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So könnte der Traum gehen. Eilende Wolken, wer mit euch wanderte! Es hat doch einen Wert, sich in solche Träume zu vertiefen. Wir sollen den Mut haben, auch der Intelligenz solche Wege zu denken und nicht bloß der Physik. Für die sie heute in aller Ruhe gedacht werden, obwohl es auch hier mehr oder minder Traumpfade bleiben, die wir bloß deshalb schwindelfrei entlang laufen, weil wir die Abgründe des ganz Unbekannten nicht sehen. Vielleicht aber würde grade darum unser Brockengespenst auch wieder darüber lächeln. Wer weiß, was in dieser Seele nach hundert Millionen Jahren lebt, das gar nichts mit erweiterter Technik zu tun hat? Wer sagt uns, wie dieses Überwesen sich längst zu den großen Fragen des Lebens und des Todes selbst gestellt hat, die uns bei jener Vision der im Sonnentod Erfrierenden doch am meisten bewegen? Wie ganz und gar kann von innen heraus dort verschoben sein, was uns daran interessiert, in Angst und Hoffnung bewegt, Mut oder Trost heischt. Werden diese Augen dort, die keine Menschenaugen mehr sind, nicht ganz anders tief in die großen Geheimnisse, die auch kein Sternengleichgewicht der kosmischen Physik löst, eingedrungen sein? Werden sie nicht auch ausgebaut haben, was schon ahnend durch uns geht wie ein schwaches Flämmchen, wie das Lichtschimmerchen einer Türritze hier und da in einem Philosophenkopf? Daß Zeit und Raum selber nur Geisteswerte sind; daß der Blick in jene flammenden Sonnen und Milchstraßen, zu denen wir in unstillbarer Sehnsucht wandern möchten, zuletzt nur ein Blick in uns selber, in unser tiefstes eigenes geistiges Rätsel ist? Werden sie nicht anderes wissen von den quälenden Fragen um das Geistige und um das Stoffliche als wir? Sollen wir wirklich glauben, daß das schwächliche Ignorabimus, das ewige Nichtwissenkönnen, das unsere Zeit so gern als ihrer Weisheit letzten Schluß predigt und dem doch der heilige Denkerzorn aller großen Genien der Menschheit von je widersprochen hat als dem Todfeind ihrer rastlosen, selbstlosen Arbeit, bei ihnen, den Vollendern dieser Genien und der Spur ihrer Erdentage in Aeonen, noch irgendeine Rolle spielen werde? Trost! Wird der Trost dieser Promethiden nur in Technik liegen? Vielleicht haben sie ausgedacht, was unser Fechner träumte: daß alle die Sonnen des Firmaments da droben nur die verbrennenden Fetttröpfchen in einem umfassenderen Gehirn sind, dessen Intelligenz uns und andere im All wie Ganglienzellen umschließt. Wenn unsere Arbeit und Entwickelung in jedem beliebigen Augenblick abrisse, so wäre sie in diesem Sinne doch niemals umsonst getan, denn sie lebte in diesem höheren Zusammenhang weiter, in dem wir hingen und gingen bis in jede Kleinigkeit unseres ganzen Tuns, ohne daß wir es doch selber merkten, gleich den Einzelzellen eines arbeitenden Gehirns …
Vielleicht. Aber schieben wir das Fernrohr der Träume wieder zurück und stellen das der abermals näheren Wirklichkeit ein. Auch auf den schlichtesten Gedanken gebracht: es wird wohl so sein, daß die schöne Erde als Wiege seiner Leiden wie Erfolge dem Menschen treu bleibt und ihm Zeit läßt, bei eigener ungehemmter Kraft seine schöne Arbeit zu guter Stunde an einen nochmals höheren Ast der Entwickelung weiter zu geben, der dann zuletzt sehen mag, wie er im sieben mal siebenten Grade mit einigen Nullen daran auch mit dem nächsten Stundenschlage der kosmischen Uhr fertig werden wird. Zeit – hier handelt es sich nur um Zeit, – der alte Chronos, durch dessen Glas die Sonnenenergie läuft, scheint der einzige Schicksalsgott. Aber der Mensch hängt nicht nur an der Erde, er hängt auch am Leben. Und es könnte sich fragen, ob hier nicht ein neuer Drache liegt, der ihn aus tief verborgener Höhle heraus längst gefressen haben müßte, ehe alle jene Dinge in Betracht kommen, – der ihn fressen müßte schon auf ganz naher Bahn, wirklich noch als das Menschenkind, das er heute ist. Er hat sich so strahlend über das niedere Leben erhoben. Aber wenn nun das Leben selbst ihm abrollte im Schicksalsglas, – eines Tages – nach unaufhaltsam innerem Gesetz? Die Frage, die hier auftaucht, ist die nach dem inneren Verfall, nach der eigenen inneren Degeneration.
