Der Aufruhr der Sachsen
Heinrich der Jüngling hielt seinen Hof zu Goslar in Sachsen; da stand die steinerne Burg seines Vaters, der salischen Herrschaft die Tore zu hüten, da waren die Säle und Kammern ottonischer Pracht, und aus den Gruben im Rammelsberg kam der silberne Reichtum geflossen.
Aber wo Heinrich der Dritte die Bußgeißel schwang, hob Heinrich der Vierte das Trinkhorn der Freude: Jungmännerlärm schrie durch die Säle; in den Kammern hatte die Lust ihr Lager.
Bald ging ein Raunen und Murren im Reich, die Warnung kam an mit sorgender Miene und drohenden Worten; aber der Jüngling maß die Mienen und wußte die Worte, und wies die Warner höhnisch nach Haus.
Auch war er als König geboren und spann seine Pläne früher und weiter, als seine Plager es merkten.
Noch lachten die sächsischen Herren der Torheit des Knaben, da hatte er schon den Ringwall der Harzburg gebaut; wie die Treibjagd das Wild umstellt, wuchs rund um die Hart der Kranz fester Burgen.
Er wollte ein anderes Reich als das der geistlichen Großen, Herzöge und Grafen: der König allein sollte Herr sein, wie Karl im Frankenreich König und Lehnsherr war; die sächsische Burg der Ottonen sollte der Sitz seiner Königsmacht werden.
Aber den Sachsen war es die Zwingburg der salischen Herrschaft; sie mußten den Bauvögten Frondienste tun und seine fremde Dienstmannenschaft nähren; sie sahen die Fesseln der sächsischen Freiheit geflochten und haßten den herrischen Jüngling, der sie zu flechten befahl.
Bauern und Ritter schwuren die Blutspur; als Heinrich den polnischen Feldzug ausrief, kam die Empörung der Sachsen gegen die Harzburg gezogen: da war der Übermut aus und der Jungmännerlärm; wie ein Dieb in der Nacht mußte der König sich retten.
Wohl rief er die Großen und Grafen zum Rachekrieg auf: sie hielten ihr Heervolk im Feld, aber sie halfen ihm nicht; die heimlichen Boten kamen und gingen, bis ihn die letzten verließen.
Krank und gemieden und seiner Königsmacht ledig kam Heinrich der Jüngling ins Land seiner salischen Väter zurück; da aber geschah ihm das Wunder.
Die Bürger von Worms hatten dem Bischof von Worms die eigenen Tore verschlossen: sie boten dem Flüchtling den Schutz ihrer Mauern und gaben dem Jüngling wieder ein Schwert in die Hand.
Der siebente Heerschild trat in den Tag, der Bürger hob seinen Trotz im Namen des Königs gegen den eigenen Bischof.
So wurde Heinrich der Vierte aus Not und Bedrängnis ein Volksfürst: König und Bürger fingen im Reich der Großen und Grafen ein anderes Brettspiel an.
Noch hielt der Winter die Wälder im Rauhreif, die Mühlen der Werra standen im Eis: da hatte Heinrich ein Heer, und die Fürsten mußten ihm folgen gegen die Sachsen.
Schneestürme machten die Rosse blind, das Schwert fror fest in der Scheide, der König mußte den Krieg und die Rache mit Handschlag beenden; aber nun war er kein Flüchtling mehr.
Noch hatte der Tauwind den Frost nicht gebrochen, als Heinrich schon wieder in Goslar den Königshof hielt.
Als danach der Grimm der Sachsen die Harzburg zerstörte, als sie die Kirche nicht schonten und die Gebeine der salischen Gräber verstreuten: mußte das Reichsheer der Fürsten ihm folgen, und Gregor der Papst durfte die Frevler nicht schützen.
An der Unstrut traf den sächsischen Aufstand das Schwertgericht blutig; die Ritter konnten sich retten in ihre östlichen Burgen, das Fußvolk der Bauern mußte es büßen.
So wurde der salische Heinrich Herr über die Sachsen und König der Deutschen: die Großen mußten ihm dienen, weil ihm der siebente Heerschild gehörte; die Grafen versteckten den Trotz, weil ihnen das Königsschwert gedingter Dienstmannenschaft drohte.