Der Kinderkreuzzug
Immer noch raste das Fieber des heiligen Grabes und schäumte die Flut seiner Heere und Horden hinüber ins Morgenland.
Aber längst hielt Saladins mächtige Hand Jerusalems Tore geschlossen, nur an den steinigen Küsten des heiligen Landes ging der Kampf um die ärmlichen Burgen.
Die eiternde Wunde der Kirche zu heilen, ließen die Päpste das Blut der Ritterschaft strömen und schlugen den brünstigen Wahn mit Ruten, bis er im kläglichen Kreuzzug der Kinder sein irres Spottbild aufsteckte.
Knaben und Mädchen von Mönchen geführt, irrten in weinenden Scharen nach Süden, das heilige Grab zu befreien; Torheit und Tollheit hielten einander die Hände, Wundersucht blies ihrem traurigen Bund die gellende Pfeife.
Ein Hirtenknabe brachte sie mit von den Bergen, wild lockte ihr gellender Ruf in den Tälern, und Tausende liefen ihm zu, im Wahn der verwilderten Welt zu verderben.
Als Akka fiel, die letzte Kreuzfahrerfeste im heiligen Land, war das Fieber der Christenheit aus: der Türkensäbel zerschnitt, was das Schwert der Christenheit flickte, das Mittelmeer schied wieder die Hälften der Welt, Halbmond und Kreuz, den Morgen vom Abendland.
Immer noch standen und wuchsen die Dome in Speyer und Worms, in Mainz und in Köln; aber es waren die Heliandsburgen nicht mehr: der Starke fuhr aus dem irdischen Glauben der Zeit zum andernmal auf in den Himmel.
Die seiner Wiederkunft harrten, waren betrogen: die tiefe Enttäuschung der Seelen fing an, ihn schmerzvoll zu suchen; die weltflüchtige Inbrunst der Gotik begann.