Rikscha) durch die Stadt kann fast planlos geschehen, weil Colombo reich an malerischen Wegen ist; man beachte, daß das Geschäftsleben sich nahe dem Hafen abspielt. Von der Landungsbrücke der Boote gelangt man in die York Street; l. Marmorstandbild der Königin Viktoria, r. Grand Oriental Hotel und l. Victoria Arcades. Dann am Postamt (Pl. 2) vorbei über die Esplanade zum Galle Face Hotel. Weiter am Strand entlang an den Kasernen vorbei zum Standbild von Sir E. Barnes, dann r. an einem alten holländischen Glockenturm (Pl. 4) vorbei über den Marktplatz mit dem Rathaus (Town Hall, Pl. 5). Dort führt l. die Sea Street zu zwei malerischen kleinen Hindutempeln, während nach r. die Wolfendahl Street zu der alten hochgelegenen holländischen Wolfendahl-Kirche führt (*Aussicht auf Stadt und Hafen). Dann nö. weiter nach der katholischen Kathedrale St. Lucia und an andern Kirchen vorbei zu dem (r.) schönen Hause Uplands und weiter durch die malerische Fischervorstadt Mutwal bis zum Fluß und zurück durch Grand Pass Road bis Skinners Road, nun l. diese Allee entlang bis zum Maradanabahnhof; von hier westl. bis zum Süßwassersee und an diesem entlang zum Gasthof zurück.—Ein andrer Rundweg führt vom Galle Face Hotel über die Brücke, dicht hinter dem Hotel, nach Slave Island und dann am Rande des malerischen Sees vorbei an dem hübschen Wohnsitz des kommandierenden Generals für Ceylon in den Victoria Park. Man beachte vorher den kleinen malerischen Buddhatempel über dem See, ungefähr gegenüber vom Generalshaus. Der Park liegt auf dem Platz alter Zimtgärten (Cinnamon Gardens) und ist reich ausgeschmückt. Im Park das *Museum (1877 erbaut), das wertvolle historische, kultur-und naturhistorische Sammlungen für Ceylon und eine Bibliothek enthält; originelle Sammlung Kandy-pottery (wunderliche Tonfiguren), ferner Teufelstänzermasken gegen jede Krankheit; Inschriftensteine aus Anuradhapura (von den deutschen Gelehrten Dr. Goldschmidt und Dr. Müller entziffert); ein Buddhazahn. Auf dem Flur ein Riesenlöwe aus Pollonarua, der als Königsthron diente, und ein *Fenster aus den Ruinen von Yapahoo. Vor dem Museum ein Standbild des Gouverneurs Gregory.
Ausflüge: 1) Kelaniya. Wagenfahrt (etwa 1 St. hin) zunächst durch die enge, heiße und staubige Eingebornenstadt Pettah (etwa 6 km), dann über den Kelanifluß und durch Kokospalmenpflanzungen bis (10 km) zu einem alten Buddhatempel (1240 erbaut über einem 306 v. Chr. errichteten Reliquienschrein des Prinzen Yatalatissa) mit im Nirwana weltfernen Buddha, dem die weißen Blüten des Sakakibaums dargebracht werden. Beim Maivollmond hier großes Tempelfest. Auf der Rückfahrt kann man gegen SO. einen Umweg machen (2 St. Fahrt).
2) *Mount Lavinia mit der Sea Coast Railway, deren sechs Bahnhöfe in Colombo sind: Pettah, The Fort (beim Hafen), Slave Island (etwa 1/2 km vom Galle Face Hotel), Kollapitiya, Bambalapitya und Wellawatta; die Bahn fährt teils durch Palmenwald, teils am Strand nach (11 km) *Mount Lavinia (Grand Hotel, Z. von 3 R. an, Tiffin 21/2, Dinn. 3, Pens. von 7 Rup. an), in entzückender Lage am Meer auf malerischem Vorgebirge. In der Nähe ein Buddhatempel. Sehr beliebter Ausflugsort, auch für längern Aufenthalt. Die Fahrt dahin im Wagen (Einsp. 10 Rup.) vom Galle Face Hotel an der Kollapitiya (Colpatty) Road entlang durch reizende Eingebornenvororte und Palmenhaine, fortgesetzt im Schatten, ist sehr lohnend.—Die Bahnlinie führt weiter über Point de Galle (S. [125]) nach Matara.
3) *Negombo, 37 km nördl. von Colombo, lohnender Automobilausflug (Eisenbahn von Colombo über Ragama, außerdem zweimal tägl. Coach service (Autobus), etwa früh 7 Uhr und 2 Uhr Nm. ab Colombo, Fahrzeit 31/2 St., ab Negombo etwa früh 7 Uhr und 33/4 Uhr Nm. Fahrpreis 3 Rup.) an der Westküste Ceylons durch malerische Dörfer, Kokospalmenwälder und Zimtgärten, für Künstler und Liebhaberphotographen eine Fülle landschaftlicher Schönheit bietend; die kleine Hafenstadt Negombo mit vorzüglichem Rasthaus hat 20000 Einw.; sie liegt zwischen Meer und Lagune, zeigt altholländischen Charakter mit Kanälen und verschiedenen Bauten (altes Tor, sehr malerisch).
Mittel-Ceylon.
Von Colombo nach Kandy.
Colombo-Kandy Railway vom Hauptbahnhof; Morgenschnellzug bis (75 M = 121 km) Kandy 33/4 St., I. Kl. hin und zurück 9 Rup., Abfahrt von Kandy Nm., Ankunft in Colombo gegen Abend. Cooks Reisebureau gibt Rückfahrkarten I. Kl. 15 Rup. einschließlich 1. und 2. Frühstück im Speisewagen und Wagenfahrt in Kandy.
Für eine kurz dauernde Inselreise nehme man Rückfahrkarte Colombo-Kandy, fahre mit Morgenzug, steige in Peradeninya aus, mit nächstem Zug weiter; von Kandy Rückfahrkarte nach Nurelia, auch Rückfahrt mit beiden Karten bis Polgahawela, dort Fahrt unterbrechen (Bescheinigung nötig), dann mit Rückfahrkarte Polgahawela-Anuradhapura und schließlich zurück nach Colombo. Man achte darauf, daß von Nurelia das Gepäck richtig bis Anuradhapura aufgegeben wird (sagen, daß man Fahrkarte in Polgahawela nachkauft).
Die Bahnfahrt in die kühle Gebirgsgegend ist allen zu empfehlen, die unter der Tropenhitze gelitten haben; wer von Kandy weiter ins Gebirge hinauf will, nehme warme Kleidung und wollene Decken mit! Wer Zeit hat, widme mindestens eine Woche dem tropischen Berglande. Die genußreiche Fahrt führt zunächst über den Kelanifluß und weiter durch herrliche Tropenlandschaften mit vielen Palmenarten und Riesenblumen (Talipot), Brotfruchtbäumen, Jak, Frangipani etc. über (9 M) Ragama (von hier Zweigbahn nach Negombo, s. S. [114]) und Mahara (mit Steinbrüchen für den Hafenbau) nach (16 M) Henaratgoda; 1,5 km vom Bahnhof sind die Government Tropical Gardens (für Botaniker wichtig!) für tropische Pflanzen. Dann fährt die Bahn etwa 26 km durch dichten Kokospalmenbestand nach (34 M) Ambepussa, schon im Hügelland in ungesunder Sumpfgegend gelegen, wo dichte Dschungeln die Bahn umgeben. Dann folgen angebaute Flächen, Kokospalmen und Teepflanzungen. —(45 M) Polgahawela (Bahnwirtschaft und gutes Rasthaus; 74 m); hier zweigt l. die Northern Railway nach Anuradhapura (S. [119]) ab. Unsre Bahn führt weiter nach (52 M) Rambukkana, wo der Aufstieg ins Gebirge beginnt. Die Bahn steigt nun 22 km lang mit 1:45 Steigung bis zu 517 m Höhe. Prächtiger Pflanzenwuchs und überraschende Ausblicke (Sensation Rock) an jeder Biegung der Bahn; viele Tunnels und senkrechte Felswände, an denen die Bahn entlang führt. Zuweilen Blick auf das Tiefland von Colombo, dann über zerklüftete Täler. Bei (65 M) Kadugannawa ist die Höhe des Ghats erreicht, die Luft wird schon kühler. Jenseit des Bahnhofs sieht man den Belungalahügel (775 m), der früher als Wachtposten diente. Nun senkt sich die Bahn wieder 40 m bis nach (71 M) Peradeniya, mit den berühmten *Royal Botanic Gardens (S. [117]); hier teilt sich die Bahn, die Hauptlinie läuft südl. ins Gebirge, eine Zweiglinie nördl. über Kandy nach Matale.—Die Bahn fährt am Botanischen Garten vorbei nach
(75 M) Kandy (512 m; Queen's Hotel, gut, 112 Z. von 3 Rup. an, Lunch 21/2, Dinn. 4, Pens. 8-25 Rup.; The Firs Hotel, am See reizend gelegen, Pens. 7-15 Rup.; Florence Villas Hotel, klein, aber bequem, Pens. 5 Rup.; Wagen in den Hotels, eine Fahrt Vm. oder Nm. 41/2-6 Rup.; Klub, am See; Banken: Mercantile Bank of India Ltd. und National Bank of India Ltd. [beide Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen Bank]; Reisebedarf bei Miller & Co.; Cargills; photographische Artikel bei Apothecaries & Co. und Skeen & Co.; Ärzte: Dr. Hay, Dr. Anderson Smith), die alte singhalesische Hauptstadt von Ceylon, mit 26519 Einw., darunter viele Europäer, malerisch an einem kleinen, vom Gebirge halbumschlossenen See gelegen; hat einen 1600 erbauten, jetzt halbverfallenen großen Königspalast, 4 Hindutempel, 12 Buddhatempel, darunter den sehr heiligen mit dem Zahn Buddhas (Dalaba). Abgesehen vom Eingebornenviertel ist Kandy modern angelegt; während die Eingebornenhäuser dicht beieinander auf der Talsohle stehen, sind die Bungalows der Europäer rings an den Berghängen im Grünen versteckt. Vor Queen's Hotel breitet sich der malerische See von Kandy aus. Das Klima von Kandy ist erfrischend, obgleich bei Tage die Hitze noch empfindlich wird; Abende und Nächte sind kühl; Zimmertemperatur im Dezember 20-25° C.—Der Zahntempel zu Kandy, *Dalaba Maligawa, ist eins der großen buddhistischen Heiligtümer; durch eine zinnengekrönte Umfassungsmauer mit Graben gelangt man in eine große Vorhalle und von da in den innern Hof, wo auf niedrigem Unterbau der eigentliche Tempel, die Vihara, steht (zudringliche Priester und Bettler, man gebe einmal eine Kleinigkeit; vgl. Tempelgelder S. [112]).
Man steigt auf enger Treppe ins Allerheiligste, wo die Reliquie auf silbernem Tischchen unter glockenförmigem, goldenem Behälter, der mit Diamanten und Perlen besetzt ist und auf goldener Lotosblume ruht. (Der »Zahn Buddhas« soll so groß wie ein Krokodils-, Ochsen-oder gar Elefantenzahn sein; über seine Echtheit bestehen um so mehr Zweifel, als die Reliquie 1560 in portugiesische Gewalt fiel und vom Erzbischof von Goa feierlich verbrannt wurde, trotzdem der König von Pegu 20 Mill. Francs Lösegeld geboten haben soll; König Wikrama Bahu von Ceylon ließ aber bald darauf durch Priester verkünden, der echte Zahn sei gerettet, die Portugiesen hätten einen falschen verbrannt.) Die Reliquie wird selten gezeigt.—Die bunten Fresken im Tempel stellen die Höllenstrafen, besonders für die Untugenden des weiblichen Geschlechts, dar.— Sehenswert sind die kostbar gebundenen heiligen Schriften auf präparierten Talipotpalmblättern in einem achteckigen Pavillon des Tempels (man gebe dem Priester 1 Rup. für die von ihm überreichten Buddhasprüche auf solchem Palmenblatt).—In der Nähe ist in kleiner Kapelle ein großer Buddha zu sehen. Neben dem Tempel steht der renovierte Königspalast (jetzt Besitz des Gouvernements, von dem Gouvernementagenten bewohnt; sehenswert ist die alte Audienzhalle mit herrlich geschnitzten Säulen, jetzt Gerichtssaal, ferner ein Museum mit altsinghalesischer Kunst (dort wird vor den Besuchern gewebt, geschnitzt etc.).
Spazierfahrt über Lady Horton's Walk und Lady Gordon's Walk ist gegen Abend sehr lohnend; der Weg führt rings um den See und den Talkessel an den Höhen hinauf mit vielen prächtigen Ausblicken auf Kandy und das Tal des Mahawelli Ganga. Gregory Road führt durch herrlichen Wald mit Ausblicken auf den See. Lady Black's Walk führt nach Peradeniya.—Eine Rikschafahrt gegen Abend bis zum Flusse nach dem Elefantenkral bietet Gelegenheit, (zahme) Elefanten baden zu sehen; dann fahre man über die Mahawelli Ganga-Brücke bis zu dem interessanten Dorfe Katugastota. In einem Park in Kandy liegt der schöne Wohnsitz (King's Pavillon) des Gouverneurs von Ceylon.
Schlangen kommen in der Umgegend von Kandy vor, besonders Cobra und Carawilla, auch Blutegel und Skorpione, die sich im Unterzeug festsetzen, weshalb man nach Spaziergang auf Rasen oder in weglosem Wald und Garten nachsehen sollte. Solange man auf Kieswegen und Straßen bleibt, besteht keine Gefahr!
