Bernhard von Weimar
Als Wallenstein starb, stand der große Krieg still, aber der kleine Krieg wollte Deutschland verderben; Faust und Feuer und Raub hatten ein wildes Geschlecht gezüchtet; schon krähte der Hahn nach dem Morgen, aber noch hielt die gramvolle Nacht dem bösen Gezücht den Morgenschlaf hin.
Über dem Haß der Parteien hatten noch Sterne gezittert, nun starben sie hin im Grauen der Helle: der aber den Schaft der blaugelben Fahne hielt – einen Stumpf nur mit Fetzen behangen – den Prinzen Bernhard von Weimar riß seine Fahrt noch ins Morgenrot hin.
Er hatte das sächsische Feld bei Lützen gehalten und war wie ein Feuer im Wind zur bayrischen Donau gefahren, er hatte das fränkische Land mit seinen Siegen erfüllt und war der Herzog des Landes um Bamberg und Würzburg geworden: aber die Schlacht bei Nördlingen nahm ihm den Ruhm und das Land; seit Breitenfeld wurde kein Heer so geschlagen.
Oxenstjerna, der schwedische Kanzler, hatte mit eiserner Stirn den Tod seines Freundes, des Königs, erfahren; nun stand er zum andernmal leer vor dem Glück: die Schwedenherrschaft im Reich war aus; hoch stieg der Kaiser.
Der Kurfürst von Sachsen streckte zuerst die unrühmlichen Waffen, ihm folgten geschwind die kleineren Fürsten: der Frieden zu Prag gab den Ländern der Elbe die Hoffnung zurück, daß wieder dem Bauer sein Pflug, dem Bürger sein redliches Handwerk gehöre.
Aber noch war die Zuchtrute der Zeit nicht gesättigt, nun blieb der Schwede als Feind, wo er als Freund kam; was ihm die Fürsten und Städte im Reich nicht mehr gaben, das bot ihm Frankreich mit listiger Hand, und Oxenstjerna zögerte nicht, es zu nehmen.
Elf Jahre ging noch der höllische Krieg: Schweden, Franzosen, Spanier rissen sich um den Raub mit dem Kaiser; aber der Raub war das Reich und der Kaiser die römische Kirchengewalt.
Da ließ auch Bernhard von Weimar den blaugelben Stumpf und machte den Pakt mit dem Todfeind der Habsburger Macht: französisches Geld half ihm, ein Heer auszurüsten, Elsaß und Hagenau – stand in dem Pakt – sollten sein Lohn sein.
So stieg noch einmal sein Ruhm, aber nun trug er die eigene Fahne; und als sie zum andernmal Sieg trug, als ihm das Elsaß gehörte, als Breisach ihm zufiel und der Oberrhein sein war: da wurde der deutsche Herzog dem Kanzler von Frankreich und Kardinal Richelieu zu großmächtig.
Er sollte für Frankreich, nicht für sich selber, dem Kaiser das Land abgewinnen; den Trotz zu betören, trug er dem Prinzen die Hand seiner Nichte als Siegespreis an.
Aber Bernhard von Weimar lachte der Ehre, wie Dietrich gegen Byzanz lachte; die hessische Landgräfin war ihm geneigt: von Basel bis Marburg sollte – so ging sein Traum – sein neues Herzogtum reichen, und sollte die Trutzburg des deutschen Evangeliums sein.
Er war die Faust und das Herz, die Trutzburg zu halten, aber der Tod fiel ihn an wie ein räudiger Hund: sein Arzt gab ihm Gift, so sagte er selber; Breisach ist unser! rief fröhlich der Kardinal.
Elsaß zu halten, doch nie das Reich zu verraten; so ging das Testament Bernhards von Weimar an seine Brüder: aber Geld und Gewalt der Franzosen hielten den Raub fest, als die Faust und das Herz nicht mehr schlugen.