Einleitung.

S. [2]. Rötscher, Zum Verständnis des Goetheschen Faust, erschienen in seinen dramaturgischen und ästhetischen Abhandlungen (Leipzig 1846) S. 36.

Viehoff, Goethes Gedichte erläutert und auf ihre Veranlassungen, Quellen und Vorbilder zurückgeführt nebst Variantensammlung und Nachlese, 3 Bände, Düsseldorf 1846-53, die 3. Auflage erschien Stuttgart 1876; vgl. über ähnliche Dinge Scherer, Aufsätze über Goethe S. 5.

Grün, Ueber Goethe vom menschlichen Standpunkte, Darmstadt 1846; vgl. auch S. 46. 48. Das eigenartige Buch, so sehr es oft Goethes innerstes Wesen verkennt und seiner Poesie nicht gerecht wird, enthält doch eine Reihe sehr anregender und tüchtiger Betrachtungen.

S. [3]. Die gesamte Literatur über Hermann und Dorothea verzeichnet jetzt am ausführlichsten Max Koch in der 2. Auflage von Goedekes Grundriss zur Geschichte der deutschen Dichtung Band 4, S. 689.

Schlegel besprach Goethes Hermann und Dorothea in der Jenaischen allgemeinen Literaturzeitung 1797 Nr. 393-396, wiederabgedruckt in seinen Charakteristiken und Kritiken Band 2, S. 260 und seinen sämtlichen Werken Band 11, S. 183; vgl. auch S. 5. »August Wilhelm Schlegels ästhetische Kritik kann sich sicherlich mit allem, was die damalige Zeit hervorbrachte, auch der philosophischen Tiefe nach messen und fand erst an Hegels und Vischers Aesthetik eine ebenbürtige Fortsetzung und beziehungsweise Gegnerschaft.... Gleich seine ersten kritischen Versuche in Jena, über Goethes römische Elegieen und über Hermann und Dorothea, ragten sowohl historisch als theoretisch über das Gewöhnliche hoch hinaus. Die römischen Elegieen, die ein bedenkliches moralisches Wagnis schienen, besprach er mit einer Sachkenntnis und Wärme, mit einem freien poetisch-sittlichen Gefühl, wie man es den damaligen und späteren Geschmacksrichtern und Neidern, z. B. Herder, wohl hätte wünschen mögen.... Wie über die römischen Elegieen war auch August Wilhelm Schlegels Charakteristik von Hermann und Dorothea eine in wenig Worten erschöpfende Vorausnahme alles dessen, was jemals über dies Epos einsichtiges gesagt worden ist« Gedanken über Goethe S. 112. 113. 114. Hehn selbst verdankt Schlegels Rezension in seinen Betrachtungen viele Anregung, namentlich in den Kapiteln über das Epos und die Homerismen.

Yxem, Ueber Goethes idyllisches Epos Hermann und Dorothea, erschienen in von der Hagens Germania (Neues Jahrbuch der Berlinischen Gesellschaft für deutsche Sprache und Altertumskunde) Band 2, S. 98.

Humboldt, Aesthetische Versuche, erster Teil, über Goethes Hermann und Dorothea, Braunschweig 1799, wiederabgedruckt in seinen gesammelten Werken Band 4, S. 1; die 4. Auflage der Einzelausgabe (Braunschweig 1882) enthält wertvolle geschichtliche Vorerinnerungen von Hettner; vgl. auch S. 5. 77. 95. 136. »In diesem Buche, das von dem Goetheschen Gedichte handeln will, verschwindet dasselbe als poetisches Individuum fast ganz unsern Augen und es wird in Weise Schillers, nur noch körper- und inhaltsloser, über Gattungen und Formen reflektiert und die Ueberlegung hin und her gewendet, ohne dass sich etwas Greifbares ergäbe ... Humboldts ... Anlage, die als Adel der Gesinnung und Idealität, aber auch als Eleganz und Kälte bezeichnet werden kann« Gedanken über Goethe S. 114. 226. Vorurteilsfreier und liebevoller wird Humboldts grosses Werk von Hettner in den oben erwähnten Vorerinnerungen gewürdigt, die in ihren Schlussbetrachtungen den richtigen Schlüssel für das Verständnis des Buches geben: es muss durchaus in festgefügtem Zusammenhang mit Humboldts sprachwissenschaftlichen und streng-philosophischen Ansichten betrachtet werden. Tieferes Verständnis irgend einer Seite von Humboldts Wesen und Leistungen ist ohne eingehende Verwertung von Steinthals unübertrefflichem Kommentar zu den sprachphilosophischen Werken (Berlin 1884) überhaupt unmöglich.

