7. Von Calcutta nach Rangoon. Birma.
Vgl. Karte S. [155].
Dampfer Calcutta-Rangoon, 787 Seem.: British India Steam Nav. Co. (Agent Mackinnon, Mackenzie & Co., Calcutta, Strand 16), dreimal wöchentlich, So. Di. Fr., in 50 St. für I. Kl. 75, II. Kl. 371/2 Rup. Fahrkarte Calcutta-Singapore mit 4 Wochen Unterbrechung in Rangoon I. Kl. 150, II. Kl. 75 Rup. Verpflegung und Platzbesorgung für deutsche Reisende lassen zu wünschen; man bestelle durch Cook Plätze voraus.
Von Calcutta fährt man den Hooghly abwärts (S. [134]), durchquert den innersten Teil des Golfs von Bengalen mit SO.-Kurs bis zum Kap Negrais, dann mit östlichem Kurs an den Mündungen des Irawaddy (spr. irawadi) entlang, die sich durch lehmfarbige Trübung des Seewassers ebenso wie die Gangesmündungen weit außerhalb der Küste kenntlich machen. Schließlich steuert man mit NO.-Kurs in den Golf von Martaban bis zur Mündung des Rangoonflusses, auf dem das Schiff aufwärts nach (787 Seem.) Rangoon (S. [145]) fährt.
Birma (oder Barma, engl. Burma) erstreckt sich zwischen 27° und 10° nördl. Br. von der Ostküste des Golfs von Bengalen aus nordwärts in die hinterindische Halbinsel hinein. Niederbirma (Lower Burma) ist seit 1826 und 1852, Oberbirma (Upper Burma) erst seit 1886 englisch. Zu letzterm rechnen noch Luschai-und Katschinland sowie die Schanstaaten, so daß die gesamte jetzige Provinz Burma, die einen Teil des Kaiserreichs Indien bildet, etwa 613000 qkm (Deutsches Reich 540778 qkm) mit 10500000 Einw. umfaßt. Oberbirma und auch die Gebirgszüge Unterbirmas sind noch wenig erforscht, so daß Touristenreisen im Lande sich auf die wenigen unten beschriebenen Linien beschränken müssen. Das ganze Land gliedert sich in nordsüdlich verlaufende Gebirgsketten und dazwischen eingesenkte Täler, von denen nur eins, das untere Irawaddytal, eine große Ebene bildet, die sich südwärts durch die Deltabildung des Flusses noch ständig vergrößert. Der zweite große Strom des Landes, der Salween, der wie der Irawaddy fern im N. im Grenzgebirge Tibets seinen Ursprung hat, durchfließt bis zu seiner Mündung ein verhältnismäßig schmales Gebirgstal.
Das Klima weicht von dem Vorderindiens wenig ab. Wie dort unterscheidet man drei Jahreszeiten: die kühle (Mitte November bis Anfang März), die heiße (März bis Mai) und die Regenzeit. Das Küstengebiet wird von Ende Mai bis Anfang Oktober durch den Südwestmonsun mit großen Regenmengen überschüttet. Landeinwärts läßt die Regenfülle, abgesehen von den Gebirgen, rasch nach, da ein küstennaher Gebirgszug einen großen Teil der Feuchtigkeit abfängt.
Die Temperatur nimmt in der kühlen Jahreszeit landeinwärts ab (Rangoon Januar 23,7°, Mandalay 20,4°), in der heißen aber zu (Rangoon April 29,4°, Mandalay 31,8°). Die Vegetation des Küstengebiets ist sehr üppig; die Inseln des Irawaddydeltas sind großenteils von Sumpfwald und Röhricht bedeckt, die Berge von tropischem Regenwald. Die dichten Wälder, die einen großen Teil des Innern bedecken, bestehen vielfach aus Teakbäumen, die weniger Regen bedürfen; ihr Holz bildet einen Hauptausfuhrgegenstand; daneben gibt es Feigen-und Magnolienbäume sowie Brotfruchtbäume. Tierwelt wie in Ostindien, dazu vier Arten Nashörner. Vögel und Reptilien sind sehr farbenprächtig.
Bevölkerung. Das herrschende Halbkulturvolk der Birmanen ist wohl ein Mischvolk aus mongolischen, vorderindischen und malaiischen Elementen. Sie sind klein, hellbraun, wohlgestaltet, sehr lebhaft und geschäftlich rührig, gegen Fremde meist höflich und gastfrei, aber unzuverlässig und verschlagen. Männer und Frauen sind sehr putz-und vergnügungssüchtig und in ihrem Leben und Gebräuchen wesentlich von den Hindu verschieden. Die Kultur ist vom benachbarten Vorderindien aus stärker beeinflußt als von China her. Aus Vorderindien ist sowohl der Brahmanismus gekommen, der zahlreiche schöne Tempelbauten, namentlich in Oberbirma, hinterlassen hat, wie auch der heute herrschende Buddhismus, der übrigens mit brahmanischen Ideen ganz durchsetzt ist. Jeder Mann muß eine Zeitlang als Mönch leben; Klöster, Phoongyi-Kyaung, findet man in jeder Stadt und jedem Dorf, ältere sind oft prächtig aus Teakholz geschnitzt und mit Spitztürmen, Pyathats, geziert. Die Priester, kahlgeschoren und mit gelben Seidengewändern, sind hochangesehen, worauf der Reisende stets Bedacht nehmen muß, um sich vor Unannehmlichkeiten zu bewahren. Der Oberpriester, P'ha-T'hena-Baing, ein hoher Reichswürdenträger, hat seinen Sitz in Mandalay. Die Tempel, Phra, sind Prachtbauten, die Pagoden stets pyramidenförmig. Die Priester sind gegen höfliche Fremde sehr artig und zeigen alles gern. Öffentliche Theateraufführungen (Pwe), die abds. 8 Uhr im Freien beginnen und oft über Nacht dauern, sind sehenswerte Volksfeste.
