Der Ordensstaat

Hermann von Salza, der die schwarzweißen Ritter des deutschen Ordens ins Land der heidnischen Preußen brachte, war ein Vertrauter des Staufers Friedrich II. gewesen, der sich die sizilianische Verwaltung ausdachte, darin es nicht Stände und Heerschilde gab wie im Reich, darin nur noch der Untertan war, den die Beamten des Königs regierten.

Hermann von Salza der Hochmeister suchte, als er mit seinen Ordensrittern ins Land der Preußen kam, kein Volk, sondern den Raum seines Staates und brachte den Bauer und Bürger mit, den er als Untertan brauchte.

So wuchs sich am Rand des baltischen Meeres ein Herrenstaat aus kraft seines Schwertes; aber das Schwert stand im Dienst des Kreuzes, und das Herrentum war eine strenge Pflicht.

Während der sizilianische Staufer hinschwand wie ein Komet, blieb darum der deutsche Ordensstaat Hermann von Salzas leben, und wurde der Arm des Deutschtums, mit dem es weit hinaus in den slavischen Osten griff, zu herrschen und zu kolonisieren.

Wo in Sümpfen und Steppen Fischer und Hirten gewohnt hatten, wurden deutsche Bauern gesiedelt, und um die Burgen der Komthureien wuchsen die Städte der rheinischen Handwerksleute.

Wie einen Garten im Ödland, so bauten die Ordensritter den Staat, darin die gesiedelten Bauern und Bürger den Schutz des Schwertes und die Gewähr ihrer Verträge hatten.

Der Staat aber war der Orden allein, und seine Gesetze galten aus keinem andern Recht als der Ordenspflicht, deren Zuchthalter der Hochmeister war: darum kannte der Staat der schwarzweißen Ritter kein Volk, nur Bewohner.