Cluny

Das Reich Gottes war nicht von der Welt dieser Kirche, darin die Priester nach Pfründen jagten und die Klöster Schatzkammern klüglich gepflegter Wundersucht waren.

Zum andernmal ging seine Lehre auf wie Blumen, heimlich gesät in die Gärten der Greuel; aber nun geisterte sie nicht mehr in Grüften und tönte nicht mehr von den Säulen selbstseliger Mönche.

Der Norden trat in die Erbschaft der römischen Christenheit ein und brachte den Mut germanischer Sittlichkeit mit; der Heliand kam, der Walter aus Bethlehemsburg in den Mittelraum, den Tag in ewige Tiefen zu tauchen.

Das Wort sank wieder in Gott und gebar die demütige Tat und die Inbrunst des ewigen Lebens, die aller irdischen Freuden glückhafter Untergrund war.

Das Kyrieleis der lateinischen Messe stahl sich fort in den deutschen Gesang der ländlichen Weisen; die Seele fing an, der himmlischen Tröstung zu trauen, das Lächeln der Weisheit und Liebe kam in den Segen der Pflicht.

Ein burgundischer Grafensohn, Berno, der Abt von Cluny, zwang die üppigen Klöster zurück in die strengen Gelübde, daß sie wieder des frommen Fleißes bewahrte Werkstätten, Zuchthäuser der Kirchenzucht wurden; und Heinrich der Dritte, der salische Franke, brachte die Kirchenreform der schwarzen Mönche von Cluny in den unholden Streit der römischen Stola.

Er gab der geschändeten Kirche den Bischof von Bamberg als heiligen Vater und noch vier andere Päpste danach von germanischer Herkunft.

Leo der Neunte, den die Kirche den Heiligen nennt, ein Grafensohn aus dem Elsaß, dem Kaiser verwandt und seiner Strenge in Milde verbunden, wurde zu Worms auf dem Reichstag der Deutschen gewählt und zog im Pilgerkleid ein in das spöttisch wartende Rom.

Türhüter nur und Verwalter war er im Weinberg des Herrn, kein prahlender Fürst in Sankt Peter, kein Pontifex maximus mehr, gleich Winfried die Mühsal schwieriger Fahrten nicht scheuend.

Dreimal kam er nach Deutschland hinüber, das nun das reichste Kirchengut war, dreimal in seinen sechs Jahren, nach den Knechten der Kirche zu sehen.

Sie wurden nicht alt in der römischen Sonne, die deutschen Päpste des Kaisers, zwölf Jahre nur hielten die fünf den heiligen Stuhl: aber sie hoben den Fischerring aus dem römischen Unrat und gaben ihn blank an den Starken, der seinen rothaarigen Kopf über alle Päpste erhob und die Kirche zurück führte in die Absichten cäsarischer Weltmacht.