Das Maifeld in Mainz
Herrlicher war nie ein Maifeld gewesen, als da Barbarossa in Mainz seinen Söhnen die Schwertleite hielt; die Lombardei war gewonnen, und Heinrich der Löwe lag auf der Strecke; prahlend kamen die geistlichen Herren und alle Vasallen, das Glück ihrer Tage zu feiern.
Die Mauern von Mainz waren zu eng für die festlichen Massen; so war vor den Toren die Zeltstadt gebaut, geschmückt mit dem Maibaum des Kaisers, mit den Wimpeln der Großen und Grafen und der unermeßlichen Farbenpracht ihrer Völker.
Das Abendland bestaunte die staufische Macht und sah den Himmel der Deutschen gespannt über dem siegreichen Kaiser und über dem Sohn, der seine Macht und Herrlichkeit erbte.
Fünf Kronen trug sein silbernes Haar und wollte die sechste im Heiligen Lande gewinnen, als er, der Greis, im Jubel der Völker das Kreuz nahm.
Er hatte als Jüngling den Kreuzzug Konrads mitgelitten und kannte die Wüstengefahr; wie ein Hausvater seine Tage bestellt, ließ er das Reich seinem Sohn, sich selber der Kirche zu weihen.
Noch einmal schäumte das Abendland gegen das Morgenland auf; aus Frankreich, England und Deutschland kamen die Ritter mit ihren Knappen, dem Kaiser zu folgen, der als Greis die kühne Fahrt wagte.
Klüger als Konrad und besser gerüstet, gelang ihm der mühsam gefährliche Ritt durch die Wüste; schon war Ikonium sein und das cilicische Gebirge gewonnen, als der Kaiser im Saleph ertrank.
Wie der staufische Jüngling sein Abenteuer auf fremder Erde begann, so sank er dem Reich hin in der Fremde; mit seiner greisen Rittergestalt war die deutsche Herkunft der Staufer gestorben: Heinrich der Sechste, der Sohn seiner Macht, ging nach Palermo.