Barbarossa

Als Friedrich der Rotbart zum andernmal kam, hatte sein Kanzler Rainald von Dassel – der listig gewaltige Mann – das Reichsheer reisig gemacht; aus allen Pässen kam es herab in die ronkalischen Felder: das Abenteuer des Staufers war eine Heerfahrt des Kaisers geworden.

Wie Karl die Sachsen mit Krieg überzog, brach der Staufer ein ins lombardische Land; und wie sich der Sachsentrotz wehrte bis zur Vernichtung, so ungebeugt hoben die Städte aus Blut und Brand das Banner der Freiheit.

Einmal war Mailand gestäupt und die Bürger der Stadt mußten im Hemd zum Büßergang kommen, ein bloßes Schwert auf dem Nacken; einmal war Mailand zerstört, wie Jerusalem war, da Titus die Juden wegführte.

Einmal stand Friedrich der Rotbart als Sieger vor Rom, Alexander den Papst zu verbannen; einmal fraß ihm das Fieber sein Heer – auch Rainald von Dassel, den listig gewaltigen Kanzler – daß er nur in böser Gefahr den Rückweg nach Deutschland gewann; einmal war er so grausam geschlagen, daß er den Schild und die Fahne verlor, und von den Seinen vermißt war.

Aber er stand wieder auf, und was sein Schwert nicht vermochte, mußte die List ihm gewinnen: den lombardischen Städtebund um den Sieg zu betrügen, beugte er sich vor der mächtigen Hand Alexanders.

Sein Rotbart war grau und das lombardische Land eine Wüste geworden, als ihm der Tag von Venedig endlich den Frieden einbrachte: er mußte den Städten vielerlei Freiheit beschwören, aber sie nahmen den Staufer an aus der Hand des Papstes als ihren Kaiser und Herrn.

So war er reich und mächtig geworden, der arm und im Schatten des Starken sein Abenteuer begann; als er im Schatten der Kirche endlich gewann, stand Heinrich der Löwe allein in der Sonne: da war die Freundschaft zerbrochen.

Wie die lombardischen Städte gegen den Staufer, so hatten die deutschen Bischöfe den Bund gegen den Herzog von Sachsen und Bayern beschworen; nun hatte der Staufer den Schatten gewechselt: so kam ihre Stunde.

In der staufischen Pfalz zu Gelnhausen wurde die Haut des welfischen Löwen verteilt, und die Bischöfe nahmen sich reichlich; der letzte Herzog der Deutschen wurde verbannt, das letzte Stammland zerstückelt.

So machte Friedrich von Staufen das mißglückte Königtum Heinrichs des Vierten wahr, aber die Burg seiner Macht stand jenseits der Alpen, das Reich war verraten.

Barbarossa war nun der Rotbart genannt, der Herr des lombardischen Landes; fünf Kronen trug er auf seinem silbernen Haar und hieß wieder Kaiser der Christenheit wie Karl der fränkische König: aber ihm hielt keine Aachener Burg das Herz der Heimat gerüstet.