Der deutsche Welthandel

Der Reutlinger Schwabe hatte die deutsche Zukunft verkündigt: Kohle und Eisen waren die Herren der Wohlfahrt geworden, die Eisenbahn war ihr gehorsamer Diener.

Wo einmal die Straßen der alten Zeit mühselig ihre Räderspur suchten, legten die blanken Schienen ihr Netz über Berge und Täler; gleich Spinnen saßen die Städte darin, sich satt an den Gütern zu fressen; wo eine Kreuzung der Eisenbahn war, wuchsen Fabriken.

Karg war das Land der neblichten Wälder, und seine Felder konnten das deutsche Volk nicht ernähren; harte Arbeit und billige Löhne schufen die Waren, wohlfeil zu tauschen, wo in der Welt ein Überfluß war: die reichen Kornkammern im Osten und über dem Wasser machte der deutsche Welthandel auf.

So fingen die Röhren des Wohlstandes an, dünne Strahlen zu fließen; aber sie flossen an vielerlei Orten, und als das Jahrhundert zu Ende ging, das so reich im Geist wie arm im Beutel begann, hatte sich Reichtum in manchem Beutel gesammelt.

Der Beutel blieb in der Stadt, die Bauernschaft sah nur den goldenen Schein; sie mußte dem Bürger den Reichtum mit Mühsal und Sorge bezahlen; denn billiges Brot hielt billigen Lohn, und ihr Brot war zu teuer.

Einmal hatten die Kätner das Heim ihrer Armut verkauft, über dem Wasser ein besseres Dasein zu suchen; nun lockte die Stadt, Fabrikler zu werden; einer unheimlichen Krankheit verfallen, schwollen die Vorstädte an, indessen die Dörfer dünn wurden an Menschen und Händen.

Aus einem Bauernland machten Not und Gewinnsucht ein Fabrikland; aber mit jedem rauchenden Schornstein, mit jedem sausenden Schwungrad wurde das Dasein der Deutschen der Fremde verpflichtet.

Wo irgend ein Markt in der Welt war, mußten die Händler deutsche Ware feilhalten; wo irgend ein Angebot lockte, mußten sie lauern und listen, und wo die Haustür geschlossen war, mußten sie Schlupflöcher suchen.

Nicht lange, so kamen die Schiffe gefahren – schwarzweißrot wehte die Flagge – Waren zu bringen und Güter zu holen; und wo sie den Weg zum erstenmal fanden, blieben sie nicht mehr aus.

So mußte der deutsche Kaufmann der Störenfried werden; denn die Welt war verteilt, wohin er auch kam, und überall sah das alte Geschäft scheel auf das neue.