Den kulturellen Mittelpunkt des Landes bildet das Irawaddytal, in dessen Ebenen große Mengen von Reis, Baumwolle, in viel geringerm Umfang auch Erdnüsse, Tabak, Zuckerrohr und Sesam gebaut werden; die Ausfuhr von Reis (nach China) ist sehr stark. Im nördl. Gebiet kultiviert man Mais, Weizen, Hirse, Hülsenfrüchte, Ölsaat; im Gebirge auch Tee, der teils als Gemüse gegessen, teils eingesalzen zur Getränkbereitung benutzt wird. Viehzucht ist unbedeutend, man hält nur Zug-und Lasttiere: Pferde, Büffel, Elefanten, Rinder. Wichtig ist der Bergbau auf Edelsteine (besonders Rubine und Saphire), Petroleum und Kohle.
Der Handelsverkehr findet vorwiegend auf den schiffbaren Flüssen statt, auf dem Irawaddy mit Dampfern der Irawaddy Flotilla Co. bis Bhamo, 1180 km von der Mündung, und auf dem Chindwin. Außerdem mehrere Bahnlinien, s. S. [145] und [150].
Der Ostteil Oberbirmas wird von dem wilden Gebirgslande der sogen. Schanstaaten eingenommen, die erst in ihrem Nordteil durch die bis nahe an die Grenze der chinesischen Provinz Yünnan führende Eisenbahn ein wenig erschlossen, im ganzen aber noch ziemlich unerforscht sind. Die Staaten der Schanvölker, die dieses Gebiet hauptsächlich bewohnen, stehen zu England im Verhältnis von Schutzstaaten. Die Schan sind ein Naturvolk, aber mit einer nicht ganz geringen Kultur, und leisten im Ackerbau (Tee und Baumwolle) und Viehzucht Tüchtiges. Sie sind mongolischen Ursprungs, also Verwandte der Chinesen.
Beste Reisezeit nach der Regenzeit, etwa von Mitte November bis Ende Februar; aber auch der März ist oft noch angenehm kühl und sehr geeignet für Ausflüge.
Die Hauptreize einer Reise ins Innere Birmas bestehen in der Fahrt auf dem majestätischen Irawaddystrom, die den Genuß der Tropennatur unter den angenehmsten Verhältnissen ermöglicht, und im Studium der äußerst liebenswürdigen Bewohner und ihrer Kultur, besonders ihrer religiösen Bauwerke.
Rangoon.
Vgl. den Plan S. [147].
Ankunft zur See. Bei China Bakir kommt der Lotse an Bord, dann dampft man auf dem Rangoonfluß (dem östlichsten Mündungsarm des Irawaddy) aufwärts und ankert nach etwa 2 St. Fahrt vor der Stadt, 24 Seem. oberhalb der Mündung. Beide Flußufer zeigen reichen Pflanzenwuchs; von weitem sieht man Schornsteine und die goldglitzernde Dachspitze der Shwe Dagon-Pagode, später erkennt man Warenschuppen und Holzlager und Häuser der Stadt. Landung erfolgt mit Dampfbarkassen der betr. Dampfergesellschaft oder mit Booten der Eingebornen (»sampans«; 4 annas für 10 Min. Fahrt). Bei hohem Wasserstand legt der Dampfer am Ufer vor der Mitte der Stadt an. Zolluntersuchung wie in Indien (S. [49]); von indischen Häfen kommende Reisende haben keinen Zoll zu zahlen.
Gasthöfe: Minto Mansions Hotel, im Cantonment nahe Gymkhana; 80 Z., neu und besteingerichtet, gute Verpflegung, Din. 3 Rup., Pens. 9-15 Rup., Oktober bis April 15-17 Rup.—Strand Hotel (Pl. a), in schöner Lage, empfohlen. —Royal (Pl. b), Pens. von 10 Rup. an.—Criterion Hotel.—Viele Boarding Houses: Allendale, im Cantonment, Aberdeen House u. a.; Pens. 5-11 Rup. Vorausbestellung von Zimmern ist zweckmäßig. Man kann auch auf den Irawaddy-Dampfern gut übernachten. —Restaurants in den großen Gasthöfen; ferner Chiesa, italienische Konditorei; Vienna Bakery, Fytche Square.
Post u. Tel. in Strand Road.
Wagen: Ticca gharries nach Tarif. Man beachte, daß die Kutscher meist »Madrassis« sind, die Hindostanisch verstehen, aber weder Straßen-noch Geschäftsnamen kennen! Man nehme den Stadtplan mit!
Straßenbahnen (elektr. Bahn mit 2 Klassen). Eine Linie von Strand Road zur großen Shwe Dagon-Pagode; eine andre zum Dalhousie Park, eine dritte Linie nach Pazundaung.
Eisenbahnen: Burma Railway, Hauptlinie nach Mandalay und Myitkyina mit Zweiglinien nach Moulmein, Myingyan, Alon, Lashio und Katha; außerdem Linie Rangoon-Prome mit Zweiglinie nach Bassein (vgl. Karte »China und Japan« und die bei S. [155]). Der Hauptbahnhof (Terminus) liegt Ecke Phayre Street und Montgomery Street; die Prome-Linie hat noch Nebenstationen bei Godwin Road, Prome Road und Alon sowie eine große Station im Vorort Kemmendine; die Mandalay-Linie hat den Bahnhof Pazundaung.—Lokalverkehr besteht zwischen Rangoon-Hauptbahnhof-Pagoda Road-Lanmadaw-Cantonment-Gymkhana-Mission Road-Kemmendine-Kamayut-Okkyin-Tamaing-Gyogon und Insein und zurück.
