Das Schaumgold der Kirche
Die aber im Heer des Kaisers dienten als seine Knechte, Mietlinge des blutigen Handwerks aus allen Ländern der römischen Welt, hörten die Botschaft der Christen einfältig wie vormals die Fischer und hörten sie gern als Nachbarn des Todes und als Enterbte der Götter.
Lange bevor Konstantins List das Kreuz zum Feldzeichen machte, ging bei den Legionen der Christengott um: darum gewann Helenas Sohn die Schlacht vor den römischen Toren und zog ein in die Stadt des Augustus als Schutzherr der Christen.
Das Kreuz besiegte den römischen Adler; wo die Tempel der Götter verfielen, wurden den Heiligen Kirchen gebaut, Kirchen über den Gräbern: die Lehre des Galiläers stieg hoch in der Gunst der Gewalt, das Gottesreich aber wechselte seine Gestalt.
Der Kaiser, der klüglich das Kreuz an seine Staatsherrlichkeit klebte, blieb Oberpriester der römischen Götter aus furchtsamer Vorsicht, und taufen ließ er sich erst, als er starb, sündenrein vor den Christengott, als christlicher Kaiser bevorzugt in seinen Himmel zu kommen.
Auch war er ein Sohn des Morgenlandes – durch Helena, seine jüdische Mutter – und dem römischen Bürgertum fremd; er legte das asiatische Stirnband seines Despotentums an und machte Byzanz zur Hauptstadt der römischen Welt.
Wie die Sonne der Griechen mit Alexander rauschgolden im Morgenland unterging, so schwand der Vollmond römischer Weltbürgerschaft mit Konstantin hin in die hängenden Gärten.
Darum war es Byzanz, wo der Kaiser im Weihrauch prunkender Messen die Lust seiner Allmacht genoß, wo die höfische Geltung der Kirche die christlichen Hirten zu Weltherren machte.
Höfischer Pomp und der Weihrauch zeremonieller Gebräuche, die Rauschgläubigkeit wundersüchtiger Scharen, das Mirakel und der tönende Schwall himmlischer Freudenverheißung: mit Ornat und Krummstab fiel es über die christliche Lehre, die Liebe und Weisheit des lächelnden Mundes erstickend im Schaumgold kirchlicher Feste.