Der Herzog von Friedland
Die Sonne sank unter im Feld, und der Mond stand allein über Lützen, blutrot im schwarzen Gewölk: sie hatten gekämpft um den Tag, nun kam die Nacht mit zerrissenen Schatten.
Ein König hatte den Kaisertraum gläubig im Tag seiner Taten empfangen, nun war es ein bleicher Glanz der Gestirne, von dem Sterndeuter brütend bewacht und von dem Herzog abergläubisch gehütet.
Er war als böhmischer Edelmann in den Schein der Allmacht gekommen, Böhmen und Prag verhießen dem Herzog die kommende Krone; als er das Feld bei Lützen verlor, wich er zurück, die böhmische Heimat zu halten.
Indessen Bernhard von Weimar den Sieg der blaugelben Fahne ins Frankenland trug, als Herr von Würzburg und Bamberg ein neuer Reichsfürst zu werden von schwedischen Gnaden; indessen der Kurfürst von Bayern sich schlimmer bedroht sah als je durch den König: hielt sich der Herzog in Böhmen, bis er, Mähren zu schützen, nach Schlesien kam.
Da hatten die Schweden und Sachsen die leichte Beute geteilt; er kam sie zu strafen und hätte sie hart zu treffen vermocht mit zwiefacher Übermacht: aber er wollte dem klüglich berechneten Spiel nicht selber die Trümpfe ausbrechen, er wollte im Gleichmaß der feindlichen Mächte der Unentbehrliche bleiben.
Und als er danach bei Steinau den Grafen von Thurn fing, den böhmischen Todfeind des Kaisers, und als in der Hofburg zu Wien schon die Folter bereit war, ließ er den Ketzer und Rebellen laufen und hatte nur Spott für die Pfaffen.
Die Boten kamen und gingen, als ob er den Krieg mit der Feder statt mit dem Schwert zu gewinnen gedächte; sie gingen nach Schweden und Frankreich mehr als nach Wien, und niemand sprach näher vom Frieden, als der für den Krieg bestellt war.
Aber er hatte die Karten zu listig gemischt; als er am Stich war, traute ihm keiner: so ging ihm der Einsatz samt dem geweissagten Kronengewinn kläglich verloren.
Die Allmacht des Herzogs zu dämpfen, rief der Kaiser ein spanisches Heer ihm zu Hilfe; da mußte der listige Spieler Farbe bekennen, aber nun war es zu spät, sie zu halten: als ihm zu Pilsen seine Getreuen den Schwur leisten sollten, hielt schon Verrat den Verrat bei den Händen.
Seines Amtes entsetzt und vogelfrei als Verräter, kam er nach Eger, noch immer ein Fürst der Gewalt, abgöttisch geehrt und gefürchtet; er wollte sich offen den Schweden zuwenden, aber der kleine Verrat kam dem großen zuvor.
Es war ein Gastmahl in Eger, da wurde dem künftigen König von Böhmen getrunken, und der Meuchelmord lauerte hinter der Tür; als die Lustigkeit satt war, brachen die Mörder hervor und stachen die trunkenen Schwertbrüder Wallensteins nieder.
Ihn selber fanden sie wehrlos im Schlaf; er hatte den Abend mit Seni verbracht, den drohenden Stand der Gestirne zu deuten, nun trat der schwarze Beschluß durch die krachende Tür in seine Wirklichkeit ein.
Er war durch den Lärm geweckt noch ans Fenster getreten, als er die Hellebarde vor seiner Brust sah; wortlos mit offenen Armen nahm er sie auf: im Tod noch ein finsterer Meister.
Dreitausend Seelenmessen hieß der Kaiser in Wien dem Wallenstein lesen, und hängte das Gold an die Mörder; auch floß eine Habsburger Träne dem Schicksal, das ihm so grausam und tückisch zu handeln befahl.