Die Stedinger

Die Stedinger wohnten im Gestade der Weser als freie Bauernschaft und waren freie Friesen seit mehr als tausend Jahren; sie hielten am uralten Weistum der Gaugemeinden fest und wehrten sich der Lehnsmannschaft der Junker und der Priester.

Und als der Bischof von Bremen sie mit dem Kirchenbann belegte, da lachten sie, weil sie der fremden Mönche nicht bedurften, um fromm zu sein: sie stellten eigene Prediger an und ließen die Glocken läuten trotz seinem Bann.

Der Bischof brauste an mit seinem Harst und Troß der junkerlichen Herren; die wehrhaften Bauern aber hielten Stich, sie warfen seinen Hochmut in die Hecken und schlugen ihm samt vielen Rittern den eigenen Bruder tot.

Da dem geschlagenen Bischof sein Helm nicht half, nahm er den grünen Hut und sprach die Bauern des ketzerischen Aufruhrs schuldig.

Konrad, der Ketzermeister, ließ seine Hunde los, der Papst hieß einen Kreuzzug predigen, und wie zuvor in Frankreich zog ein Kreuzheer ins Friesenland, dem Gottesstaat zu dienen mit Brand und Mord.

Tammo von Hunthorpe, Bolke von Bardenfleet und Detmar von Damme taten den Schwur der Dreimänner; sie riefen den Gaubann der Stedinger auf, erschlugen den Grafen von Oldenburg samt zweihundert Rittern und jagten das Kreuzheer mit Spott durch die Sümpfe.

Da wurden die Stedinger vogelfrei; der sich König der Deutschen nannte, der Sizilianer Friedrich der Zweite, gab die Acht zu dem Bann: mit Bullen und mit Kreuzpredigten rafften die weltgeistlichen Herren ein unmäßiges Heer, die Stedinger Freiheit zu fangen.

Auf allen Straßen der norddeutschen Länder ritten die Reisigen an auf gepanzerten Rossen, vierzigtausend gezählt mit den Knechten, im Namen Christi zur Ketzerjagd.

Viertausend Ritter lagen erschlagen bei Altenesch; aber wo einer fiel, standen neun wieder da, und ihre gepanzerten Rosse zerstampften das Fußvolk der Bauern.

So gingen die Stedinger ein in den Gottesstaat kreuzfahrender Henker, als Ketzer verbrannt, gleich tollen Hunden erschlagen; sie büßten den Bann der kirchlichen Mächte und schmeckten die irdische Acht; sie webten mit blutigen Fäden ihr Bild in den Teppich der Freiheit.