Nicäa

Was zu den Hirten von Bethlehem kam als himmlisches Licht, Gott in der Höhe zu Ehren, der Erde zum Frieden und den Menschen ein Wohlgefallen, war eine schwelende Brandfackel geworden der christlichen Rechtgläubigkeit.

An die dreihundert Bischöfe samt ihrem geistlichen Heerbann hielten Konzil zu Nicäa, den Punkt zu erzirkeln, wo zwischen der göttlichen Natur des Erlösers und dem menschlichen Dasein des Zimmermannssohnes sein Wesen als kirchlicher Lehrbegriff stände.

Noch war das düstere Wunder paulinischen Glaubens nicht unter Dach, noch stand das Opferlamm Gottes nicht auf dem Altar der beschworenen Glaubensartikel, noch war die Dreifaltigkeit nicht im Lehrgebäude der Kirche gesichert.

Gottgleich oder gottähnlich, so stritten die Priester mit Zirkeln und Zangen um den Zimmermannssohn; und hitziger hatten die Juden nicht vor Pilatus gestanden, als nun die Christen vor Konstantin, der ihrem Konzil den Prunk des Kaisers umhängte.

Die gestern noch selber Verfolgten verdammten den Arius da, weil er das göttliche Wunder allein in der Lehre und nicht im Mirakel des gekreuzigten Gottes erkannte; sie hießen ihn einen Ketzer, und Christus siegte als Gottes einiger Sohn im Zankbeschluß seiner Priester.

Als die Bischöfe danach auseinander fuhren mit dem Heerbann ihrer Meinung und Lehre, den Hellespont hinüber ins Abendland, und auf mancherlei Schiffen und Wegen ins Morgenland, fuhr der Zank mit nach Haus, die Christenheit zu zerspalten.

Bis Theodosius, von der Kirche dankbar der Große genannt, für die arianischen Ketzer den Rost glühend machte: im Namen des Dulders der Liebe, der im Haß der jüdischen Priester den Kreuzestod fand.