Auch sie ist alt. Wieviele Bücher sind nicht von je geschrieben worden über die »zunehmende innere Verderbnis« des Menschengeschlechts. Eine wissenschaftlich greifbare Form hat auch sie aber doch erst in unsern Tagen erhalten, seit wir wissen, daß auch das Menschenwesen wirklich ein Stück Leben in der Natur, Zelleben, Tierleben sogar noch bis zu gewissem Grade ist. Wir besuchen eines unserer großen Museen für tierische und pflanzliche Vorweltskunde, und aus den alten Bildern des Lebens selbst scheint uns eine bedrohliche Mahnung zu kommen. Da ragt im versteinerten Geripp unzähliges Getier, dessen Gruppe oder Art heute gänzlich wieder ausgestorben ist, auch ohne daß die Sonnenenergie es schon zu seiner Zeit verlassen hätte: Mammute und Megatherien und Ichthyosaurier. Eine Weile wurde ja die Wissenschaft damit noch in besonderer Weise fertig. Wenn nicht Sonnenschicksal, so sollten doch gewisse fürchterliche Erdumwälzungen der Urwelt diesem alten Volk inmitten blühendsten Lebens den Garaus gemacht haben, worauf dann stets völlig zusammenhangslose Neuschöpfungen stattgefunden hätten. Auch daran glauben wir aber nicht mehr. Für uns wächst der Stammbaum des Lebens zusammenhängend durch alle Erdalter herauf ohne Einschnitte. Aber woher dann doch das Abwelken so vieler Zweige? Eine bestimmte Lehrmeinung hat sich hier herausgebildet, die heute auch oft in weiteren Denkkreisen ihre Rolle spielt, ganz ähnlich wie jenes Schreckbild einer erfrierenden Menschheit. Wohl haben im Stammbaum der Lebewesen Entwicklungen, Fortschritte stattgehabt, die dazu führten, daß gewisse Linien darin bis heute lebendig durchgekommen sind, Form um Form aus sich weiter gebärend. Aber daneben waltete ein unerbittliches Todesgesetz auch dieses Lebens. Wie der Einzelne schließlich überall sterben muß, wenn auch das Ganze dauern mag – sterben muß, nicht weil die Welt untergeht, sondern weil sein Lebensteil nach einem tiefen Selbstgesetz des eigenen Altersverfalls verwirkt ist, so soll auch ein solcher Tod für jeden einmal zu gewisser Höhe und Reife gelangten Einzelast des großen Stammbaums gelten. Die einzelne Art, die sich eine Weile gefestigt, die einzelne Gruppe, die zu einer gewissen Blüte gelangt ist, sollen nach einiger Zeit still wieder verfallen, eintrocknen, absterben. Mag der große Lebensstamm sonst dauern, auch wieder neue Triebe irgendwo zeitigen: ringsum brechen doch die einmal ganz in sich ausgelebten Äste als dürres Reisig wieder ab. Und so sind grade die seltsamsten, eigenartigsten Formen früher immer schon wieder abgefallen: jene Megatherien und Ichthyosaurier, deren Gerippe wir jetzt nur noch tief begraben in den alten Erdschichten finden. Die Nutzanwendung aber liegt nahe.
Der Mensch ist schließlich auch nur ein solcher Ast. Er hat lange in den Vorstufen immer wieder Glück gehabt. Endlich ist er dann aber auch ganz eigenartig aufgeblüht, hat einen völligen Sonderweg für sich genommen. Seit so und so viel Jahrtausenden steht er jetzt mit seiner Art teils (im meisten Körperlichen) so gut wie still, teils vertieft er sich (im geistigen Ausbau seiner Kulturwerte) immer einseitiger auf dem einmal eingeschlagenen Wege. Grade das aber beweist auch sein Schicksal. Seitdem schwebt auch über seinem Haupte der Drache des Artentodes. Wenn wir ihn noch scheinbar blühen sehen, so ist doch eben dieses Blühen auch der Vorbote des Ausblühens. Wie die hundertjährige Agave, die an ihrer endlich im hundertsten Jahr erreichten Blüte stirbt, wird in gewiß nicht ferner Zeit auch unser Wurzelwerk zu dorren beginnen, die großen Kulturblätter werden saft- und kraftlos wieder herabsinken, – die unaufhaltsame Degeneration zum Mammut- und Megatherienschicksal wird auch im Menschenwesen in ihre Rechte treten, bis der unerbittliche Lebensdämon auch diesen prangendsten Stammbaumast wieder ganz herunter hat; auch Achilles mußte sterben als Einzelmensch, auch Goethe; also auch wir als Einzelart.