Dampfer: British India Steam Nav. Co. (Agent Bulloch Bros., Strand Road), nach Calcutta 3mal wöchentl.; nach Madras (Fahrzeit 4 Tage), nach Tavoy und Mergui, nach Penang und Singapore wöchentl.—Norddeutscher Lloyd (Agent: Krüger & Co., Ltd., Tel.-Adr. »Nordlloyd, Rangoon«), durch Zweiglinie der British India Steam Nav. Co. alle 14 Tage nach Penang (Fahrzeit 3 Tage, Aufenthalt in Penang etwa 3 Tage), dort Anschluß an die aus-und heimreisenden Reichspostdampfer.— Bibby Line, nach Colombo alle 14 Tage (Fahrzeit 4 Tage).—Österreichischer Lloyd (Agent Società an. Coloniale di Trieste, Tel.-Adr.: »Lloydiano-Rangoon«), einmal monatl. nach Calcutta (von Colombo und Madras kommend) und von da nach Triest.—Henderson Line, 14tägig über Port Said nach London.
Geld wie in Indien, s. S. [49]; aber indisches Papiergeld muß in Birma mit Verlust gewechselt werden; Banknoten des Rangoon Treasury gelten in ganz Birma. 1 £ = 15 Rup.— Banken: Bank of Bengal, Strand Road. —Hongkong and Shanghai Banking Corporation; Korr. der Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig.—National Bank of India, Phayre Street; Korr. der Deutschen Bank; alle drei der Berl. Disconto-Gesellschaft.— Nederlandsche Handels Maatschappij. —Cook's Office (s. unten) besorgt ebenfalls Bankgeschäfte.
Die Sprache der Birmanen ist ein Glied der indochinesischen Sprachfamilie. Man beachte Judson, »Grammar of the Burmese language« und dessen »Dictionary«. Englisch wird jedoch in den Gasthöfen und auf den Eisenbahnen gesprochen.
Theater: Reisende europäische Gesellschaften geben zuweilen in der Jubilee Hall in Pagoda Road Vorstellungen. —Nationale Vergnügungen (Pwes) suche man zu erkunden: Zat Pwe ist Vorstellung mit Gesang, Tanz und Ulk; Yokthwe Pwe ein Marionettentheater; Yein Pwe, Ballettänze mit Musik und Gesang, finden nur bei besondern Festlichkeiten statt, sind frei (werden vom Veranstalter des Festes bezahlt) im Freien von 8 Uhr abds. die Nacht hindurch.
Reisebureau. Thos. Cook & Son, östl. Ecke der Phayre Street und Merchant Street (Tel.-Adresse: »Coupon, Rangoon«), besorgt zusammenstellbare Fahrscheine für alle Ausflüge mit Bahn oder Flußdampfer und erledigt auch alle Geldgeschäfte. (Nützlich ist Cook's Handbook Burma.)—Scott & Co., Merchant Street.
Konsulate: Deutsches Reich, Konsul C. Kauffeld.—Österreich-Ungarn, Konsul Michael Sevastopulo.—Deutscher Klub in Commissioners Road.
Polizeiamt in der Pagoda Road beim Bahnübergang und an andern Plätzen.
Ärzte: Die Zivilärzte im Cantonment; Dr. de Souza, Dalhousie Street; Dr. Pearse, Dr. Pedley, beide Signal Pagoda Road. Die Ärzte haben Sprechstunden in den Apotheken.—Zahnärzte: Dr. Panhans (deutsch), Solay Pagoda Road; Osborn (Amerikaner), Phayre Street.—Apotheken: De Souza & Co., Dalhousie Street 215.—Rangoon Medical Hall, Merchant Street 72. —Krankenhaus: General Hospital in der Commissioners Road; Ärzte: Major Barry, Major Röst.
Buchhandlung: Myles Standish & Co., Merchant Street 75.—Zeitungen: Rangoon Gazette; Rangoon Times; Burma Herald.—Photographien: P. Klier & Co., Signal Pagoda Road 3 und Merchant Str., Ecke der Phayre Street. —D. A. Ahuja (für photographische Artikel), Sule Pagoda Road.
Geschäftsadressen. Reiseartikel und europäische Bedürfnisse: Laidlaw & Whiteway.—Rowe & Co., Fytche Square.—Watson, Allen & Roberts, Merchant Street 73.—W. Macfie & Co., Merchant Street 16.—Kuriositäten, Ebenholzschnitzereien, Elfenbein-, Gold-und Silberwaren: Klier & Co., Merchant Str., Ecke der Phayre Street.—Goldschmiede und Holzschnitzer in Godwin Road; gute Schnitzarbeiten liefert auch das Hauptgefängnis (Central Jail), Old South Boundary Road; Buddhafiguren in Bronze und Alabaster und andre Spezialitäten im Vorort Kemendine.—Basare: Suratee Bazaar in China Street.—Rangoon Bazaar gegenüber; außerdem öffentliche Märkte (Municipal Bazaars), Strand Road u. in Kemendine.
Zeiteinteilung für Birma. a) Für 10 Tage (die gewöhnliche Zwischenzeit zwischen zwei Dampferabfahrten): Ankunftstag früh Stadt Rangoon, Nm. Bahnfahrt nach Katha, von da am 3. Tag früh mit Dampfer nach Bhamo;— 4. Tag Bhamo;—mit demselben Expreßdampfer am 5. Tag früh zurück, Nm. an Katha, mit Bahn von da nach Mandalay;—6. Tag: Mandalay;—7. Tag: früh ab nach Gokteik Gorge, Nm. dort an;—8. Tag: Vm. ab Gokteik Gorge nach Rangoon;—9. Tag: abds. Ankunft Rangoon;—10. Tag: Vm. Rangoon, mitt. Abfahrt mit Dampfer.
b) Bei längerm Aufenthalt: 1. Tag: Rangoon;—2. Tag: Bahnfahrt nach Mandalay;—3. u. 4. Tag: Mandalay; —5. Tag: Amarapura und Ava; —6. u. 7. Tag: Gokteik Gorge;— 8. Tag: Bahnfahrt nach Katha;—9. Tag: Dampferfahrt nach Bhamo;— 10. Tag: Bhamo;—11. bis etwa 20. Tag: Dampferfahrt Bhamo-Mandalay-Prome-Rangoon. Der Reiseplan ist abhängig vom Fahrplan der Irawaddy Flotilla Co.