Ausflug nach (5 km) *Peradeniya (gutes Rasthaus mit Betten), mit Bahn in 10 Min. zu erreichen, am besten mit Wagen (1/2 St.) durch eine hübsche Vorstadt von Kandy, wo jedes Haus von Palmen, Brotfruchtbäumen und Kaffeebüschen umgeben ist und auf den Dächern Ananas wachsen. Am Bahnhofswege liegen die Bungalows der am Botanischen Garten angestellten Naturforscher. Die *Royal Botanic Gardens in Peradeniya, gegründet 1819, sind 60 ha groß und enthalten eine nahezu vollständige Sammlung aller wichtigen Tropenpflanzen der Erde. (Ein guter Plan des Gartens nebst Führer ist am Eingang zu 25 cts. zu bekommen.) Der Garten enthält Denkmäler der verdienten Direktoren Dr. Gardiner und Dr. Thwaites. Einzelne Singhalesengärtner sind gute Führer für den Park.—Den Eingang bildet ein großer Dom alter Gummibäume (Ficus elastica) mit wirren, freiliegenden Wurzeln. Vor dem Portal stehen drei Baumriesen: ein Mahagonibaum, ein südamerikanischer Fruchtbaum (Chrysophyllum) und ein Nutzholzbaum (Pterocarpus indicus) aus Birma. Man fahre nun langsam durch den Garten und steige gelegentlich aus, um kleine Ausflüge zu Fuß auf den Promenadenwegen seitlich von den Fahrwegen zu machen. Zu beiden Seiten der Einfahrt stehen zwei mächtige westafrikanische Ölpalmen (Elaeis guineensis), dicht dabei eine Gruppe einheimischer und fremder Palmen: die Kokospalme (Cocos nucifera); Areca Catechu: die kubanische Königspalme (Oreodoxa regia); die Dattelpalme (Phoenix dactylifera) aus Nordafrika; Areca concinna; Loxococcus rupicola und die wundervolle Coco de mer (Lodoicea sechellarum) von den Seychellen, deren Frucht früher als heilkräftig galt. Der Mahawelli Ganga umgibt mit einer starken Windung den Park von drei Seiten. Eine lange, gerade Allee von hohen, schattigen Bäumen mit vielen Zierblumen dazwischen führt quer durch den größten Teil des Parks; von ihm zweigt sich ein andrer Fahrweg ab, der zur Wohnung des Direktors, auf kleiner Anhöhe gelegen, führt; dieser Bungalow ist von den seltensten Pflanzen mit den farbenprächtigsten Blüten umgeben. Sehr sehenswert ist der *Farngarten an einem Bach im Schatten großer Bäume mit den seltsamsten kleinen und Riesenfarnen; ferner die Orchideen, blühenden Schlingpflanzen, Lianen, Trompetenblumen, Ipomoeen (Trichterwinden), die Bauhinia scandens und racemosa (wie ein Ankerkabel aussehend). Am Ufer des Mahawelli Ganga stehen hohe Bambusgebüsche, darunter der bis 40 m hohe birmanische Riesenbambus (Dendrocalamus giganteus), dessen Wurzelschößlinge nach der Regenzeit (im Juni) austreiben und in 2-3 Monaten diese enorme Höhe erreichen. In der Nähe ist eine prachtvolle Oreodoxa-Palmenallee. In einem Teich wachsen Lotosblumen, Wasserrosen und andre Nymphäen sowie die mächtige Victoria regia; in der Nähe Nutzpflanzen: Kakao-, Kaffee- und Gewürznelkensträucher, Zimtbäume, Vanille, Erythroxylon coca (Kokain), Manihot (Tapioka), Pfeffer, Sagopalmen, Indigo-und Jutepflanzen, Citronellagras u. a.; ferner eine Muskatnußbaumallee. Auch die tropischen Giftbäume sind vertreten; der javanische Upas (Antiaris toxicaria), der Pfeilgiftbaum (unter den man sich nicht stellen soll) u. a., ferner verschiedene Gattungen von Kautschuk-und Guttaperchabäumen (Castilloa elastica, Hevea brasiliensis); außerdem prächtige Gruppen von Agaven, Cycas, Eucalyptus und (am Ende des Gartens) seltsamen Pandanusarten. Von merkwürdigen Pflanzen seien noch erwähnt: die Mimosa pudica, die insektenfressenden Nepenthes-Arten mit riesigen kannenähnlichen Blättern, der nachts seine Blätter schließende südamerikanische Regenbaum (Pithecolobium Saman), der Sandbüchsenbaum (Hura crepitans), dessen Früchte mit lautem Knall platzen, der Kanonenkugelbaum (Couroupita guianensis).
Von den zahllosen Palmenarten ist eine der schönsten die in mehreren Alleen angepflanzte, in Ceylon heimische Talipotpalme (Corypha umbraculifera); ihr kerzengerader weißer Stamm wird mehr als 30 m hoch, ihre Gipfelkrone entwickelt riesige Blattfächer; im Alter zwischen 50 und 80 Jahren blüht die Palme ein einziges Mal und stirbt dann ab. Sehr interessant ist der sogen. »Baum der Reisenden« (Ravenala madagascariensis), eine prächtige Musazee, die in ihren Blattscheiden schmackhaftes, kühles Wasser ansammelt. Der Garten ist voll tropischer Vögel, Eichhörnchen und Fliegender Hunde.
Im Garten ist ein sehenswertes *Museum (tropische Hölzerarten, Pflanzenfasern, Drogen, getrocknete Früchte u. a.) und daneben eine botanische Versuchsstation (sehenswert, mit riesigem Garten für sich, Direktorwohnung und Wirtschaftsgebäuden) für landwirtschaftliche, chemische und zoologische Untersuchungen (auch für Mikroskopie und Photographie), dessen Benutzung auf Antrag beim Direktor des Gartens (J. C. Willis) auch fremden Forschern gestattet wird. Man fährt vom Hauptgarten in kleinem Boot über den Fluß und meldet sich im Kontor des Direktors, nachdem man sich an der Landungsstelle in ein Buch eingeschrieben hat.
Gegenüber vom Bahnhof eine Teepflanzung nebst Fabrik und in der Nähe die Kakaopflanzung Gangaruva.
Ausflug nach Lanka Telika. Die Umgebung von Kandy bietet Gelegenheit zu lohnenden Ausflügen, worüber »Burrow's local guide to Kandy« Auskunft gibt. Rikschafahrt (etwa 11/2 Rup.) zum Mahawelli Ganga, dann mit Fähre übersetzen und 20 Min. zu Fuß zum Felsentempel (Rock temple), wo in Granithöhle ein 10 m langer schlafender Buddha aus dem Felsen gehauen, grell bemalt.—Drei ganz verschiedene Buddhatempel kann man besuchen, indem man von Kandy zunächst 8 km auf der Straße nach Kadugannawa zu fährt, dann auf schmalem Pfad reitet, zunächst zu dem neuen, aber schön zwischen Felsenhängen gelegenen Tempel von Gadaladenya, dann zu dem alten, halbverfallenen Tempel von Galangolla und schließlich zu dem architektonisch seltsamen, auf dem Gipfel eines Felsens erbauten Tempel von Lanka Telika. Den Wagen trifft man auf Verabredung wieder 14 km von Kandy auf der Straße nach Gampola.
Von Kandy nach Anuradhapura.
Northern Railway von Kandy über Polgahawela nach (111 M) Anuradhapura in 51/2 St. Von Colombo direkt in 53/4 St.
Von Kandy nach (30 M) Polgahawela s. S. [115]. Von hier geht die Northern Railway nördl. über (43 M) Kurunegala (Rasthaus), der Hauptstadt der NW.-Provinz, die auf einem vereinzelten, über 300 m hohen Felsen mitten in der Ebene liegt (*Aussicht).—Nicht weit nö. das alte Buddhistenkloster Ridi Vihare, sehr malerisch auf einer Anhöhe.—Weiter führt die Bahn über (70 M) Maho (von hier Ausflug nach [7 km, davon etwa 2 km Fußweg durch Dschungeln] Yapahu, wo einer der malerischsten alten Tempel, der Malagawa, früher Aufenthalt des heiligen Zahns von Buddha, liegt; der Tempel hat prächtige Treppenanlagen und seltsame Fenster mit reichem Bildhauerschmuck; man bitte den Station Master der Abfahrtstation in Maho-Station einen Wagen [Bullock car] telegraphisch vorauszubestellen).—Die »Northern Railway« führt weiter nach (111 M) Anuradhapura (s. unten) und über den Elephant Pass (Meerenge) nach (230 M) Jaffna (S. [124]) an der Nordspitze Ceylons sowie bis zur Hafenstadt (241 M) Kankesanturai (s. [124]); Fahrzeit von Colombo bis Jaffna 121/2 St., bis Kankesanturai 13 St.
Um das Innere Ceylons kennen zu lernen, fährt man von Kandy am besten, wenn man die Kosten nicht scheut, mit Privatautomobil (s. S. [110]), eine herrliche Fahrt, bis Anuradhapura auf guter Fahrstraße; oder zunächst mit der Bahn nach (26 km) Matale (Rasthaus gut, Ankunft vorausmelden; Verpflegung zu haben), einem blühenden Dorf mitten in Teepflanzungen. Von Matale nach Dambulla fährt täglich ein Postautomobil (etwa 10 Uhr Vm. ab) in 41/2 St., Fahrpreis 6 Rup., von da weiter nach Trincomali in 18 St., Fahrpreis 15 Rup. Der Weg führt bald hinter Matale an dem sehenswerten Buddhatempel Alu Vihara vorbei, dessen Kloster über der Straße malerisch zwischen Felswänden liegt. Kurzer Aufenthalt in (48 km) Nalande (Rasthaus gut, mit Verpflegung, liegt unter einem riesigen Tamarindenbaum versteckt); dann folgt schöne Berglandschaft, bis (72 km) Dambulla (Rasthaus so gut wie ein Gasthof), großem Dorf am Abhang eines dunkeln Felsens mit Höhlentempel. (Ausflug mit Automobil oder Bullockcar nach (24 km) *Sigiri, senkrechter Felsen mit herrlichen Ruinen aus der Ebene aufsteigend, einst starke Feste, aus dem 5. Jahrh., mitten im Wald; nach Sigiri floh König Kasyapa, nachdem er seinen Vater Dhatu Sena ermordet hatte. Der Rasthauswart von Dambulla hilft bei Anordnungen für den Ausflug; in Sigiri ist auch ein Rasthaus.) Dann mit Privat-Bullockcar (beim Rasthauswart in Dambulla vorausbestellen) weiter auf hoher Brücke über den Mirisgoni Oya nach (93 km) Kekerawa (gutes Rasthaus); von hier kann man auf gutem Fahrweg (13 km) den großen Wasserbehälter von Kalawewa besuchen (Staudamm erbaut im Jahre 460 vom König Dhatu Sena), der mehr als 100 Dörfer und die Stadt Anuradhapura mit Wasser versorgt. Von Kekerawa durch einförmigen Wald über (113 km) Tirapane (Rasthaus) nach
(135 km) Anuradhapura (Hotel Anuradhapura, gut, Pens. 10 Rup.; Führer und Auskunft zu haben; in der Nähe wohnt der englische Government Agent; Postautomobil tägl. nach Trincomali, gegen 2 Uhr mitt. vom Hotel, Fahrpreis etwa 30 Rup.; man erkundige sich vorher, vgl. S. [110]), jetzt großes Dorf, ehemals Hauptstadt von Ceylon, wurde um 500 v. Chr. vom König Anurado erbaut (von Ptolemäus Annurogrammum genannt) und war dann viele Jahrhunderte die prächtigste Kultusstätte des Buddhismus.
Der chinesische Pilger Fa Hiam schilderte 412 n. Chr. seinen Besuch der Stadt; er staunte über »die Pracht der Bauwerke, den Reichtum der edelsteinbesetzten Statuen, die überwältigende Größe der Dagobas, die Zahl der Priester, die in der Stadt mehr als 5000, im Kloster zu Mihintale an 2000 betrug«. Etwa 2 Jahrhunderte später schreibt das singhalesische Buch Lankawistariyayo: »Die Entfernung vom Haupttor zum Südtor beträgt 4 Stundenmärsche, ebenso vom Nord- zum Südtor. Hauptstraßen sind die Mondstraße, die König Hingururek-Straße und die Mahawellastraße, deren erstere an 11000 Häuser zählt, viele davon zwei Stockwerke hoch. Kleinere Straßen gibt es unzählige. Der Palast hat lange Reihen von Gebäuden, manche 2-3 Stockwerke hoch, und seine unterirdischen Gänge sind von großer Ausdehnung« (nach Hans Meyer). Mit den Einfällen der Tamulen und Malabaren verschwand die Stadt aus der Geschichte und wurde von Urwald überwachsen; seit 1872 hat der Gouverneur Gregory das Dickicht lichten und die wichtigsten Ruinen freilegen lassen.
Plan von Anuradhapura.
Rundfahrten am besten mit Wagen (Bullockcar) 1) im Innern der Ruinen (inner circle), 2) im »Außenring« (outer circle), 3) nach Mihintale; nach Bedarf aussteigen. Zuerst besuche man die Palastruine Lowamahapaya (»Brazen Palace«, d. h. Bronzepalast [Pl. 1], genannt), ein Wald von etwa 1000 monolithischen vierkantigen Pfeilern in Reihen von 40 zu 40 (mit 9 Stockwerken und 1000 Klausen vor 2000 Jahren vom König Datagamana für die Priester erbaut). Dahinter steht eins der größten buddhistischen Heiligtümer, der Riesenbaum (umgeben von einer Mauer) Siri-maha Bodhin Wahanse, der heilige Bo-Baum (Pl. 2), ein Abkömmling des Baumes, unter dem Gautama erleuchtet (d. h. Buddha) wurde; der Baum stammt aus Buddh Gaya (S. [95]), wurde 245 v. Chr. vom König Dewananpiya Tissa gepflanzt, ist also der älteste historische Baum auf der Erde; Priester beschützen ihn und verschenken (Gegengeschenk angebracht) seine Blätter. Der Weg führt dann zurück vorbei an umgestürzten Buddhabildern, Wischnustieren etc. nach den sieben Dagobas (erbaut vom 4. Jahrh. vor bis zum 3. Jahrh. nach Chr.), die im Umkreis von 2 St. über das alte Stadtgebiet verstreut sind; sie heißen nach der Größe Abhayagiriya (Pl. 3; jetzt nur noch 100 m, früher 123 m hoch), Jaytawanarama (Pl. 8), Ruwanwella (Ruanwelli; Pl. 6), Miriswetiya (Pl. 7), Thuparama (Pl. 4), Lankarama (Pl. 9) und Kujjatissamara (Pl. 5). Die Thuparama, die älteste, ist mit drei Reihen geschmückter Säulen umgeben, enthält das rechte Schulterblatt Buddhas als Reliquie. Die Ruwanwella-Dagoba (140 v. Chr. erbaut) hat noch künstlerischen Wert, ihre Terrasse ist mit Altären, Götterbildern und Säulen wie der Vorhof eines klassischen Tempels bestellt; darunter sind zwei männliche, zurzeit infolge Einsturzes der Seitenwand verschüttete Statuen den ältesten Erzeugnissen griechischer Kunst zur Seite zu stellen. Stellenweise stört ungeschickte Ausbesserung (nach Hans Meyer).—Auch die großen alten Badebecken in der Umgebung der Stadt, die zur Wasserversorgung und als königliche Bäder dienten, Pokunas genannt, sind sehenswert, namentlich die großen von Tissawewa (Pl. 10), Nuwerawawa und Basawakulam (Pl. 11); in der Nähe des erstern ist der kleine Felsentempel Isuruminiya. Sehenswert sind auch eine Buddhastatue, der Pfauenpalast, die Mondsteine etc. (vgl. »Baudenkmäler aus ältester Zeit in Ceylon«, nach dem Englischen des Henry W. Cave, deutsch von Anna, Gräfin von Zech, Berlin 1901).
13 km östl. von Anuradhapura liegt der heilige Felsenhügel *Mihintale (Rasthaus), gekrönt von zwei sehr alten Dagobas und völlig bedeckt mit Ruinen von Tempeln, Klöstern und Einsiedeleien. Die Chaussee dahin führt durch Dschungeln; man sieht im Walde Dschungelhühner, Nashornvögel, Pfefferfresser, Papageien, Affen. Rasthaus am Fuße des Hügels. Eine riesige Freitreppe von fast 2000 Stufen führt in drei Fluchten zum Gipfel, vorbei an der kleinen seltsamen Ambastalawa-Dagoba, welche die Asche des Buddhaapostels Mahindo, 3. Jahrh. v. Chr., enthält, von 50 Säulen mit dem Bilde der heiligen Gans umgeben (man besichtige auch das aus dem Felsen gehauene schöne Badebecken Naka Pokuna und die Felsenzelle, Mahindos Bett genannt, wo der Apostel schlief) und zur Mahaseya-Dagoba (vom König Bhatiya Tissa über einem Schrein erbaut, der ein Haar von Buddhas Stirn enthält). Ein Pfad führt um die Dagoba, der prächtigen *Ausblick auf den Wald, die Dagoba von Anuradhapura und die fernen Berge von Matale gewährt.
Rückfahrt von Anuradhapura am besten mit der Northern Railway (S. [118]) direkt nach Colombo oder Kandy; man kann aber auch von Anuradhapura mit Postautomobil (s. oben) über (53 km) Horawapotana (Rasthaus) und (80 km) Pankulam (Rasthaus), mit den heiligen heißen Quellen von Chimpiddi, nach (105 km) Trincomali (S. [124]) durch wilde Tropenlandschaft fahren, von da zurück nach Colombo (S. [110]).