Dieses Zukunfts- und Schlußbild hat eigentlich noch etwas Widerwärtigeres als jene Eisvision. Es kriecht so häßlich und langsam heran, mitten in der Sonne. Man fragt sich, ob alles mögliche, das wir noch als Aufstiegzeichen fromm begrüßt hatten, nicht schon geheimes Krankheitsmal sein könnte. Unwillkürlich denkt man an die Unglückspropheten, die uns versichern, weil ein paar Dogmen so nicht mehr ganz haltbar erscheinen, sei bereits die ganze religiöse Innerlichkeit des Menschen erloschen; weil gewisse soziale Erörterungen nicht mehr gehemmt werden können, sei das Volksgefühl erloschen (wir haben seltsamerweise von dieser Degeneration im Augenblick nicht eben Proben an unserm Volk erlebt!); morgen werde die Philosophie, übermorgen die Kunst (Eduard von Hartmann hat das schon für kürzeste Zeit in Aussicht gestellt) einpacken, und vielleicht sei es schon nicht mehr scharf möglich, das Geniale vom Irrsinnigen zu unterscheiden. Aber der Ernst der rein naturwissenschaftlichen Frage darf doch nicht verkannt werden, und da ist es denn doch auch hier wieder entscheidend wertvoll, daß auch jene Lehre vom Artentod in dieser Weise gar nicht zu halten ist, sowie man sich die Mühe macht, etwas weniger oberflächlich an die Tatsachen heranzugehen.
Aussterben kann eine Tierart auch ohne Erdkatastrophe oder eigenen Artentod durch gewisse äußere Umstände im Einzelfall, – das lehren die zahlreichen Tierarten, die wir Menschen in unsern hellen Tagen bis auf den letzten Kopf vernichtet haben, so daß ihre letzten Knochen oder Bälge auch nur noch »fossil« in unsern Museen stehen: die Riesenalke, Borkentiere, Quaggas, Dronten und wie sie alle heißen. Wenn der schöne Apolloschmetterling, der noch über alle Alpenmatten gaukelt, nur in unserm Riesengebirge in ganz letzter Zeit ausgestorben ist, so werden wir wirklich an alles andere, aber nicht an Artentod wegen inneren Sterbeglöckchens denken, ebensowenig wie unsere Damenhüte, an denen der Paradiesvogel zu sterben beginnt, geheime Werkzeuge der eigenen Degeneration dieser armen Prachtvögel sein dürften. Nun hat die Lehre sich aber ein paar Schulbeispiele aus der Urwelt herausgesucht, die trotzdem unüberwindlich sein sollen. Der eine Fall betrifft den Untergang der sogenannten Nautiloideen und Ammonoideen unter den vorweltlichen Tintenfischen. Tintenfische (Cephalopoden) sind höchstentwickelte Mollusken, also die Spitze eines alten Tierstamms, der mit ihnen schon vor langer Zeit gleichsam blind auslief, somit alle Möglichkeiten schon früh eines Artentodes im Sinne der Lehre bieten konnte. Im Gebiet dieser Tintenfische sehen wir nun in der älteren und mittleren Vorwelt jene genannten Gruppen, deren Einzeltiere in höchst verwickelten, gekammerten Gehäusen lebten, zu einer gewaltigen Blüte in die Breite hinein sich entfalten. Zahllose Formen treten auf den Plan mit verschiedenartigsten Schalen, Riesen und Zwerge, eine wahre Welt für sich, in der alle Schleusen üppigster Lebenskraft aufgetan scheinen, wenn auch die Organisationshöhe im ganzen nicht mehr steigt. Die technische Anpassung ist dabei offenbar sehr gut. Auf ihrer Garantiegrundlage sozusagen feiert jene rhythmisch variierende Grundkraft, von der ich gesprochen habe, wahre Feste: diese Ammonshörner gehören zu den schönsten »Kunstformen der Natur«, die je bekannt geworden sind. Schließlich ist es sogar, als bekomme dieses Prinzip wahrhaft bedrohlich die Oberherrschaft: die Phantasie (wenn das Wort noch einmal vergleichsweise erlaubt sein soll) der Kunstformen scheint das Gerüst der Nutzform selber aufzulösen in sein Sonderspiel hinein. Und grade dann jäh Schluß. Mit dem Ausgang der Kreidezeit stirbt das ganze flotte Volk unaufhaltsam scheinbar dahin. »Artentod« heißt es! Sie waren auf ihrem einsamen Ast in flotteste Blüte gekommen, diese Urweltler, hatten sich wie toll ausgelebt; da aber kam Mephisto und reichte den abgelaufenen Pakt dar: bis hierher und nicht weiter. Die letzten bizarren »Kunststile« der Ammonoideen bezeichnet die strenge Forschung (eine kleine Bedenklichkeit an unsere Futuristen unter den Malern) bereits als offensichtliche Anzeichen der Entartung vor Torschluß. Und die Sache wäre glänzend, wenn sie nicht einen einzigen Haken hätte.