Geschichte. Der Platz, wo Rangoon steht, ist seit alters heilig durch die Shwe Dagon-Pagode. In den Kämpfen zwischen den Ländern Ama und Pegu vertrieb der Bauer Alompra die Bewohner Pegus und machte 1753 Rangoon zur Hauptstadt der letzten Königsdynastie von Birma. Der Übermut des Königs Phagyidan führte zum Kriege mit England, Rangoon wurde 1824 von den Engländern erobert, aber erst 1852 zur Hauptstadt von Britisch-Birma gemacht. Seitdem hat sich die Stadt zu einem wichtigen Ausfuhrhafen für Reis und Teakholz entwickelt.
Lageplan von Rangoon.
Rangoon, Hauptstadt von Britisch-Birma und Sitz des Lieutenant Governor's, mit 234881 Einw., liegt auf 16° 47' nördl. Br. am Ostrande des Irawaddydeltas, am linken Ufer des Rangoonflusses (Hlaing), des östlichsten Mündungsarmes des Irawaddy, dicht oberhalb der Einmündung des Peguflusses und nach O. begrenzt von dem schmalen Wasserarm Pazundaung Creek (an dessen Ufern die meisten Reismühlen liegen). Die Stadt ist weitläufig gebaut mit regelmäßigen Straßen. Im W. liegt das Chinesenviertel, im NW. das Cantonment, zugleich Europäerviertel, mit breiten Straßen und schönen Gärten sowie vielen Kasernen. Im nördlichen Teile dieses Viertels liegt die große Tempelanlage der *Shwe Dagon-Pagode (s. unten) und östl. davon der prächtige *Dalhousie Park mit den *Royal Lakes. Südl. angrenzend der *Victoria Park, in dem sich die Agri-Horticultural Gardens, das kleine Phayre Museum und der Zoologische Garten befinden. Erwähnenswerte Gebäude sind das Seemannsheim (Sailor's Home) und der Chinesische Tempel in Strand Road, das Sekretariat in der Dalhousie Street, das General Hospital in Commissioners Road, das Gouvernment House in Kemmendine Road, die Kathedrale und das Rangoon College mit Bibliothek, alten Pali-und Birmahandschriften auf Palmenblättern in China Street. Nicht alle Straßen haben Namen und Hausnummern, was das Zurechtfinden in der Stadt erschwert. Die Sägewerke für Teakholz (in denen Elefanten zum Lastentragen verwendet werden) liegen meist in Aloon, am Westende der Strand Road. Man versäume nicht, die arbeitenden Elefanten (wood piling elephants) am Fluß anzusehen, früh 6-9, dann 3 Uhr bis abends.
Rundfahrt. Morgens 1/2-8 Uhr beginne man mit den Basaren (S. [146]), insbesondere dem Suratee Bazaar in der China Street und dem Municipal Bazaar am Strand; dann ist die beste Zeit, um die Tätigkeit der sehr geschäftsgewandten, Riesenzigarren rauchenden interessanten Birmaninnen zu bewundern; die Basare werden viel besucht, nur um Erkundigungen einzuziehen, zu schwatzen und zu flirten. Dann fahre man durch China Street bis zur Commissioners Road, in diese l. zum sehenswerten neuen General Hospital, gegenüber das Rangoon College und der Deutsche Klub; von da weiter zum Central Jail (eins der größten Zuchthäuser im britischen Reich), das Verkaufsräume der Sträflingsarbeiten (meist schöne Holzschnitzereien) hat und auch innen sehenswert sein soll; Erlaubnis zur Besichtigung beim Superintendent im Gefängnis.—Dann durch Dalhousie Street bis zum Fytche Square, wo die achteckige Sule-(Solay-)Pagode steht; ihr äußerer Bau ist kaum 70 Jahre alt, aber die Stûpa im Innern soll aus dem 1. Jahrh. stammen und schließt noch eine kleinere Stûpa von der Königin Schinsobu ein. Auf der Terrasse der Pagode interessante Reliquienschreine und Statuen.—Die Hauptsehenswürdigkeit Rangoons, die *Shwe Dagon-Pagode, besichtigt man am besten 4 Uhr Nm. Man fährt vom Strand durch China Street und Pagoda Road bis vor ihren nach S. gelegenen Haupteingang. Sie ist der heiligste Buddhatempel in ganz Hinterindien, wahrscheinlich fast 21/2 Jahrtausende alt (588 v. Chr. erbaut) und steht mitten auf befestigten Terrassen auf einem Hügel des Pegu Jomagebirges. Eine schöne Allee führt von der Stadt zum Haupteingang mit reich verziertem, von fabelhaften Ungetümen aus weißem Stuck bewachtem Tor, zu dem man auf breiter Freitreppe hinansteigt. Auf der Treppe Verkäufer aller Art; Gebetfähnchen, Opferkerzen, Puppen, Tempelblumen, Gongs und Glocken, Eßwaren, dazu Führer und Bettler in Menge. Innerhalb des Tores öffnet sich der farbenprächtige Tempelplatz, in dessen Mitte die große, im untern Teil mit Blattgold, im obern Teil mit Goldplatten bedeckte Pagode über achteckiger Grundfläche von 413 m Umfang sich in vielen Abstufungen flaschenförmig 98 m hoch erhebt. Ihre Spitze trägt als Herrscherzeichen ein goldenes Schirmgestell, reich mit Edelsteinen, besonders den prächtigen birmanischen Rubinen, verziert und mit goldenen und silbernen Glöckchen behängt, und »Ti« genannt; der letzte Ti von 14 m Höhe und 4 m Durchmesser und 1,2 Mill. Mk. Wert wurde 1871 vom König Mindun Min von Oberbirma gestiftet. Acht Haupthaare Gautamas (Buddhas) im Innern der Pagode werden von unzähligen Pilgern jährlich verehrt.
