August der Starke
Den deutschen Simson hießen die Lobredner ihn, weil er so stark war: Hufeisen zerbrach er wie Holz, und das wildeste Pferd wurde schwach unter seinen gewaltigen Schenkeln.
Er war nur ein Prinz aus Kursachsen, wo sein Vater, der Kurfürst, sich täglich betrank und sein Bruder, der Kurprinz, Sybilla von Neitschütz als lockeres Liebchen genoß.
So ging er wie alle Prinzen auf Reisen, und an den Höfen Europas war bald von dem unbändigen Jüngling die Rede, der die Frauen und Pferde wie keiner zu bändigen wußte, und der die Laster der höfischen Welt lachend genoß.
Sein Bruder starb an den Blattern, so wurde August, der Starke geheißen, Kurfürst in Sachsen und sollte daheim in Dresden regieren; aber er zog in den Türkenkrieg als prahlender Feldherr des Kaisers, und als ihm das rauhe Handwerk nicht paßte, blieb er in Wien, bequemeren Ehrgeiz zu pflegen.
Johann Sobieski, der tapfere König in Polen, war tot, und August der Starke wollte sein Nachfolger werden.
Er brauchte viel Geld, die Gunst der polnischen Großen zu kaufen, auch mußten die Höfe in Wien und im Reich ihm willfährig sein: so gab er den Fürsten sächsisches Erbland dahin und nahm die silbernen Taler dafür.
Auch mußte er seinen lutherischen Glauben abschwören; wofür seine Väter Not und Verfolgung litten, er warf es hin wie einen verschlissenen Mantel.
So wurde August der Starke König in Polen, und Dresden stand ihm wohl an, darin zu regieren; denn nun war der rauschende Glanz um ihn, gleich seinem Abgott in Frankreich die Majestät seines Hofes zu spielen.
Die Sachsen mußten es teuer bezahlen, daß ein polnischer König ihr Kurfürst war, Schulden und Nöte bedrängten das ärmliche Land, indessen zu Dresden die höfische Üppigkeit anschwoll.
Frauen und Pferde waren noch immer die Liebe August des Starken, aber nun prangte die Krone an ihrem Kleid und Geschirr: Feste und Jagden hielten dem lüsternen König das Jahr in der Schwebe und der unendliche Umstand kostbarer Bauten.
Den deutschen Simson hießen die Höflinge ihn, der sein Leben in Lust und Liederlichkeit hinbrachte, und ein vergoldetes Reiterbild stellten sie ihm auf den Markt, der das sächsische Haus um die stolze Vergangenheit und sein Land um die Zukunft betrog.