Artentod der Gruppe damals müßte bedeutet haben: vollkommenes Sterben. Wenn es anders herging, – sagen wir, wenn die Tiere damals am Ende der Sekundärzeit einen überlegenen Gegner fanden, der sie überwältigte, vielleicht leicht überwältigte, weil sie (bildlich gesprochen) im Vertrauen auf ihre Alleinherrschaft in allen Meeren lässig geworden waren und einen Teil ihrer Schutz- und Trutzkraft hatten einrosten lassen; oder wenn in der nicht katastrophalen, aber doch damals offenbar geologisch recht kritischen Land- und Wasser- und vielleicht Klimaänderung ein Anlaß lag; oder wenn, was weiß ich sonst für Ursachen walteten, die das Geschlecht stark bedrohten: – nun so hätte doch recht wohl in geschütztem Winkel der eine oder andere Teilnehmer, den die Sonderlage begünstigte und der vielleicht auch im faulen Leichtsinn (man versteht die menschlichen Ausdrücke für die Zwangslagen alter Naturzüchtung!) nicht ganz so weit die Nutzrücksichten außer Kraft gesetzt hatte, trotzdem erhalten bleiben können. Der »Artentod« dagegen, der fortfressend überall ins Mark ging, soweit die Art da war, konnte keine Ausnahmen machen, so wenig es bei uns im Einzelleben jemand gibt, den Freund Hein nicht doch zuletzt lächelnd hinter jedem Versteck fände, wenn das Stundenglas der menschlichen Einzelperson um die Hundert herum abgelaufen ist. Nun will aber die wahre Sachlage, daß grade eine Gattung mit ein paar Arten jener Nautiloideen sich doch bis heute lebend in den indisch-australischen Meeren erhalten hat, der Nautilus unserer Zoologen. Über die Gründe dieser Rettung in einem auch sonst wirksamen »Asyl« urweltlicher Tiere der Sekundärzeit will ich hier nicht näher reden, wer den Fortgang der Geschichte sucht, mag ihn in meinem Kosmosbändchen über »Tierwanderungen in der Urwelt« ausführlich nachlesen. So hübsch also die Sache klingt: es kann mit dem »Artentod« in diesem Falle auch nichts sein, denn die ganze Sonderart dieser Gruppe ist damals gar nicht gestorben, – der eine Mohikaner lacht allen ins Gesicht.
Und nicht anders ist es mit dem zweiten Beispiel. Wer den Menschen recht geringschätzig einordnen will, der sagt wohl, sein bißchen einseitiges Gehirnwachstum, an dem das bißchen Kultur nachschleife, sei doch nur ein Einzelfall, und mindestens ebenso gut sei ein Entwicklungsglück wie es das Pferd erfahren habe. Von plumpen fünfzehigen Ahnen sei es in langer Steigerung zu seinem prachtvollen Einzelhuf gekommen, diesem Ideal flotter Fortbewegung auf ebenem Plan. Und doch, so hören wir, ist auch dieses Pferd (Menetekel für uns!) ein Paradebeispiel des Artentodes, der auch die Besten und Vollkommensten zuletzt an der Gipfeldürre ihres Einzelastes erreichen muß. Besagtes Pferd hat vom Eozän (dem ältesten Abschnitt der Tertiärzeit) an in Amerika, seiner mutmaßlichen Bildungsstätte, so etwa drei Millionen Jahre gebraucht, bis es in diesem Sinne »fertig« war. Dann hat es, in die Diluvialzeit hinein, sein Stammland in unzählbaren Scharen durchstreift, vom bewohnbaren Norden bis tief hinab nach Patagonien. Bis eines Tages auch seine Stunde schlug. Der »Artentod« faßte es, so hören wir abermals. Ein ungeheures Pferdesterben ging durch den ganzen Doppelerdteil, und als der Würgeengel abließ, war kein Pferd mehr im Lande, so daß die Spanier erst Jahrtausende später wieder die ersten ganz neu einführen mußten. Das Merkwürdige ist nur, daß diese Spanier noch welche hatten. Denn der Artentod war auch in diesem Falle streng einseitig geblieben. Auf der Höhe seiner Kraft war nach verschiedenen früheren Vorstößen das fertige Pferd von Amerika nach der alten Welt hinübergewandert und hatte sich auch dort in den Steppen Asiens, Europas und Afrikas heimisch gemacht. Hier aber zeigte sich keine Spur von innerem Verfall. Ein Teil pferdehafter Tiere belebt noch heute Afrika und Asien in alter Frische und Wildheit. Ein anderer freilich hat erleben müssen, daß der Gehirnspezialist Mensch doch irgendwie auch dem vorzüglichsten reinen Laufspezialisten über war, er hat in den Dienst dieses Menschen übertreten müssen, der seine Laufkunst fortan auch für sich ausnutzte. Kein Zweifel, daß es in diesem Pferdebeispiel besonders schwer ist, das einseitige Aussterben drüben auf eine äußere Ursache zurückzuführen, da Amerika sich nach Neueinführung der europäischen Kulturpferde sogleich wieder als ein nach wie vor gutes Pferdeland in seinen Grassteppen erwiesen hat. Da um die gleiche Wende der Diluvialzeit auch eine Anzahl anderer großer Säugetiere (Elefanten, Edentaten) drüben ausstarben und ein merkwürdiges Großtiersterben auch sonst vielfach über die Erde ging, wird noch weitere Forschung nötig sein, um herauszubringen, was damals eigentlich los gewesen ist. Aber Artentod ist's ganz bestimmt nicht gewesen, sonst wären nicht in der alten Welt Pferde und Elefanten bis heute trotzdem übrig geblieben und z.B. in Südamerika von den Gürtel- und Faultieren die kleineren Formen, während die größeren irgendeiner rätselhaften Zeitstimmung erlagen.