Von Kandy nach Nuwara Eliya.
Eisenbahn von Kandy in 6 St. nach Nuwara Eliya; Speisewagen im Zug. In der Reisezeit im Oktober bis Februar Zimmer vorausbestellen! Man versehe sich mit warmer Kleidung und wollenen Decken; die Zimmer werden geheizt. —Die Gebirgsfahrt ist sehr reizvoll; man beobachtet die Änderung des Pflanzenwuchses innerhalb kurzer Strecken: Tropenwald, Teepflanzungen, angepflanzte Eucalyptus, Grevillea, Casuarina; in feuchten Tälern Baumfarne, Moose, Flechten; in 2000 m Meereshöhe weite Strecken mit niedrigem Rhododendron, einzelne hohe Farnbäume, hochstämmiger Laubwald und hohe pinienähnliche Keenabäume (Calophyllum tomentosum), Aloen, auch noch Tee-und Chinchonapflanzungen sowie Reisfelder.
Die Bahn führt von Kandy (S. [115]) über Peradeniya (S. [117]) nach (34 M) Hatton (Hatton Hotel; Adams Peak Hotel, Pens. 8 Rup.; Arzt Dr. Thomas in [7 km] Norwood; Hatton Bank; Wagen und Reitpferde zu haben), 1263 m ü. M.; nahebei große Teepflanzungen in den Tälern von Dickoya, Dimbula (wo bis 1870 reiche Kaffeepflanzungen lagen, die durch einen Pilz, Hemileia vastatrix, zerstört wurden) sowie in Maskeliya.
Besteigung des Adam's Peak (2262 m) von Hatton aus (32 km) am bequemsten, auch schon von Damen ausgeführt, obgleich nicht ungefährlich. Besteigung ist nur lohnend, wenn der Himmel ganz wolkenfrei ist, also meist im Februar und März. Der zuckerhutförmige Gipfel ist allen Religionen heilig (vgl. Haeckels»Indische Reisebriefe«); auf ihm wölbt sich ein kleiner Tempel über der Sripada (heiligen Fußstapfe). Die Pilger verehren hierin je nach ihrem Bekenntnis die Fußspur Adams, Schiwas, Buddhas oder des heiligen Apostels Thomas; es herrscht dabei erstaunliche Eintracht zwischen allen Bekennern.
Nach arabischer (mohammedanischer) Sage soll Ceylon das Paradies gewesen sein, aus dem Adam vom Engel auf den Berg getrieben wurde, wo Adam so lange stand, bis sein Fuß sich in den Gneisfelsen bohrte; seine Tränen flossen zu einem kleinen See zusammen, dessen Wasser noch heute als wundertätig und heilwirkend gilt. Ehe Buddha in den Himmel zurückkehrte, berührte sein Fuß zum letzten Male den Gipfel des Samanala (so wird der Adam's Pik von den Buddhisten genannt). Ähnliches erzählen die Tamulen und Malabaren von Schiwa, die Christen vom heiligen Thomas. Die erste Beschreibung einer Besteigung des Piks stammt vom arabischen Arzt Ibn Batuta (1340); schon damals führten zwei Pilgerwege hinauf: der rauhe beschwerliche Baba- (Adams-) Weg und der bequemere Mama-(Evas-) Weg; ersterer führt zuletzt auf eingehauenen Stufen eine steile Felswand hinauf, für die fromme Pilger Festhalteketten gestiftet haben; die letzte ist die »Kette der Erkenntnis«, weil sie plötzlich einen Ausblick in einen Abgrund gewährt (nach Cäcilie von Rodt, »Reise einer Schweizerin um die Welt«).
Wenn man von Kandy Wagen, Träger und Führer vorausbestellt, kann man die Besteigung von Hatton in einem Tag ausführen; doch übernachtet man gewöhnlich in einer Hütte auf dem Gipfel, um den Sonnenaufgang und dabei den merkwürdigen Schatten des Piks zu sehen. Proviant mitnehmen! Der Aufstieg wird jährlich von Tausenden von Pilgern jedes Alters und Geschlechts ausgeführt, ist aber für Personen, die an Schwindel leiden, nicht völlig sicher! Man fährt mit Wagen von Hatton bis (22 km) Laxapana (guter Gasthof); dann ist noch Reitweg etwa 5 km (Pferde mitnehmen von Hatton). Tragsessel sollen in Laxapana zu haben sein. Der steile Aufstieg von etwa 460 m führt anfangs noch durch Teepflanzungen auf ausgetretenen Wegen zum Tempelchen auf dem Gipfel.
Von Hatton führt die Bahn zunächst etwas bergab nach (41 M) Talawakele und steigt von da gleichmäßig nach (54 M) Nanuoya (1613 m), dann umsteigen und auf Zweiglinie mit weiterer Steigung von 280 m in zahlreichen Windungen bis zur Endstation
(61 M, 98 km) Nuwara Eliya, englisch abgekürzt Nurelia (1893 m; wegen Vorausbestellung der Unterkunft vgl. S. [110]! Grand Hôtel [deutscher Manager P. Werner], 122 Z. von 31/2 Rup. an, Lunch 2, Dinner 3, Supp. 11/2, Pens. [wenigstens 3 Tage] von 11 Rup. an, gut; St. Andrews Hotel [deutscher Besitzer Humbert], Pens 8-10 Rup., einfacher, aber gut und in bester Lage; New Keena House, kleines Familienhaus, zum Grand Hôtel gehörig, Pens. 12 Rup., 18 Z.; außerdem Pensionshäuser und Klubhaus; National Bank of India Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank), auf einer Hochebene gelegen, besteht aus vielen, zum Teil im Wald oder Garten versteckten Bungalows, darunter der Sommersitz des Gouverneurs. Von November bis April ist es von den Europäern auf Ceylon sehr besucht; in dieser Zeit heiße Tage, aber kalte Nächte. Von Mitte Mai bis Mitte September im SW.-Monsun nasses und kaltes Wetter; Mitte Oktober bei Eintritt des NO.-Monsuns Regen und Sturm. Das Klima ist sehr feucht, aber im Gegensatz zum Tropenklima sehr gesund und erfrischend, die Gegend fieberfrei; Luftwärme im Jahresmittel 14,1° C, im Januar 13,1°, im Mai 15,5°, im Juli 13,8°, im Oktober 14,4°; gelegentlich tritt Frost auf, aber die Sonnenwirkung ist doch stets kräftig. 202 Regentage im Jahre.—Nahe bei Nurelia eine Teefaktorei (Naseby Estate), wo man die Bearbeitung des Tees beobachten kann (interessant).
Längerer Aufenthalt in Nuwara Eliya bietet Ausflüge zu Pferde oder im Wagen auf der Hochebene nach dem Rambodapaß (hin und zurück 10 km; jenseit des Passes Teefaktoreien, Betrieb gern gezeigt); um den See (10 km); um die Moon Plains (15 km); 2 Tage fordert ein Ausflug zu Pferd nach den Horton Plains (großes Rasthaus, sehr gut, Platz vorausbestellen), 45 km von Nuwara Eliya, in wilder Gebirgsgegend an schroffen Abhängen. Herrlicher *Blick in der SW.-Ecke (2100 m) von Horton Plains, bei»World's End«, senkrecht 1500 m hinab ins Tiefland. Man hüte sich vor dem weichen Moorgrund, der bei Nuwara Eliya häufig vorkommt. (Horton Plains und Elk Plains sind Eldorados für Jäger: Hirsche, Rehe, Wildschweine, Hasen, Fasanen, sogar Leoparden.)—Vom Grand Hôtel 3/4 St. bequemer Weg auf den Single Tree Hill, herrliche Rundschau (man nehme einen Jungen zur Führung mit, um sich nicht zu verlaufen).—Von Nuwara Eliya mit der Bahn 3/4 St. (zu Wagen 1 St.) nach Randapola (2070 m), herrlicher Blick ins Tiefland.
Ausflug nach Hakgala, 10 km sö., mit Wagen (Zweisp. 6 Rup. hin und zurück; Rikscha 3,30 Rup.) am malerischen See entlang nach dem kleinen Botanischen Garten von Hakgala, der sehr malerische Ausblicke auf die Hakgala-Berge bietet. Von den Terrassen sieht man hinter einem tiefen Tale den Mamuna-Pik.—Von Hakgala östl. guter Fahrweg über (21 km) Wilson's Bungalow (gutes Rasthaus) durch tiefe Täler über (42 km) Etampitiya (gutes Rasthaus) nach (60 km) Badulla (gutes Rasthaus), der Hauptstadt der Provinz Uva, einer der ältesten und malerischsten Städte Ceylons, mitten zwischen Teepflanzungen.
Besteigung des *Pedrotallagalla (engl. Pidauru Talagala; 2538 m), des höchsten Berges auf Ceylon, nicht zu versäumen; von Nuwara Eliya aus sehr bequem zu Fuß (auch für Damen) in 2 St. auszuführen. Der sehr gute Promenadenweg führt am Keena House vorüber durch hochstämmigen Rhododendronwald mit Keenabäumen zwischen dichtem Gestrüpp von wilden Rosen und Farnen über verschiedene Bäche durch Dschungeln. Oft trifft man Scharen schwarzer Affen.
»Die Spitze trägt eine kreisrunde Steinmauer mit einem trigonometrischen Signalkreuz. Die *Aussicht trifft ringsum auf Bergland; von unten blinkt der See von Nuwara Eliya herauf, um den sich die Häuschen als dunkle Punkte gruppieren; die Straßen winden sich wie Schlangen in die Berge« (Hans Meyer). Auch der Adam's Peak und das Meer sind bei klarem Wetter zu sehen. Da der Berg Wetterscheide ist, trifft man oben meist sehr kalten Wind (also zuletzt langsam steigen und oben Decke oder Mantel benutzen!). Achtung beim Abstieg, der lehmige, feuchte Boden ist oft sehr schlüpfrig.
Ausflug nach Bandarawela: Mit der Bahn von Nuwara Eliya über (16 km) Nanuoya (S. 122) und weiter über (49 km) Haputale (Rasthaus) und den höchsten Punkt der Bahn (1896 m) nach (71 km) Bandarawela (guter Gasthof), einer aufblühenden Sommerfrische, einfacher als Nuwara Eliya, aber mit dem angenehmsten Klima; von hier mit Postwagen über (23 km) Dikwella nach (etwa 30 km) Badulla (s. vorher).
Von Bandarawela sehr schöne Autofahrt (s. S. [110]) über Haputale (s. oben) nach (24 km) Haldamulla (Rasthaus)—von hier Seitenweg nach Koslande (Rasthaus), am sehr schönen Naulawasserfall vorbei in das Jagdgebiet von Wellawaya (Rasthaus), dann zurück nach Haldamulla und auf der Hauptchaussee weiter über (37 km) Beliholoya (Rasthaus) in romantischer Landschaft nach (56 km) Balangoda (Rasthaus); von da durch prächtige, abwechselungsreiche Tropenflora nach (102 km) *Ratnapura (gutes Rasthaus), Provinzhauptstadt mit berühmter Edelsteingewinnung (Katzenaugen, Rubine, Türkisen, Opale, Saphire, Topase) durch Auswaschung des Lehmbodens; schönste Landschaftsbilder bieten Blicke vom Gipfel des Forts, von der Hängebrücke und der Circular Road; nahebei auf dem Saumpfad, der von der Brücke nach Gilimale führt, prächtiger *Ausblick auf den Adam's Peak (S. [121]), der auch von Ratnapura aus bestiegen werden kann: Man reitet bis (11 km) Gilimale, einem großen Dorf, wandert von da zu Fuß über (8 km) Palabaddala, Pilgerhaltestelle, steigt dann steil nach (21 km von Gilimale) Heramitipana (großer Pilgerbungalow) am Fuß des Peaks und hat dann noch 5 km steilen Aufstieg zum Gipfel (S. [121]).
Von Ratnapura Rückfahrt über Pussella, Avisawella, Hanwella und Kaduwella (Orte mit Rasthäusern) nach Colombo.
Die Rückfahrt von Nuwara Eliya nach Kandy über (64 km) Gampola (Rasthaus), Wagenfahrt auf guter Straße meist bergab, bietet bessere Gelegenheit als die Bahnfahrt, die Veränderungen des Pflanzenwuchses nach der Höhenlage zu beobachten. Etwa halbwegs in Ramboda (gutes Rasthaus mit Verpflegung) liegt etwa ein Dutzend schöner Wasserfälle nahe beieinander. Von Gampola mit der Bahn zurück nach Kandy.
Nach Lanka Telika s. S. [118].
Küstenfahrt rund um Ceylon.
Dampfer der Ceylon Steamship Co. (Agent Walker, Sons & Co., Colombo) von Colombo jeden zweiten Mi. u. Fr. Nm. abwechselnd nach Norden oder nach Süden; Fahrzeit etwa 8 Tage; Fahrpreis 125 Rup.
Die Nordrundfahrt führt zunächst nach Pambam auf dem Westende der Insel Rameswaram, am Westende der Adamsbrücke, einer 23 km langen Kette kleiner Inseln und großer Riffe zwischen der Westspitze der Insel Manár und der Ostspitze der flachen, sandigen Insel Rameswaram (Eisenbahnüberbrückung nach Indien im Bau). Nach mohammedanischem Glauben soll Adam über die Adamsbrücke aus dem Paradiese (Ceylon) vertrieben sein. Pambam liegt an der einzigen Durchfahrt (Pambam Passage) zwischen dem Golf von Manár und der Palkstraße.
*Rameswaram (Ramisseram), Überfahrt von Mandapam (Endpunkt der Zweigbahn von Madura, S. [126]) mit Dampfboot, hat den schönsten drawidischen *Tempel Indiens mit berühmten Heiligtümern, die von großen Pilgerscharen besucht werden. Der große Tempel steht im nördl. Teil der Insel, südl. von ihm liegt ein Frischwassersee; besonders schön sind die fast 120 m langen Tempelhallen.
Von Pambam nordwärts dampfend, erreicht man am nächsten Morgen Kankesanturai, den Hafen von Jaffna (Rasthaus), einer blühenden Stadt mit alten holländischen Forts und Kirchen, Sitz amerikanischer Missionsgesellschaften. Jaffna hat sehenswerte Hindutempel sowie schöne Umgebung. Eisenbahn von Jaffna über Pallai nach Anuradhapura (S. [119]).—Point Pedro, der nächste Anlegeplatz des Dampfers, bietet nichts.—Dann steuert der Dampfer sö.
Trincomali (Rasthaus); Postautomobile nach Anuradhapura (S. [119]) und Dambulla (S. [119]), wichtiger Kriegshafen in der Geschichte der Seekriege des 17. und 18. Jahrhunderts, wurde 1622 den Malabaren von den Portugiesen entrissen, 1639 von den Holländern erobert, 1673 den Franzosen, 1674 den Holländern, 1782 den Franzosen, 1783 den Holländern und schließlich von den Engländern seit 1795 behauptet. Im innern Hafen eine Marinewerft; der Ort ist stark befestigt und hat etwa 10000 Einw. Guter Fahrweg nach (92 km) Anuradhapura (S. [119]).—In der nächsten Nacht läuft der Dampfer nach
Batticaloa oder Baticalia (Rasthaus), Hauptstadt der Ostprovinz Ceylons, mit berühmten Webereien, auf einer Insel in einem tief einschneidenden Meeresarm; im Gewässer nahe der Stadt leben die berühmten singenden Fische (Cerithium palustre), eine Art Muschelfisch, deren volle, sonore Töne man in den Nächten vor und nach Vollmond im Boot belauschen kann (sehr wirkungsvoll, wenn man das Ohr durch einen Stock oder Zweig mit dem Wasser verbindet).— Der Dampfer fährt weiter nach Hambantota (Rasthaus), einem kleinen, schlechten Hafen; in dessen Nähe an der Küste nö. liegt (34 km) Kirinde (Rasthaus), von wo ein Weg nach (13 km) Tissamaharama, einer der ältesten verlassenen Königsstädte von Ceylon mit sehr alten, sehenswerten Ruinen, führt.