Die Vergoldung der Pagode ist verschwenderisch dick, die Edelsteine, mit denen die Pagode und ihre zahlreichen Buddhastatuen und andern Figuren u. Tempel früher geschmückt waren, sind seit Besitznahme des Landes durch die Engländer fast sämtlich verschwunden. Die Pagode (auf deren Sockel noch im Jahre 1903 ein wilder Tiger, der sich zur Stadt verlaufen hatte, geschossen wurde) ist rings umgeben von kleinern Tempeln und Altären mit Buddhastatuen aus Teakholz geschnitzt oder aus Stuck oder Marmor; dazwischen stehen Elefanten, Löwen und phantastische Manotthika-Figuren aus Stein und reichem Holzschnitzwerk, ferner heilige Pfosten, wie Flaggenstangen mit langen Eisenbändern, und gekrönt mit dem Adler Wischnus, Karaweik; dazwischen wachsen heilige Bo-Bäume und Palmyra-Palmen.—Diese seltsame Tempelanlage wird von Priestern und Mönchen, Bettlern, Musikanten, Wahrsagerinnen, hübschen, aber geschwätzigen Weibern, Krähen und Hunden bevölkert, während stets zahllose Glöckchen läuten. Man besuche dieses »Märchenbild« öfters und zu verschiedenen Tages-und Abendstunden und wird stets neue Reize entdecken.—Am Osteingang steht die fast 40 Tonnen schwere Glocke, die in den Fluß fiel, als die Engländer sie als Beute mitnehmen wollten, später aber wieder von den Birmanen gefischt und zum Tempel gebracht wurde.
Noch vor Sonnenuntergang sollte man eine Spazierfahrt durch den künstlerisch angelegten *Victoria Park mit Zoologischem Garten und Agri-Hortikultur-Garten, dann durch den schönen Dalhousie-Park um den Royal Lake herum machen, der durch Bougainvillea-Hecken eingerahmt ist und kaum 1 km östl. von der großen Pagode liegt; die goldene Pagodenspitze ist im Hintergrund des Parks zu sehen.—Um birmanische Klöster kennen zu lernen, wende man sich an den liebenswürdigen alten Mönch Uthilawuntha, der dicht beim Bahnhof Pazundaung eine gute Schule leitet und gern europäische Besucher empfängt. Dort ist man in der Nähe der Reismühlen, deren Besichtigung zu empfehlen ist; Erlaubnis wird meist gern gegeben.
Ausflüge: 1) Nach dem Victoria-See, etwa 13 km nördl. der Stadt, an der Landstraße (in der trocknen Jahreszeit sehr staubig) nach Prome; die Landschaft ist hübsch, man fährt durch große, schattige Ananasgärten zurück auf der Kokine-Straße, insgesamt 24 km in etwa 4 St.—2) Nach Syriam, wo die Raffinerien der Burma Oil Co. liegen, mit Dampfbarkasse, von der Landungsbrücke beim Zollamt, Strand Road, etwa 5,5 km östl. zum l. Peguufer, wo eine Landungsbrücke ist; das jetzige Dorf war die erste portugiesische Ansiedelung in Birma, später holländische Faktorei (1631-77); Ruinen dieser Niederlassung sind noch zu sehen.
—10 km von Syriam steht eine große Pagode auf einem Hügel.—3) Nach Pegu (sehr lohnend) s. unten.
Von Rangoon nach Oberbirma.
Zusammenstellung von Fahrscheinheften besorgt Cook's Office in Rangoon (S. [146]); z. B. die Tour Nr. 5 für 10 Tage: Bahnfahrt Rangoon-Mandalay-Katha; Dampferfahrt Katha-Bhamo-Mandalay-Prome; Bahnfahrt Prome-Rangoon; Fahrpreis I. Kl. 1573/4, II. Kl. 83 Rup.
Burma Railway, Expreßzug von Rangoon (ab 11 Uhr Vm.) nach (386 M, 620 km) Mandalay (an früh) in 20 St., für I. Kl. 30 Rup. 3 annas, II. Kl. 18 Rup. 11/2 annas. (Man achte auf sein Gepäck und verriegele das Abteil, wenn man schläft, es wird viel gestohlen!)— Die Bahn läuft nicht in der Irawaddy-Ebene aufwärts, sondern wendet sich über die südl. Ausläufer des die Irawaddy-Ebene ostwärts begrenzenden Pegu-Yoma-Gebirges dem zwischen diesem und dem ostbirmanischen Gebirgslande verlaufenden breiten Talzuge zu. Dieser wird in seinem größern Südteile (von Yamethin ab) durch den Sittangfluß südwärts zum Golf von Martaban entwässert, im Nordteil aber nordwärts durch den Isamonfluss, der bei Ava (S. [153]) in den Irawaddy mündet.
Abfahrt in Rangoon vom Terminus (Phayre Street) über (1 M) Pazundaung Stat. durch wasserreiches, gut bebautes Flachland, aus dessen üppigem Pflanzenwuchs viele Pagoden aufragen.
