Augustinus
Ein reicher Jüngling aus Tagaste lebte seinen Sinnen in Karthago, bis ihn der Geist schalt, daß er gleich einem Tier der Täglichkeit den Trog leer fräße.
Der mit bunten Kleidern auf der Gasse ging, fing an zu suchen in den Schriften, daß ihm der Geist ein besseres Futter fände: so wurde Augustinus ein Schüler der Griechenweisheit und suchte sein Glück so gierig in den Schriften, wie seine Sinne die Brunst genossen hatten.
Als er ein Mann geworden war und selber für einen Meister der Weisheit galt, kam er ins Abendland, in Rom und Mailand zu lehren: der Zweifel aber, gieriger als seine Sinne, wollte ihm alle Wahrheit fressen.
Bis er die Schriften des Paulus fand und daraus die Einfalt zu glauben lernte; der als ein Meister der Weisheit im Abendland Ruhm zu ernten gedachte, kam als ein Schüler der Demut zurück nach Karthago, sein Herz in der Stille der Wüste zu kühlen.
Da trat der sündige Mensch vor Gott und rang wie Jakob mit ihm um Erlösung, da stand vor dem glühenden Dornbusch des Glaubens der Zweifel, sein letztes Reis zu verbrennen, da riß eine Seele den Brunnen der Wüste auf, ihr Menschengesicht im Spiegel der Tiefe zu schauen.
Sie holten ihn auf den Stuhl des Bischofs von Hippo, Hirt und Herold der Kirche zu werden wie keiner; so wurde der Kirche der Mund der Inbrunst geschenkt und der paulinischen Lehre der hitzigste Streiter.
Als ewige Erbschaft war an die Schwelle der Menschheit die Sünde Adams gestellt, die Gnade Gottes allein vermochte den erbsündigen Menschen aus der Verdammnis zu lösen.
Die Gnade Gottes war der Kirche gegeben; sie war das Reich Gottes auf Erden über der Macht der weltlichen Staaten; bis das Weltgericht kam und das bunte Scheingewand der Welt in Flammen verzehrte, hielt sie der erbsündigen Seele die Gnadentür offen.
So sprach Augustinus, der Bischof von Hippo, der Kirche den Gnadenschatz zu, so sank der Stachel der Erbsünde ein in die Christengemeinde, mit ewiger Verdammnis die furchtsamen Herzen zu schrecken und mit der Verheißung des Himmels zu locken.