13 km nö. von Kirinde liegt Palutupane (Rasthaus), ein vorzüglicher Platz zur Jagd auf Elefanten, Büffel, Bären, Leoparden, Rehwild und Fasanen; in den Dschungeln trifft man viele sehr alte Ruinen. Von Palutupane guter Reitweg nach (209 km) Batticaloa (s. oben). Das Waldgebiet des Flusses Yala ist besonders schön.—Von Hambantota läuft der Dampfer nach Matara (Gasthof und bequemes Rasthaus), einer großen blühenden Stadt, Endpunkt der Küstenbahn nach Colombo.—Nach kurzer Dampferfahrt erreicht man
Point de Galle (Oriental Hotel), meist nur Galle genannt, sehr alte Seefestung mit 30000 Einw., aber schlechter Reede, daher seit dem Hafenbau von Colombo nicht mehr Dampferknotenpunkt. Die Umgebung ist sehr schön, der Palmenbestand wird als schönster auf Ceylon gerühmt. Landungsplatz an der Nordseite des Hafens. Mehrere Buddhistenklöster sind sehenswert.— Rückfahrt von Galle nach Colombo mit Dampfer oder mit Bahn (119 km) über Bentota, Kalutara und Mount Lavinia.
6. Von Colombo über Madras(-Ootacamund) nach Calcutta.
Darjeeling.
Vgl. die Karten bei S. [96] und [64].
Dampfer der British India Steam Nav. Co. meist mangelhaft, Verpflegung etc. mäßig. Von Colombo nach (180 Seem.) Tuticorin in 13 St., dann South Indian Railway nach (443 M, 713 km) Madras in 22 St. Abfahrt von Colombo gegen Abend, Ankunft in Tuticorin etwa 7 Uhr Vm.; Ankunft in Madras (Egmore) am nächsten Morgen; Fahrpreis Tuticorin-Madras I. Kl. etwa 28, II. 14 Rup. Zusammengestellte Fahrscheine, 2 Monate gültig, sind nur in Cook's Office zu haben, desgleichen solche für 2 Monate, mit Erlaubnis, überall die Reise zu unterbrechen, für die Fahrt von Colombo über Madras nach Calcutta. Fahrzeit Madras-Calcutta 43 St. auf der neuen Ostküstenroute (New East Coast Route). Eisenbahnzeit (Standard Time) ist 9 Min. früher als Madras-Ortszeit. (Über indische Bahnverhältnisse s. S. [49].) In allen Schnellzügen ist bei Tage Eis und Selterwasser zu bekommen. Die Bahnwirtschaften der South Indian Railway sind meist gut.
[Eisenbahn nach Indien über die Adamsbrücke ist im Bau (vgl. S. [124]); die neue Linie wird über Anuradhapura (S. [119]) führen und bei Medawachehiya nach Manár abzweigen, dann über Rameswaram nach Mandapam und Madura; dort Anschluß an die South Indian Railway, die über Döndigul und Trichinopoly nach Madras führt. Die Linie soll in einigen Jahren in Betrieb kommen.]
Dampfer Colombo-Madras: British India Steam Nav. Co. wöchentlich, wobei sie Küstenhäfen anlaufen.
Österreichischer Lloyd monatl. von Colombo über Madras (3 Tage) und Rangoon (8 Tage, 2 Tage Aufenthalt) nach Calcutta in 14 Tagen.
Dampfer Colombo-Calcutta: wie nach Madras; außerdem: Messageries Maritimes, monatliche Zwischendampfer laufen Pondichéry an;—Peninsular & Oriental Co. Zwischendampfer alle 14 Tage.
Geographisches. Die Ostküste der vorderindischen Halbinsel, die Koromandelküste, ist ganz flach, sandig, teilweise mit Dünenzügen besetzt, von Nehrungen begleitet und ohne alle natürlichen Häfen. Die Flüsse des Dekhans schütten vor ihr meist Deltas auf, ein Zeichen dafür, daß die Küste in langsamer Hebung begriffen ist. Hinter ihr breitet sich bis zum Abfalle der Ostghats eine durchschnittlich 100 km breite, sandige Küstenebene aus, die außerhalb der Regenzeit meist dürr und gelb aussieht und zum Teil nur mit Hilfe künstlicher Bewässerung bebaut werden kann. Sie ist reizlos und ungesund. Landschaftliche Schönheiten bieten sich dem Reisenden erst wieder dar, wenn er die Nilgiriberge (S. [128]) aufsucht.
Auf der Überfahrt von Colombo in NW.-Richtung über den Golf von Manár hat man meist bewegte See; man sieht christliche Fischerboote mit rotem Kreuz im Segel und mit Ausliegern. Die Dampfer ankern in Tuticorin 8 km außerhalb vom Lande, die Landung geschieht auf kleiner Dampfbarkasse, die bei bewegter See 3/4 St. bis zum Landungsplatze fährt. In Tuticorin Zolluntersuchung (S. 49); für Waffen jeder Art, auch Jagdgewehre, ist Zoll zahlbar und Passierschein erforderlich.
Grosser Tempel in Madura.
Tuticorin (Robert's Hotel, gut; Royal Hôtel; Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft; wenn der Dampfer verspätet eintrifft, wird Frühstück im Zuge angerichtet), Stadt mit 28000 Einw., Baumwollpressen und Spinnerei; National Bank of India Ltd., Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank. Die frühere Perlfischerei ist jetzt nur noch unbedeutend (die Perlen haben keine gute Farbe). In der Nähe der Stadt große Salzfaktorei.—Hier beginnt die South Indian Railway (die Wagen stehen auf der Landungsbrücke); sie fährt über (19 M) Maniyachi in 5 St. durch die sandige Küstenebene nach
(99 M) *Madura (148 m; Bahnwirtschaft mit 9 Betten, gut; guter Dâk Bungalow, am Bahnhof; Bank of Madras. Fahrgelegenheiten knapp, zeitig bestellen; Einkäufe: Messingsachen und Gewebe in Seide und Wollmusseline, tüchtig handeln), Distriktshauptstadt mit 105984 Einw., einst Hauptstadt des Königreichs Karnatak. Madura, das»Athen«Südindiens, mit großartigen Trümmern und gut erhaltenen Tempeln, gilt als sehenswerteste Stadt Indiens nächst Benares (S. [90]). Der *große Tempel Meenachi (1,5 km westl. vom Bahnhof) ist das größte religiöse Bauwerk der Erde und bildet eine kleine Stadt für sich; er ist von neun»Gopuras«(reich mit Bildsäulen geschmückte pyramidale Turmbauten, Eingangstore für die Gottheiten) umgeben, deren höchste 46 m hoch ist. Am Nordende liegt die berühmte Halle der 1000 Säulen (Sahasrastambha Mandapam), von denen nur drei fehlen. Hunderte von Priestern halten sich in den vielen großen Räumen ständig auf. Die westl. Anlage ist Schiwa geweiht, hier Sundareshwar genannt; die östl. der Minakshi, der fischäugigen Gattin Schiwas. Innerhalb des letztern Tempeltores liegt der gemalte Säulengang der Ashta Lakshmi, nach acht Statuen dieser Göttin benannt, die das Dach stützen. In der Nähe der Wasserbehälter (Teppa Kulam)»Tank der goldenen Lilien«(Swarna pushpakarini), umgeben von einem Säulengang. Es ist schwierig, sich im Tempel zurechtzufinden, man nehme einen Führer und besuche die Anlage zweimal, wenn Zeit vorhanden, womöglich einmal abends, bei wunderbarer Beleuchtung durch Tausende von Öllämpchen, besonders bei hohen Festtagen (z. B. Anfang Dezember); auch kann man sich den Juwelenschatz zeigen lassen (Auslegung kostet bei Vorausbestellung 15 Rup.), ziemlich sehenswert. Prächtig ist die neue Halle Tirumala's Choultry östl. vom Tempel.—Der stilvolle königliche Palast von Tirumala Nayak (2 km westl. vom Bahnhof) dient als englisches Regierungsgebäude.—Nördl. von der Stadt liegt jenseit des Vaigai-Flusses das Tamkam, eine Arena für Kämpfe mit wilden Tieren, auch vom König Tirumala erbaut, jetzt Steueramt.— 5 km östl. vom Bahnhof und nördl. vom Fluß ist ein Teppa Kulam (heiliger Wasserbehälter), in dessen Mitte eine Insel mit Tempelanlage; schöne Fahrstraße führt durch prächtige Banyanallee dahin. Der größte dieser Banyanbäume (Ficus indica) beschattet eine Fläche von 55 m Durchmesser.
Die Bahn führt von Madura über (138 M) Dindigul (Bahnwirtschaft), Stadt mit Tabakmanufaktur und alter Felsenfestung, nach (184 M) Trichinopoly Junction Station (Bahnwirtschaft).
Zweigbahn (nach Erode) nach (3 M) Trichinopoly, Tritschinapalli (66 m; Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow, 1,5 km vom Bahnhof; Robert's Hotel in Cantonment; Spencer & Co.'s Erfrischungsräume, gut; Schlafgelegenheit im Bahnh.), Stadt von 104721 Einw., aus 17 Dörfern bestehend; Gold-u. Silberarbeiten, Webereien, Tabakmanufaktur. Nahe dem Bahnhof, im Fort am Nordende der Stadt, erhebt sich ein schroffer, 83 m hoher Felsen, Zugang zur Treppe von der Südseite, am Eingange steinerne Elefanten und Säulen; 290 weiße, steile Stufen führen hinauf; oben ein kleiner Tempel mit prächtiger *Aussicht auf Stadt, Tempel, Palmenhaine, im Hintergrund Gebirge. Adler und Geier umstreichen den Felsen.—Ausflug mit Wagen nach (3 km) Sri Rangam über die Brücke des Coleroon (Cauvery); etwa 1,5 km nw. von der Brücke liegt der große Tempel von Sri Rangam mit schöner Umgebung, ähnlich der Tempelanlage in Madura. Eine der Hallen ist mit Edelsteinen geschmückt. Ein schöner, kleinerer Tempel des Jambukeshwar liegt noch 1,5 km weiter. —Sehenswert sind auch die Anikuts, Dämme im Coleroon zur Bewässerung, etwa 15 km westl. und östl. von Trichinopoly. —Seitentour von Trichinopoly nach Ootacamund s. S. [128].
Von Trichinopoly Junction fährt der Schnellzug in 11/4 St. nach
(226 M) *Tanjore, Tandschur (111 m; Bahnwirtschaft mit Schlafgelegenheit für 10-12 Pers.; unbequemer Dâk Bungalow am Bahnhof, östl. vom Kleinen Fort, wo Ponys und Bullockwagen zu haben), Stadt mit 58000 Einw., Kunstgewerbe in Gold und Silber, Kupfer, Teppichen, Seide, an der Wurzel des Cauvery-(Coleroon-)Deltas gelegen. Der Palast der Prinzessin von Tanjore im Großen Fort ist etwa 1550 erbaut; im dritten Hof ein achtstöckiger Bau, früher Waffenkammer; im Versammlungsraum (Teluga Durbar) ein Standbild des letzten Radschah und eine Sanskritbibliothek von 18000 Handschriften, davon 8000 auf Palmblättern.—Der Große Tempel von Tanjore im Kleinen Fort ist der älteste und schönste Bau dieser Art, er stammt zum Teil aus dem 11. Jahrh., ist später erneuert und aus einem Wischnuheiligtum in einen Schiwatempel verwandelt worden; in der NW.-Ecke der äußern Umfassungsmauer ist der prächtige Schrein (Subrahmanya Kovil) des Karttikeya, des Kriegsgottes und Sohnes von Schiwa, des Schutzheiligen der Brahmanen; Pilger trinken das über die Statue des Gottes gegossene Wasser. Im Tempel zahllose Lingam, auf dem Vorhof ein *Riesenbulle.—Die Schwartz's Church ist zum Andenken an einen alten dänischen Missionar erbaut; daneben der Shivaganga Tank mit kleinem Park.
Von Tanjore über (250 M) Kumbakonam (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow); Stadt mit 60000 Einw. und großer elfstöckiger Pagode, in deren Nähe der Mahamokam Tank, umgeben von 16 kleinen malerischen Pagoden, liegt, der nach dem Volksglauben alle 12 Jahre vom Ganges Wasser bekommt.—Dann über (290 M) Chidambaram (Dâk Bungalow, 2,5 km vom Bahnhof), Stadt mit den ältesten südindischen Tempeln und Pagoden, nach (299 M) Porto Novo, der ersten portugiesischen Niederlassung an der Koromandelküste; die Bahn läuft längs des Strandes bis (316 M) Cuddalore, Stadt mit 52000 Einw., Indigo-und Zuckerfabrikation, Handel mit Reis und Zucker; der südliche Bahnhof, Old Town Station, hat Bahnwirtschaft, die 3 km nördlichere New Town Station ist näher dem Dâk Bungalow und den Behörden. Dampferstation der British India Steam Nav. Co. Für Weltreisende ist der Ort ohne Belang.—Bei (345 M) Villupuram (Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft) Zweigbahn westl. (24 M) nach der französischen Stadt Pondichéry, deren Besuch nicht lohnt; dann über (409 M) Chingleput (Zweigbahn nach Conjeeveram, S. [104]) nach (443 M) Madras (Egmore Station), S. [100]. Fortsetzung der Bahn vgl. S. [132].
Seitentour nach Ootacamund.
Vgl. die Karte bei S. [96].
A. Eisenbahn von Madras mit der South Indian Railway über (302 M) Podanur, dann mit Zweigbahn nach Mettupalaium und mit Gebirgsbahn (Nilgiri Mountain Railway) über Coonoor nach Ootacamund (29 M von Mettupalaium) in 181/2 St. (336 M), ungefährer Fahrpreis I. Kl. 31, II. 16 Rup. —B. Eisenbahn von Trichinopoly über Erode Junction (umsteigen!) und Podanur über Coonoor nach (198 M) Ootacamund, in etwa 17 St. für etwa I. Kl. 22, II. 11 Rup.—Zusammenstellbare Fahrscheine besorgt Th. Cook's Office.
Die Nilgiriberge, durch eine breite Senke von dem südlichern Kardamumgebirge getrennt, aber nordwärts mit dem Dekhan (Staat Mysore) unmittelbar zusammenhängend, sind der südl. Eckpfeiler des gebirgigen Westrandes (Westghats) des Dekhans.
Sie bilden einen Gebirgshorst, dessen allseitig steil abfallende bewaldete Flanken von schluchtartigen Erosionstälern zerfurcht sind, während sich oben ein verhältnismäßig wenig zerschnittenes Hochplateau ausdehnt, mit breiten, flachen Tälern und parkartiger Vegetation.