Schillers Eindruck von Humboldts Werk ersieht man am besten aus seinem Briefe an Humboldt vom 27. Juni 1798 (Briefwechsel zwischen Schiller und Humboldt S. 297), den mir Hehn jedoch unrichtig in seiner Grundstimmung zu deuten scheint; Goethes Ansicht erhellt aus seinem Schreiben an Humboldt vom 16. Juli 1798 (Goethes Briefwechsel mit den Gebrüdern von Humboldt S. 55).

S. [4]. Hillebrand, Die deutsche Nationalliteratur seit dem Anfange des achtzehnten Jahrhunderts, besonders seit Lessing, bis auf die Gegenwart handelt im 2. Bande S. 236 über unser Gedicht; vgl. auch S. 5. »Selbst Joseph Hillebrand, der von allen Literarhistorikern Goethe am tiefsten erkannte, hat sich von Gervinus nicht ganz freihalten können.... Wo Hillebrand selbst spricht, da ist er vortrefflich« Gedanken über Goethe S. 171, Anm. 2.

Gervinus spricht über Hermann und Dorothea im 5. Bande seiner Geschichte der deutschen Dichtung S. 522; vgl. auch S. 5. 40. 131. »Er schrieb eine Geschichte der deutschen Dichtung, wie er sein Buch nannte, in nicht dichterischer, sondern moralisch-prosaischer Absicht, wo natürlich alle Grössenverhältnisse sich umkehrten. Er schätzte das jedesmalige poetische Produkt nicht nach seinem eigenen inneren Werte, auch nicht als Glied einer fortgehenden Entwicklung, sondern insofern es ein Mittel werden konnte die ästhetische Stimmung aufzuheben und statt des literarischen ein politisches Zeitalter mit Bürgerfreiheit und nationaler Grösse, wie er, Gervinus, sie konstruiert hatte, herbeizuführen.... Gervinus wurde eine viel studierte Autorität und mit seiner Doktrin, die Epoche der schönen Seelen sei vorüber und die des Heroismus angebrochen, neben den übrigen badischen und rheinischen Professoren der Führer in dem allgemeinen Umschwung. Und sieht man jetzt, nachdem ein halbes Jahrhundert darüber hingegangen, auf ihn zurück, so muss man bekennen, er war eigentlich ein beschränkter Querkopf, der sich selbst oft eigensinnig das Ziel verrückte; kein rechter Gelehrter, obwohl er als Literarhistoriker viel hatte lesen müssen; ursprünglich ein Kaufmann, und was dem fehlt, holt man bekanntlich nie wieder ein. Seine unharmonische Natur malte sich in dem unerträglich harten Stil: man legt seine Bücher mit dem Gefühl aus der Hand, als hätte man sich durch ein Dorngestrüpp durcharbeiten müssen und stünde nun mit zerrissenen Kleidern und zerzausten Haaren da; aber eben dadurch wuchs sein Ansehen, denn die schöne Form hat in Deutschland immer verdächtig gemacht« Gedanken über Goethe S. 165. 167. Es ist, als wenn Hehn nie Gervinus' herrliches Shakespearebuch gelesen hätte; sein Urteil ist mit Ausnahme der Stilbemerkung recht unbillig und ohne rechte Fühlung mit Gervinus' innerster Eigenart. Sympathischer und richtiger ist Hermann Grimms Urteil, der in seinem Goethe S. 90 eine Lanze für den Schöpfer unsrer Literaturgeschichte bricht; vgl. auch Scherer, Geschichte der deutschen Literatur S. 723.