Brandenburg
Des heiligen römischen Reiches Streusandbüchse hießen die Spötter das brandenburgische Land, als es der Schwabe Friedrich von Zollern, Burggraf zu Nürnberg, von Sigismund dem Schuldenkaiser bekam.
Denn die Spree war kein Neckar, und der gerodete Boden zwischen Kiefern und Seen barg keine Fruchtbarkeit: wie den Wenden das Land, so waren die kargen Weiden und Felder dem Sand abgerungen.
Auch hatten die Erbhändel um die askanische Mark ein Jahrhundert gedauert: Städte und Ämter waren verpfändet; die Rittergeschlechter, der Landesherrschaft entwöhnt, saßen auf ihren Burgen, dem hergewehten Schwaben zu trotzen.
Sollte auf solchem Grund je Wohlstand wachsen, mußten sich harter Fleiß und härtere Sparsamkeit paaren; nur in der mühsamen Kunst karger Verwaltung konnten die Hohenzollern in Brandenburg zu Ansehen kommen.
Als ihnen endlich nach zweihundert hausgehaltenen Jahren das Glück in den Schoß fiel, als sie das Ordensland der schwarzweißen Ritter durch Erbschaft gewannen, weil der letzte Hochmeister Albrecht von Brandenburg ein weltliches Herzogtum daraus gemacht hatte: da war es im selben Jahr, daß die fressenden Feuer des dreißigjährigen Krieges über das Reich zu flackern begannen.
Die schwachen Hände des Kurfürsten Georg Wilhelm zogen wie alle Schwachheit das Unglück an, und Brandenburg wurde das Blachfeld der Schweden bis zu dem Tag, da sie nur noch auf Raub am Reich sannen, weil der Kaisertraum Gustav Adolfs kläglich zerronnen war.
Als Friedrich Wilhelm, der große Kurfürst, mit zwanzig Jahren das Land übernahm, hatte der Krieg Brandenburg wieder zur Öde gemacht: Dörfer und Fluren lagen vernichtet, und wo noch Stadttore standen, waren die Häuser verbrannt.
Elend und Entsetzen wohnte in Hütten und in den Burgen die alte Unbotmäßigkeit: es war eine magere Erbschaft, die dem Schöpfer des preußischen Staates zufiel, und alle Hoffnung war ihr bestritten.