Von Trichinopoly (S. [127]) schmalspurige Eisenbahn bis (88 M; 243 M von Madras) Erode Junction (165 m; Bahnwirtschaft; gute Schlafgelegenheit im Bahnhof); umsteigen auf die Hauptlinie der South Indian Railway (Madras-Calicut-Mangalore); die folgenden Entfernungen sind von Madras gerechnet. In (302 M) Podanur zweigt unsre Linie nach den Nilgiribergen r. ab (man frage, ob Umsteigen nötig!) und erreicht, allmählich durch prächtige Gegend ansteigend, über (305 M) Coimbatore (436 m), Stadt mit 40000 Einw., in der Nähe die schöne Pagode von Perur, den Endpunkt der Hauptbahn (327 M) Mettupalaium (Matipolliam; Bahnwirtschaft), 451 m ü. M. Von hier führt eine schmalspurige Zahnradbahn (Nilgiri Mountain Railway), l. sitzen!, durch herrliche Gebirgslandschaft mit wilden Bächen und Wasserfällen, Ausblick auf blaue Berge und dichtbewaldete Hügel, nach (344 M) Coonoor (1860 m; Bahnwirtschaft; Glenview Hotel [deutscher Besitzer Wutzler], Pens. von 6 Rup. an; Gray's Hotel; Hill Grove Hotel; sämtlich gut; Pasteursches Institut für Südindien), eine besuchte, windgeschützte Sommerfrische mit etwa 18° C mittlerer Jahreswärme und 1400 mm Regenmenge im Jahr; Sim's Park und Umgegend sehr schön, besonders der etwa 11 km entfernte, 90 m hohe Kartairi-Wasserfall.—Von Coonoor fährt die Zahnradbahn über Wellington (Militärlager 5 km von Coonoor) und mehrere kleine Haltestellen durch prächtige Berglandschaft aufwärts in 11/2 St. nach
(356 M) Ootacamund, Utakamand, kurz Ooty oder Uti genannt, der besten Sommerfrische Südindiens, 2390 m ü. M., mit 13,5° C mittlerer Jahreswärme (Januar 11,6°, April 16,1°).
Gasthöfe: Sylk's Hotel, Inhaber G. D'Angelis & Son, Madras.—Rosemount Hotel.—Shoreham House, empfohlen, Pens. 5 Rup. im Vorfrühling.— Farrington; Fir Crove; Centre Hotel. —Post u. Tel. nahe der St. Stephanskirche und dem NO.-Ende des Sees.— Wagen (Tongas) für Ausflüge; Ponys zum Reiten.—Bank: Bank of Madras. —Sanatorium ist während des Sommers im Betrieb, dann sind auch Ärzte anwesend.—Buchhandlung und Geschäfte für europäische Bedürfnisse; Photograph: Wiele & Kleine.
Ootacamund ist die Hauptgesundheitsstation der Präsidentschaft Madras; im Sommer haben der Gouverneur und der Höchstkommandierende ihre Amtssitze hier. Die Bungalows des Ortes liegen weit verstreut in einem von Bergen umgebenen flachen Tale, der größte Teil von Ooty liegt nördl. und nö. von dem schönen (künstlichen) See (2201 m), der 2,5 km lang ist. Ortsvorsteher (Municipal Office), Postamt, Buchhandlung und europäische Läden liegen nö. vom Basar der Eingebornen, etwa 1 km nördl. vom NO.-Ende des Sees. Etwa 3 km südl. vom See liegt Lawrence Asylum, eine Knabenschule mit Turm. Das Regierungsgebäude (Government House) liegt etwa 1 km nö. vom Postamt; dicht dabei der prachtvolle *Botanische Garten, der in einer Reihe Terrassen ansteigt und neben der indischen auch die europäische und australische Flora berücksichtigt; Heliotrope erreichen hier 3 m Höhe und 9 m Umfang, eine Verbena-Art wird 6 m hoch. Am obern Hang des Talkessels ist eine Chinchonapflanzung (Chinarindenbaum, Lieferant des Chinins); auch Tee-, Eukalyptus-und Lorbeerpflanzungen finden sich in der Umgebung von Ooty, die sich durch wundervollen, parkartigen Pflanzenwuchs auszeichnet.
Ausflüge (stets Mundvorrat mitnehmen!) mit Tonga und zu Fuß sind sehr lohnend; der höchste Gipfel Südindiens, der 2628 m hohe Dodabeta, liegt etwa 4 km östlich vom See von Ooty: oben meteorolog. Observatorium: *Aussicht. —Um den merkwürdigen, aussterbenden Stamm der Todas, der hellfarbigen, großen, kräftigen Ureinwohner der Berge mit kühner Adlernase und fast europäischen Gesichtszügen, kennen zu lernen, muß man ihre Ansiedelungen, Mands, etwa 4 halbrunde Hütten, aufsuchen oder ihren heiligen Mand, die pyramidenförmige Strohhütte, Tiriri genannt, in der nur der Priester (Pālāl) mit seinem die heilige Büffelherde bewachenden und die Butter bereitenden Diener (Kawilāl) haust. Im Tiriri wird die heilige Büffelschelle aufbewahrt, als Sinnbild der Hauptgottheit, des Hiriadewa; dieser bringen die Priester Gebete (wobei sie den rechten Daumen auf die Nasenspitze halten und mit den übrigen gespreizten Fingern die Stirn berühren). Die Todas sind dem Christentum völlig unzugänglich. Man ist jetzt geneigt, sie für einen Zweig der drawidischen Völkergruppe zu halten, der sich hier in abgeschiedener Bergeinsamkeit besonders rein erhalten konnte, also das Urdrawidatum repräsentiert. Auf verschiedenen Hügeln, besonders auf dem Karoni Hill, 5 km südlich von Ooty, findet man die sonderbaren Steinkreise der Todas, Phins genannt, die Reliquien, Urnen und hübsche goldene Ornamente enthalten. Ein heiliger Ort der Todas ist der Murkurti Peak (2560 m), etwa 32 km westl. von Ooty, wovon aber nur 13 km im Wagen zurückgelegt werden können, den Rest muß man reiten (man nehme reichlich Lebensmittel und Jagdgewehr mit). Der Weg folgt den Windungen des Pavakflusses bis zur Gabelung mit dem Paikari-(Pykara-)Fluß; man folgt dann letzterm bis zu seiner Quelle, die nur 2,5 km vom Gipfel liegt. Die Westseite des Gipfels fällt schroff etwa 2000 m tief ab. (Vorsicht, da der Boden am Rande sehr locker und unsicher ist!) Oben *Aussicht auf den Kundah (2240 m) und den Avalanche Hill (2590 m). (Andre lohnende Ausflüge nach dem Ranga Swami-Tempel, den Wasserfällen auf dem Sigur Ghat und bei U-Yal-Hatti.)
Den Rückweg von Ootacamund nimmt man am bequemsten über Coonoor nach Madras, s. S. 100.
Von Ootacamund durch das Nilgirigebirge und das südliche Dekhan über Mysore und Bangalore nach Madras; für Jagdfreunde und kräftige Wanderer sehr lohnend, aber anstrengend. Man miete in Ooty einen Bullockcar (etwa 40-45 Rup.) und lasse sich vom »Transitman«, dem Fuhrunternehmer, schriftlich die Bezahlung, auch für den Ochsenwechsel unterwegs, quittieren, versehe sich mit reichlichen Lebensmitteln (Konserven), Getränk und Jagdgewehr, Matratze und Decken und fahre nur in den kühlern Morgen-und Abendstunden. Diese Fahrt fordert von Ooty nordwärts etwa 80 km bis Nanjangud 3 Tage; etwa alle 8 km werden die Ochsen gewechselt, in elenden Dörfchen; zwischen 10 und 4 Uhr Rast im Schatten. Die 1. Tagereise führt durch Hochland mit Tiroler Landschaftsbildern, sodann senkt sich die Straße am Nordabfall des Nilgirigebirges in Zickzacklinien bis zum einsamen Bungalow von Sigur, wo man übernachtet.—Die 2. Tagereise führt durch die Vorberge des Nilgirigebirges durch fast unbewohnte Gegend; gute Jagd auf Dschungelhühner, Holztauben, Falken, zuweilen auch auf große schwarze Adler und Eulen; ferner auf Antilopen, Sambarhirsche, Wildschweine, Stachelschweine (sehr wohlschmeckend!), Hasen, Steinböcke (sehr scheu!), Marder, Schakale, zuweilen auch auf schwarze Bären und Panther. Zwischen dem mannshohen Gras und in den Dschungeln trifft man auch nicht selten auf Königstiger.
Übernachtung im Bungalow von Goondloped.—Die 3. Tagereise führt wiederum durch gutes Jagdgebiet, abends erreicht man
Nanjangud (Nandschangad), Stadt mit sehr heiligem Tempel, wo im März dreitägiges Wagenfest stattfindet; Endpunkt der Madras and Southern Mahratta Railway; man benutze womöglich noch den Abendzug nach
(15 M) Mysore, Maisur (770 m; Dâk Bungalow; Bahnwirtschaft; Gordon Hotel, gut; Royal Hotel), Hauptstadt des gleichnamigen Staates, mit 68111 Einw., am Fuße des Chamundihügels, auf dem ein Tempel steht, wo bis zur Zeit von Haidar Ali Menschen geopfert wurden; auf dem Wege zum Gipfel steht ein riesiger Nandi (heiliger Stier des Schiwa). Alter und neuer Palast des Radschah. Marstall, Zoologischer Garten.
Ausflug nach Seringapatam (wo keine Schlafgelegenheit für Europäer und
der großen Fiebergefahr wegen dringend vor Übernachten dort gewarnt wird) mache man mit Wagen von Mysore. Seringapatam (Srirangapattan), die alte Hauptstadt des Staates Mysore, liegt auf einer Insel des Flusses Cauvery (Kaveri), hat nur noch 2000 Einw., zur Zeit Tippu Sahibs aber 150000. Im Mausoleum ruhen Haidar Ali und sein Sohn Tippu Sahib. Die Stadt ist nach dem sehr alten Tempel Vishnu Sri Rangam genannt. Der Besuch der engen, ungesunden Stadt hat geschichtliches Interesse.
Die Madras and Southern Mahratta Railway führt über
(54 M) Maddur (Bahnwirtschaft), unbedeutende Stadt mit zwei großen Wischnutempeln, Narasinh Swami und Varada Raja. Von hier Ausflug mit Tonga (10 Rup., 24 St., Vorausbestellung nötig) nach den Cauvery-Wasserfällen (lohnend in der Regenzeit; elektrische Kraftstation für das Kolargoldfeld), südlich nach (27 km) Malvalli (Dâk Bungalow), dann 20 km nach dem »See von Siva«. Die Wasserfälle sind bei der Insel Sivasamudram während der Regenzeit eine 1 km breite Wasserfläche; Höhe der Fälle etwa 90 m.
Von Maddur fährt die Bahn in 3 St. durch welliges Gelände mit bizarren Felsbrocken, Maisfeldern und Palmenwäldern nach
(102 M, 164 km) Bangalore (916 m; City Station mit Bahnwirtschaft; West End Hotel, 45 Z., Pens. 6-8 Rup.; Cubbon Hotel, 36 Z., Pens. 5 Rup.; Bowring Hotel; Cunningham Hotel; Droschken nach Tarif; Motorwagen der Indian Cycle & General Engineering Co., Stafford House, und des Motor House, South Parade; Bank of Madras), Hauptstadt des Vasallenstaates Mysore, mit 159046 Einw.; stark besetzte Militärstation und wichtiger Handelsplatz für Getreide, Baumwolle und Teppiche. Bangalores dichtbevölkerte Altstadt (Petta) hat enge, krumme Straßen, viele Moscheen und Hindutempel, in einem eine berühmte Statue der Göttin der Schönheit; südl. davon liegt das alte Fort mit dem Arsenal, im NO. das englische Viertel mit vielen Kirchen, der Wohnung des britischen Residenten für Maisur, Regierungsgebäude, Central College, Zentralgefängnis. Außerhalb der Stadt liegt der neue Palast des Maharadschah und der schöne Park Lal Bagh mit Botanischem Garten. Bedeutend ist die Teppichweberei, Anfertigung von goldenen und silbernen Tressen, Gerberei. Die Stadt liegt im Grünen, das aber weniger tropisch als in Madras ist; man sieht Ahorn und Pappeln. Bangalore ist als gesunde Stadt mit angenehmem Klima beliebter Ruhesitz für englisch-indische Pensionäre.
1) Ausflug nach den Cauvery-Wasserfällen mit Motorwagen von Bangalore (s. oben) teurer, aber schneller und bequemer als von Maddur mit Tonga (s. unter Maddur).
2) Ausflug nach den *Gersoppa-Fällen von Bangalore mit der Bahn (Poona-Linie) über (131 M) Birur (umsteigen; in 9 St., Rückfahrkarten I. Kl. 24, II. 12 Rup.) nach (169 M) Shimoga (Dâk Bungalow), Distriktshauptstadt mit 8000 Einw., am l. Ufer der Tunga; Manganeisengruben in der Nähe; von da mit Motorwagen (in Bangalore vereinbaren und Platz bestellen bei der Indian Cycle etc. Co.; 4 Personen je 38, 3 je 50, 2 je 75 Rup.; die Gesellschaft trifft auf Bestellung auch Fürsorge für Unterkunft und Verpflegung, Tag 10 Rup.).
Der Ausflug dauert von Shimoga je einen Tag hin und zurück mit Automobil; für Reisende mit Bullock-Tonga sind Rasthäuser in (24 km) Ayanur, (48 km) Anantpur, (74 km) Sagar, (88 km) Talgappe und (104 km) *Gersoppa-Fälle (auch Gairsoppa oder Jog Falls genannt); die vier Wasserfälle des Sharasvati-Flusses sollen zu den schönsten der Erde rechnen, der erste (Radschah genannt) fällt 240 m fast senkrecht hinab, der zweite (Roarer) hat zwei Stufen, der dritte (Rocket) besteht aus vielen kleinen Fällen, der vierte (Dame Blanche) aus einer Reihe von Strudeln. Das Landschaftsbild mit dem Felsenbett und Uferdschungeln ist großartig; die malerische Wirkung wechselt mit dem Sonnenstand; Felsentauben umflattern die Fälle, Regenbogen überspannen das Flußtal. Dicht bei den Fällen sind zwei Bungalows für Fremde, deren Wächter auch einfache Nahrung kochen: doch nehme man reichlich Lebensmittel und Getränk mit.
Zur Fahrt nach Madras in Bangalore City Stat. umsteigen, dann über (145 M) Bowringpet Junction (Zweigbahn [10 M] nach Marikuppam, mit Goldminen des Kolargoldfeldes) nach (189 M) Jalarpat Junction (Bahnwirtschaft; umsteigen in den Zug nach Madras, dann über (241 M) Katpadi (Bahnwirtschaft; 6 km südl. die Tempel von Vellore, an einer Zweigbahn, die auch nach Villupuram, S. [128], führt); ferner über (256 M) Ranipet (Stat. für die [8 km südl.] geschichtlich interessante Stadt Arcot, die schon Ptolemäus erwähnt) und über (279 M) Arkonam nach (321 M) Madras (S. [100]).
Von Madras nach Calcutta.
Madras and Southern Mahratta Railway vom Zentralbahnhof in Madras, Schnellzug Vm. mit durchgehenden Wagen bis (1032 M, 1661 km) Calcutta (Howrah Stat.) in 43 St. für I. Kl. 91, II. 44 Rup. 4 annas; Gepäcküberfracht (S. [50]) pro maund 6 Rup. 4 annas. (Wegen Änderungen des Abfahrtbahnhofs erkundige man sich vorher.)
