Lützen

Seni, der Sterndeuter, hatte dem Herzog von Friedland kühne Dinge geweissagt, nun kam die Erfüllung: die Fürsten im Reich und ihr Kaiser mußten den Tag von Regensburg büßen.

Der Herzog hatte sein Haus in Prag wie einen goldenen Käfig um seine Wünsche gehalten, von bösen Schmerzen geplagt und abergläubisch den Sternen verschworen, schien er der Welthändel satt.

Er ließ den Gesandten des Kaisers mit Ungnade an; die pfäffischen Feinde der Hofburg mußten den bittersten Spott seiner gichtigen Rachlust erfahren, bevor er im Rollwagen aufstand.

Eine Katze spielt mit der Maus, so nahm der Herzog den Habsburger Hochmut in die Krallen: als er den Feldherrnstab aufhob, war der Name des Kaisers nur noch das Siegel, die Macht hielt der Herzog allein in den gichtigen Händen.

So hatte die Zeit das Spiel der Mächte gewandelt: der Habsburger mußte dem Herzog von Friedland den Prunkwagen ziehen, der Winterkönig war ein Schaustück des Schwedenlagers geworden.

Verwegen den eigenen Zielen verschworen, standen die neuen Spieler im Feld: sie hoben den Arm und kreuzten die Degen; aber sie stießen nicht zu, weil sie einander erkannten.

Der Herzog kehrte das böhmische Land rein von den Sachsen und ließ den hochmütigen Kurfürst von Bayern drängen und betteln, daß er ihm hülfe; erst als sich der stolze Kriegsherr der Liga demütig nach Eger bemühte, kam er nach Bayern.

Der König hatte um Nürnberg sein festes Lager geworfen, der Herzog legte sich auf die Berge von Zirndorf davor, ihn zu belauern: zehn Wochen lagen sie da voreinander, und eher wären die Wälder gewandert, als daß der Herzog dem König aus seinem Fuchsbau herauskam.

Der Hunger fiel ein hier und dort, und Seuchen fraßen die Heere: der Herzog rührte sich nicht; und als der König verbissen und wild den Sturm wagte, wies er ihn blutig zurück.

Sie hatten einander gespürt und gingen geschwächt auseinander; als aber der Herzog ins Sächsische fiel, Winterquartier zu erlangen, war der König noch stark, ihm zu folgen.

Zum andernmal lagen sie da mit dem Nürnberger Spiel bei Naumburg und Weißenfels hart aneinander; zum andernmal stieß der König zu, als der Herzog die Pappenheimischen Reiter elbabwärts sandte.

Bei Lützen bekam er den Friedländischen Stier bei den Hörnern zu packen; so hart griff er ihn an, daß ihm das gewaltige Tier in die Knie brach: aber das spitzige Horn durchbohrte ihm selber die Brust, bevor er Viktoria rief.

Zwei Kugeln trafen den König, als er im Nebel zu hitzig ins Treffen geriet; die eine zerriß ihm den Arm, und als ihn sein Page noch rückwärts zu lenken gedachte, durchbohrte die zweite den Rücken.

Die Schlacht war den Schweden gewonnen; als Pappenheim kam mit dem Hagelsturm seiner Reiter, konnte der Herzog das Lützener Feld nicht mehr erzwingen; aber der König lag unter Leichen begraben.

Der Starke von Norden war in die bängliche Stille gekommen, ein Hornruf und Schwertschlag wie keiner im Schlachtlärm der Zeit.

Den Schneekönig hießen sie ihn; im Blut seiner Goten war er geschmolzen, aber das blaugelbe Banner flatterte hoch: Bernhard von Weimar riß es im Flug seiner Taten über die deutschen Gefilde, bis ihm die Fetzen hingen.