II. Reise in den Ochelgrund, auf den Waizdorfer Berg und den Kikelsberg.

Wir kommen auf dem nächsten Wege von Schandau über das Kiefericht (s. [S. 45].), die Straße nach Altendorf durchschneidend, zur Kohlmühle an der Sebnitz. Ein höherer Genuß aber erwartet uns, wenn wir am Lachsbach hinauf gehen, und dann entweder durch den tiefen Grund nach dem Waizdorfer Berg und dem Kikelsberg wandern und durch den Ochelgrund zurück kehren, oder aber oberhalb der Porschdorfer Mühle (s. [S. 69].) an der Sebnitz hinauf gehen, die uns aus dem Thale entgegen kommt. Wir folgen einem schmalen Pfade, welcher, von dichten Baumwipfeln und Gesträuchen beschattet, sich um die vorspringende Felsenecke der Ochelwände windet, und uns in den

Ochelgrund

bringt. Bald umfängt uns ein erweitertes anmuthiges Thal, dessen heitre Wiesenmatten von prächtigen Felsenwänden umschlossen sind, die wie Trümmer empor ragen. Das Thal verengt sich wieder, und in reizender Abwechselung erheben sich die Felsen. Von einer glatten Wand, die wir rechts am Wege bemerken, stürzte vor mehren Jahren ein Felsenblock in den Bach herab, und hemmte dessen Lauf mit solcher Gewalt, daß Wasser und Fische an die jenseitige Wand geschleudert wurden. Zwischen hohen Felsenwänden hinauf wandernd, die aus einem gelblichen, zu Bausteinen untauglichen weichen Sandsteine bestehen, kommen wir zum schwarzen Loch im Mordgrunde, wo wir in eine weite Höhle blicken. Der Bach rauscht zwischen üppigen Wiesen fort, und bald öffnet sich links der, von schönen Felsenwänden eingeschlossene Kohlgraben, durch welchen der Weg nach Gosdorf läuft. Nicht weit von hier erblicken wir die Kohlmühle, wo wir an die, von Waizdorf und Hohnstein herabfallende Gränze zwischen dem Granit und Sandstein kommen, jenseit welcher wir, statt nackter Felsen, meist grüne Höhen finden, an deren Fuße schöne Wiesen sich zum Bache hinab senken.

Wir steigen die Anhöhe links hinan, und erreichen bald den Hankenhübel, der aus einer, in Basalt übergehenden Wacke besteht, die bald säulenförmig und bald tafelförmig in viele kleine Stücke zerfällt, womit auch die umliegenden Felder besäet sind. Große Basalthaufen bezeichnen den Weg zu dem nahen Gosdorf, wo wir im Lehngerichte Bewirthung und einen Führer finden, mit welchem wir das

alte Schloß

besuchen. Der Weg führt über Feldfluren und Waldboden auf eine schmale Erdzunge, welche, auf beiden Seiten dicht bewaldet, in tiefe Schluchten abstürzt. Wir kommen bald an eine Vertiefung, wo nach der Ueberlieferung die erste Zugbrücke gewesen ist, und weiter zeigt man uns die Stellen der zweiten und dritten Brücke, bis endlich der Bergrücken am Ende der schmalen Erdzunge, um deren Fuß der Schwarzbach dem Sebnitzbache zuströmt, zu einer weitern Rundung wird. Hier erblicken wir die Trümmer, die in dickem Gemäuer, Oeffnungen tiefer Gewölbe bestehen, und einen in den Granit gearbeiteten Brunnen. Man hat hier alte Pfeile und Spornen ausgegraben. Am Abhange des steilen Berges findet man wieder Ueberreste von Mauern, so wie auch unten auf der Wiese, die noch den Nahmen der Schloßwiese führt. Alles, was man von dieser Burg erzählt, beruht bloß auf Ueberlieferung, da die beglaubigte Geschichte durchaus keine Nachricht davon aufbewahrt.

Wir kehren über die Wiesen am Schwarzbach nach Gosdorf zurück, und besuchen zuerst den

Waizdorfer Berg,

wohin uns durch das Gebüsche der Weg führt, den eine seltsam verkrüppelte Fichte, der Ziegenstrauch genannt, bezeichnet. Linden krönen den Gipfel des Granitberges, der sich über dem Dörfchen Waizdorf erhebt, wo es keine Sperlinge geben soll. Die Aussicht, die sich hier vor unserm entzückten Blicke öffnet, gehört zu den reizendsten und reichsten, die wir von irgend einem Standpunkte des Berglandes genießen. Alle Felsenthäler von Liebethal bis Hohnstein, selbst der nahe tiefe Grund, der Ochelgrund und das Elbthal sind von dunkeln Waldwipfeln verhüllt, aus welchen hier und da weiße Felsenspitzen hervor schauen. Von dem Weifberge bei Hinterhermsdorf zieht sich über den großen Winterberg, den Schrammstein und Falkenstein bis zu den Bärsteinen ein mächtiger Felsenbogen, über welchen der Zschirnstein und am westlichen Gränzpunkt der Königstein hervor ragt, von welchem nach Dresden hin eine heitre Landschaft sich ausbreitet. Der Kaltenberg mit den Trümmern des Schlosses Chemnitz, der Rosenberg, der Rücken des Schneebergs, der Sattelberg und Geiersberg mit dem benachbarten Schönwalde, der Kahlenberg und Geiersberg bei Altenberg und der von hier nach Dippoldiswalde laufende Bergzug, der Luchberg und Hirschberg bilden den Hintergrund. Wenden wir uns gegen Abend und Mitternacht, so erblicken wir den Augustusberg bei Königsbrück, die Pulsnitzer Gebirge, näher den Unger und gegen Morgen endlich Böhmens Gebirge. Oestlich von hier, unweit Losdorf, erhebt sich der

Kikelsberg,

welcher, wie der mit ihm zusammenhangende Hankenhübel, ein Basaltberg ist. Er steigt ziemlich steil empor, und ist überall mit Basaltstücken bedeckt. Am Abhange auf der Morgenseite ist ein offener Bruch, wo man sehr starke Säulen sieht. Dieser, dem Granit aufgelagerte Basalt ist von schwarzgrauer, ins Blaue spielender Farbe, von dichtem und unebenem Bruche und zuweilen ist Olivin, Augit, Hornblende und Zeolith sparsam eingemengt. Er findet sich theils in unregelmäßigen Stücken, theils in Säulen von 3, 4 und 5 Seiten, oder größern und kleinern Tafeln, oder auch kegelförmig. Die Aussicht von dem Gipfel ist nicht so reich, als wir sie auf dem Waizdorfer Berg gefunden haben, nur ist sie offener und freier nach den Gegenden von Neustadt, Sebnitz und Hohnstein.

Sind wir auf der Hinreise durch den tiefen Grund gegangen, so wandern wir auf dem nächsten Wege durch den Kohlgraben und den Ochelgrund nach Schandau zurück, und wenn wir auf dem Birkicht oder Adamsberg bei Altendorf, einem runden Hügel, über welchen unser Weg geht, einer reizenden Aussicht uns erfreut haben, gehen wir im Angesichte immer wechselnder Landschaftbilder, am Ufer der Kirnitsch hinab. Wollen wir die beschriebene Wanderung zu einer Tagereise ausdehnen, so können wir vom Kikelsberg über Ulbersdorf erst auf den Unger steigen und über Lichtenhain zurückkehren.