(47 M) Pegu (Bahnwirtsch.; Wagen zu haben), Stadt von 14000 Einw., angeblich 573 begründet, war im 16. Jahrh. eine blühende Großstadt, wovon noch sehenswerte Spuren vorhanden. Vom Bahnhof sieht man an der Westseite die ruhende Riesenfigur Buddhas, den Shwethayaung (55 m lang, 15 m hoch) und nahebei die 1476 erbaute Ordinationshalle für Mönche, Kalyanisima, mit Pali-und Talainginschriften, sowie die Kyaikpun-Pagode mit vier Buddhafiguren, 27 m hoch, mit den Rücken gegeneinander sitzend. Größtes Heiligtum ist die Shwemodo-Pagode, auf einem Hügel malerisch gelegen und von 128 kleinen Pagoden umgeben. In der SO.-Ecke der Stadtmauer steht die Shweaungyo-Pagode, *Aussicht über Pegu und Vorstädte. —Etwa 1,5 km westl. liegt die Shweguzale-Pagode mit 64 Buddhafiguren, 1588 erbaut. (Zur Besichtigung von Pegu fahre man mit dem Frühzug von Rangoon ab, dann hat man bis zur Ankunft des Expreßzugs etwa 4 St. Zeit.)
Der Expreßzug fährt dann über (88 M) Pyuntaza, (166 M) Toungoo, (226 M) Pyinmana, (275 M) Yamethin, (306 M) Thazi Junction (Zweigbahn nach Myingyan am Irawaddy), (359 M) Kyaukse, sämtlich mit Bahnwirtschaften, nach (383 M) Myohaung Junction (Zweigbahn nach Amarapura, S. [153]).
Zweigbahn von hier nö. nach (181 M) Lashio, Hauptstadt der nördl. Schanstaaten, und Kung-Lon am Salween, nahe der Grenze der chinesischen Provinz Yünnan. Ein sehr empfehlenswerter 11/2tägiger Ausflug von Mandalay (s. unten) führt auf dieser Zweigbahn mit Kehren durch sehr schöne Gebirge (ähnlich Darjeeling, S. [141]) bis (83 M) **Gokteik Gorge (Rasthaus der Bahngesellschaft auf vorherige Anmeldung beim Station Master der Abfahrtstation verfügbar, doch nehme man Lebensmittel mit), einer großen Schlucht in wunderbarer Landschaft, überbrückt von einem der höchsten Bahnviadukte der Erde, einem Meisterwerk der Technik, etwa 700 m lang, 100 m hoch, auf etwa 15 schlanken Pfeilern. Darunter eine herrliche Schlucht, worin der Fluß die Felswand in einer Höhle mit zahllosen Stalaktiten und Stalagmiten durchbricht; man steigt steil etwa 300 m zur Höhle hinab, deren Ein-und Ausgang man sieht; sie ist etwa 1200 m lang, 100 m hoch und 60 m breit.
Fahrzeit von Myohaung bis Gokteik Viaduct etwa 8 St., bis Lashio etwa 23 St., weil der Zug in (124 M) Hsipaw übernachtet, auch auf der Rückfahrt von Lashio.
Der Expreßzug von Rangoon erreicht nach 20 St. (386 M) Mandalay.
Mandalay.
Gasthöfe: Salween House Hotel, Pens. 12 Rup.—Gale's Hotel, neben dem Postamt, beide mäßig.—Schlafgelegenheit auch im Dâk Bungalow, gut, gegenüber dem Bahnhof (nur mit Erlaubnis des Distriktskommissars), und im Upper Burma Club im Palastviertel, wenn man Empfehlung hat (auch Damen können eingeführt werden). Wer mit Dampfer weiterfährt, kann sofort auf dem Dampfer (sehr gut) wohnen.
Wagen: Minderwertige Ticca gharries zu festen Preisen.—Dampfer der Irawaddy Flotilla Co. zweimal in der Woche flußaufwärts bis Bhamo, flußabwärts bis Rangoon.—Bank: National Bank of India, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank in Berlin.—Theater: Gelegentlich sehenswerte Yein Pwes (S. [146]).—Ärzte: mehrere englische.— Apotheken: Burma Medical Hall; Mandalay Medical Hall.—Zeitungen: Mandalay Herald; Mandalay Times.— Photograph: Johannes & Co.
Geschäftsadressen: Reiseartikel und europäische Bedürfnisse: Moses & Friends; E. Solomon & Co.; Rowe & Co. Kunstsachen: Samuels. Seidenstoffe (feinste, handgewebte Seide der Erde): Makkim.
Die Stadt Mandalay (Pattaniapura), 96 m, hat 183816 Einw. und war 1857-85 Hauptstadt des Königreichs Birma; die Stadt besteht aus drei ineinandergeschobenen Vierecken, von denen die innern noch mit Mauern umgeben sind. Stark befestigt und bewacht ist das englische Cantonment, *Fort Dufferin genannt, das alte Palastviertel, von den Birmanen »Mitte des Weltalls« genannt, vom König Mindon Min 1857 erbaut; die alten Paläste des Königs, der Königinnen, die geheime Ratskammer, das Königskloster, die Audienzhallen sind mit reich vergoldeten Schnitzereien geziert und werden von den Engländern als Regierungsgebäude und Kasernen benutzt. Das Government House liegt im großen Wachtturm auf der Mauer des Palastviertels. Eine 2,5 km lange, 9 m hohe weiße Zinnenmauer umgibt die Königsstadt, über den sie umschließenden Graben führen fünf Brücken, davon die nördliche, die »Brücke des Todes«, nur für Leichenzüge. Im breiten Wassergraben wachsen rote Lotosblumen. Schöne Reste von Ziergärten. Von einem runden Aussichtsturm überblickt man das Palastviertel.—Vom *Mandalayhügel prachtvoller Überblick über die *450 Pagoden (jetzt 729 kleine weiße Pavillonpagoden, die am Fuße des Hügels einen großen Mitteltempel umgeben); man sieht bis Amarapura (S. [153]); in der Nähe das Glasskloster.—Nahe dem Bahnhof das schönste und größte Kloster von Birma, das *Goldene Kloster der Königin (mit unzähligen Tis, phantastischen Figuren, Balkonen und Säulenpfosten, ein Musterwerk birmanischer Holzschneidekunst), Priester dienen gern als Führer. In derselben 85. Straße liegt die Saik Yah Theehahpagode mit großer Marmorfigur Buddhas.—Der *Basar ist wegen seiner Volkstypen sehenswert, und weil man sehr gute Seidenstoffe und gelegentlich auch Antiquitäten preiswert kauft; Gelegenheit zu photographischen Aufnahmen des Volkslebens.—
Plan von Mandalay.
