Dritte Szene.
Der Sohn
(allein. — Eine Klingel im Hause ertönt. Er eilt zur Türe. Sie ist verschlossen. Er rüttelt. Sie gibt nicht nach. Die Klingel ertönt wieder. Stimmen werden laut, den Besucher abzuweisen. — Er taumelt in einen Sessel; sitzt mitten im Zimmer. Am dunkelnden Fenster erscheint jetzt groß die Scheibe des gelben Mondes):
Mond ist wie gestern um diesen Ort. Ich lebe zu sehr. Schick' mir deinen Engel, Gott! Gefangen in bitterster Not — ich Geknechteter im steigenden Licht — (Er sieht aufwärts.) Da bist du mir angesteckt, Baum voller Kerzen. Lausch ich dir wieder an Zimmers Rand, o Geschenk, o Geschenk! Weshalb kommst du, mein Auto, nicht? Muß ich Qualen erdulden der Freude so nah? Die Verzweiflung erstickt mich. Könnt ich weinen! Könnt ich geboren sein!
(Im Fenster, vom Monde beglänzt, steht das Gesicht des Freundes aus dem ersten Akt.)
Der Freund:
Verzage nicht!
Der Sohn:
Wer bist du, helles Gesicht?
Der Freund:
Die Türen sind verschlossen. Ein Diener wies mich hinaus. Der Weg ist etwas ungewöhnlich.
Der Sohn:
Du bist es! Du liebst mich! Gott! Gott!!
Der Freund
(erhebt sich im Fenster zu halber Höhe):
Nah ich zur rechten Stunde?
Der Sohn:
Kann mir denn ein Mensch noch Freund sein, wo ich so verlassen bin?
Der Freund:
Hast du vergessen, daß Beethoven lebt? Weißt nicht mehr, daß wir gesungen haben im Chor der IX. Symphonie? Wolltest du nicht alle Menschen umfangen? Auf, mein Junge, es tagt! Erfülle dein Herz bis zur Schale des Mondes —: unter den Klängen der Freude laß uns wandeln, wie einst, als die Halle des Konzertes erlosch, vereint in der Nacht. Die Stunde ist da, wo du sie erfahren wirst.
Der Sohn:
Was soll ich tun?
Der Freund:
Fliehe!
Der Sohn:
Ich bin zu arm. Ich habe kein Geld.
Der Freund:
Aber du hast einen Frack dort im Schrank. Den zieh an. Ich will dich zu einem Feste führen! In dreißig Minuten geht der Zug. Hier nimm die Maske. Ich erwarte dich am Ausgang des Parks.
(Er gibt ihm eine schwarze Maske.)
Der Sohn:
Es geht um Leben und Tod. Wenn ich entdeckt werde — ich bin verloren — mein Vater erschlägt mich! Ist ein Auto da?
Der Freund:
Viele Freunde, die du nicht kennst, sind heute Nacht bereit, dir zu helfen. Sie stehn mit Revolvern hinter den Bäumen im Park.
Der Sohn:
Und wohin in der Nacht?
Der Freund:
Zum Leben.
Der Sohn:
Wie komm ich hinaus?
Der Freund:
Steig leise durchs Fenster. Wir nehmen dich in die Mitte. Fürchte nichts.
(Er verschwindet.)