Geographisches. Die Bahnfahrt längs der flachen Ostküste des Dekhans bietet landschaftlich wenig, ist aber doch weniger einförmig als die durch die Gangesebene. Der östliche Küstenstreifen der vorderindischen Halbinsel ist gut angebaut; da die natürliche Feuchtigkeit dazu vielfach nicht ausreichte, sind zahlreiche Kanäle angelegt, die das Flußwasser überallhin verteilen. Der Bahnbau hat zahlreiche Brücken nötig gemacht; denn das Dekhan dacht sich nach O. hin ab, und die Zahl der in die Bai von Bengalen mündenden Wasserläufe ist deshalb sehr groß. Meist sind es kleinere Flüsse, die von den Ostghats, dem östl. Randgebirge des Dekhans, herabkommen, aber dazwischen auch einige große, nahe der Westküste der Halbinsel entspringende Ströme: Kistna, Godavery, Mahanadi. Der größte von ihnen ist der Godavery, 150 km länger als der Rhein und mit einem Einzugsgebiet von der Größe Preußens. Die Verkehrsbedeutung aller dieser Flüsse ist gering. Die großen Ströme laufen in Deltas aus, die besonders fruchtbar sind, aber von der Bahn umgangen werden müssen. Der Küstenstrich selbst ist hafenlos, sandig, vielfach mit Dünen besetzt, aber mit Kokos-und Palmyrapalmen bewachsen. Mehrfach sind große Haffe entstanden, so nahe nördlich von Madras, und der Chilkasee (S. [133]). Küstenstädte von Bedeutung fehlen.
Von Madras fährt man über (23 M) Ponneri (Bahnwirtschaft) nach (85 M) Gudur (Bahnwirtschaft) und (110 M) Nellore (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow, gut), in dessen Hindutempel römische Münzen aus dem 2. Jahrh. gefunden wurden, Stadt von 30000 Einw., am Pennar-Fluß, Missionsquartier; dann über (130 M) Bitragunta (Bahnwirtschaft) und (182 M) Ongole (Bahnwirtschaft) über den breiten Kistna-(Krischna-)Fluß nach (268 M) Bezwada Junction (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow), Stadt mit 12000 Einw., Bahnknotenpunkt für Hyderabad (S. [98]) und Bellary; in der Nähe der Höhlentempel Undavilli und der Amararshnaraswami-Tempel, 1361 erbaut, und andre Sehenswürdigkeiten für Reisende, die noch nicht tempelmüde sind.—Bei (305 M) Ellore (Bahnwirtschaft), mit Teppichwebereien, ist der Vereinigungspunkt der Kistna-und Godaverykanäle; die Bahn überschreitet später auf großer Brücke den 3,5 km breiten Godaveryfluß und erreicht gleich darauf die alte Orissa-Königsstadt (361 M) Rajahmundry (Radschamandry; Bahnwirtschaft); etwa 40 km flußaufwärts durchbricht der Godavery die Ostghats in landschaftlich schönen Schluchten.—Bei (392 M) Samalkot Junction führt r. eine Zweigbahn (8 M) nach der kleinen Hafenstadt Cocanada (Hotel Viktoria) mit Reede für Küstendampfer. —Der Schnellzug fährt über (426 M) Tuni (Bahnwirtschaft) nach (485 M) Waltair (Bahnwirtschaft; von hier Zweigbahn [3 km] nach dem kleinen, geschützten Hafenplatz Vizagapatam [Dâk Bungalow], mit 41000 Einw., in hübscher Lage).—Dann über (522 M) Vizianagram (Bahnwirtschaft), Hauptstadt eines der größten Zanindari-Staaten mit schönem Palast des Maharadschah, und (656 M) Berhampore (Bahnwirtschaft) nach (686 M) Rambha, am Südende des schönen Chilkasees, eines Haffes, an dessen Ufern man vielerlei Wild, in der kühlen Jahreszeit viele Arten Wasserhühner sieht.
(749 M) Khurda Road (Bahnwirtsch.), Bahnknotenpunkt.
Zweigbahn von Khurda Road nach (28 M) *Puri Jagganath (Hotel Seaside, gelobt, 10 Z., Pens. 6 Rup., 2 Pers. 10 Rup.; Dâk Bungalow), Küstenstadt von 20000 Einw., berühmt wegen des Krischna-Heiligtums, zu dem im Juni, bei dem großen Wagenfeste (Rath Dschatra), Hunderttausende von Pilgern aus ganz Indien wallfahren. Am Südende der Stadt, deren Hauptstraße fast nur aus heiligen Bauten besteht, liegt der große Haupttempel, der dem Wischnu-Krischna als Dschaganath (Weltherr) geweiht ist, und dessen Inneres nur von Hindu betreten werden darf; man besichtige den Tempel vom Dach eines Gasthauses (für Eingeborene) gegen Trinkgeld; drei hölzerne Blöcke mit verzerrten Gesichtern bedeuten Krischna, seinen Bruder Balabhadra und seine Schwester Subhadra; für diese drei Götzen sind 14 m hohe Wagen mit 16 Rädern von 2 m Durchmesser vorhanden, auf denen sie beim Fest von den Pilgern zum Gartenhaus gezogen werden.—Der Haupttempel ist von etwa 120 kleinen Tempeln für alle indischen Gottheiten umgeben, die mit einer hohlen innern und einer großen, mit vier Gopuratoren versehenen hohen äußern Mauer umgeben sind, wovon letztere ein Quadrat von 225 m Seitenlänge umschließt. 18 Feste werden im Tempel abgehalten, davon ist das Wagenfest das 10. im Jahre. Vor dem östl. oder Löwentor steht eine prächtige Säule mit Statue des Aruna. Am Strandstreifen Swarga Dwara (Himmelstor) baden die Pilger.
Die Bahn fährt von Khurda Road über (760 M) Bhubaneswar (mit vielen alten Tempeln, mehr als 500 Heiligenschreinen und Höhlentempeln in der Umgegend) und über (778 M) Cuttack (Bahnwirtsch.; Dâk Bungalow), Hauptstadt von Orissa, am obern Ende des Mahanadideltas, dann weiter über die Flüsse Mahanadi und Brahmani nach (850 M) Bhadrak (Bahnwirtsch.), (888 M) Balasore (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow) und (960 M) Kharagpur (Bahnwirtsch.) nach (1032 M, 1661 km) Calcutta, Howrah Stat.
Calcutta.
Vgl. den beifolgenden Plan.
Ankunft zur See. Calcutta liegt am linken Ufer des Hooghly (Hugli), des westlichsten Seitenarms des Gangesdeltas, und zwar 130 km oberhalb des Golfes von Bengalen, 83 Seem. oberhalb der untersten Deltainsel Saugor (berüchtigt wegen ihres Tigerreichtums, es sollen hier jährlich an 2000 Eingeborne von Tigern getötet werden). Die Einsteuerung ist besonders bei Nebel sehr schwierig. In der Nähe des Pilot's Ridge-Feuerschiffs kommt der Lotse an Bord. Große Dampfer können nur bei Hochwasser über die Barren im Flusse einlaufen. Das Wasser ist schmutziggelb. Die Ufer zeigen niedriges, schlammbedecktes Gebüsch, Dschungeln und Grasflächen; den Fluß beleben Möwen, Seeschwalben, später auch Weihen, Sumpf-und Landvögel. Etwa 34 Seem. flußaufwärts von Saugor liegt am l. Ufer (r.) Diamond Harbour, das Cuxhaven Calcuttas. Von hier führt die »Eastern Bengal State Railway« von Diamond Head in etwa 21/2 St. nach (38 M) Beliaghatta Stat. in Calcutta.—Etwa 10 Seem. oberhalb Diamond Head liegt am rechten Ufer (l.) die uralte kleine Stadt Tamluk, im 5. Jahrh. ein wichtiger Seehafen. Etwas oberhalb liegt die gefährlichste Barre, die »James and Mary-Bank« (mit nur etwa 3 m Tiefe bei Niedrigwasser). Weiter stromaufwärts wird der Pflanzenwuchs an den Ufern immer üppiger; man sieht Dörfer, Pagoden und Tempel, Anlegeplätze für Flußboote mit hohen Treppenterrassen, und hinter der scharfen Krümmung bei Hangman Point erblickt man aus 11 km Abstand die Häuser von Calcutta. Nun erscheint l. der prächtige Botanische Garten, r. Garden Reach (A 6), die großen Kidderpur-Docks (B 6), in denen die Frachtdampfer neben den Warenspeichern liegen. Auch der Fluß dient als Hafen und ist oft mit Schiffen stark gefüllt. Der Hafenmeister bestimmt den Liegeplatz für die Schiffe; wenn kein Kai frei, muß man vom Strom im Boot fahren und landet am besten am Chandpal Ghat, an der NW.-Seite vom Fort William; dort Zollabfertigung, falls nicht schon vorher an Bord erledigt, was meist der Fall sein wird (vgl. S. [49]). Jeder Reisende erhält vom Zollbeamten einen Paß, ohne den er sein Gepäck keinem Wagen übergeben darf. Zollpflichtige Güter werden ins Zollamt (Custom House; Pl. 4, C 3) nahe der Hooghlybrücke geschafft.
Ankunft am Bahnhof: Von Bombay (S. [53]), Benares oder Madras (S. [100]) kommend, in Howrah Station (C 3) am r. Hooghlyufer, dicht bei der Schiffbrücke; von Darjeeling oder aus Assam kommend, in Sealdah Station (E 4) an der Ostseite der Stadt, nahe Bow Bazar Street; von Diamond Head in Beliaghatta (Mutla) Stat., unmittelbar südl. von Sealdah Stat.
Gasthöfe: Continental (Italiener F. A. Boscolo), Chowringhee Road 9/12 am Maidan (D 4).—Great Eastern, Old Court House Str. 1/3 (D 4); größtes Haus, renoviert, Essen gut.— Grand Hotel (Frau Mack, österreich. Manager Mayer), Chowringhee Road, 150 Z., Pens. von 10 Rup. an; von Deutschen besucht.—De Paris, 27 Dhurrumtollah (D 4).—Spence's Hotel, 4 Wellesley Place (CD 4). Pension in allen je nach Jahreszeit und Zimmer 8-20 Rup.—
Man beachte, daß die Reisezeit von Mitte Dezember bis März zusammenfällt mit der Heimreisezeit der in Indien ansässigen Europäer und mit der Hauptfestzeit an Bällen, Wettrennen etc. in Calcutta, daher sollte man beizeiten Zimmer vorausbestellen.
Boarding Houses gibt es viele, allerdings wenig gute; zu empfehlen das von Mrs. Monk (Middleton Row 11); Mrs. Walter's (Russel Street 6-9) und Mrs. Pell's (Camae Street 1). Man zahlt meist 175 Rup. für den Monat oder 7 Rup. für den Tag Pension, doch in der Reisezeit bis 10 Rup. und mehr, dann ist Vorausbestellung zu empfehlen.
Restaurant und Konditorei: Peliti, Esplanade, East 10.—Bristol Hotel, Chowringhee Road, gute Billards; weniger für Damen.
Post u. Tel.: Post Office (Pl. 2, C4), Ecke Dalhousie Square und Koila Ghat Street.—Telegraph Office (Pl. 3, D4), Ecke von Dalhousie Square South und Old Court House Street.
Wagen: Carriages (Landauer), Einspänner (billig) und Ticca gharis (Droschken) nach Tarif.
Automobile für Tage, Wochen oder Monate stellt die French Motor Car & Electric Co., Bentinck Street 55.
Straßenbahnen, elektrische mit vielen Linien, billig und bequem.
Eisenbahnen: 1) Von Howrah Station (Pl. 10, C3) geht die East Indian Railway nach Benares und bis Peshawar (S. [80]); nach Bombay via Jubbulpore (S. [63]) od. via Nagpur (S. [63]); die Madras and Southern Mahratta Railway nach Madras und Tuticorin (S. [126]).—2) Von Sealdah Station (E4) die Eastern Bengal State Railway nach Darjeeling (S. [141]) und Assam (S. [140]) sowie von Beliaghatta (Mutla) Station nach Diamond Head.
Dampfer: Norddeutscher Lloyd (Agent: Schröder, Smidt & Co.), Old Court House Str. 6/7 (Pl. 30, D4), mit fremdem Zwischendampfer oder Bahn bis Colombo, von da mit Reichspostdampfer nach Europa; mit Zwischendampfer bis Singapore, von da mit Reichspostdampfer nach Ostasien.— Österreichischer Lloyd (Agent: R. de Calò) zweimal monatlich über Madras, Colombo, Bombay, Aden, Suez nach Triest in 31 Tagen.—Messageries Maritimes (Agent: Grézoux, Hare Street 5-6), Zwischendampfer alle 4 Wochen über Pondichéry nach Colombo.— Peninsular & Oriental Steam Nav. Co. (Agent: R. A. A. Jenkins, Strand 19) alle 14 Tage über Colombo nach Europa; ebenso über Singapore nach Ostasien.—British India Steam Nav. Co. (Agent: Mackinnon, Mackenzie & Co., Strand 16) wöchentlich nach allen indischen Häfen und Colombo; dreimal wöchentlich nach Rangoon.— River Steam Nav. Co. (Agent: Mac Neill & Co., Clive Ghat Street 2), Flußdampfer nach Assam etc.
Banken: Deutsch-Asiatische Bank, 32 Dalhousie Square (Pl. 31, C4).— National Bank of India Ltd., Clive Str. Beide Korr. der Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; ferner Chartered Bank of India, Australia and China, Council House Street 5.—Hongkong and
Shanghai Banking Corporation, Dalhousie Square 31, beide mit Zweigstellen in Hamburg.—Für Reisende besorgt auch Cook's Office (s. unten) Bankgeschäfte, Kreditbriefe etc.
Reisebureaus: Thos. Cook & Son (Pl. 3, C4), Old Court House Street 11, gegenüber dem Telegraphenamt.
Konsulate: Deutsches Reich, Auckland Place 3 (Pl. 28, E5), Generalkonsul Prinz Heinrich XXXI. Reuß j. L., Durchl., Vizekonsul Dr. Remy; deutsches Konsulat (Pl. 28a, CD3), Clive Row 9, Konsul Hans R. Schuler.— Österreich-Ungarn, Generalkonsulat, Theatre Road 36 (Pl. 29, E5), Generalkonsul Dr. Ferd. Freyesleben, Vizekonsul W. R. Czerwenka.—Deutscher Klub (Pl. 32, D5), Elysium Row 13, einer der schönsten im Osten. Besuch 6-8 Nm.—Polizeiamt (Pl. 9, D3), Bow Bazar Street.
Ärzte: Dr. H. Finck, 19 Camac Str., der einzige deutsche Arzt.—Dr. A. Caddy, Harrington Str. 2.—Frauenärzte: Dr. Peck, Harrington Str. 6.— Miß Baumler, Chowringhee Road 15.— Zahnärzte: Miller, Chowringhee Road 35.—Woods, Chowringhee Road 25. —Apotheken: Bathgate & Co., Old Court House Street.—R. Scott Thomson & Co., Government Place 15.— Smith, Stanistreet & Co., Dalhousie Square, u. a.—Krankenhäuser: Presidency General Hospital (D6); Eden Hospital (D3) u. a.
Buchhandlungen: Thacker, Spink & Co., Government Place (CD4).— W. Newman & Co., Dalhousie Square. —Zeitungen: »Englishman«; »Statesman«; »Indian Daily News« u. a.— Photographien: John Blees (Kodaks, frische Films etc.), Chowringhee Road, neben Grand Hotel.—Johnston & Hoffmann, Chowringhee Road 22 (D4/5).—Bourne & Shepherd, Chowringhee Road 8.
Theater: Theatre Royal (Pl. 14, D4), Chowringhee Road, zum Grand Hotel gehörig.—Opera House (Pl. 15, D4), Lindsay Street.—Indische Theater meist in Beadon Street.
Geschäftsadressen: Optiker: Lawrence & Mayo; Solomons & Co.; Lazarus. —Kleiderhändler: Ranken & Co., H. Clark & Co., Old Court House Street 5, und andre Firmen, sämtlich Old Court House Street.