Ist es aber mit diesen Paradebeispielen nichts, so läßt sich nun grade umgekehrt aus den Tatsachen der Urwelt mit Leichtigkeit der Beweis führen, daß gewisse Tiergruppen und Tierarten auch in den geradezu riesigsten Zeiträumen ihrer Dauer bisher auf Erden, in denen sie offenbar äußerlich nicht bedroht worden sind, innerlich nicht den leisesten Zwang verspürt haben, zu verelenden und am Artentod einzugehen. Der merkwürdige Haifisch Cestracion aus dem westlichen Stillen Ozean existiert »unverstorben« seit der Kreidezeit, also dem Zeitalter der Brontosaurier. Der noch heute in Australien vorkommende Molchfisch Ceratodus lebt als unveränderte Gattung fort seit der Buntsandsteinzeit, also vom Anfang der Triasperiode, hat somit Anfang, Blüte und Sterben selbst der berühmten Ichthyosaurier um mehrere Millionen Jahre überlebt. Jener Nautilus selber war als Gattung schon im Silurmeer, ist also älter als die Steinkohlenwälder. Einen besonders lehrreichen Fall aber stellte die ganze Tierklasse der Brachiopoden oder Armfüßer dar. Es handelt sich um wurmähnliche Meertiere, die in muschelähnlichen Doppelschalen sitzen. Sie waren bereits eine verhältnismäßig sehr frühe, wenn man so sagen soll, »glückliche Erfindung« der Natur, erreichten jedenfalls bereits in den uralten paläozoischen Meeren ihre Hochblüte, von der sie dann gleich danach, also auch noch in entlegensten Urweltstagen, ersichtlich wieder heruntergingen. Nach allen angeblichen Gesetzen des Artentodes müßten sie also jetzt seit undenklichen Zeiten vollkommen ausgestorben sein. Statt dessen leben noch nicht ganz ein Dutzend Familien in unseren Ozeanen fort, und dabei ist als Gattung Lingula, ein kleiner Geselle, der mit seiner Klappschale an einem Stiel im Sande haftet; diese Gattung gehört aber in nur ganz gering veränderter Gestalt bereits zu den allerältesten Tierresten, die wir überhaupt aus der Urwelt besitzen, nämlich denen der algonkischen Periode, die nach jener oben benutzten Rechnung rund etwa hundert Millionen Jahre zurückliegt. Nun muß man sich abermals vergegenwärtigen, was allein das schon für unsere Menschheitsfrage bedeuten würde. Nehmen wir an, daß der Mensch in seiner heute vorhandenen Rassenform jetzt bereits ein paar hunderttausend Jahre vorhanden wäre und daß er mindestens im wesentlichen seines rein zoologischen Körperbildes sich nicht mehr verändere, also den Gipfel hier seines Stammbaumastes schon jetzt erreicht haben sollte, so gewährten die letztgenannten Daten immer noch die unbestreitbare zoologische Möglichkeit, daß er, was »inneres Gesetz« anbelangt, ebenso noch drei oder dreißig oder im allerletzten Falle der Brachiopodenzähigkeit gar noch an runde hundert Millionen Jahre weiter leben könnte, ohne irgend etwas wie Artverfall und Artentod erleiden zu müssen.