Die *Arrakanpagode (Maha Myat Muni) ist nächst der Shwe Dagon in Rangoon (S. [148]) die heiligste und größte in Birma; ihr sehr schönes, berühmtes bronzenes Buddhastandbild soll nach der Legende von Buddha selbst zusammengefügt sein; es ist 1784 von Akyab über die Berge nach Mandalay geschafft. (Sehr besuchter Wallfahrtsort.)—Außerdem enthält Mandalay noch viele Sehenswürdigkeiten, deshalb ist mehrtägiger Aufenthalt für Reisende, die birmanisches Leben kennen lernen wollen, sehr empfehlenswert.
Rundfahrt: Bei wenig Zeit beginne man mit der Arrakanpagode, dann zum Goldenen Kloster der Königin, dann Saik Yah Theehahpagode, Fort Dufferin und Mandalayhügel mit den 729 Pagoden und dem Glasskloster. Man beachte, daß der Basar gegen 1/2-5 Uhr Nm. schließt.
Ausflüge: 1) Nach den Hügeln von Yankintaung, zu Pferde (weil schlechter Weg für Wagen), etwa 8 km östl. von Mandalay; man sieht viele Klöster und Pagoden und ein Buddhastandbild in einem tiefen Bodenspalt.—2) Nach den Hügeln von Maymyo, zunächst mit der Bahn bis (31 M) Thondaung an der Lashiozweigbahn, dann mit Reitgelegenheit in die Berge, zurück über Stat. Maymyo (42 M von Mandalay) mit der Bahn.—3) Nach **Gokteik Gorge vgl. S. [150].—4) Nach *Amarapura (mit Bahn über Myohaung [S. [150]], 10 km von Mandalay, Stationsvorsteher von Amarapura besorgt ortskundigen Führer); diese alte Hauptstadt von Birma ist voll malerischer Ruinen von Königspalästen und Pagoden, unter letztern die Shinbinkugyi-Pagode und die schöne Patawdawgyipagode auf fünf Terrassen, mit teilweise humoristischen und grotesken Marmorreliefs. Südl. vom Taungthamansee ist ein riesiger sitzender Buddha, der Mahasakyavansa.— 5) Nach Ava, 6,5 km sw. von Amarapura, am Zusammenfluß des Irawaddy mit dem Bergfluß Mjitnge, älteste Hauptstadt von Birma, mit vielen Pagoden, aber wenig alten Ruinen.— 6) Nach *Mingoon (10 km oberhalb Mandalay) mit Lokaldampfer, am r. Irawaddy-Ufer stromaufwärts. In Mingoon eine unvollendete Riesenpagode mit der größten (nicht gesprungenen) Glocke der Erde, von 81 Ton. Gewicht; sie ist 4 m hoch und hat unten 5 m Durchmesser; die Glocke ist in einem Pavillon nahe über dem Erdboden aufgehängt und muß mit schweren Balken durch neun Mann geläutet werden.
Von Mandalay nach Bhamo und zurück nach Rangoon.
Abfahrtstag ist abhängig vom Dampferfahrplan!—Burma Railway über (3 M) Myohaung Junction und (6 M) Amarapura nach (9 M) Amarapura Shore Stat., Überfahrt auf Fährdampfer über den Irawaddy nach (13 M) Sagaing, Distriktshauptstadt mit vielen sehenswerten Pagoden (Erlaubnis zum Besuch erteilt der Deputy Commissioner in Sagaing), am r. Irawaddy-Ufer. —Dann mit der Bahn durch Prärien und Dschungeln, an Hügeln vorbei über (66 M) Shwebo, (112 M) Kanbalu und (166 M) Wuntho, sämtlich mit Bahnwirtschaft, und durch die malerische Schlucht zwischen (181 M) Nankan und (197 M) Meza nach (212 M) Naba Junction (Bahnwirtschaft); von hier Zweigbahn nach (227 M) Katha, am rechten Irawaddy-Ufer in schöner Landschaft.
[Die Hauptbahnlinie führt nördl. weiter bis (344 M) Myitkyina, einem wichtigen Ort für den Karawanenverkehr mit Tibet und China, am r. Irawaddy-Ufer, von wo bei günstigem Flußwasserstand ein kleiner Dampfer durch prächtige Landschaft und die »Erste Stromenge« (First Defile) abwärts nach Bhamo läuft.]
Von Katha mit Dampfer der Irawaddy Flotilla Co. (I. Kl. sehr gute Verpflegung und gute Kammern) flußaufwärts durch die »Zweite Stromenge« (Second Defile), eine schmale Felsenstraße, nach Bhamo (107 m) am l. Ufer des Irawaddy (1180 M oberhalb seiner Mündung), einem von verfallenen Palisaden umgebenen Handelsplatz mit 14000 Einw., an der Karawanenstraße nach der chinesischen Provinz Yünnan, deren Grenze 50 km östl. liegt; auf dem Basar verkehren die Bergvölker der Schanstaaten und aus Katschin. Sehenswert ist die Theindawgyi-Pagode (spr. tenndotschi) und das reichgezierte chinesische Joß-Haus am Nordende der Hauptstraße. Ein schöner Weg (11/4 St. zu Fuß) führt auf der Landstraße nach China durch Dschungeln zu den Sojima-Pagoden; unterwegs begegnet man vielen Karawanenzügen und Schan-und Katschin-Leuten.
