Simeon aus Sesam
Rund um die Küsten der greisen Griechenwelt lagen die Länder der paulinischen Lehre; Zweifler an den Marmorgöttern hörten die Botschaft seines gekreuzigten Gottes und die Grübler der uralten Logoslehre.
Das Morgenland fing wieder an zu glühen, das vor dem Götterhimmel der Griechenwelt ins Dunkel der Mysterien versunken war; und wo das Wort der neuen Lehre hinfiel auf den verdorrten Boden, da knisterte der nie gelöschte Brand.
Sie ließen die geheimnisvollen Flämmchen des Zoroaster spielen, die neue Wahrheit und die alten Widersacher aus Licht und Finsternis zu deuten, sie schürten mit den Zangen der Spitzfindigkeit und fingen das Gezänk der Deutung an.
Und waren eifrig, von der Gemeinde die Wissenden zu scheiden, und legten um die Einfalt der Botschaft den Priestermantel der Erwählung: im Namen dessen, der die Fischer lehrte und den die Priester kreuzigten, den Klerus vom Laienvolk zu lösen.
Auch sonderten sich manche ab nach alter Weise des Morgenlands, sie gingen abseits in die Wüste und suchten das Geheimnis der Erwählung in den Schlupfwinkeln ihres unreinen Geistes.
Sie leerten ihre Lüste aus und füllten das Gefäß mit Fasten und Verzückung und wähnten, dem Reich Gottes näher zu sein, als die mit Treue den Tag bestanden.
Den sie bei Antiochien bestaunten, ein Hirt mit Namen Simeon aus Sesam, stand dreißig Jahre lang auf einer Säule, den Wallfahrern ein Wunder, und lehrte: Jesus habe teil an seiner Torheit, daß er dastände gleich einem Kranich, der seiner Flügel überdrüssig geworden wäre.
Eudoxia die Kaiserin, so heißt es, hieß einen Turm daneben bauen mit offenem Dach, das hallende Gespräch des Heiligen zu hören: so wähnten in der Wüste ein Hirt und eine Kaiserin der Stimme aus Nazareth zu dienen, die traurig mit den Traurigen und fröhlich mit den Fröhlichen im Volk gegangen war.