Einmal praktisch angefochten, hat die Lehre vom Artentod aber auch theoretisch gar keine sichtbare Grundlage. Der Vergleich mit dem persönlichen Tode ist ganz schief. Wenn wir den natürlichen Tod des Einzelwesens, ohne alle tieferen Rätselfragen anzuschneiden, bloß hier auf seinen rein zoologischen Sachverhalt hinaus ansehen, so ist er bekanntlich erst eine nachträgliche Sache der Arbeitsteilung. Nach dem ursprünglichen Prinzip gibt es auch da keinen Tod. Das Einzelwesen ist ursprünglich und in gewissem Sinne auch heute noch immer unsterblich. Die Wesen, die nur aus einer Zelle bestehen, können zwar gewaltsam vernichtet werden, aus innern Gründen aber kennen sie keinen Tod: im Fortpflanzungsakt zerfallen sie in zwei oder mehr Neuwesen, die gleichmäßig fortleben, und in dieser Weise dauern sie ohne natürliche Leiche seit Urtagen. Man hat das gelegentlich bestritten, die feinsten Züchtungsversuche haben es aber in letzter Zeit immer nur wieder bestätigen können. Und erst bei den höheren Wesen, die verwickelte »Zellstaaten« bilden, ist hierin ein Wechsel insofern eingetreten, als ein Teil der Staatsbürger nur noch diese alte Unsterblichkeitsgabe wahrt, nämlich die Fortpflanzungszellen (Eizellen, Samenzellen), während der Rest in staatlicher Arbeitsteilung diese Keimzellen weiteren Lebens zeitweise reifen läßt, schützt, nährt, weitergibt, dann aber nach getaner Arbeit selber von seiner Leistung erschöpft und zerzaust hinstirbt. Man sieht auf den ersten Blick, daß das nicht auf die Art im ganzen angewendet werden kann. Die Einzelwesen einer Art leben nicht in solchem Staat mit Arbeitsteilung, und die ganze Regelung der Dinge hätte hier keinen Sinn. Die Umwandlung einer Art ist nicht gleichzusetzen mit Fortpflanzung. Die Art kann im Ganzen übergehen in eine neue, sie kann aber, wenn kein Anlaß dazu ist, auch ebensogut stehen bleiben, – sie kann am einen Ort lebend weitergehen, am andern lebend verharren (wie viel Vorstufen anderswo verwandelter Tierarten haben wir nicht noch gleichzeitig auf der Erde vor Augen!), ohne daß das eine das andere ausschließen müßte oder könnte. Und so fort. Und so wird man nicht darum kommen, überall da, wo wir in der Vorwelt auf wirklich ausgestorbene Lebensformen treffen, statt eines inneren Altersgesetzes Ursachen von Fall zu Fall in der äußeren Lage zu suchen.
Der einfachste Fall ist natürlich der, daß eine Art einfach deswegen verschwunden ist, weil sie sich in eine andere hineinentwickelt hatte; das werden wir auch beim Menschen im Sinne des früher Gesagten später sogar einmal erwarten und jedenfalls nicht fürchten. Was aber alle gefährlicheren, wirklich abschneidenden Ursachen betrifft, wie eine Art in solchen Fällen beseitigt sein könnte, so wird man sogleich den Eindruck bekommen, daß keine einzige auch nur mit einiger Sicherheit noch auf die Zukunft des Menschen angewendet werden könnte. Die Überlegenheit dieses Menschen tritt hier eben schon in überwältigender Deutlichkeit hervor. Jene Riesenalke, Dronten, Borkentiere (also ein flugunfähiger Schwimmvogel der nordischen Küsten, eine ebensolche Riesentaube von Mauritius und eine Seekuh des Meeres bei Kamtschatka) sind vom Menschen als dem überlegenen Wesen gewaltsam vertilgt, zum Teil buchstäblich aufgegessen worden bis auf den letzten Kopf, und solche Vernichtungen einer Art durch eine überlegene im »Kampf ums Dasein« hat zweifellos von jeher einen Hauptteil des »Aussterbens« bedingt. Man wird aber doch nicht leicht glauben wollen, daß irgendeine Tier- oder Pflanzenart der Erde (und rückten sie selbst alle zugleich vor) den Kulturmenschen noch einmal zur Strecke bringen könnten. Der Bischof Hatto, den die Mäuse fressen, oder die Abderiten, die griechischen Schildbürger, die flüchten müssen, weil die Frösche ihnen auf den Kopf steigen, sind Scherzbilder. Die großen Diluvialtiere haben schon den Höhlenmenschen, der keine Metallwaffen kannte, nicht mehr untergekriegt, Tiger und Schlangen den nackten Wilden nicht, und wenn heute etwas zusammenbricht, so ist es die Tierwelt am Menschen, aber nicht umgekehrt. Vielleicht ist nur ein einziger ernst zu nehmender Feind noch in Protozoen und Bakterien, die uns mit Malaria, Pest und ähnlichen guten Sachen beglücken. Vor ein- oder zweihundert Jahren hätte man noch denken mögen, unser Geschlecht könnte einmal an Pest oder Cholera aussterben, obwohl es schon damals eine Übertreibung war, denn auch die schlimmsten Seuchen von früher haben sich stets nach einer gewissen Wirkung sozusagen von selbst ausgelöscht; heute aber ist unsere Medizin bereits bei so zielbewußtem Gegenangriff auch hier, daß über den Ausgang keinem Einsichtigen mehr eine Frage bestehen kann. Eine andere sehr allgemeine Ursache des Aussterbens war sicherlich zu weitgehende Einzelspezialisierung. Das trifft schon vielfach auf den ersten Fall mit zu. Die Dronte, die sich zu einseitig (z. B. durch Flügelverlust) an die Verhältnisse ihrer bequemen Insel angepaßt hatte, ging unter, als von fern übers