—Reiseartikel: Whiteaway, Laidlaw & Co., Esplanade, East 7.—Jagdgewehre etc.: Manton & Co., Old Court House Street 13 und Mangoe Lane 1.—F. Schonert & Co. (Deutsche), Konserven, Wein, Zigarren; besorgen Ausrüstung für Jagd-und Bergausflüge (gleich als Trägerlasten verpackt).—Indische Juweliere: Esoofally, Hiptoolla & Co., Chowringhee Road 6-2 und Radha Bazar 9-10; Hamilton & Co., Old Court House Street; Boseck & Co., Wellesley Place.—Hindubuchhändler: Shambhu Chandra Addy, Wellington Street.
Zeiteinteilung: 1. Tag: Botanischer Garten, Museum, Eden-Garten.—2. Tag: Basare, Zoologischer Garten, Kidderpur Docks.—Zum Ausflug nach Darjeeling rechne man mindestens 4, besser 10-14 Tage. Ausflüge nach Assam fordern mehrere Wochen.— Nach Puri Jagganath, vgl. S. [133], mindestens 2 Tage.
Geschichte. Calcutta wurde 1686 durch englische Kaufleute, die der Mogulstatthalter von Bengalen aus ihrer Faktorei Hugli vertrieben hatte, im Dorfe Tschatanati gegründet, das mit Kali Ghat (daher der Name) die Stelle der heutigen Stadt einnahm. Am 20. Juni 1756 wurde der Ort durch Suradsch ed Daulah eingenommen, wobei 146 englische Gefangene in das »Black Hole« eingesperrt wurden, in dessen engem Raum 123 während der Nacht umkamen. Nachdem aber Clive 2. Jan. 1757 die Stadt zurückerobert hatte, hob sich Calcutta rasch wieder. 1772-1911 war es Sitz der britisch-ind. Regierung.
Klima. Die Lage Calcuttas im feuchtheißen, von dichter Vegetation bedeckten Gangesdelta, nur 6 m über dem Meeresspiegel, ist gesundheitlich wenig günstig. Cholera und Fieber sind endemisch, doch ist in der Europäerstadt an sanitären Einrichtungen das Mögliche geleistet. Man unterscheidet drei Jahreszeiten: die heiße von Mitte März bis Mitte Juni, die Regenzeit bis Ende September und die kühle Jahreszeit von November bis Anfang März. Der Sommer ist wegen seiner feuchten Hitze sehr ungesund, deshalb leben alle wohlhabenden Europäer, soweit es die Geschäfte erlauben, von Ende März bis Oktober in der Sommerfrische in Darjeeling (S. [141]) oder Simla (S. [75]), wo dann auch der Vizekönig residiert. Als höchste Temperatur wurde 42,3°, als niedrigste 6,8° gemessen, als Durchschnitt im heißesten Monat (Mai) 30°, im kältesten (Januar) 18°. Sehr stark ist der Regenfall; Zyklone (Wirbelstürme), die gewaltige Sturmfluten im Hooghly hervorrufen, richten durch Windwirkung und Überschwemmung gelegentlich große Verheerungen an; neben Cholera und Malaria (s. oben) ist in Calcutta seit 1902 auch die Pest stark aufgetreten.
Calcutta (spr. kalkatta; der Name bedeutet: Flußtreppe [Ghat] der Kali, einer Göttin) ist im Gegensatz zu den zahlreichen uralten indischen Kulturstädten eine Gründung der Europäer und in einer von Natur sehr ungünstigen Umgebung (nahe dem Westrande des sumpfigen, ungesunden Gangesdeltas am Hooghlyufer, weit über 100 km vom Meer entfernt) erst emporgeblüht, nachdem 1772 der unbedeutende Ort zum Sitze des Generalgouverneurs erhoben worden war. Seitdem hat die vortreffliche strategische und kommerzielle Lage der Stadt ihre Wirkung entfaltet, und heute ist Calcutta, das »Hamburg« Indiens, der Hauptausfuhrhafen des Landes und eine wichtige Industriestadt geworden, deren weitere Entwickelung auch durch die 1911 beschlossene Verlegung der Zentralregierung nach Delhi nicht sehr wesentlich beeinflußt werden wird. Es besteht aus drei Hauptteilen: die White town, die Europäerwohnstadt, vom Charakter einer europäischen Großstadt, und die Black town, die schmutzige Eingebornenstadt, liegen auf dem l. Hooghlyufer. Ihnen gegenüber zieht sich die Fabrikstadt Howrah hin. Die eigentliche Stadt, vom Fluß und der Circular Road eingeschlossen, enthält die Esplanade, den Maidan (CD5), an dem das Fort William, 1773 erbaut, einen Raum von 3 km Umfang einnimmt, mit großem Arsenal, 619 Geschützen und 25000 Mann. Im N. des Maidan der Palast des Vizekönigs und das Rathaus. Die Stadt hat 27 protestantische (St. Paulskathedrale), 8 katholische Kirchen, ein theistisches Gotteshaus der Brahma Samaj-Sekte, aber keine orthodoxen Hindutempel; ferner zahlreiche Denkmäler. Die Bevölkerung beträgt: 890493 (mit Vorstädten 1216514) Köpfe (davon ca. 2/3 Hindu, ca. 30 Proz. Mohammedaner und etwa 6000 Europäer). Die Industrie ist auf Howrah (B2, 3) konzentriert. Mit diesem hatte Calcutta 1902: 26 Jutefabriken (die Hauptindustrie) mit 15132 Webstühlen und 80000 Arbeitern, 8 Baumwollspinnereien mit 324038 Spindeln, Papierfabriken, Zuckerfabriken, Indigofabriken etc. Der Staat besitzt eine große Geschützgießerei in Kosipur. Großartig ist der Handel, er wertete 1906/07: 1300 Mill. Rupien. Aus Deutschland kam 1902 für 11159460, dorthin ging für 82683580 Mark Ware. Die wichtigsten Ausfuhrartikel sind Jute und Jutesäcke, Opium, Tee, Reis, dann Häute, Baumwolle, Ölsaaten, Indigo, Rohseide, Gummi. Kohle wird aus Calcutta stark ausgeführt (1905: 7 Mill. Ton.). Der Hafen für sehr große, schwerbeladene Schiffe ist Diamond Harbour (S. [134]); die meisten Schiffe können bis zur Stadt gelangen, deren Hafen sich 16 km lang am Ufer hinzieht. Die über den Hooghly nach Howrah führende Schiffbrücke wird zu bestimmten Stunden geöffnet. Es liefen 1910: 539 Schiffe mit 1550000 Reg.-Ton. ein. Die Stadt besitzt zahlreiche Bildungsanstalten, darunter das Hindu College, Sanskrit College, Medical College, die berühmte La Martinière (Stiftung eines französischen Abenteurers, der 1808 als Millionär starb), einen prächtigen Botanischen und Zoologischen Garten, ist Sitz der Asiatic Society of Bengal (Park Street 57, gegründet 1784, mit Bibliothek von 15000 Bänden, Münz-, Gemälde-und Büstensammlung), des Lieutenant-Governors von Bengalen, vieler Verwaltungsbehörden, eines katholischen Erzbischofs, eines anglikanischen Bischofs und andrer Behörden.
Rundfahrt. Man beginne morgens mit der Chowringhee Road (D4/5), wo gute Geschäfte sind und am Nordende der Dhurrumtola-Basar (Pl. 16, D4) liegt. Nun zur *Esplanade (CD5), dem Maidan, Exerzierplatz und Promenade der eleganten Welt; an dessen Nordseite vorbei, r. zwischen dem Palast des Vizekönigs (CD4; Government House, erbaut 1804) und dem Rathaus (Town Hall; Pl. 1, C4) über den Dalhousie Square (CD4) und durch die Eingebornenstadt zur Hooghly- (Schiff-)Brücke (C3), von deren Mitte prächtiger Blick über die Ufer, belebt mit Schiffen und Booten sowie mit Badenden auf den Treppen der Ghats; auf dem rechten Ufer sieht man Howrah (B2, 3) mit Bahnhof, Werften, Docks und Fabriken. Von der Brücke zurück und nach Süden am linken Ufer entlang; r. Anlegebrücken der Seedampfer (Export and Import Jettis), l. vorbei am Zollamt (Custom House; Pl. 4, C3), dem Generalpostamt (Pl. 2, C4), der Bank of Bengal (Pl. 8, C4), dann l. der sehenswerte *Eden-Garten (C4), ein hübscher kleiner Park, von den Misses Eden, den Schwestern Lord Aucklands, angelegt und 1856 mit einer birmanischen Pagode aus Prome geschmückt, am besten abds. (6-7 Uhr Militärmusik) zu besuchen. Der weitere Weg, The Strand (C4), führt dann westl. am großen Fort William (S. [136], nichts Sehenswertes) vorbei, läßt Prinsep's Ghat r., dann über Hastings Bridge auf die Garden Reach Road (BC6), die am Nordende des Kidderpur-Docks Nr. 1 (B6) vorbeiführt; man fahre nun nach l. längs der Westseite dieses Docks, besichtige dort das Löschen und Laden der zahlreichen Frachtdampfer (sehenswert!) und fahre über die Brücke zwischen Dock Nr. 1 und 2 zurück durch Kidderpur zum Zoologischen Garten (C6) mit Prachtexemplaren von Königstigern, Orang-Utans, schwarzen Panthern, Fasanen etc., der auch als Picknickplatz beliebt ist (Konzerte So., Eintr. 1 Rup.).—Sw. liegt das Meteorologische Observatorium, südl. von ihm der Palast Belvedere (C6) des Lieutenant-Governors mit schönem Park und nahe sö. davon die Agri-Horticultural Gardens. Vom Zoologischen Garten fährt man auf der Zeerut Bridge (CD6) über den Tolly Nullah-Kanal (CD6), dann r. vorbei am Rennplatz (Race Course; C5/6), wo das ganze Jahr Wettrennen stattfinden, dann schräg über den Maidan, vorbei an der Victoria Memorial Hall und den Standbildern von Lord Dufferin (Pl. 21) und Outram (Pl. 26), zum Imperial Indian Museum (Pl. 6, D4; Chowringhee Road 27 und 28; guter Katalog am Eingang zu haben; geöffnet 10-4 bzw. 5 Uhr), 1866 erbaut; es enthält wertvolle Fossilien-und Mineraliensammlungen (darin prächtige Edelsteine aus dem Bundelkund und Südindien), ferner eine Antiquitätensammlung, besonders buddhistische Altertümer aus der Tope von Bharhut, aus Muttra und Gandhara (Punjab), die zum Teil griechisch-klassische Schönheit erreichen. In einem Anbau, vom ersten Stock des Museums zu erreichen, eine sehenswerte kunstgewerbliche Sammlung. In der Fossiliensammlung beachte man den Hyänenbär (Hyänoarktos), den Amphikyon, den Machairodos (Säbelzahntiger mit 18 cm langen Zähnen), die Siwalikkatze (so groß wie ein Tiger), den Megaloscelornis (ein Siwalikstrauß); ferner Knochen vom Dinormis, den Kolossochelys (eine Siwalik-Riesenschildkröte) und viele andre Seltenheiten.— Zum Botanischen Garten (11 km sw., Wagenfahrt in 11/2 St. hin, auch den ganzen Garten besichtigt man im Wagen, insgesamt 1/2 Tag Zeit nötig, 9 Rup.) fährt man über die Hooghlybrücke, am Bahnhof Howrah vorbei, dann l. südl. am r. Flußufer auf dem Grand Trunk Road durch die Vororte Howrah, Ramkrishnapur (B4) und Sibpur nach den *Government Botanical Gardens (A5, 6), die am rechten Hooghlyufer gegenüber dem Garden Reach (A6) liegen. Es sind herrliche Parkanlagen mit tropischen Bäumen, Blumenparketts, Sträuchern, Wiesenflächen, Teichen und Bewässerungskanälen. Breite Fahrstraßen durchkreuzen den Park. Am NW.-Eingang stehen drei Prachtbäume, ein Banyanbaum in der Mitte, je ein Bobaum (Ficus religiosa, unter dem Buddhas Erleuchtung stattfand) an jeder Seite; ersterer ist den Brahmanen, letztere sind den Buddhisten heilig! Eine Palmyrapalmenallee führt nach r., eine Mahagonibaumallee nach l.; man bleibe auf der mittlern Fahrstraße, die durch Kasuarinenbäume mit Kletterpalmen darauf in die Palmenpflanzung führt. Dann gelangt man über eine Brücke r. in den Blumengarten mit Orchideenhäusern etc. Ein breiter Weg führt dann zum Flußufer, das man l. läßt, um auf den *großen Banyanbaum (Ficus indica) zuzufahren, der mit mehreren hundert stammartigen Luftwurzeln eine Fläche von 80 qm mit etwa 300 m Umfang bedeckt; man geht unter dem Baum, der von weitem wie ein dichtbewaldeter Hügel aussieht, wie in einem Gehölz spazieren. Westl. vom Botanical Garden Ghat (A5), wo man mit Boot über den Hooghly nach Garden Reach ans linke Ufer sich übersetzen und von da mit Wagen über Kidderpur-Docks (S. [138]) zurückfahren läßt, liegt das Direktorgebäude (Superintendent House) am Fluß, und in seiner Nähe das berühmte große Herbarium mit etwa 40000 Pflanzen (vom Direktor Dr. Wallich um 1829 angelegt) nebst Bibliothek. Dem Botanischen Garten ist unter anderm die Akklimatisation und Kultur der Teepflanze im Himalaja und in Assam zu danken.
Ausflug auf der Bahn nach Chandernagore (Hôtel de France, gute Weine), einer 30 km nördl. von Calcutta gelegenen kleinen französischen Kolonie.
Von Calcutta nach Darjeeling
Vgl. die Karte bei S. [64]
Eisenbahn von Calcutta nach (379 M) Darjeeling in 191/2 St. für I. Kl. 49 Rup. 121/2 annas; II. Kl. 24 Rup. 141/4 annas; Rückfahrkarten mit 14 Tagen Gültigkeit I. Kl. 66 Rup. 6 annas, II. Kl. 33 Rup. 3 annas. Schnellzug: ab Calcutta Nm.; an Darjeeling Mitt.; Bettzeug, wollene Decken und warme Kleidung, auch Schleier oder Rauchbrille mitnehmen. Schlafplätze für den Nachtzug von Sara Ghat aus am besten bei Cook & Son vorausbestellen oder telegraphisch von Calcutta aus.—Die Bahnwirtschaften sind verhältnismäßig gut; bei der Rückfahrt Dinner in Siliguri. —Bei der Ankunft in Siliguri (auf der Bergfahrt) sichere man sich sofort einen Platz in der Kleinbahn, ehe man zum Morgenkaffee in den Wartesaal geht.
Geographisches. Durch die heißen, ziemlich einförmigen und kahlen, aber vortrefflich angebauten Ebenen Unterbengalens, die von dem gewaltigen, in seiner Breite fast unüberschaubaren Ganges durchflossen werden, geht es bis an den Fuß des Himalaja. Ein Saum von dicht verfilztem, ziemlich niedrigem Sumpfwald (Tarai) umkleidet ihn und leitet bald in üppigen tropischen Regenwald über, der die untern Berghänge verhüllt. Bei etwa 1000 m Seehöhe beginnt der prächtige subtropische Bergwald mit seiner mannigfaltigen Zusammensetzung (die aber von der des östl. Himalaja in der Gegend von Simla ziemlich stark abweicht) aus mancherlei Laubbäumen, Palmen, Bambus etc., zu denen weiter oberhalb noch die schönen Baumfarne treten. Darjeeling selbst bietet gute Gelegenheit zum Studium dieses Waldes wie der mongolischen Bevölkerung des indisch-tibetischen Grenzgebietes (eine große Straße führt von hier nach Tibet hinein) und des Aufbaues des Himalaja aus einer Reihe schmaler paralleler Gebirgsketten (vgl. S. [44]).
