Das Ende
Älter als die Jünglinge der Menschen war schon der Krieg, da Bernhard von Weimar die Faust und das Herz seiner Taten zum Sterben hinlegte, und über der Wiege saß manche Mutter, die selber den Frieden nicht kannte.
Bernhard von Weimar war noch ein Held der Hoffnung gewesen; die nach ihm kamen, waren Soldaten, sie kannten nichts als Soldatenglück und Soldatengewalt:
Banner, der Schwede, üppig und wild und verwegen und allen Lastern fröhlich vertraut; mitten im Winter kam er vor Regensburg, den Kaiser mitsamt dem Reichstag zu fangen, aber die Donau ging über Nacht in Tauwetter auf.
Torstenson dann, von der Podagra übel geplagt, aber sein Lehnstuhl fuhr schneller durchs Reich als die Reiter des Kaisers; bei Breitenfeld schlug er sie scharf, wie sein König dem Tilly tat, und seine Scharen streiften vor Wien.
Johann von Werth, der in Jülich Bauernknecht war und ein spanischer Reitersmann wurde; keine Stadt im Reich, die seine Tollheit nicht kannte.
Wie sie einander hinjagten, heute am Rhein und morgen am Lech, wie sie Heuschrecken gleich in die Länder einfielen, wie sie die klägliche Bürger- und Bauernschaft plagten: das war nicht mehr Krieg, das war nur noch Ritt um den Raub und um die Winterquartiere.
Und wie die Herren, so wurden die Knechte: wo ihrer zwölf waren, tat sich der dreizehnte auf als ihr Meister; denn plündern und rauben nährte den Mann nur noch abseits der Straße.
Längst säte der Bauer nur mehr die Felder versteckt in Wäldern und Sümpfen; und was in den Städten noch Bürgerschaft hieß, hielt das zerlöcherte Sieb, aus dem Schlamm der wilden Heervölker den traurigen Satz zu gewinnen.
Wohl hatten Sachsen und Brandenburg Frieden gemacht mit dem Kaiser, aber der Schwede hohnlachte dazu, ihn zu halten; denn längst mit dem König war seine Zucht und Frommheit gefallen.
Schlimmer als je galt das Faustrecht, wüster als je lag der Acker, bitterer als je war die Armut, wilder das Elend, heißer Hunger und Seuche; von Zucht und Sitte war nur ein schmutziger Rest, vom Wohlstand des Reiches nur noch die Sage geblieben.
Als dann Turenne, der Mordbrenner, kam, und Wrangel, der Schwede, ihm half, die Pfalz auszukehren, als Max, der stolze Kurfürst von Bayern, dem Kaiser abfiel im Stillstand von Ulm: da war der Schwur von Loreto am Ende.