Meer ein großes Raubtier (die holländischen Matrosen, die sie massenhaft abschlachteten) kam. Ein Geschöpf, das sich ganz eng mit seinen Organen bloß auf eine Ernährungsart, eine Lebensweise eingestellt hat, muß aber immer besonders leicht bedroht sein, sowie sich im geringsten im Naturhaushalt etwas ändert, auch wenn es sich nicht um einen eigentlichen Feind handelt. Einigermaßen hat die ganze Tierwelt mit ihrer erwähnten einseitigen Organzerspaltung sich hier in die Sackgasse gebracht. Fast alle sind sie Spezialisten, unsere Tierarten, und alle bedroht der rasche Wechsel. Der Mensch aber ist ja mit seiner Technik grade das Universalgenie, das alles zugleich kann, er ist in jedem Sattel gerecht und wird als Gesamtart unmöglich je am Spezialismus zugrunde gehen im Sinne einseitiger Wasser- oder Luft- oder Wärmetiere, einseitiger Grab- oder Lauf- oder Klettergeschöpfe. Ein Fall, über den man auch bei ihm vielleicht noch nachdenken könnte, betrifft das Schmarotzertum. Es ist von je offensichtlich eine besonders gefährliche Form des äußersten Spezialistentums gewesen. Ein Tier gewöhnte sich, ein anderes lebenslang auszunutzen, zu bewohnen, und es war dann in der Regel mit verloren, wenn sein Gastgeber aus irgend einem der andern Gründe ausstarb. So lebt z. B. ein Käfer (Platypsyllus castoris) nach Flohart nur im Pelz des Bibers; heute stirbt der Biber infolge menschlicher Verfolgung aus, und der ungebetene Gast muß mit. Nun, der Mensch ist in einem Punkt auch noch Schmarotzer. Gleich allen andern Tieren schmarotzt er an der Pflanze. Ohne sie könnte er trotz aller seiner Kultur noch heute nicht leben, und Untergang aller Pflanzen wäre auch seiner. Eine gewisse Hoffnung besteht ja, daß uns auch davon einmal die Chemie befreien könnte, die uns die Pflanzenarbeit künstlich ersetzte. Inzwischen ist aber auch so schon an dieser Stelle von einer Gefahr keine Rede. Grade die Pflanze ist stärker als irgend etwas in unserer Hand. Wir haben sie längst »kultiviert«, in eine Art Ertragsmaschine für unsern Zweck verwandelt. Wir bestimmen das Pflanzenbild der Kulturländer, wir füttern die Pflanze durch Bodendüngung, wir veredeln ihre Rassen, wir kämpfen gegen ihre Krankheiten, machen sie immun, verteidigen sie gegen das Klima. Wir sorgen nicht mehr, daß sie uns aussterben könnte: wir schaffen längst, daß sie nicht aussterben kann. Und dabei sind wir sogar noch immer bisher nur in den Anfängen gewesen. Man muß eine unserer biologischen Versuchsanstalten von heute besuchen, um zu ahnen, was der Mensch bewußt zum Ziel für sich noch alles aus dieser geduldigen Naturecke herauszüchten wird; die Hauptlast unserer ganzen »sozialen Frage« wird er uns hier noch einmal hinwegzüchten, anstatt daß hier eine Hungersgefahr für ihn läge.
Und so läuft, wo man an diese »Gefahren« herangeht, immer wieder alles zum Triumph des Menschen aus. Gelegentlich scheint es (wir erwähnten schon ein Beispiel), daß Tierarten bedroht worden sind, weil jenes auf rhythmisch-ornamentale Gebilde (»Kunstformen« der Körperbildung) ausgehende Prinzip in Kampfpausen zu sehr das Nutzprinzip überwog, den Tieren allerlei Schmuck anhängte von sich aus, der nachher, bei wieder stärkerem Kampf, störte und unterliegen ließ gegen bessere Schutz- und Trutzausnutzung bei andern. Ins Menschliche gebracht, wäre das, wie wenn ein Volk über lauter Kunst und Schönheit seine Wehrkraft vernachlässigte. Im rechten Volk muß eben beides in richtiger Harmonie sein, denn wenn die Wehr nicht ist, geht im gegebenen Fall alles zugrunde und damit auch die Kunst. Und in der letzten Entscheidung, wenn alles daran zu setzen ist, muß sogar die Kunst immer zurücktreten gegen die Daseinsbehauptung; wenn es um die heilige Not eines Volkes geht, kann keine Kathedrale mehr darüber gehen. Auch an diesem Dilemma wird aber der gesunde Sinn der Menschheit nicht sterben, es ist nur eine Frage der dauernden richtigen Arbeitsteilung in unserm Kulturleben.
Erwähnenswert könnte noch die Frage der Inzucht sein. Man meint, daß lebende Wesen degenerieren und absterben, wenn sie zu gleichartig werden, immer untereinander im Engsten kreuzen ohne Blutauffrischung So gehen abgeschlossene Tierherden in zoologischen Gärten oder die gehegten Tierreste unserer Elche und Wisente in ihren Asylen, vielleicht auch Inseltiere, anscheinend allmählich herunter. Und so hat man gesagt: wenn der Mensch einmal die ganze Erde als sozusagen uniformer Kulturmensch bewohnt, wird er an Gedanken-Inzucht zugrunde gehen und schließlich auch an körperlicher, es wird kein juveniler, auffrischender Einfluß mehr für ihn übrig sein auf seiner Erdeninsel. Ich gestehe, daß mir zunächst die reinen Tatsachen der körperlichen Inzucht und ihrer Folgen immer unklarer geworden sind. Man muß da erst noch neuere biologische Experimente in ihren endgültigen Ergebnissen abwarten. Vielleicht handelt es sich nur um Störungen, die gegebenenfalls leicht auszumerzen wären, wenn unsere Biologie erst einmal die Gesetze mehr beherrscht.
