Berlin

Während Weimar der deutsche Musenhof wurde und Jena sich rühmte, die Wiege der deutschen Romantik zu sein, blieb die Stadt an der Spree stumm; so volkstümlich der alte Fritz war, so abseits der deutschen Bildung stand der Spötter von Sanssouci.

Weder Lessing noch Winckelmann fanden ein Amt im preußischen Staat, dem der eine nach seiner Natur, der andere nach seiner Geburt angehörte; erst, als Berlin die Rüstkammer der vaterländischen Bewegung wurde, fing der deutsche Geist an, eine preußische Wohnung zu haben.

Fichte hielt seine Reden an die deutsche Nation in Berlin, und Heinrich von Kleist war der preußische Gegenwurf zu der Botschaft von Weimar.

Und als die Erhebung verrauscht, als Deutschland durch Preußen befreit war, trat Hegel, der Kanzelredner des Staates, die Nachfolge Fichtes an.

Er baute den Raum der Vernunft so umfänglich aus, daß alles darin seinen Platz fand, und baute ihn so mit logischen Klammern befestigt, daß keine Unordnung des Geistes mehr den Weltenplan störte.

Gleich einem Propheten des alten Bundes bewahrte er der neuen Vernunft das Siegel, ohne das keine Wissenschaft gültig war.

Die Philosophie, aus dem Latein Leibnizens in den mühsamen Perioden Kants eine deutsche Tatsache geworden, dachte nicht mehr Begriffe, sie glaubte Leben zu denken; und daß sie es dunkel tat, lag im Logos beschlossen, dahinein sie den Tag tauchte.

Daß neben dem Propheten der Held nicht fehle, kam mit seinem europäischen Ruhm Alexander von Humboldt nach Berlin zurück, der ein neuer Napoleon war, die Welt zu erobern, und der unter allen Männern seiner Zeit der gefeiertste war.

Daß er und sein Bruder Wilhelm, der Minister, daß die beiden Humboldt durch den Berliner Tag gingen, gab ihm einen Stundenschlag, der in Europa gehört wurde.

In diesem Stundenschlag verschwand für die Menge, aber es war den Guten bewußt, daß in Berlin die Serapionsbrüder des Kammergerichtsrats Hoffmann schwärmten, daß im botanischen Garten Chamisso saß, der Dichter des Peter Schlemihl, daß Achim von Arnim mit seiner Bettina gern von Wiepersdorf in die Stadt kam, und daß die Rahel dort ihren Salon hatte.

Der gute Geist aber, der sie alle kommen und gehen sah, die in Berlin für kurze oder lange Zeit ihr Nest bauten, hieß Schleiermacher; und wenn den Karlsbader Beschlüssen zum Trotz der deutsche Geist sich nicht mehr aus seiner preußischen Wohnung vertreiben ließ, war Schleiermacher ihm der getreue Eckart.