Man übernachtet und ißt auf dem Dampfer, der nach Einnahme der chinesischen Ladung seine *Talfahrt auf dem Irawaddy beginnt, die in 11/2-21/2 Tagen nach Mandalay führt, wenn niedriger Wasserstand nicht unvorhergesehenen Aufenthalt verursacht. Unter den Ortschaften, die der Dampfer anläuft, ist am l. Ufer Thabeitkyin (guter Dâk Bungalow), der Hafen für die Rubinengruben in Mogok, etwa 80 km östl. Früh gegen 6 Uhr geht ein Motoromnibus (Fahrpreis I. Kl. 30, II. 15 Rup., Europäer können II. Kl. fahren, da für Eingeborne noch III. Kl. da ist) in 6 St. nach Mogok (guter Dâk Bungalow). Besichtigung der Rubinenminen erfordert einen Tag. Meist kann man mit dem nächsten Dampfer weiter fahren.
Wer Zeit hat, kann die Irawaddyfahrt von Mandalay nach Bhamo auf Frachtdampfer machen, Verpflegung und Unterkunft ist gut; diese Dampfer halten längere Zeit an vielen Plätzen, haben auch Basar an Bord, der von den Eingebornen überall zu Einkäufen viel besucht wird. Rückfahrt wie oben mit Expreßdampfer.
In Mandalay (S. [151]) haben auch die Expreßdampfer meist einen Tag Aufenthalt; dann Weiterfahrt auf dem Irawaddy, vorbei an den Pagoden und Ruinen von Amarapura (S. [153]) und Ava (S. [153]) l. und Sagaing (S. [153]) r.—Erste Anlegestelle ist l. in Myingyan (74 m), einer großen Baumwollenhandelsstadt, die durch Zweigbahn mit der Hauptlinie Rangoon-Mandalay verbunden ist. Zwischen Myingyan und Nyaungu mündet von r. der Chindwin, der größte Nebenfluß, der ebenfalls für Dampfer schiffbar ist. In Nyaungu (Regierungs-Bungalow) schiffen sich die Reisenden für Pagan aus.
*Pagan, am l. Ufer des Irawaddy, alte heilige Hauptstadt von Birma vom 5.-13. Jahrh., mit vielen Tempelruinen, deren jetzt noch etwa tausend vorhanden sind, darunter das älteste Denkmal indischen Stils, die *Kyaukku Onhmiu-Pagode, mit reicher und sehr grotesker Ausschmückung und fast arischem Buddhabildnis. Ebenfalls aus grünlichem Sandstein ist der Maunha-Palast erbaut, der im Thronsaal feine Schnitzereien zeigt. Die zahlreichen Pagoden in Pagan weisen andre Bauart auf als in Niederbirma; sehenswert sind die *Ananda-, Sinbinthayaung-, Gaudapallin- und Thapinyu-Pagoden aus dem 11. und 12. Jahrh. Man besteige die Terrasse einer der höchsten Pagoden, um die Trümmerstadt Pagan zu überblicken. (NB. Zur Besichtigung von Pagan und Benutzung des Regierungs-Bungalows in Nyaungu ist die Erlaubnis des Deputy Commissioner in Myingyan erforderlich!)— Ungefähr 50 km wsw. von Pagan erhebt sich der Vulkan Popa etwa 1400 m über die Irawaddy-Ebene.
Beim Anlegeplatz Yenangyaung (l. Ufer) sind die wichtigen Petroleumquellen der Burma Oil Co.; das Petroleum wird durch eine Röhrenleitung direkt in die Schiffe geführt. Die Flußufer zeigen auffällige fossile Baumstämme am Grund. In hübscher Landschaft die Stadt Minbu (r.); einige Minuten vom Landungsplatz liegen Schlammvulkane. Dann folgt r. Minhla, alte befestigte Grenzstadt; von hier bis etwa 160 km weiter abwärts durchläuft der Irawaddy dicht bewaldetes Hügelland, das stellenweise an die Rheinufer erinnert. In schönster Landschaft liegt am l. Ufer, am Fuße schöner Hügel,
Prome, schon vor Christi Geburt Hauptstadt eines großen Königreichs, mit etwa 27000 Einw.; Eisenbahn nach Rangoon. Die größte Pagode in Prome, die Shwe Sando, erhebt sich auf einem Hügel etwa 300 m sw. vom Bahnhof; sie ist völlig vergoldet und etwa 55 m hoch und umgeben von 83 kleinen vergoldeten Tempeln; am Eingang zwei Löwenungeheuer. Ebenfalls sehenswert sind die Shwe Mokto- und Shwe Bongan-Pagode, letztere am rechten Ufer. Etwa 10 km östl. von Prome die Ruinen der alten Stadt Sirikhetra, jetzt Yathemyo genannt, und etwa 25 km südl. von Prome die Shwe Nattaung-Pagode auf einer Anhöhe. —Flußabwärts von Prome bei Thomboo ein hoher, senkrechter Uferfelsen, der reich mit Buddhabildern in Nischen versehen und von einer Pagode gekrönt ist.—Der Dampfer passiert die Städte Myanoung, Henzada, Donabew; bei Yandoon beginnt das Delta des Irawaddy, die Gegend ist ganz flach und reich bebaut; reichster Ort ist Maubin.
In der Mündung des To-Flusses (oder China Bakir) biegt der Dampfer in Sicht der offenen See scharf nach l. in den Bassein Creek, durch den man nach kurzer Fahrt in den Rangoon-Fluß und zur Mandalay Wharf in Rangoon gelangt.
Eisenbahn Prome-Rangoon (259 km, in 10 St. für I. Kl. 12 Rup. 9 annas, II. 7 Rup. 83/4 annas) Schnellzug ab Prome abds. über (84 M) Letpadan Junction, Bahnwirtschaft [Zweigbahn r. nach (115 M) Bassein, wichtiger Seehafen für die Reisausfuhr, in ungesunder Lage am Bassein-Flusse, mit 30000 Einw.; deutsches Konsulat; sehr alte Shwe Mudo-Pagode] nach (161 M) Rangoon (S. [145]).