Der Baukönig

Als sich der König Ludwig von Bayern im vierzigsten Jahr die Krone aufsetzte, sahen die Guten nach ihm, und seine Lobredner sagten, daß nun ein neues Sanssouci käme, nicht von Franzosen bevölkert.

Er hatte als Kronprinz gern mit den Nazarenern in Rom gesessen, hatte gespart und Bilder gekauft, er war den Dichtern und Malern ein Freund und einer freien Verfassung der eifrigste Fürsprecher gewesen, und allem Welschtum feind.

Dichter, Gelehrte und Künstler rief er nach München; auch fing sogleich ein Bauwesen an, wie es die Welt seit Versailles nicht kannte.

Aber nicht Lustschlösser galt es dem König von Bayern; die Stadt an der steinichten Isar sollte mit Straßen und Plätzen, Hallen und Säulen und Bildwerken, reicher und schöner als Wien oder Berlin, die deutsche Kunst- und Königsstadt werden.

So wurde das Füllhorn aller Baukünste über die Stadt an der Isar geschüttet: griechisch und römisch, florentinisch und gotisch wuchsen die steinernen Wünsche der staunenden Bürgerschaft zu.

Eine Glyptothek kam und eine Pinakothek, die Propyläen stellten dem neuen Musenhof die prächtige Torwacht, und eine Prunkstraße lief zwischen Palästen hinaus in die Felder von Schwabing.

Napoleon hatte mit all seinen Siegen Paris nicht so geschmückt wie Ludwig, der Baukönig, München; Jahrhunderte staunten aus biederen Giebeln darüber, die backsteinernen Türme der alten Domkirche sahen barock dem gebildeten Quaderwerk zu.

Altdeutsch und florentinisch, romantisch und klassisch galten dem König gleichviel, er hieß sich gern einen Dichter; und als er im höchsten Schwung war, wurde dem deutschen Volk die Walhalla gebaut.

Bei Regensburg stand sie und war eine Halle hoch über der Donau, sie sollte das Heiligtum deutscher Vergangenheit sein; aber das Heiligtum deutscher Vergangenheit war ein Tempel mit griechischen Giebeln, dorischen Säulen und einer ionischen Halle.

Seine Baumeister priesen den Bauherrn, sein Volk pries den Landesherrn nicht; indessen sein Schwärmersinn aus der Vergangenheit lebte, indessen er Tempel und Kirchen, Kunsthallen, Paläste und Prunktore baute mit seinen mühsamen Groschen, regierte die Willkür übler Minister sein Land.

Auf Sanssouci saß ein Despot und er liebte sein Volk nicht, aber er hielt sich selber in Pflicht als oberster Diener des Staates; in München wollte ein Schwärmer der Schatzhalter deutscher Herrlichkeit sein, aber Willkür und Schmeichel banden ihm beide Hände, und Herren im Land waren die Jesuiten.