Andererseits hat aber jede Anwendung auf die Menschheitszukunft überhaupt gute Weile. Anstatt zu nivellieren, führt alles, was wir bis jetzt am Kulturmenschen sehen, zu immer stärkerer Ausbildung der einzelnen Persönlichkeit. Je tüchtiger ein Volk ist, desto entschiedener ist unbeschadet allem Volks- und Kulturbewußtsein die Ausbildung der einzelnen Individualitäten. Der Kosmopolitismus kann daran nichts ändern, im Gegenteil bringt er immer neue Wurzeln von Gegensätzen hinzu. Das verschiedene physische »Milieu« der Erde in Zone, Höhe, Erdteil usw. wird keine Kultur an sich je verwischen. Von ihm aber sind schon in der Bildung der Pflanzen und Tiere von je Gegensätze immer wieder geschaffen worden, nicht bloß grob verschiedene Anpassungen, sondern schon landstrich-, stromtal-, gebirgsweise weit darüber hinaus unendlich feine verwickelte Milieu-Abhängigkeiten, deren noch sehr geheimnisvollen Gesetzen von den Biologen heute besonders eifrig nachgeforscht wird. Diesen gleichen Einfluß hat aber auch der Mensch erfahren, er steckt bei uns eben in Rassen, Nationen, Sonderarten der einzelnen Volksteile und so fort, die Zukunft wirds aber mit noch mehr Ausbreitung über die Erde nur immer neu erfahren. Eine Nivellierung von Volks- und Landesgegensätzen in diesem Sinne wäre weder wünschenswert, noch ist sie bei jener »Milieustärke« und ihren geheimen Imponderabilien irgendwie denkbar als Möglichkeit. Die Kultur kann so einheitlich im Ideellen werden wie möglich, so wird sie doch immer die Gegensätze der Erde spiegeln, und wo verschiedene Menschen, da keine Inzucht. Was aber die »Ideen-Inzucht« selber anlangt, so glaube ich an sie erst recht nicht. Wohl wird sich vieles vereinfachen bei uns, was geistig jetzt als zu viel an Neuem auf uns eindringt, vieles in Formeln, Gesetzen Allgemeingut werden, was jetzt Spezialwissen häuft. Das ist sogar gut und nötig, da unser Kopf sonst die Masse nicht aushielte. Man denkt mit einigem Grausen an die Größe unserer Bibliotheken, Museen usw. Ein Segen, wenn da in Zukunft vieles wieder sehr vereinheitlicht und handlich wird, anstatt daß zuletzt unsere Bücher wie eine geologische Schicht über unserer Erde zusammenschlagen.
Andererseits aber glaube ich nicht, daß das Neue, Anregende, Umschaffende, »Juvenile«, das von außen zukommt, je wieder bei uns an sich abreißen könnte. Man erinnere sich an die zwei Menschenwege: Wiederaufrollen der Vergangenheit und Blick in den Kosmos. Hier liegen, was geistige Blutauffrischung betrifft, unzweideutig Unendlichkeitswege. Dazu aber kommt noch ein anderes. Die Menschheit schafft individuell auch von innen weiter, von innen heraus. Man denke an Kunst. Aber noch an mehr. Die »juvenilen Quellen«, die hier sprudeln, kommen aus einem Grunde, den wir mehr ahnen, als genau kennen, – daß er aber plötzlich versiege, dazu sehen wir wahrlich keinen Anhalt.
Der letzte Gedanke führt aber ganz von selbst aus dem Degenerations- und Todesgebiet überhaupt hinaus in ein neues, positives, das wir jetzt, nach Erledigung der bösesten Gespenster, doch auch zu wenigstens kurzer Schau betreten müssen.
Wir haben eben in unserm kosmischen Ausblick angenommen, daß der Mensch noch weiter gehe. Ist uns jetzt wahrscheinlich geworden, daß er aus Gründen des allgemeinen Lebens nicht zu degenerieren brauchte, so möchte man die Frage daran schließen, ob aus solchen ursprünglichen Lebenszusammenhängen erwiesen werden könnte, daß er umgekehrt sich noch weiter emporentwickeln müsse.
Die Antwort ist in diesem Fall nicht so ganz einfach, sie erfordert Umwege; ihr Ergebnis müßte dafür freilich auch das bedeutsamste sein. Statt des Drachen sähen wir ja hier gleichsam den guten Engel der Urvergangenheit des Menschen auftauchen.