Der Frieden zu Münster
Der Frieden kam, wie ein Feuer sich selber die Stätte leer frißt; der Hunger der Länder hing sich dem Wagen der Kriegsvölker an, und vor den Toren der Stadt saß wartend die Seuche.
Sieben Jahre lang siechte der Krieg hin, so hatten die räudigen Hunde der Macht sich verbissen; der Reichstag von Regensburg sollte sein Ende bedeuten, aber der Schwur von Loreto wollte noch immer Machthalter bleiben.
Dann wurde in Hamburg das Ränkespiel anders beschlossen: in Münster und Osnabrück sollten die beiden Heerlager der Räte und Vollmachten sein; aber drei Jahre vergingen, bis die Perücken der feindlichen Völker sich alle einfanden.
Und vier Jahre lang wurden die Akten gewendet, vier Jahre lang zankten die Räte sich um den Rang ihrer hohen Personen, vier Jahre lang schrieben die Federn sich stumpf an spitzen Prämissen: bis endlich der Troß der Gesandten in Münster einfuhr, mit schwarzer Tinte das Blut der Völker zu sühnen.
Der Kaiser hatte das Spiel verloren, aber das Reich mußte die Schulden bezahlen: Schweden nahm Pommern, Rügen und Bremen, Frankreich das Elsaß samt Metz, Toul und Verdun; die Schweiz und das Niederland gaben für immer dem Reich ihren Abschied.
So hatte der Schwur von Loreto ein Aas aus Deutschland gemacht, Fremden zum Fraß, und hatte dem heiligen römischen Reich deutscher Nation den Tag abgeschnitten.
Denn nun waren die Fürsten die Herren; sie durften Bündnisse schließen ohne den Kaiser, sie konnten in Frankreich, England und Schweden den Trotz stärken gegen den Kaiser: das Reich war keine Reichsherrlichkeit mehr.
Kirche und Kaiser waren das Herz und die Hand der christlichen Weltmacht gewesen und hatten den Bogen gespannt über die Völker: nun saß der Kaiser zwar noch in seiner Hofburg, aber das Reich gehörte den Fürsten.
Katholisch, lutherisch und reformiert konnte der Landesherr sein, wie er wollte; nur einen anderen Glauben als seinen brauchte er bei dem Untertan nicht zu dulden.
Frieden auf Erden hatte die Botschaft versprochen und hatte den wildesten Krieg über Deutschland gebracht; als gläubiger Christ hüben und drüben war der deutsche Mensch in die Zwietracht geraten, daß er dem Bruder die Glaubensgründe bestritt: in Konfessionen geschieden hatte das deutsche Volk die Einheit der Seele verloren.