Von Sealdah Stat. im O. von Calcutta mit der »Eastern Bengal State Railway« vorbei am Vororte (5 M) Dum-Dum (spr. damdam), bekannt durch seine Gewehrmunitionsfabrik, in der zuerst die berüchtigten Dum-Dum-Geschosse mit Sprengwirkung angefertigt wurden; dann über (14 M) Barrackpur, mit Landsitz des Vizekönigs und alten Kasernen, nach (46 M) Ranaghat Junction (Bahnwirtsch.) und über (58 M) Bogoola (Bahnwirtsch., 10 Min. Aufenthalt zum Nachmittagstee) nach (103 M) Poradaha Junction (von hier Zweigbahn [47 M] nach Goalanda Ghat, nahe der Vereinigung des Ganges mit dem Brahmaputra, dann mit Flußdampfer und Bahn über Dacca, die alte Hauptstadt Bengalens, nach dem Seehafen Chittagong).—Die Bahn erreicht den Ganges bei (120 M) Damukdia Ghat; hier umsteigen auf die Dampffähre, die in 25 Min. über den sehr breiten Gangeshauptstrom setzt; währenddessen Abendessen an Bord. Die Dampffähre landet bei (132 M) Sara Ghat gegen 21 Uhr; man beachte an den Wagentüren des Zugs die Zettel mit Namen, wenn man telegraphisch Schlafplatz bestellt hat. Dann mit der »Northern Bengal State Railway« in kleinen Wagen von 1 m Spurweite über (156 M) Nattore (bei Rückfahrt wird hier stark geläutet zum Wecken der Fahrgäste, ehe sie zur Fähre kommen) nach
(244 M) Parbatipur (Bahnwirtschaft).
Abstecher nach Assam; Zweigbahn von Parbatipur nach (90 M) Dhubri Ghat, dann Dampferfahrt (wegen Anschluß vorher bei Cook erkundigen!) auf dem Brahmaputra, dem »indischen Rhein«, in 4 Tagen nach Dibrugarh (123 m; Dâk Bungalow), das schon nicht mehr allzu weit von der Austrittsstelle des Brahmaputra aus dem Himalaja entfernt liegt. Der Brahmaputra, ein gewaltiger Strom, fließt durch Assam in einem weiten bewaldeten Tale, meist in zahlreiche Arme aufgelöst. Bei Gauhati (s. unten), wo er nicht geteilt ist, ist er 11/2 km breit. Sein Hochwasser, gespeist aus der Schneeschmelze im fernen Tibet und aus den gewaltigen Regenmengen, die im Sommer über Assam niedergehen, reicht von Mitte März bis in den September. Nahe seinem l. (südl.) Ufer beginnen die Vorhügel der Khasiaberge, eines schönen, niederschlagsreichen u. gut bewaldeten Gebirges mit reichen Teepflanzungen. An der Südseite, südl. von Shillong, liegt Cherra Punji, der regenreichste Ort der Erde (jährlicher Niederschlag 11600 mm).
Die Brahmaputrafahrt gibt Gelegenheit zu Ausflügen nach Shillong, Hauptquartier der Regierung von Assam, 1200 m ü. M., und in die prächtigen Waldberge des Khasiagebirges; sie sind aber beschwerlich, langwierig und teuer; nähere Auskunft gibt Cook's Office in Calcutta.
Von Parbatipur weiter über (305 M) Jalpaiguri nach (328 M) Siliguri (Bahnwirtsch., gut; Dâk Bungalow). Hier beginnt die Darjeeling-Himalayan Railway, eine kleine Gebirgsbahn von 60 cm Spurweite, sehr schmale Wagen, I. und II. Klasse geschlossen oder offen. Rauchbrille oder Schleier zum Schutz gegen den Rauch der Lokomotive sowie warme Decken sind erforderlich. L. sitzen, ein Eckplatz im offenen Wagen gewährt beste Aussicht, man schwebt aber zuweilen über Abgründen; der Mittelplatz ist weniger zugig. Der Temperaturwechsel macht sich stark fühlbar, je höher die Bahn steigt; die Fahrt (51 M) dauert 6 St., anfangs durch Flachland mit Feldern, bald aber Aufstieg in dichtem Urwald (der sogen. »Tarai«) meist längs der alten Fahrstraße; in den Dschungeln hausen Tiger, Elefanten, Rhinozerosse, Leoparden und andres Wild. An Waldlichtungen sieht man auch zuweilen Holz schleppende gezähmte Elefanten. Man übersieht Schluchten mit Himalajazedern (Cedrus Deodara), Palmenwäldern, Feigen-und Mandelbäumen und riesigen Rhododendronbüschen. Bei scharfen Kurven sind Schleifen (loops) angelegt, an andern Stellen Kopfstationen (Spitzkehren), wo die Lokomotive an das Ende des Zugs gesetzt wird. In größerer Höhe werden die Zedern und Eichen seltener, häufiger die Baumfarne (Ferntree, bis 10 m hoch, wie Palmen aussehend).—In (360 M) Kurseong (Bahnwirtsch., gut; Clarendon Hotel; Dâk Bungalow), einem Hauptplatz der Teeplantagen, etwa 1500 m ü. M., ist 19 Min. Aufenthalt zum Frühstück. Der Wald macht Teepflanzungen Platz. (Auf der Rückfahrt kann man von Kurseong einen Teil des Abstieges auf einem Richtweg zu Fuß machen, sehr lohnend; man erkundige sich beim Station Master in Kurseong.)—Auf dem weitern Anstieg wird es kühl. Bald hinter Kurseong erster Blick auf den Kanchanjanga (8582 m), dann noch einmal kurz vor Ghoom.—In (376 M) Ghoom, 2600 m ü. M., erreicht die Bahn den höchsten Punkt; gelegentlich Ausblicke auf die Himalaja-Bergkette, dann bergab nach
(379 M) Darjeeling (2184 m), tibetan. Dar-rgjas-glin (d. h. Land des diamantenen Donnerkeils des Lamas), Stadt mit 13000 Einw., Endstation der Bahn.
Gasthöfe: Woodland's Hotel, gut. —Woodland's Annex Hotel, sehr gut, Pens. 8-15 Rup., 2 Pers. 14-18 Rup., Abfahrt 24 St. vorher anmelden.— Boscolo's Hotel Oakfield (neu), am Chaurasta; Central Hotel (neu), Post Office Road, gut, Pens. von 5 Rup. an. —Drum Druid Hotel.—Grand Hotel Rockville, das ganze Jahr geöffnet; 44 Z., Pens. von 8 Rup. an.—Jones Hotel und Restaurant.—Boardinghouses Ada Villa; Bellevue; Himalaya Cottage.—Droschken nach Tarif.— Photographen: Baar, Deutsch-Österreicher; Burlington Smith.—Bank.— Apotheken.—Antiquitäten bei verschiedenen Firmen.—Skating Rink, bei der Kirche, gegen Abend Konzert.
Darjeeling, Hauptstadt des gleichnamigen britisch-indischen Distrikts, an der Grenze von Sikhim, zwischen Nepal und Bhutan, liegt auf den Vorbergen des Himalaja, ist Sommersitz des Lieutenant-Governors von Bengalen, vielbesuchte Sommerfrische (für Reisende, die in Benares oder Calcutta einen Malariaanfall erleiden, ist schleunigste Reise nach Darjeeling die beste und schnellste Kur) mit dem vorzüglichen Eden-Sanatorium, mehreren Schulen und einem Pensionat zur Ausbildung von Forschungsreisenden und Dolmetschern. Mittlere Jahrestemperatur 11,5° C (Januar 4,5°, Juli 16,4°), größte Kälte-6,7°, größte Wärme etwa 27° C. Das Klima ist regenreich (3200 mm, etwa das Fünffache wie in Deutschland); die Regenzeit beginnt Anfang Juni. Die Hauptstraße The Mall mit Musikhalle (April bis November spielt Mi. und Sa. Musik) führt zum Observatory Hill; dort *Aussicht über die Bergketten von Sikhim hinweg auf den Kanchanjanga (8582 m) und andre Gipfel des Himalaja (großartigste Hochgebirgslandschaft der Erde). In den Basaren und auf dem Markt *Sonntag früh interessantes Volksleben (Mongolen, Tibetaner, Bhutias, Leptschas, Lopos, Nepalesen neben Hindu, Parsen u. a.). Da die Gebirge bei Tage häufig durch Nebel verdeckt sind, suche man die Aussichtspunkte bei Sonnenauf-oder-Untergang auf.—Etwa 1,5 km östl. und 300 m steil bergab liegt das malerische Dorf Bhutia Busti mit tibetanischem Tempel, vor dem mannsgroße bunte Gebetsmühlen stehen (auf den Papierstreifen der Mühlen steht das Gebet: »Om mani padme hum' = O, du Kleinod im Lotos, Amen!«; jede Umdrehung rechnet als ein Gebet!). Auf dem Rückwege sieht man eine Stûpa (oder Dagoba = Grabhügel), umgeben von weißer Mauer.— Der Botanische Garten unterhalb des Eden-Sanatoriums enthält eine Sammlung von Himalajapflanzen, auch schöne Sammlung von Himalajaschmetterlingen, -vögeln und Eiern.
Ausflüge: 1) Nach *Tiger Hill (2600 m), 10 km vor Darjeeling, 500 m Steigung auf Reit-oder Fußwegen, mit Führer in 2 St.; am besten zu Pferde (im Gasthof bestellen, hin und zurück etwa 5 Rup.), Damen im Tragstuhl.
Äußerst lohnend! Um den Sonnenaufgang zu beobachten, ist Aufbruch mit Laternen früh 4 Uhr nötig. Man nehme Feldstecher mit! Bei günstigem Wetter (früh am wenigsten Wolken oder Nebel) ist der Sonnenauf-oder-Untergang unvergleichlich großartig; man übersieht die Hochgipfelkette des Himalaja vom Mount Everest (8750 m) im NW. in riesigem Bogen über den Kanchanjanga (8582 m) und Donkia Ri (7051 m) bis im O. an die Grenze von Bhutan und Tibet; überraschend ist die Schärfe der Umrisse wie das wunderbare Farbenspiel auf den Schneeflächen. Die Schneegrenze liegt bei 4500 m. Der *Blick auf den Himalaja ist das wunderbarste Hochgebirgsbild der Erde.
2) Nach Phalut (3600 m), 82 km nördl. von Darjeeling, quer durch Sikhim; beschwerlich, da der Weg quer zu den ostwestl. laufenden Bergketten verläuft, aber sehr lohnend für Alpentouristen zu Fuß, mit Führer, der, zugleich Koch und Dolmetscher, tägl. 2 Rup. erhält, und mindestens 10 Kulis zum Proviant-und Gepäcktragen, für Tag und Mann 12 annas; man kann auch Saumpfade benutzen, dazu ein Pony (mit Wechsel) 4 Rup. tägl. oder für Damen eine Dandy, Tragstuhl mit stellbarem Wachstuchdach nebst 8 Kulis zum Tragen; in dieser Art kostet der Ausflug, in 6-7 Tagen mit dem empfehlenswerten Führer Nadar Sirdar und 27 Kulis gemacht, für ein Ehepaar etwa 250 Rup. mit Trinkgeldern etc. Wenn man von Phalut über Rinchinpong durch Sikhim zurückkehrt, dauert der Ausflug 10 Tage: Woodlands Hotel übernimmt die Ausrüstung, Stellung der Pferde etc. für zwei Personen für 440 Rup.; mit Trinkgeldern und Getränken kann man dann 500 Rup. rechnen. Proviant besorgt F. Schonert & Co. in Calcutta, Anwerbung der Pferde und Kulis der zuvorkommende Manager des Woodland-Hotels. Wer selbst die Ausrüstung übernehmen will, nehme einen Führer an (zu empfehlen auch Keschur Sing Markar), der auch Pferde etc. stellt. Ohne Führer kann man weder mit den Pferden (die im Gebirge leicht erkranken) noch mit den Kulis fertig werden, die Sprachkundige zur Beaufsichtigung erfordern.
—Paßerlaubnis für Benutzung der Bungalows muß vorher in Darjeeling beim Deputy Commissioner eingeholt werden, und zwar je ein Paß für Ausreise und Rückreise für jeden Bungalow, den man besuchen will. Man tut gut, die Kulis mit den Lebensmitteln einen Tag vorauszuschicken. Mitnahme von Verbandstoffen und einer Hausapotheke sowie Jagdgewehren ist zu empfehlen. Die erste Tagereise führt durch einsame Täler und über größere Höhen als Darjeeling bis zum Dâk Bungalow von (37 km) Tanglu (3070 m; jede Person über Nacht 1 Rup. und 2 annas für Brennholz), auf einem schroffen Bergvorsprung mit *Aussicht mitten im Wald. Zweite Tagereise durch wunderbare Gebirgslandschaft über Berg und Tal nach dem Dâk Bungalow von (61 km) Sandakphu (Sindukphu), 3630 m, mit prachtvollem *Ausblick auf Mount Everest und Kanchanjanga. Dritte Tagereise über stellenweise schmalen Berggrad zum Dâk Bungalow von (82 km) Phalut (3600 m). Vor Sonnenunter-und-Aufgang besteige man den höchsten Vorsprung des Bergrückens (etwa 3660 m), wo fünf spitze Steinhaufen mit tibetanischen Inschriften stehen. Die Bergriesen erglühen rosig (Alpenglühen); man befindet sich nur noch einen Tagesmarsch vom Kanchanjanga entfernt, sieht diesen Bergriesen dicht vor sich, dazwischen ein Labyrinth von Tälern unter gigantischen Abhängen, tief unten Dschungeln; *Blick auf Mount Everest. Wer weiter in die Gletscherwelt des Himalaja eindringen will, studiere vorher die Reiseberichte von Freshfield im »Alpine Journal« und von Dr. K. Boek in dessen Werk »Indische Gletscherfahrten«; sie rüsteten ihre großen Gebirgsreisen in Darjeeling aus.—Rückreise von Phalut: 1. Tag nach Sandakphu, 2. Tag bis Tanglu, 3. Tag Ankunft in Darjeeling. Viel schöner ist die Rückreise durch das Land Sikhim in 5 Tagen: 1. Tag von Phalut über den Dâk Bungalow von (10 km) Chiabhanjon (3150 m) nach dem Dâk Bungalow von (21 km) Dentam (2000 m); 2. Tag bis Dâk Bungalow von (40 km) Pamiongchi (1500 m); 3. Tag bis Dâk Bungalow von (56 km) Rinchinpong (1520 m); 4. Tag bis Dâk Bungalow von (75 km) Chakang (1550 m); 5. Tag zurück nach (107 km) Darjeeling (2180 m).
3) Nach Teesta Bridge, 2 Tage zu Pferd, etwas anstrengend (Paßerlaubnis für Benutzung der Bungalows vorher in Darjeeling beim Deputy Commissioner und beim Executive Engineer einholen), am 1. Tag zum Bungalow von (12 km) Badatam (760 m), dort übernachten, dann durch das Teesta-Tal über Teesta Bridge (Dâk Bungalow; 210 m) und (27 km) Pashoke (Dâk Bungalow; 1000 m), zurück nach Darjeeling. Man kann auch von Darjeeling über Pashoke ins Teesta-Tal hinabreiten, dann über Teesta Bridge (dort im Bungalow übernachten) nach Riang (Dâk Bungalow) und (51 km) Kalithora (Dâk Bungalow; 170 m) nach Siliguri (S. [140]) reiten und von da mit der Bahn nach Darjeeling oder Calcutta zurück. (Näheres siehe »Meine indische Reise« von Eugenie Schaeuffelen, Berlin 1906.)